Das vollkommene Debakel des VfL Bochum

Andere stehen auf Lack und Leder, lassen sich auspeitschen… ich hingegen bin Fan des VfL Bochum. Ich gehe nicht unter die Fußballkommentatoren, aber der große Frust, den ich zurzeit bei Besuchen von Heimspielen erfahre, muss mal gefasst werden. Es ist ja nicht nur, dass einfach nur die anderen gewinnen. All die Bausteine, die den VfL – also den Bundesligaclub – zu dem machen, was er für mich war, stimmen nicht mehr.

Da hätten wir die Mannschaft. Vier Spieler wurden nach nächtlichem Ausflug ins Kneipenviertel Bermuda-Dreieck (schönes Bild, Ort nicht wörtlich) suspendiert. Das wirft einen tiefen Blick ins Team, aus dem einige weg wollen, einige weg sollen, einige nicht weg können. Neben Gerüchten gibt es dazu lautstarke Forderungen von Fans.

Drittes Element sind die Fans. Es ist nicht schön, wenn kaum Ingolstädter Fans im Stadion sind. Es gibt keine Fangesänge für die Gäste, aber gegen die Gastgeber – aus der eigenen Kurve. Lange war ich nicht so froh über meinen Tribünenplatz. Den Frust in der Kurve kann ich nachvollziehen. Er erhöht aber auch das individuelle Leid der Fans. Die gerade mal 9.000 Fans im Stadion könnten beim Freitagspiel gegen Paderborn noch unterboten werden. In der Kurve wird auch mal – ich sag‘ mal – übertrieben. Ich denke immer wieder mal an das Transparent mit „Judas“ als vor Jahren Darius Wosz im Team der Gäste (Hertha?) an die Castroper Straße zurückkehrte. Nach den Krawallen in Hannover drohten Fans, der Mannschaft jetzt auch gleich mal Prügel an, wovon ich eine Aufnahme gemacht habe:

Auf dem unteren Transparent ist zu lesen: „HANNOVER WAR ERST DER ANFANG – BALD GEHTS EUCH AN DEN KRAGEN!!!“ Mit dem Verweis auf Hannover kann ich das nur als Anspielung auf körperliche Gewalt verstehen. Das gefällt mir nicht.

Und der Verein, also das Zusammenspiel von Funktionären und Mitgliedern, ist ebenfalls eine Katastrophe. Nach dem unrühmlichen Rauswurf von „Präsident“ Altegoer – so sehe ich das – hat sich der Laden noch nicht gefangen. Neuester Hoffnungsträger ist Alt-Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber. Der andere Strahlemann ist Frank Goosen, den eine Satire neulich zum zukünftigen Oberbürgermeister 2020 für Bochum kürte. Aber diese Vorgänge im VfL müssen nicht nur rühmlich sein. Sie sind in aller Munde. Ein Wattenscheider Apotheker, selbst bekennender VfL-Anhänger, sprach mir sein Mitgefühl aus, als er mich noch mit Fanschal erwischte. Meinte mir auch noch jemand erzählen zu müssen, hinter all dem Theater steckten die JUSOS. Wie gerne würde ich diese eindimensionale Erklärung akzeptieren. Es gibt viel Getratsche.

Was beleibt mir zu hoffen? 1. Den Abschluss der Neuaufstellung bei den Funktionären. 2. Der Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. 3. Das Ende der Saison. 4. Einen Austausch von großen Teilen der Mannschaft. Kurz: Ein vollständiger Neuanfang. Seufz.
Lars Lammert versuchte heute Hoffnung zu verbreiten, dass es dem VfL in einer früheren Saison zu Weihnachten schon einmal sehr schlecht ging, er dann aber dennoch wieder aufgestiegen sei. Die Worte hör‘ ich wohl …

Nachtrag: Ralf Ritter fasst für die WAZ den Zustand nach dem Samstagspiel zusammen als „Die Stunde Null beim VfL Bochum“. Da find‘ ich mich wieder.

3 Gedanken zu „Das vollkommene Debakel des VfL Bochum“

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  2. Super Verschwörungstheorie. Die Jusos sind schuld….Oder vielleicht mal wieder ein bischen „kalten Krieg“ spielen? Wie wäre es mit „Der Russe ist schuld“? Also, um das mal klar zu stellen – die Organisation Jusos und die SPD generell sind mir recht egal. Ich bin weder Mitgleid noch Dauerwähler dieser Partei – aber wie kann man denn bitte einen solchen Schwachsinn kommunizieren? Und der halbherzige Versuch der Relativierung („eindimensionale Erklärung“) erfüllt gerade einmal Alibifunktion. Billig und zu einfach das Ganze!

    Und wenn man sich dann schon so weit aus dem Fenster lehnt, sollte man wenigstens bei den Tatscachen bleiben. Also Krawalle IN Hannover hat es meines Wissens nicht gegeben – das Plakat bezog sich dann eher auf die Empörung und den Platzsturm nach dem letzten Spiel gegen Hannover. Auch dieses heiße ich nicht gut – aber wenn man kritisiert (ob zu recht oder zu unrecht) sollte man halt schon bei den Fakten bleiben. Aber wahrscheinlich war der Autor bei dem Hannover Spiel nicht im Stadion sondern hat an einer selbstorganisierten Demo vor dem Bochumer Hbf für den Ausbau des Canal du Midi in Zentralfrankreich oder für den Bahnhofsausbau in Minsk demonstriert.

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