Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Hallenstadt Bochum: noch zwei mehr

Der Bau eines Musikzentrums um die Bochumer Marienkirche, in das die neue Spielstätte für die Bochumer Symphoniker integriert werden soll, wird von der Landesregierung finanziell gefördert werden. Bei den Betriebskosten sieht das leider anders aus. Aber damit tut sich wenigstens etwas an der Achse Rathaus-Viktoriastraße, an der auch die (zukünftigen) Baustellen Katholikentagsbahnhof, Arbeitsgericht, Landgericht/ECE-Einkaufszentrum liegen. Allerdings geht diese Förderung auf einen Handel zurück, der sich bereits unter der früheren Landesregierung abzeichnete und eine Lösung für ein Problem aus den Zeiten der Regierung davor löst. Es geht um die Jahrhunderthalle. Bochum wird das bewilligte Geld für den Umbau der Marienkirche aus dem Topf der Städtebauförderung mit den zusätzlichen Mitteln fürs Musikzentrums erhalten und so verwenden dürfen, wenn es den Land die Jahrhunderthalle abnimmt. In einer Verwaltungsvorlage aus Juni 2010 heißt es dazu:

Auch die Bewilligung der Förderung weiterer Maßnahmen in Bochum wurde vom Land an die Bereitschaft der Stadt zur Übernahme der JHH geknüpft. Hier ist insbesondere die Förderung der Marienkirche zu nennen.

Geldfluss rund um die Jahrhunderthalle

Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtetDie Jahrhunderthalle ist ein Ankerpunkt der Route der Industriekultur (RIK) und befindest sich im Bochumer Westpark, der Teil des Emscher Landschaftsparks (ELP) ist. Beides sind Projekte, die auf die Internationale Bauausstellung (IBA) Emscherpark zurückgehen. IBA war das Dekadenprojekt des Ruhrgebiets, für das über Jahre die Nachfolgefinanzierung nicht klar war. Und das bedeutet: Hier wird mit staatlichen Gelder subventioniert.
Die Jahrhunderthalle ist ein industriekulturelles Denkmal und eine Veranstaltungshalle. Sie war sogar einige Zeit als Spielstätte der Bochumer Symphoniker im Gespräch, aber das ist eine andere Gechichte. Die Halle gehört indirekt dem Land über die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG). Das kann so nicht bleiben. Rechtlich spricht wohl einiges dafür, dass das Land die Halle los wird. Betrieben wird die Halle von der Bochumer Veranstaltungs-GmbH (BOVG), einer Gesellschaft im Besitz der Stadt Bochum. Da der Betrieb einer Halle als Denkmal Mehrkosten gegenüber einem Neubau verursacht, erhält die BOVG einen Zuschuss, der sich aus Mitteln des Landes und des Regionalverbands Ruhr (RVR) speist. In den Topf des letztgenannten Verbandes zahlt auch die Stadt Bochun ein. Bis auf diesen Betrag erhält die Stadt Bochum also zukünftig eine weitere Halle, die sie allerdings bereits betreibt. Als Eigentümerin wird sie aber auch dauerhaft das Betriebsrisiko haben. Die Halle muss bespielt werden und Geld einbringen. Der Erhalt der Triennale am Standort ist wichtig.

Das Ergebnis des Baus des Bochumer Musikzentrums wird also sein, dass die Stadt Bochum über zwei weitere Hallengebäude verfügen wird, die mehrere große Raume umfassen: Die Jahrhunderthalle mit 3 Hallen und das Musikzentrum samt Konzertsaal und weiteren Räumen. Hinzu kommen weitere Hallengebäude: Der ebenfalls von der BOVG betriebene RuhrCongress, die Stadthalle Wattenscheid und das Starlight-Gebäude. Letzteres skizziere ich ohne Gewähr aus meiner Erinnerung: Die Stadt Bochum hatte seinerzeit die Starlight-Halle errichtet. In Folge eines Urteils muss der Musicalbetreiber zumindest die Zinsen bezahlen. Das Gebäude verfügt über mehrere Säle, da beim Bau an eine Umnutzung als Tagungsstätte gedacht wurde. In der Vergangenheit konnte ein großer Saal auch für Veranstaltungen gemietet werden. Ich war öfter mal da. Sollte Starlight oder ein Nachfolge-Musical nicht mehr laufen, hätte die Stadt noch eine weitere Halle zu bespielen. Möge Starlight Express noch lange laufen.

Zu den größeren Hallengebäuden kommen auch noch Aulen, z. B. die ehemalige Spielstätte der Comödie Bochum. Abgerundet wird das Angebot durch einige kirchliche Säle, Gemeindezentren und Christuskirche, aber auch den Sälen im alten IGM-Gebäude und im Jahrhunderthaus. Auch in den Stadtteilen gibt es Angebote.

Hin und wieder erreichen mich Klagen, das Vereine keine geeigneten und bezahlbaren Veranstaltungsräume in Bochum finden. Dennoch ist Bochum zur Hallenstadt geworden. Das Angebot wächst sogar. Es wächst auch das Risiko für die Stadt, denn das alles muss ja gefüllt werden, um die Betriebskosten zu sparen. Und auch das steht hinter dem ansonsten Geschäft Musikzentrum gegen Jahrhunderthalle: Einmalige Investitionskosten werden gegen dauerhafte Betriebskosten getauscht. Das Land dürfte damit dauerhaft ein gutes Geschäft machen.

Rolf Hartmann von der WAZ Bochum hat es bzgl. der Folgekosten beim Bau des Musikzentrums wie folgt auf den Punkt gebracht: „Bochumer Jahrhunderthalle als „teure Mitgift“ (DerWesten, 29.12.2010)

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