Europäische Umwelthauptstadt

European Green City“ ist nicht die Hauptstadt der politischen Grünen in Europa. Es handelt sich um einen Titel, den die Europäische Union seit kurzer Zeit vergibt. In 2009 wurden so die Städte Stockholm (2010) und Hamburg (2011) für Anstrengungen im Umweltschutz belohnt. Die Ausschreibungen für die Jahre 2012 und 2013 laufen. Der Titel funktioniert in etwa nach der Logik des Titels der Europäischen Kulturhauptstadt, die die Metropole Ruhr als Ruhr.2010 in diesem Jahr ist. Es muss eine Bewerbung mit einem nach Sparten getrennten Programm erstellt werden. Die Hamburger Sparten heißen: Klima & Energie, Nachhaltiger Konsum, Mobilität, Natur & Stadtgrün, Ressourcenschutz & Wirtschaften, Stadtentwicklung & Wohnen. Nach ggf. nationalen Ausscheidungen wird der Titel dann verliehen. Es scheint aber keinen Proporz nach Ländern zu geben. Aus Deutschland gab bzw. gibt es neben dem Gewinnner Hamburg (2011) Bewerbungen unter anderem aus Münster (für 2010/11) und Nürnberg (2012/13). Am 22. Oktober fällt die Entscheidung für 2012 und 2013 zwischen den Städten Barcelona, Vitoria-Gasteiz, Malmö, Reykjavik und Nantes.

Inhalt einer Umwelthauptstadt
Den Begriff „European Green City“ finde ich schwer zu übersetzen. „Europäische Grünhauptstadt“ scheint mir etwas neben dem (gewünschten) Inhalt zu liegen. Umwelthauptstadt trifft es mehr. Und unter dem Dachbegriff Umwelt können sich alle Aktivitäten wiederfinden. Das ist ein bunter Gemischtwarenladen, wie so die Themen einer Umweltausschusssitzung in einer Kommune: Parks, Friedhöfe, Nahverkehr, Bebauungspläne, regenerative Energien, Altlastensanierung, Abwasser & Kanalisation etc. In eine Bewerbung als „European Green City“ würden damit auch gerade die Aktivitäten passen, die bei der InnovationCity Ruhr nicht zum Zuge gekommen sind. Bei der InnovationCity gilt: „Es kann nur eine geben“. Allerdings gibt es auch die gemeinsame Bewerbung von Gelsenkirchen und Herten zusammen.

Es kann nur eine geben?
Die Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt zeichnete sich durch das regionale Konzept und die Zusammenarbeit aller regionalen Akteure – insbesondere Kommunen – aus. Die Möglichkeit einer gemeinsamen Bewerbung und gemeinsamer Aktivitäten könnte eine Chance für die Metropole Ruhr sein. Fraglich ist allerdings, ob europäische Bestimmungen eine gemeinsame regionale Bewerbung erlauben. Das hat bereits bei Ruhr.2010 bzw. „Essen für das Ruhrgebiet“ Probleme bereitet. Allerdings wurden hier Lösungen gefunden. Eine gemeinsame Bewerbung – der Erfolg sei zunächst dahingestellt – böte den Umweltverwaltungen der Ruhr-Kommunen eine Chance, ihre Arbeiten für InnovationCity wiederzuverwerten. Anstatt nun in einem Wettbewerb wieder gegeneinander zu arbeiten, könnten die Ergebnisse dieses Wettbewerbs zusammengefügt werden. Eine Chance für die Region sehe ich in der strukturbedingten Quantität und Diversität der Aktivitäten im Umweltbereich, auch wenn in einigen möglichen Sparten einer Umwelthauptstadt, z. B. Mobilität, erheblicher Entwicklungsbedarf besteht. Projekte wie Emscher Landschaftspark, emscher:zukunft, die Idee einer IBA II (Rüttgers) oder einer Expo zum Klimawandel ließen sich in so einer Bewerbung bündeln. Gegenüber einer Weltausstellung mit ihren Kosten scheint mir das auch realistischer, siehe hierzu meinen Beitrag „Bettvorleger einer Expo für Klimawandel„.

Europäische Umwelthauptstadt Ruhr.2014 oder Ruhr.2015 könnte ein Nachfolgeevent nach der IBA Emscherpark und Ruhr.2010 sein. 2015 und 2016 halte ich für realistischer. Mit Blick auf Wahlen tippe ich auf 2015. Das muss dem Projekt keinen Abbruch tun. „Nachtigall, ich hör‘ dir trapsen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.