Opel-Werke könnten Gewerbeflächenengpass im Ennepe-Ruhr-Kreis beseitigen

Gewerbeflächen sind knapp im Ennepe-Ruhr-Kreis. Der Regionalverband Ruhr (RVR) moderiert derzeit ein Verfahren mit dem Ziel, eine bedarfsgerechte Versorgung insbesondere für flächenintensive Betriebe zu schaffen. Erstellt werden derzeit Machbarkeitsstudien zu folgenden „Suchräumen“ (vgl. RVR-Drucksache 12/0522 aus 03/2012):

  • Gevelsberg, Auf der Onfer
  • Hattingen, Ludwigstrall/ Am Wickenstück
  • Schwelm/ Sprockhövel, Kreuz Wuppertal-Nord
  • Sprockhövel, Haßlinghausen-Süd
  • Wetter (Ruhr), Vordere Heide
  • Witten, Kleinherbeder Straße
  • Witten, Pferdebachstraße

Am Ende soll eine interkommunale Abstimmung stehen, die Flächentausche, gemeinsame Organisations- und Finanzierungsmodelle und gemeinsame städtebauliche und ökologischen Anforderungen der Kommunen, des Kreises und des
RVR stehen.

Neu ausgewiesenes Gewerbegebiet 'Am Stork', Wetter (Ruhr), zuvor Landschaftsschutzgebiet
Neu ausgewiesenes Gewerbegebiet ‚Am Stork‘, Wetter (Ruhr), zuvor Landschaftsschutzgebiet

Neue Gewerbegebiete: Widerstand überall

Und das ist alles gar nicht so einfach. Gegen jedes der vorgenannten Gewerbegebiete regt sich mindestens in der betroffenen Stadt Widerstand. Die Schaffung neuer Flächen aus Feldern, Wiesen und Wäldern ist auch nicht mehr so einfach wie zu früheren Zeiten. Ein frisch novelliertes Bau-Gesetzbuch sieht einen strengeren Begründungszwang für derartige Neuwausweisungen vor und der Grundsatz „Innenentwicklug vor Außenentwicklung“ wird auch durch den neuen Landesentwicklungsplan NRW (LEP) verstärkt werden.

Die Kommunen als Makler für Gewerbeflächen

Die Rolle der Gemeinden, die neue Betriebe ansiedeln oder Betriebserweiterungen wollen, wird die eines Maklers in einem regionalen Maklerverbund werden. Die Metropole Ruhr ist dabei gut aufgestellt, auch wenn nicht immer alle Gemeinden sich gleich stark einbringen bzw. abrufen. RVR und seine regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaften unterhalten mit dem Gewerbeflächenatlas ruhrAGIS eine Übersicht zu allen nutzbaren Flächen und organisieren gemeinsame Auftritte auf internationalen Gewerbeflächenmessen. Das bildet eine Grundlage für die Arbeit jeder Verwaltung.

Und es bildet einen Ausweg, wenn ein nachgefragtes Angebot in einer Stadt nicht erfüllt werden kann. Wenn eine Firma in Stadt A nicht bedient werden kann, dann vielleicht in B. Regionale Beispiele gibt es bereits, wie eine gemeinsame
Ausschüttung der Steuereinnahmen aussehen könnte – auch fernab vom Projekt newPark. Es bietet sich aber auch in Anlehnung an newPark die Möglichkeit die Gewerbeflächen einer Kommune in einer anderen zu schaffen. Keine neue Idee.

Freiwerdende Flächen: Parkplätze, Verwaltungsgebäude am Opel-Werk 1 im Bochumer Süden
Freiwerdende Flächen: Parkplätze, Verwaltungsgebäude am Opel-Werk 1 im Bochumer Süden

Gewerbefächen der EN-Kommunen außerhalb des Kreises?

Allerdings gibt es gegen sämtliche Projekte innerhalb des EN-Kreises Widerstand. Und so sind einige dem Hören nach auf die Idee gekommen, neue Gewerbe- und Industrieflächen für den EN-Kreis auf den weiter über 100 ha freiwerdenden Flächen der Opel-Werke in Bochum zu schaffen, sobald das Werk Ende 2014 geschlossen ist. Und viele fürchten, dass die frei werdenden Flächen in Bochumer eher gegen 300 ha gehen, wenn das Elektrostahlwerk von ThyssenKrupp, jetzt im Besitz des finnischen Konzerns Outokumpu, schließt. Es wird unterstellt, dass die damit verbundene Marktbereinigung durch die Schließung der Edelstahlwerke in Krefeld und Bochum einziges Ziel des Konzerns sei. Bereits grüne Landespolitiker waren auf die Idee gekommen, die Flächen des NewParks gegen Flächen in Bochum zu tauschen. Der Entwurf des LEP – verantwortet von der rot-grüne Landesregierung – hält jedoch am NewPark fest. Über eine Kooperation zwischen dem Ennepe-Ruhr-Kreis und der benachbarten kreisfreien Stadt Bochum ist noch nicht viel, irgendwie konkretes, zu hören. Es soll Gespräche zwischen beiden Verwaltungsspitzen geben. Das ist noch kein Ergebnis.

Nicht alle wollen interkommunale Gewerbegebiete

Doch wird so etwas in Bochum gesehen? Vermutlich wie in jeder Kommunen, die am Ende so ein Gewerbegebiet erhält. Am liebsten will sie, wenn sie die Flächen gibt, auch aller Einnahmen daraus für sich haben. Und kreisangehörige Gemeinden
fürchten, bei derartigen Täuschen auf lange Sicht den kleineren Teil vom Kuchen oder auch langfristig nichts zu erhalten. Im Kreis Unna wird besorgt auf ehemalige Stahlwerksflächen in Dortmund geschaut. Was dort entsteht, könnte
neue Projekte auf der grünen Wiese verhindern. Sollte es wirklich die grüne Wiese sein, dann ist das mit Ausnahmen auch richtig.

Ich bin davon überzeugt, dass nur Kommunen erfolgreich sein werden, die sich als Makler verstehen und vorhandene Flächen aktivieren. Dafür müssen sie auf bestehende Unternehmen zugehen, fragen welchen Flächen nicht benötigt werden und sich regional vernetzen. Wer hier nicht mitmacht, wird bei diesen Rahmenbedingungen das nachsehen haben. Die Ausweisung von Feldern, Wäldern und Wiesen als neue Flächen für neue Betriebe wird nicht mehr gehen, erst recht nicht zeitnah. Das ist eine schwierigere, aufwändigere Verwaltungsarbeit als eine einfache Flächenausweisung, idealerweise noch von Flächen im Eigentum der jeweiligen Gemeinde. Eine Herausforderung halt.

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