Haldensaga mit organisatorischen Schwächen

20110724-061417.jpgSamstag 23.07. auf Sonntag 24.07. fand die Veranstaltung Haldensaga im Ruhrgebiet statt. Initiiert von der Ruhr.2010 GmbH sollten etwa 2.000 Personen Nachtwanderungen von Halde zu Halde machen, unterbrochen durch eine Rastpause und ein Stückchen was auch immer an geistiger Erbauung. Insgesamt hatte die Veranstaltung aus meiner Sicht, der ich als Nachtdozent im Nordsternpark teilgenommen habe, aber auch nach Berichten von Teilnehmern und Tour-Guides, die Gruppen führten, Ihre Schwächen. Nicht alle Schwächen gehen auf das Konto der Veranstalter oder lassen sich damit entschuldigen, dass es ein Low-Budget-Projekt ist. Hier eine subjektive Übersicht.

  • Das Wetter. Kalt, wolkig und regnerisch in der zweiten Nachhälfte. Aber das lässt sich nicht planen, siehe Bochum Total
  • Die Konkurrenz. An dem Wochenende war u. a. Bochum Total und Fußball.
  • Die Streckenlänge. Im Vorfeld war bereits aufgefallen, dass manche Touren zu lang waren. Die waren dann aber immer noch zu lang. Eine Gruppe bröckelte von 28/26 auf 24, dann auf 11, die schließlich noch den Weg auf die Sonnenaufgangshalde fand. Andere waren vorher erschöpft. Einige Teilnehmer glauben, dass zum Beispiel die Wege auf die Halden hinauf – in Rundkursen – nicht mit eingerechnet worden waren. Am Ende seien dann nochmals 2 km hinzugekommen.
  • Die Ausschilderung. Die Strecke sollte mit Fahnen und Knicklichtern markiert sein. Das stimmt auch zumindestnzu Anfang. An meinem Standort stimmten Karten aber weder mit Standort der Fahne und geeignetem Standort überein, so dass die Dozenten (keine Orga da) mal eben selber korrigierten. Von der Sonnenaufgangshalde berichtet mir meine Frau, dass die Karte nicht den Weg nach oben wies und sämtliche Knicklichter zwischenzeitlich geklaut waren. Das könnten diemdort startenden Gruppen oder Dritte gewesen sein.
  • Die Versorgung. Es hat mindestens eine Verletzte gegeben, an deren Versorgung sich aber kaum ein Teilnehmer einer Gruppe beteiligt habe, aber u. a. mit Ausnahme eins Tour-Guide (allerdings einer anderen Gruppe). Das Team Building mit dem Ballett auf der Sonnenuntergangshalde hatte nicht den gewünschte Effekt.
  • Die Gruppengröße. Was die gegenseitige Unterstützung und den sozialen Zusammenhalt betrifft, wären kleiner Wandergruppen sicher besser geeignet. Wir Nachtdozenten an unserem Standpunkt haben die erste Gruppe mit 26 Personen zwei geteilt und unser Programm gemacht. Das galt auch für die nächste, aber der „Volonteer“ war nicht da und die ankommenden Gruppen mussten warten. Danach war die Organisation hin, was den Teilnehmern aber nicht auffallen musste. Die Gruppen haben dann alle in voller Stärke mehrere Vorträge bekommen … Organisation lässt sich nur durchhalten, wenn sich wer darum kümmert.
  • Die Medien. Bei zwei Gruppen waren Medienvertreter dabei. Die von der Presse sind zwar nicht komplett mit gewandert, aber die waren auch nicht zu unterscheiden. Der WDR-Kamermann war nervig, aber das mag subjektiv sein. Ich weiß, dass die einen „prekären“ Job haben, aber vor dem Nachtdozenten ein Interview anfangen, während der spricht, find ich grenzwertig. Da wurde in dem Moment auch nicht berichtet, sondern da wurden Bilder (und Teilergebnisse) produziert. Wenn man an dem Medienkram nicht interessiert ist, dann kann sowas das Erlebnis der Haldensaga beeinächtigen. In einer meiner Veranstaltungen hätte ich den aufgefordert, sich mal einen Moment zurückzuhalten. Für die Zukunft werde ich kritischer sein, wenn ich vor einer Veranstaltung Medienvertreter oder Veranstaltern eine Pauschalgenehmigung für Aufnahmen gebe.
  • Die Nachtdozenten. Ja, ich war auch einer. Es war offenbar schwierig, genug zu finden. Da kursierten im Vorfeld für diesen unbezahlten Job auch unterschiedliche Konzepte. Die Veranstalter werden daraus gelernt haben. Wenig Verständnis habe ich für Einführungsveranstaltungen, die länger als der Einsatz dauert. Dabei waren an meinem Standort die übrigen Nachtdozenten erfahrene, ja berufliche Gästeführer. Ich hoffe, nicht nur der Medien wegen. Die Ausstattung – Käppi und gelbe Warnweste – war auch nicht gerade hilfreich. Eine klare und vorhandene Trennung in Orga und Dozenten wäre hilfreicher.

Es gab auch gute Seiten, die ich so für mich mitnehme:

  • Die anderen Nachtdozenten waren interessant und wir haben uns in den Pausen unterhalten. Aus zwei Kontaken könnte da in nächster Zeit was werden.
  • Es war eine Erfahrung, mal den Inhalt (bei mir: politische Bildung zum Strukturwandel im Ruhrgebiet) in gerade mal 12 Minuten zu verpacken. Ich mag das Format nicht, da es zwingt Zusammenhänge zu stark zu raffen. Außer Präsentation von Fakten geht da nichts.
  • Ich musste mal auf mich zukommen lassen, wer denn da so kommt.
  • Wandern ist nicht so mein Ding, aber ich konnte daran teilnehmen und hatte um Mitternacht Schluss. Am frühen Morgen kehrte meine Frau Pamela hingegen als Eiszapfen zurück.
  • Sie berichtete von der tollen Versorgung im Schloss Horst, die die Teilnehmer mit ihrem Kaffee (also nicht vom Veranstalter) versorgten. Die Fußbodenheizung dort erlaubt, ohne Schlafsack und Isomatte direkt auf dem Boden zu schlafen.
  • Die Geburtstagsfeier um Mitternacht für einen Teilnehmer. Es gab ein Ständchen, Sekt und Süsigkeiten.

Fazit: Wenn die Veranstalter aus den Fehlern lernen, könnte das ggf. nochmal gemacht werden. Das sagt so auch Pamela. Allerdings würde ich auf jeden Fall vorher kritischer hinsehen.

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