Kommunale Beteiligung an Atomanlagen Ahaus und Jülich

Den Transport der Castoren aus dem auslaufenden Zwischenlager Jülich ins Zwischenlager nach Ahaus halte ich für richtig. Als Bochumer Rasmitglied geht es mich sogar was an, denn ein Konsortium von Ruhr-Städten kauft gerade zusammen mit der Steag Anteile am Brennelemente-Zwischenlager in Haus. Nachfolgend finden sich die Beteiligten einmal aufgeführt und in Beziehung gesetzt.

152 Castoren mit 300.000 Brennelemente des Forschungsreaktors Jülich werden 2011/12 von Ahaus nach Jülich rollen. Eigentümer der Brennelemente ist das Forschungszentrum Jülich, das einst mal als ‚Kernforschungsanlage des Landes Nordrhein-Westfalen e. V.‘ firmierte. Heute hält das Land NRW 10% Anteil an der Gesellschaft, der der Reaktor selber nicht gehört. Dieser wurde von der Arbeitsgemeinschaft Versuchsreaktor GmbH (AVR) errichtet und genutzt, denn er lieferte auch Strom fürs öffentliche Netz.

Kommunale Stadtwerke betrieben Versuchsreaktor
Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft waren kommunale Stadtwerke, von denen die größten Anteilseigner Düsseldorf und Hagen (Elektromark) waren, die auch die Geschäftsführung erledigten. 2003 übertrugen die Gesellschafter ihre Anteile an die Energiewerke Nord GmbH (EWN), die auf den Rückbau von Kernkraftwerken spezialisiert ist. Die EWN ist eine bundeseigene Firma, die auf ein DDR-Kombinat zurückgeht.

Ich finde es bemerkenswert, dass Eigentum an Reaktor und Brennelementen lange auseinander fielen. Erklärt werden kann dies mit dem vorhandenen Know-how zum Umgang mit den Brennelementen, die dort zurzeit gelagert werden. Dieses Zwischenlager ist nur bis Mitte 2012 genehmigt. Eine weitere Zwischenlagerung wäre nach dem Stand der Technik teurer, ein Neubau geeigneter. Dieser wird mit 40-50 Millionen Euro veranschlagt. Alternativ können die Castoren in Ahaus eingelagert werden, wo hinreichend Kapazität vorhanden ist. So soll es nach dem Willen der Eigentümer und der Brennelemente-Zwischenlager GmbH (BZA) geschehen. Notwendig ist eine Genehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Tochtergesellschaft der kommunalisierten Steag betreibt Zwischenlager
Die BZA gehört zu 55% der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS), einem Verbund großer Energiekonzerne, und zu 45% der Steag. Die Steag wird zurzeit von der Evonik AG verkauft an ein kommunales Konsortium, u. a. mit den Stadtwerken Dortmund, Bochum, Oberhausen. Der Duisburger Konsorte war bereits an der AVR beteiligt, wie ich einem Beteiligungsbericht der Stadt Bonn entnehme, der recht lesenswert ist.

Die Rot-Grüne Landesregierung in NRW lehnt den Transport ab. Aber sie hat auch gut reden, denn an Entscheidung und Kosten ist sie nur noch über die 10% an der Forschungszentrum Jülich GmbH beteiligt. Allein schon die Reduzierung um ein Zwischenlager halte ich für sinnvoll; in Jülich wird aber noch über Jahre das Reaktorgehäuse lagern bevor es zerlegt werden kann. Krawalle gegen den Transport halte ich für kein hinreichendes Argument dagegen.

Und jetzt wird bereits zu Demonstrationen gegen diese Transporte aufgerufen, am 30. Januar 2011 steht eine an. Wenig nachvollziehbar finde ich es, wenn Atomkraftgegner gegen Sicherung und Entsorgung von Altmaterialen vorgehen. Unverständlich ist es mir, wenn Transporte sogar noch gefährdet werden.
Und mit Grünen und weiten Teilen der SPD übernehmen einen Teil der Verantwortung diejenigen, die mit dem Kauf der Steag auch einen Teil des Zwischenlagers in Ahaus gekauft haben bzw. kaufen. Wollen die Ahaus jetzt leer stehen lassen oder gegen die Transporte sein? Fühlen die Akteure sich verantwortlich,  wenn sie an Nutzung und Erzeugung der Materialien beteiligt waren?

Fragen und Antworten zum Transport
http://www.fz-juelich.de/portal/lw_resource/datapool/__pages/pdp_1874/2010-11-05-FragenundAntworten.pdf

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