Röttgens Wahl zum Landesvorsitzenden: Die andere CDU an der Ruhr?


Die CDU NRW hat einen neuen Vorsitzenden gewählt: Dr. Norbert Röttgen MdB. Mit dieser Entscheidung bin ich sehr zufrieden, denn ich hatte mich für ihn ausgesprochen, nachdem ich die Vorstellungen beider Kandidaten angehört hatte. Das hatte mich seinerzeit selber überrascht, da ich mit Armin Laschet mehrere Berührungspunkte hatte, mit Norbert Röttgen nicht. Die Mehrheitsmeinung um mich herum ist eine andere, aber dahinter steht keine heftige Polarisierung. Zudem beträgt die Abweichung auch nur wenige Prozente. Dennoch bietet das Ergebnis Anlass für Überlegungen zum Innenleben der CDU, was ich so auch angekündigt hatte.

Und das scheint mit aufzufallen, nachdem ich mal die Abstimmungsergebnisse für die Metropole Ruhr zusammengetragen habe: Die überwiegende Zahl der Kreisverbände hat für Laschet gestimmt, am Ende ergibt dies aber gerade einen Überhang von 200 Stimmen, was gerade nicht mal 1 1/2 Prozentpunkten entspricht. Aber dennoch ist das eine Abweichung von einer vermuteten Normalverteilung und gerade gegenüber dem Landesdurchschnitt. Da hat es keine Wahlaufrufe oder Ähnliches gegeben, so dass ich eine latente Variable vermute – oder mehrere Wie könnte diese aussehen oder wo rührt sie her?

These 1: Die Partei und ihr Umfeld sehen in der Metropole Ruhr anders aus. Das muss drinnen und draußen akzeptiert werden, um es zu analysieren. Die Erkenntnisse sind wichtig für Existenz und Wahlerfolge der CDU in Ruhr und damit auch in NRW. Auch wenn die CDU Ruhr wenige Abgeordnete, zum Beispiel im Düsseldorfer Landtag, stellt, werden aufgrund der 5 Millionen Einwohner in der Rehion auch die absoluten Stimmzahlen benötigt, selbst wenn die prozentualen manchen in der übrigen Landespartei betrüben. Aber auch da muss noch mancher dazu lernen.

These 2: Das Versprechen von Präsenz in jedem Kreisverband, das Armin Laschet gegeben hat, hat besonders da gezogen, wo die CDU nicht mehr durch die Präsenz von Abgeordneten verwöhnt ist. Denkbar ist auch, dass an der Ruhr Themen wie Integration und Umwelt, die die Kandidaten aufgrund ihrer Vita verkörpern, anders gewichtet werden.

These 3: Es besteht eine Korrelation zwischen Altersdurchschnitt der CDU, damit Menge der Älteren und deutlich christlicher orientierten Mitgliedern und dem Stimmergebnis für Armin Laschet. Dazu fehlen mir die Zahlen, um es zu prüfen. Es widerspricht auch meiner Beobachtung, dass sich Teile jüngerer Mitglieder für Andreas Krautscheid aussprachen, da sie seine Arbeit als Generalsekretär besonders würdigten. Dieser galt unter Armin Laschet als Landesvorsitzenden weiterhin als Generalsekretär gesetzt. Der Effekt dieser aktiven, jüngeren Mitglieder ist meines Erachtens eher gering und dürfte durch das Gelsenkirchener Abstimmungsergebnis für Norbert Röttgen aufgewogen werden. Aus Gelsenkirchen stammt der Vorsitzende der CDU Ruhr, Staatsminister a. D. Oliver Wittke, der mit der Wahl von Norbert Röttgen als designierter Generalsekretär gilt.

These 4: Die Botschaft von Norbert Röttgen, sich besonders um das Ruhrgebiet – Partei und Region – kümmern zu wollen, ist bei den Mitgliedern nicht angekommen oder war zumindest nicht so stark um am Ende Armin Laschet zu überholen. Bei diesen Erwägungen muss ggf. ein zeitgleicher Effekt nach These 3 berücksichtigt werden. Vielleicht sind die an eine politische Diaspora gewöhnten (älteren?) Mitglieder traditioneller, industrieller geprägt oder entstammen stärker anderen, auch großstädtischen Milieus. Das wären dann signifikante Einstellungsunterschiede. Hilfreich könnten hier Erklärungsversuche der Ergebnisse aus anderen Kreisverbänden sein, so zum Beispiel dem Hochsauerlandkreis.
Norbert Röttgen wird sich aber auch stärker vergewissern müssen, das er die Ruhr bevormundet. Eine Wahl von Oliver Wittke zum Generalsekretär würde dies aber gleich erledigen.

Am Ende könnte Handlungsbedarf für die CDU im Ruhrgebiet gesehen werden. Das wäre eine Aufgabe für Landespartei und Kreisverbände, weniger für den Bezirksverband, der nur wenig über Ressourcen verfügt. Er tut auch schon was. Für Führungsfragen, personelle Alternativen oder Parteitagsauseinandersetzungen bietet das Resultat keinen Ansatz, denn die Differenz ist zu gering, um sie in die kleineren Entscheidungsfindungsprozesse zwischen Funktionären einzuspeisen.

Aber leider, leider fehlen mir Materialien und Zeit, da mal tiefer hineinzugehen. Ich hoffe, das ‚These 1‘ Anerkennung und Beachtung findet. Das wäre notwendig.

Bemerkenswert ist auch die NRW-weit über allen Erwartungen liegende Beteiligung an der Abstimmung.


Das Bild von Norbert Röttgen stammt von seiner Homepage und wurde von Laurence Chaperon gemacht.
Die Grafik hab ich aus einer meiner Basiskarten erstellt. Daher ist auch der Kreis Wesel darauf abgebildet, dessen CDU nicht zur CDU Ruhr gehört.

2 Gedanken zu „Röttgens Wahl zum Landesvorsitzenden: Die andere CDU an der Ruhr?“

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