Abschlussdiskussion auf der 1. Kulturkonferenz der Metropole Ruhr

1. Kulturkonferenz Ruhr – wozu?

Zwei Wochen ist es her, dass ich einen Tag auf der 1. Kulturkonferenz der Metropole Ruhr verbrachte. Das ist genügend Abstand, um die Wirkung dieser 8 1/2 Stunden und den damals gewonnenen Eindruck zu interpretieren.

Abschlussdiskussion auf der 1. Kulturkonferenz der Metropole Ruhr
Kulturkonferenz: Vertreter von WMR, ECCE, RTG und Kultur Ruhr mit Oliver Scheytt

Etwas 450 Teilnehmerinnen hatte die Konferenz laut Angaben des Regionalverbands Ruhr. Mir kam das nicht so viel vor. Die zahlreichen leeren Stühlen belegten auch wieder, dass sich zu derartigen Veranstaltungen deutlich mehr Teilnehmer anmelden als dann kommen. Aber das Auditorium muss, selbst wenn nicht alle gleichzeitig anwesend waren, als groß bezeichneten werden angesichts der Tatsache, dass es sich um eine tagfüllende Veranstaltung handelte. Neben einem obligatorischen politischen Auftakt der Veranstaltung, an der übrigens keiner der Oberbürgermeister und Landräte der Region teilnahm, folgten Thesen zur Kulturmetropole Ruhr bzw. Nicht-Metropole Ruhr von Pius Knüsel von Pro Helvetia und Dieter Gorny von ECCE. Pius Knüsel ist Autor der Polemik „Der Kulturinfarkt.“ Sie wendet sich gegen mehr institutionaliserte Kultureinrichtungen. Der vollständige Titel lautet „Der Kulturinfarkt. Von Allem zu viel und überall das Gleiche. Eine Polemik über Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention.“ (Die Zeit: „Pius Knüsel, Direktor von Pro Helvetia, will die Hälfte der Museen und Theater schließen.“) Ich habe des dann gleich mal bestellt. Das war eine interessante Debatte. Pius Knüsle widersprach der These von der Kulturmetropole.

Gruppenarbeit – Talksshow
Nach dem Mittagessen gab es drei kleinere Foren. Mich zog es zum Marketing, wo es neben Kultur auch um den Sport gehen sollte. Der kam mir aber zu kurz. Anhand der Themenausrichtung und der Diskussionsteilnehmer vorne am Mikrofon dämmerte mir, dass die Veranstaltung RVR-lastig wird. Das spätere Gesamtforum belegte mir das dann auch. In den Foren und der Konferenz blieb am Ende im Wesentlichen hängen, was von Land und RVR als nachhaltig Gutes in Folge der Kulturhauptstadt weiter für die Region getan wird. Zum Schluss erfolgte ein Ausblick auf den Nebel eines neuen Dekadenprojektes, dass irgendwie auch der Kultur zugute kommen solle, nicht nur dem Umweltgedanken diene. In der Diskussion mit dem Publikum entdeckte ich mehrfach wieder die offene Fragestellung, was denn die ‚freie Szene‘ von all dieser institutionalisierten Arbeit habe. Das erinnerte mich an eine ähnliche Konferenz der Grünen Ruhr. Da stellten beim Kaffee vorab bereits Teilnehmer fest, dass das Geld doch bereits verteilt sei, so dass es nicht um Mitwirkung mehr ginge, sondern nur noch um die Entgegennahme der Informationen.

Das Bild auf der Bühne anlässlich des Zusammentragen der Forenergebnisse glich mir einer Präsentation der Arbeit der Tochtergesellschaften des Regionalverbands Ruhr, an denen auch das Land und die Kommunen teilweise beteiligt sind. Showmaster gleich verteilte Oliver Scheytt, ehem. Geschäftsführer der Ruhr.2010 GmbH und vormals Kulturdezernent der Stadt Essen, die Wortbeiträge an die Repräsentanten der Wirtschaftsförderungsgesellschaft metropoleruhr mbH -WMR-(Thomas Westphal, 100 %-ige im Besitz des RVR), des Europäischen Zentrums für Kreativwirtschaft -ECCE- (Dieter Gorny, Gesellschafter: Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen, Duisburg, Gelsenkirchen und ggf. vorgenannte WMR), der Ruhr Tourismus GmbH -RTG-(Axel Biermann, 100 %-ig RVR) und Kultur Ruhr GmbH (Kuratorin Katja Aßmann und Lukas Crepaz, 51 % Land NRW und 49 % RVR nach Übernahme von 2,5 % des Vereins „Pro Ruhrgebiet“ in 2012). Politikergleich fasste Katja Aßmann eines der Ergebnisse ihres Forums in die Zusage ihrer Gesellschaft zu einem allerdings wenig verpflichtenden Dialog mit den Kulturschaffenden der freien Szene. Wo Dissenz herrscht wird im Ergebnis weiterer Dialog zugesagt. Auch andere sahen das offenbar als rhethorischen Kniff und goutierten es mit einem Lachen.

Kulturkonferenz selbst ein Ergebnis des Kulturhauptstadtprojektes
Nicht nur die dauerhafte Erichtung von ECCE, die Förderung der Kreativwirtschaft durch die WMR und die neue Abteilung „Urbane Künste Ruhr“ der Kultur Ruhr GmbH sind ein Ergebnis der Nachhaltigkeitsstrategie des Ruhr.2010-Projektes. Auch die Konferenz selber war es. Politischer Konsens der Parteien in der Metropole Ruhr war es zu Beginn der Realisierung des Projektes, dass die Kulturhauptstadt kein einmaliges Feuerwerk sein dürfe. Eine Verstetigung von Teilen zwecks nachhaltiger Effekte wurde bereits bei der Bewerbung als wichtig erkannt. In der Vereinbarung zwischen Regionalverband Ruhr und Land NRW ist nicht nur die Verteilung der gemeinsam je hälftig erbrachten 4,8 Mio. € geregelt, sondern auch das Abhalten einer gemeinsamen, jährlichen Kulturkonferenz im Ruhrgebiet. Die Konferenz war die erste. Weitere werden folgen. Die erste hat das Programm der Nachhaltig verkündet. Soweit, so gut. Und dann? Was kommt dann? Wenn es beim Verkünden von Gutem, vielleicht dem immer selben Guten, bleibt, dann wird die Konferenzserien bal enden. Ich bin gespannt, wie daraus ein aktiver Prozess wird, der auch die Konferenzteilnehmer mitnimmt. Ansonsten müsste diese Institution regionaler Kultur geschliffen werden.

Ich stehe also ratlos da. Informationen gingen an weitere Zuhörer. Und dann?
Irgendwas an Oliver Scheytt erinnert mich an Wim Thoelke.
Auf zur „2. Kulturkonferenz“!

2 Gedanken zu „1. Kulturkonferenz Ruhr – wozu?“

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