Hohe Beteiligung bei der Abstimmung um CDU-Landesvorsitz, doch was heißt das?

Am Montagabend erfuhr ich vom Geschäftsführer der CDU Bochum, dass die Beteiligung an der Abstimmung, ob der zukünftige Landesvorsitzende Armin Laschet oder Norbert Röttgen heißen wird, sehr hoch sei. In Bochum hätten bereits mehr als 700 Mitglieder ihr Stimmunterlagen zurückgebracht oder geschickt. Das sind mehr als 40% und damit zum einen mehr als im Landesdurchschnitt, der bei 35% liegen solle, zum anderen bereits das, was die landesweite Beteiligung daran bei der letzen ähnlichen Abstimmung war. Dies lässt erwarten, dass insgesamt die Beteiligung in der CDU NRW diesmal höher ausfallen wird. Das gefällt mir natürlich.

Es lässt mich auch rätseln. Sind es einfache Veränderungen sozio-demographischer Art? Die Älteren, stärker so gebundenen, haben anteilig abgenommen, jüngere Generationen an Parteimitgliedern sind zwar weniger, aber stärker von Politikinhalt und dem Wunsch nach aktiver Partizipation geprägt? Das wäre dann so: Wer heute noch in Parteien, die CDU hier, geht, ist im Schnitt deutlich aktiver und politisch interessierter im Vergleich zu früheren Generationen und auch als passives Mitglied. So kann es auch sein: Es stimmen stärker denn je die Mitglieder ab, die nicht in der Ortsunion erscheinen und nicht stark kommunalpolitisch beeinflusst sind.

Vielleicht ist es nur ein Erziehungseffekt? Jetzt weiß das Mitglied, wie es geht? Wahrscheinlich nicht, denn dafür sind die Verfahren der Mitgliederbefragungen zu unterschiedlich, und es liegen zu viele Jahre dazwischen. Es könnte auch Ausdruck einer Polarisierung in der Mitgliedschaft sein, die bisher nicht so stark zutage trat. Interessieren Kernkraft, Klimawandel und andern grüne Themen anders und mehr, als der Funktionärsapparat es widerspiegelt? Oder ist die abstimmende Mitgliedschaft doch noch stärker katholisch-christlich verankert? Ist diese Milieuprägung noch ausschlaggebend, unterliegt sie Veränderungen aufgrund demographischer Veränderungen in der Zusammensetzung der Mitgliedschaft und wo auf dem Weg der Veränderungen befindet sie sich dann?

Und dann stellt sich die Frage nach der Beteiligung der Funktionäre im Vergleich zu den Mitgliedern. Gibt es da unterschiedliche Wahrnehmungen, vielleicht auch Beeinflussungsmöglichkeiten? In welchem Umfang? Diffus wird die Lage bei Funktionären wahrgenommen, welche Motivationen in der zweiten Reihe, der übrigen Funktionen des vom Landesparteitag im November neu zu wählenden Vorstandes bestehen. Die Kandidaten treten nicht mit Schattenkabinette an, aber dennoch gibt es verständlicherweise Sympathien für den einen oder anderen, den eine Weichenstellung an der Spitze befördern würde – oder auch nicht. Er wartet wir kein klarer Ausgang, sondern ein knapper, bei dem von 40:60 sehr, sehr eindeutig wäre. Heißt das, dass der neue Landesvorsitzende trotz eher geringer inhaltlicher Differenzen die Partei erst wieder einen muss? Oder ist das unerheblich?

Fragen über Fragen. Man wird die Vorgänge nur vom Ergebnis her interpretieren können. Es bleibt spannend.

Ich habe mich bereits positioniert.

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