Sarrazin-Projekt: Zwei Personen essen 7 Tage für 64 Euro

Wir machen einen Selbstversuch: Meine Frau und ich probieren, ob eine vernünftige Ernährung vom Hartz-IV-Regelsatz möglich ist. Inspiriert hat mich dazu die Lektüre von Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“. Darin berichtet er über einen eben solchen Versuch, den seine Frau für Ihn realisiert hatte.

Meine Frau und ich probieren das auch mal für eine Woche. Sarrazin hat im Jahr 2008 mit seinem Speiseplan einen Bedarf von 3,98 € gehabt, was unter dem Satz von 4,25 € für eine einzelne Person liegt. (siehe Bericht des Tagesspiegels vom 11.02.2008: Hartz IV-Menü – Sarrazin: So sollten Arbeitslose einkaufen oder der Welt mit dem Speiseplan am 08.02.2008) Wir haben für zwei Personen 64 € für eine Woche angesetzt. Meine Frau hat das ausgearbeitet und kam auf 54 €. Die 10 € darüber sind als Puffer gedacht. Wir wissen nicht so recht, wie viele Butterbrote ich im Lauf des Tages außer Haus verzehren werde. Vielleicht wird auch etwas schlecht.

Den 10 € Puffer habe ich auch gleich am Vortag auf etwa 8€ verringern müssen. Ich hatte das Projekt vergessen und mich für Freitagnachmittag zu einem Gespräch ins Café de Café bei uns in Höntrop verabredet. Das muss ich ja auch was trinken. Also wird es gleich den preiswertesten Kaffee geben. Meiner Erinnerung nach, gehe ich dann für unter 2 € wieder da raus. Die auch gegebene soziale Einschränkung ist also vorhanden.
Auch befindet sich ein Freund in der Stadt, mit dem ich noch überlege mich zu treffen. Da muss ich jetzt eine Alternative vorschlagen, denn normalerweise würde wir uns in einer Kneipe oder so treffen. Eine Umgehung durch Einladenlassen ist nicht drin. Verstehste jetzt das Problem, Wowi?

Gestern hat mich bereits im Aufzug jemand auf meine Butterbrotdose angesprochen. Das wird nächste Woche im Rahmen einer Fortbildung bestimmt noch ärger, denn ich werde nicht beim Bäcker vorbeigehen können und habe ein Flasche 0,5l Ja-Mineralwasser dabei. Aber selbst das ließe sich noch ersetzen, aber so weit wollte ich nicht gehen. Das sprudelnde Mineralwasser musste auch ins Budget.

Meine Frau meint, wir würden das schaffen. Sie habe einmal in Großbritannien notgedrungen zwei Wochen von 20 Pfund leben müssen – das sind vermutlich so 30 €. Meine Mutter meinte das ginge. Das Projekt hat sich im Bekanntenkreis herumgesprochen und ich habe eine Zuschrift bekommen, von jemandem der arbeitet und so leben muss. In der Mail stand drin, dass das sehr wohl geht und man nicht jammern müsse.

Ich bin gespannt. Die erste Panne ist schon mal, dass meine Butterbrotdose schon vor 12 Uhr leer ist und auch die Birne längst verputzt wurde.

Der Beitrag wird fortgesetzt.

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