Politik und Lernen – Folge: Das Internet

Am Mittwoch wurde ich hochgeschreckt durch einen Anruf, der mich auf Äußerungen des neuen Generalsekretärs Andreas Krautscheid MdL in der Presse hinwies, z. B. hier.  Und das roch auch wieder gleich nach Generalverdacht gegen Blogger, Journalisten und vielleicht sogar alle Internetnutzer. Darunter auch einige, die ich zum Teil kenne. Okay, ich übertreibe. Aber mit dieser übersteigerten Beschreibung will ich einen Reflex beschreiben, den ich gerade von älteren Politikern – vielleicht besser als netzfern bezeichnet – kenne. Aber vielleicht gab’s auch nur ein paar ungeschickte Äußerungen und Journalisten, die diese überzeichneten. Denn es gibt auch Journalisten mit denkwürdigen Reflexen gegenüber Internet, Bloggern und bloggenden Kollegen. Ein Beitrag im ‚CDU NRW/Blog‘ mit einem Video von Andreas Krautscheid MdL klärt jedoch auf, dass es darum nicht gehe.

Vielleicht war die Choreographie der Ereignisse nicht glücklich, vielleicht waren nicht alle Äußerungen …, vielleicht wurde Hervorhebungen falsch gesetzt …. oder vielleicht werden wir Zeuge eines Teils eines politischen Lernprozesses. Was weiß ich.

Zwei Dinge will ich auseinandergehalten wissen:

1. Ein Unternehmen oder eine Organisation hat das Recht wie auch natürliche Personen ihre Daten, Unterlagen und Gespräche zu schützen. Das gilt auch für die CDU. Das gilt auch für die CDU als Arbeitgeber gegenüber ihren Angestellten innerhalb eines politischen Tendenzbetriebs. Daher ist auch eine Strafanzeige gerechtfertigt. Allerdings halte ich den Erfolg von Ermittlungen für gering. Aber vielleicht geht es auch darum ein Zeichen zu setzen, dass es so nicht geht. Das ist nicht verwerflich. Im Verhältnis zwischen unabhängigen Inhabern eines freien Mandats mag das anders aussehen.

2. Journalisten und auch die anders gearteten Blogger sollten in einem freiheitlichen System Daten, die Ihnen „zugespielt“ werden, auch verwerten dürfen. Dies ist zu unterscheiden von aktivem „Ausspionieren“. Sie sollten aber auch selber dafür haften, was sie so verbreiten. Ich bin kein Fan anonymer Beschimpfungen, denke aber auch, dass es die Möglichkeiten zu Pseudonymität oder sogar Anonymität geben sollte. Aber dann ist hier ein Blogger oder Journalist verantwortlich. Emails zu verwerten ist in dieser Hinsicht nichts anders als andere Dokumente zu verwerten.

Und auch, wenn der Tendenzbetrieb CDU wie jede Partei aufgrund der politischen Rahmung ein besonderer ist, ist das alles recht unspannend. Aktivitäten müssen auch selber politisch bewertet werden. Das wird in Düsseldorf auch geschehen sein.
Es bleiben einige, die die Wirkung des Internets auf Politik noch nicht erahnen. Die dürften noch ein paar Verständnisprobleme und das Bedürfnis haben, die Zeit zurückzudrehen. Aber wie eingangs berichtet: Das ist hier laut Video nicht der Fall.

Und jetzt müsste ein Abschnitt zu Veränderung von Kommunikation im Internet folgen. Das spare ich mir weitgehend. Nur soviel: Eine Steuerung, wer was veröffentlicht, ist weniger denn je möglich. Das macht es in der Folge auch schweret, Dinge von irgendeinem Belang zu unterdrücken. Aufmerksamkeit wird nur wenig durch Publikationsmenge und -häufigkeit allein beeinflusst. (Hat da mal jemand eine Quelle für meine Beschreibung, die etwas fundierter was dazu liefert.)

Und was mich beruhigt zu den Ereignissen ist, dass meiner Erwartung nach, die Berichterstattung via Internet aus den Parteizentralen in etwa fünf Jahren zwar immer noch gesteuert sein wird, aber in geringerem Umfang. Ich erwarte eine Entwicklung in Richtung „embedded journalism“ oder „vermeintlich unabhängiger Blogger direkt an der Quelle“. Das wird zumindest so ausehen. Das liefert noch keine Partei, auch meine nicht. Dafür werden Infos in Parteien oft noch viel zu heilig und wertvoll behandelt. Ich warne diejenigen vor, die meinen, dass das Internet hier demokratisierend wirke. Vielleicht ist das nur die Sicht derer, die zu den Gewinnern dieser Entwicklung gehören bzw. gehören wollen. Der Inhalt von Blogs der Parteien ist noch nicht das Ende der Entwicklung. Wie bei Blogs Meinung und Berichterstattung verwischt, wird dies auch hier der Fall sein.

Und nun die Unterscheidungsfrage: Wer ist neutraler in Sichtweise, Bewertung und Berichterstattung? Jens Matheuszik mit pottblog.de oder dirk-schmidt.info? Woran kann das fest gemacht werden?

8 Gedanken zu „Politik und Lernen – Folge: Das Internet“

  1. Ich frage mich übrigens, was Du mit diesem Beitrag bezweckst? Willst Du dem guten/bösen Dirk, den bösen/guten Jens gegenüberstellen?

  2. Du meinst wohl eher den letzten Absatz, oder?

    Die Gegenüberstellung gut/böse funktioniert nur mit dem Kategorien Journalist. Die Kategorie passt nicht. Ich halte dich für einen Blogger, dass heißt da kommt ein Element Journalismus mit einem Element Politik zusammen. für diese Kategorie wärst Du ein Guter. Wenn Blogger=Journalist gilt, dann bis Du ein schlecter.

    Dabei ist es noch nicht mal was schlechts Blogger zu sein, wird doch die eigene politische Position wenigstens kenntlich gemacht.

    Wie wär’s, wenn wir da mal persönlich ausdiskutieren?

  3. Natürlich meine ich den letzten Absatz – der meiner Meinung nach so gar nicht zu dem Rest passt. Irgendwie sieht das ganze wie eine Einleitung aus, die aber zum letzten Teil gar nicht recht passen will.

    Im übrigen sehe ich mich nicht als Journalist, auch wenn mir da oft genug von Journalisten anderes nachgesagt wird.

    Das mit dem persönlichen Ausdiskutieren finde ich gar nicht mal schlecht – und sowas wäre meiner Meinung nach auch deutlich sinnvoller, als wenn man hier einfach eine derartige These aufstellt.

    PS: Dein mobiles Theme ist für das iPhone kaum nutzbar. Nerviges horizontales Scrollen und keine Kommentare.

  4. Vielleicht hätte ich den letzten Absatz deutlicher machen sollen. Es geht mir darum aufzuzeigen, dass das Internet ein eigenes anderes Medium ist. Blogger sind nicht einfach Journalisten.

    Über diese These – sowie Jens und Pottblog – denke ich dabei immer wieder mal nach. Ich hatte anlässlich meiner Verlinkung auf ruhrbarone.de mal ein Gespräch mit einem Ruhrbaron dazu. Da haben wir mal das, was ich mache, von dem was Du machst unterscheiden. Das war sehr interessant.

    Aber gut, ich schicke bald mal einen Terminvorschlag. Das kann nicht so schwierig sein.

  5. Oh je, Du denkst über mich nach. Hoffentlich nur gutes. 😉

    Klar, schick mal ein paar Terminvorschläge (am besten ein Doodle).

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