Shoppingtour, Bild: von Miss x / photocase.de

Factory Outlet ante portas: nix Roermond, Werl!

Klar, war ich auch schon mal an einem Sonntag in Roermond, Niederlande. Die Innenstadt habe ich nicht gesehen, sondern nur vor den Toren der Stadt das Designer Outlet Roermond, das als factory outlet mit zudem günstigen Preisen wirbt. An Sonn- und Feiertagen ist da ein reges Gedränge und das Parksystem zieht die Fläche umgebender Gewerbebetriebe mit ein.

Shoppingtour, Bild: von Miss x  / photocase.de
Shoppingtour, Bild: von Miss x / photocase.de
Aus der Mitte der Metropole Ruhr brauche ich zu Kleidungs- und Gartenmärkten in den Niederlanden via Düsseldorf etwa eine Stunde Fahrtzeit. Das reicht noch für den Ausflugcharakter. Je weiter östlich ich jedoch herkomme, desto weniger attraktiv wird es. Also entsteht irgendwo Richtung Sauerland Bedarf für ein weiteres Factory Outlet, selbst wenn es sich an nordrhein-westfälischen Ladenöffnungszeiten halten muss: Sonntags dicht.

DOC Roermond und geplantes FOC Werl im Vergleich
Werl ist diese kleine Stadt am Autobahnkreuz Werl. Das ist da, wo eine meiner beiden Autobahnrouten ins Sauerland herlaufen. Über die A40//B1-A44-Direktverbindung bis zum Kreuz Werl. Geschätzte Fahrzeit aus der Mitte der Metropole Ruhr: ca. 30-40 Minuten, stark abhängig vom Verkehr auf der A40.
Daten zum geplanten factory outlet center: 80.000 qm Gesamtfläche, vermietbare Fläche inklusive Grünanlage, Parkplätze, Sozialräume: 25.000 qm, reine Verkaufsfläche für 60 bis 80 „Shops“: 18.000 qm. Zum Vergleich: Nach einer Erweiterung (als circa-Angaben zur Verkaufsfläche) um 7.000 qm ist das Center in Roermond nun etwa 35.000 qm (etwa 70 Shops) groß; in den nächsten Jahren soll es noch stärker wachsen. (Weitere Center im Vergleich im Wikipedia-Artikel: Factory-Outlet-Center.)

Projekte vor den Türen der Metropole Ruhr: IKEA Homepark und FOC Werl
Der Standort ist ideal. Zum Einzugsbereich gehört das östliche Ruhrgebiet mit den Städten Hamm und des Kreises Unna sowie das gesamte Sauerland. Das ruft gleich ein weiteres Projekt vor den Türen des Ruhrgebiets in Erinnerung: den IKEA Homepark bei Wuppertal, am Kreuz von A43, A46 und A1. Bei beiden Projekten regt sich inzwischen Widerstand aus den umgebenden, betroffenen Kommunen. Das sind nicht nur die direkt angrenzenden Gemeinden.

Ich hab dann mal einen Blick in das Regionale Einzelhandelskonzept für das Östliche Ruhrgebiet geworfen, wobei Ruhrgebiet hier auch über die Grenzen des RVR hinaus geht und insbesondere Werl erfasst. Da wird unter Rückgriff auf eine Studie des Regionalverbands Ruhr („Kommunale Daseinsvorsorge bei rückläufiger Bevölkerung“) aus dem Jahr 2005 folgendes angegeben:

„Angesichts schrumpfender Einwohnerzahlen ist der Ausbau weiterer außerhalb der Stadt- und Stadtteilzentren gelegener Einzelhandelsflächen nur in eng definierten Ausnahmefällen zuzulassen.“

Allerdings schrumpft zum Beispiel die Kraufkraft in den mittelgroßen Städten des Ruhrgebiets laut Prognose, während sie an den Rändern und in den kleinen Gemeinde stagniert oder sogar wächst. Das ist für Werl verlockend, wenn dann auch noch 1.000 neue Arbeitsplätze locken.

Der Widerstand gegen dieses Projekt ist groß. An einem Protestschreiben („Hammer Erklärung“) beteiligten sich die Städte Ahlen, Arnsberg, Bergkamen, Bönen, Dortmund, Hagen, Hamm, Iserlohn, Kamen, Lippstadt, Lünen, Menden, Meschede, Paderborn, Schwerte, Soest, Sundern, Unna, Warstein und Werne. Gefordert sind aber auch die Regionalräte Arnsberg und der RVR als Regionalrat Ruhr. Sie haben regionalplanerisch Einfluss. Für die Metropole Ruhr hoffe ich, dass sich zumindest angesichts der gemeinsamen Betroffenheit durch einen Außenstehenden eine gemeinsame Position finden lässt. Zu einer notwendigen Auseinandersetzung mit der Vielzahl eigener Projekte, Erweiterungen und innerstädtischen Shopping-Center sehe ich noch lange keinen Ansatz, geschweige denn für ein einheitliches Konzept fürs Ruhrgebiet.

2 Gedanken zu „Factory Outlet ante portas: nix Roermond, Werl!“

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