Stadion an der Castroper Straße, Bochum

Der VfL, das Stadion, Stadioncenter und die Stadt

Stadion an der Castroper Straße, BochumDie Stadtwerke Bochum GmbH – im Besitz der Stadt Bochumwill für weitere fünf Jahre zum Preis von 7,5 Mio. € die Namensrechte am Ruhrstadion erwerben, dass dann weiterhin „rewirpowerstadion“ heißen soll. Das heißt dann Sponsoring. Und an sich sind die Stadtwerke ja frei, wem sie Geld für ihre Öffentlichkeitsarbeit geben. Sie wollen es dem VfL Bochum und seinem Stadion geben.

Dem VfL sein Stadion? Nun ja, das Stadion gehört der Stadt Bochum, das Stadioncenter dahinter gehört der VfL Bochum-Stadioncenter GmbH. An der sind auch die Stadtwerke Bochum GmbH und eine weitere Tochtergesellschaft der Stadt Bochum, die Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum mbH, beteiligt.
Das Stadion ist von der Stadt Bochum – ja, was? – sagen wir mal im Rahmen eines „Benutzungs- und Betreuungsvertrags“ – und jetzt mal extra in Anführungsstrichen – „gemietet“. Letzlich gehört das Stadion also der Stadt Bochum.

Die Geschichte lässt sich also auch so lesen: Die Stadt Bochum kauft mit dem Geld einer städtischen Tochtergesellschaft den Namen eines Stadions, das ihr selber gehört.

Der Benutzungs- und Betreuungsvertrag zum Stadion wurde von der Stadt Bochum gekündigt, übrigens aus haushaltsrechtlichen Gründen, das liest sich in einer Drucksache der Stadtverwaltung aus Oktober 2010 wie folgt:

Aus Sicht der Verwaltung und des Vereins gibt es verschiedene Gründe, der „automatischen“
Verlängerung des Vertrages bis zum 31.12.2010 zu widersprechen und den Vertrag in Teilen zu
überarbeiten:

Eine „automatische“ Verlängerung würde der Maßgaben der derzeitigen haushaltsrechtlichen
Rahmenbedingungen nicht entsprechen, die die ernsthafte Prüfung der Kündigungsmöglichkeit
vorsieht.

Die Stadt Bochum wird dem VfL also etwas mehr für das Stadion abnehmen müssen? Und die Stadtwerke sponsern den Namen des stadteigenen Stadions? Da der Name bereits die letzten Jahre „rewirpowerstadion“ war, wäre das eigentlich keine zustimmungspflichtige Angelegenheit des Stadtrats. Dieser wird sich aber damit sicher befassen, denn dafür ist das Thema bereits zu strittig. Man spricht hier auch vom 2. Haushalt, was hier über städtische Tochtergesellschaften finanziert wird. Das direkte Sponsoring ist steuerlich günstiger als ein Zuschuss aus dem städtischen Haushalt nach vorheriger Einnahme eines Gewinns von der bzw. den Tochergesellschaften. Allerdings wäre so ein Zuschuss angesichts der Haushaltslage der Stadt Bochum gar nicht möglich. Es sei noch mal auf die oben genannten Gründe verwiesen, die zu einem neuen Vertrag über die Nutzung des Stadions führen werden.

Da läuft also erheblich Geld am städtischen Haushalt vorbei, um dem VfL vermeintlich zu helfen. Besser wäre es doch Geld von außerhalb der städtischen Einflusssphäre käme herein.
Als Gegenargument wurde mir von einem Befürworter geantwortet, dass die Stadtwerke dann auch das Sponsoring für sämtliche anderen Vereine einstellen müssten. Nun ja, denke ich mir: Die sind meist keine Profisportvereine, die Beträge sind geringer und erreichen mehr Sportler und das Geld für den Stadionnamen fehlt dort ja auch, oder?

Nur zur Selbstvergewisserung: Ich gehe heute ins Stadion und feuer den VfL an, nicht die Fortuna. Aber ich bin auch dem Wohl der Stadt verpflichtet. Und da stelle ich mir drei Fragen in dieser Reihenfolge, aber mit steigender Bedeutung:

  • Nützt dieses Geschäfts dem VfL Bochum?
  • Nützt dieses Geschäfts den Stadtwerken mit ihrer „rewirpower“-Marke?
  • Nützt dieses Geschäft der Stadt Bochum?

Bisher kenne ich nur Zeitungsberichte …

2 Gedanken zu „Der VfL, das Stadion, Stadioncenter und die Stadt“

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