Gewerbeflächen-Umsatz um Ruhrgebiet (RVR)

Gewerbeflächen-Recycling: Drohender Engpass in der Metropole Ruhr

Die Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH hat ihrem Gesellschafter, dem Regionalverband Ruhr (RVR), erste Ergebnisse des vom Land geförderten Projekts „Gewerbliches Flächenmanagement Ruhr“ vorlegt. Für das Projekt wurden die Gewerbe- und Industrieflächen aller 53 Kommunen der Metropole Ruhr erfasst, „sowie die Potentiale und Restriktionen für ihre künftige Nutzung für die gesamte Metropole Ruhr“ dargestellt. (siehe Drs. Nr. 12/0514)

Zentrale Ergebnisse:

  • 2/3 der Flächenentwicklung erfolgen schon heute im Bestand und nur 1/3 der Inanspruchnahme durch Investoren bezieht sich auf Freiflächen.
  • Die Vermarktung altindustrieller Flächen macht rund 60 % der gesamten Flächenvermarktung aus.
  • Von den als kurzfristig verfügbaren Freiflächen sind 30 % und bei den Brachen 50 % mit Restriktionen belegt. In Zahlen heißt das: Die Metropole Ruhr verfügt über 2.709 ha Potentialfläche, davon sind 1.353 ha mit Restriktionen belegt. Es bleiben also nur 1.356 ha tatsächlich verfügbare Fläche. Bei einem durchschnittlichen Wert von 212 ha Verwertung p. A. steht die Region somit in absehbarer Zeit vor einem Problem.

Die Erkenntnisse sind aus zwei Gründen interessant:

  1. Wirtschaftsförderung: Für die Ansiedlung und Entwicklung von Gewerbebetrieben und Industrie werden laufend geeignete Flächen benötigt. Die Studie belegt, dass zukünftig ein Engpass droht. Ein Grund hierfür ist das bereits genutzte und brach gefallenen Flächen nicht wieder zügig und restriktionsfrei zur Verfügung stehen.
  2. Umweltschutz: Der Umfang einer weiteren Reduzierung der Inanspruchnahme neuer Flächen wird ermittelt. Die Analyse der Restriktionen, die ein Recycling von Altflächen verhindern, kann Wege zur Abhilfe aufzeigen, so dass im Rahmen der Allianz für die Fläche, der tägliche Flächenverbrauch von einst 15 ha auf 5 ha pro Tag reduziert werden kann.

Nachstehende Grafik zeigt die Inanspruchnahme von Gewerbeflächen für neue Projekte in der Metropole Ruhr. Ich vermute, dass es sich beim Bezugszeitraum ungefähr um die Jahre 2005 – 2010 handelt, aber den Unterlagen kann ich das nicht klar entnehmen.

Gewerbeflächen-Umsatz um Ruhrgebiet (RVR)

Die Frage ist, welche Restriktionen da nun im Wege stehen. Die Präsentation im Wirtschaftsausschuss des RVR zeigte mehr als die gedruckte Verwaltungsvorlage. Demnach teilen sich Nutzungsrestriktionen für 1.353 ha wie folgt auf, wobei Flächen mehreren Restriktionen unterliegen können:

  • 574 ha Aufbereitungsbedarf
  • 314 ha Topographie
  • 432 ha Eigentumsrestriktionen
  • 463 ha nicht marktgerechte Lage

Bemerkenswert fand ich auch die Aussage, dass die Bereitstellung neuer bzw. recycelter Flächen mehr Fläche für Infrastruktur (Erschließung) verursacht. Vielleicht kann auch das angegangen werden. Das kann m. E. aber auch aufgrund anderer Auflagen – auch des Umweltschutzes – erfolgen. Flächen werden auch für Umweltschutzmaßnahmen verbraucht. Klar wurde auch, dass die in der Metropole Ruhr zur Verfügung stehenden Flächen eher kleinflächig sind. Größere Ansiedlungen sind räumlich nur schwierig unterzubringen, was auch bisher schon eine Erkenntnis aus der Praxis war.

Die Daten liegen scharf für jede Kommune vor und können auch von denen abgerufen werden. Ich bin gespannt, wie die Herausforderung der Beseitigung von Nutzungsrestriktionen methodisch und politisch angegangen wird. Für Wirtschaftsförderung und Umweltschutz ist das zwingend erforderlich.


Das hier verwendete Bild heißt „No picture, please“ und stammt vom Fotografen mit dem Nichname „inkje“ auf www.photocase.de. Und wenn ich die Nutzungsrechte samt Einschränkungen richtig verstehe, die ich von photocase erworben habe, dann darf ich das hier in dieser Auflösung verwenden, wenn ich Firma und Autor nenne. Wollte ich darauf verzichten, dann müsste ich etwas mehr dafür bezahlen. Problematisch wird allerdings schon wieder das Verlinken in sozialen Netzwerken, die dann ggf. eine (vielleicht verkleinerte?) Version des Bilds zum Artikel anzeigen. (Fair Use?)

2 Gedanken zu „Gewerbeflächen-Recycling: Drohender Engpass in der Metropole Ruhr“

  1. die wmr hat schon unter brauser den real existierenden gewerbeflächenbedarf im ruhrgebiet in einer breit
    angelegten untersuchung nachgewiesen und in einer gemeinsamen pressekonferenz in unserer IHK erläutert.Gleichwohl ist das thema – beleitet vom totschlagsargument „landschaftsverbrauch“ – nicht
    wirklich umgesetzt worden. Es bleibt also als ein wichtiges element auf der tagesordnung der strukturverbesserung im ruhrgebiet. gibt es dazu offizielle stellungnahmen der fraktionen in der rvr-
    verbandsversammlung?

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