Wie unterschiedlich die Welt auf Fukushima reagiert – Kein gemeinsamer Weg für Nuklearpolitik

An English language version of this article is available by mail. This article was written in English language originally. By now, I haven’t find a place to post it.

Fukushima liefert das zweite Bild des 21. Jahrhunderts nach dem Bild der einstürzenden Zwillingstürme am 11. September 2001. Diese Bilder werden als Ikonen in der weltweiten Erinnerung verbleiben. Diese globale Erinnerung besteht aus dem Gedächtnis von Menschen in unterschiedlichen Gesellschaften, Nationen und Staaten. Das Bild wird das gleiche bleiben, aber das kulturelle und politische Umfeld sind andere. Daher werden die politischen Reaktionen auf die Unfälle, die politischen Konsequenzen in Folge geänderter Einstellungen der Bevölkerung und Wählerschaft, unterschiedlich sein. Im Moment fühlt die Welt sich geeint angesichts der Tragödie in Japan. Der Weg in die Zukunft ist breiter. Er ist vielleicht nicht der gleiche für alle und sie haben noch nicht einmal die gleiche Richtung. Selbst wenn das Bild bleibt und einige Gesellschaften unverändert auf dem Weg des Ausstiegs aus der Kernenergie sind. Insbesondere Nationen auf diesem Weg werden die Richtung in den nächsten Generationen nicht ändern.

Nehmen wir einen Blick auf die unterschiedlichen Reaktionen derzeit. Israel hat seinen Plan gestoppt, ein neues Atomkraftwerk zu bauen. Venezuelas Präsident gab die gleiche Order an seine Minister. Ob dies das vollständige Ende der Programme bedeutet, können wir noch nicht sicher sein. Das muss abgewartet werden. Deutschlands konservativ-liberale Regierung unter Kanzlerin Angela Merkel hat beschlossen, eine kürzlich getroffene Entscheidung über die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken zurückzunehmen. Einige ältere Anlagen sind bereits weniger als eine Woche nach den Unfällen in Japan heruntergefahren worden. Die Bundesregierung hat mit einem Moratorium beschlossen, erst in drei Monaten zu entscheiden. In der Zwischenzeit finden Sicherheitsüberprüfungen statt. Wie Iange auch immer die existierenden deutschen Atomkraftwerke laufen werden, es gibt seit Jahren keine Pläne mehr für den Bau neuer Kernkraftwerke. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Deutschland kein einzige laufendes Kernkraftwerk mehr haben wird. Selbst Japans direkter westlicher Nachbar, die Volksrepublik China, pausiert sein Programm für den Bau weiterer Kraftwerke. Aber es ist unklar, wie lange diese Pause sein wird und ob im Anschluss eine Änderung von Politik erfolgt.
Bulgarien, Tschechien und die Türkei haben bereits erklärt, ihre Nuklearprogramme fortzusetzen. Belgien und Spanien haben wie Deutschland Pläne, aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen.

Auch ohne die finale Entscheidung, die Nutzung der Kernenergie auslaufen zu lassen, sind Veränderungen politischer Zielvorgaben möglich, wie zum Beispiel strenger Sicherheitsanforderungen. Aber dies erfolgt nicht notwendigerweise. Es gibt derzeit keine Anzeichen, das Frankreich, welches auf Strom aus Kernkraftwerken eines staatlich kontrollierten Konzerns angewiesen ist, seine Politik ändern wird. Werden die USA ihre Politik ändern oder die Provinz Ontario in Kanada? Wahrscheinlich nicht. Polen wünscht sich weiterhin eigene Kernkraftwerke. Ein derartiges Projekt war zuletzt nach dem Unfall von Tschernobyl gestoppt worden. Eine Entscheidung, die noch unter dem kommunistischem Regime erfolgte, aber zu einer Zeit, als Kindern jodhaltige Getränke verabreicht wurden, um sie vor den Folgen nach der nuklearen Katastrophe in der benachbarten Ukraine, damals Teil der Sowjetunion, zu schützen.
Großbritannien wird weiterhin neue Kraftwerke bauen. Es wird weitermachen mit einer neuen, moderneren Version von Kraftwerken. Sie werden von neuer Bauart sein, die verspricht, Kernschmelzen vorzubeugen. Auch das ist eine Form möglichen politischen Wandels: Die Laufzeit von Kernkraftwerken könnte begrenzt werden. Ein Sicherheitskonzept könnte daraus bestehen, alte Kraftwerke durch neue zu ersetzen.

Und wie sieht es in Japan aus, das erheblich auf Kernenergie angewiesen ist? Die Japaner erleben derzeit etwas bemerkenswertes für eine entwickelte Nation der sogenannten westlichen, entwickelten Industrienationen. Strom ist keine verlässliche Ressource. Es gibt zeitlich begrenzte Stromsperren, da aufgrund Erdbeben und Tsunami mehrere Reaktoren automatisch heruntergefahren wurden. Wir erfahren nur über die Unfälle in Japan, aber eine Vielzahl an Reaktoren fuhren erfolgreich automatisch herunter. Daher müssen die Japaner zurzeit Strom sparen und erfahren, wie sehr sie von Strom abhängig sind. Diese Erfahrung machen alle, auch jene, die wenig von Erdbeben, Tsunami und Strahlung betroffen sind. Wie wird dies die Einstellung zu Kernenergie beeinflussen? Einige Nachrichtenquellen berichten von stoisch gelassenen Einwohnern von Tokio, die sich unter freiem Himmel für ihre Steuererklärung anstellen, während andere, Ausländer, sich vorbereiten, das Land fluchtartig zu verlassen. Bleiben die Japaner gelassener? Glauben Sie mehr den Beteuerungen der Regierung, dass keine Gefahr besteht? Welche Erfahrung, welche Erinnerung, wird auf lange Sicht mehr Einfluss haben? Ich weiß es nicht. Ich bin nur sicher, dass die Welt nicht auf dem gleichen Weg einer gemeinsamen Nuklearpolitik ist.

Um etwas über Veränderungen in Meinungen und im Denken über Kernenergie herauszufinden, haben wir in aller Schnelle eine kleine Umfrage über Kernenergie und mediale Rezeption erstellt. Wir laden Sie herzlich ein, sich daran zu beteiligen. Die Umfrage erfordert ca. 3 Minuten Zeit.

Fukushima Survey
http://www.fukushima-1.eu/?sid=91931&lang=de

Dies ist die deutsche Übersetzung eines in englischer Sprache von mir verfassten Textes.
Zurzeit hat die Umfrage mehr als 660 Teilnehmer weltweit, die sich allerdings überweigen auf 10 Nationen verteilen. Mit 170 Teilnehmer ohne große Aktivitäten stellt Deutschland derzeit den größten Anteil. Dasso erwartet worden.

Ein Gedanke zu „Wie unterschiedlich die Welt auf Fukushima reagiert – Kein gemeinsamer Weg für Nuklearpolitik“

  1. 3.500 Euro zahlt Tepco einem freiwilligen Helfer pro Schicht. Und während diese Menschen krank werden, genest Herr Masataka Shimizu im Krankenhaus. Das ist so dereart niederträchtig, dass einem die Worte fehlen und die Welt sieht dabei auch noch zu. Keine gescheite Schutzausrüstung, keine Messgeräte, Halloho????
    Aber immerhin wäre mal geklärt, was ein Menschenleben so wert ist ;-(

    Die Katstrophe ist nicht das Erdbeben, nicht der Tsunami und auch nicht die Havarie, sondern der Mensch selbst.

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