Nach Steinbrücks Stadtwerke-Honorar: Steiger Award geht ins Dortmunder U

Der Steiger-Award 2006 für Boris Becker, Bild von Joska Kristall GmbH & Co. KG, Bodenmais
Der Steiger-Award 2006 für Boris Becker, Bild von Joska Kristall GmbH & Co. KG, Bodenmais
Sind der Steiger Award und sein Organisator Sascha Hellen Stehaufmännchen? Es sieht fast so aus. Nach dem Skandal um die Honorarzahlungen von 25.000 € an SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als Redner auf einer Veranstaltung der Stadtwerke Bochum sowie der dadurch aufgedeckten Sponsoring- und PR-Maßnahmen der städtischen Tochtergesellschaft, stand seine jährliche Verleihung des „Steiger Award“ auf der Kippe. Bisher war auch dieses gesponsort worden und fand alljährlich in der Jahrhunderthalle statt. Das Datum der diesjährigen Verleihung am 12. Oktober war bereits länger bekannt. Heute teilte Sascha Hellen mit, dass der Kartenverkauf – eigentlich für Mai angekündigt – für die Veranstaltung im Dortmunder U jetzt laufe. Die Preisträger würden in den kommenden Tagen bekannt gegeben.

Das Dortmunder U scheint mir ein geeigneter und ist ein zentraler Veranstaltungsort für den Steiger Award als selbsternannten Medienpreis mit Ruhr-Bezug. Das U als „Zentrum für Kreativwirtschaft“ (das da ja auch selber in dieser Form institutionalisiert sitzt) ist nicht ganz unangeschlagen. In Dortmund gibt es Auseinandersetzungen über Defizit des U’s und mehrfach gezählte Besucher. Aufwand und Ergebnis stehen noch nicht im Einklang. Die Veranstaltungsflächen und Publikumsflächen sind deutlich geringer als im Komplex der Jahrhunderthalle in Bochum, der aus mehreren Hallen besteht. Veränderungen am Veranstaltungsformat und am erwarteten Zulauf deutet dies an. Erkennbar ist auch noch nicht, ob die Hellen Medien GmbH neue Sponsoren – vielleicht aus Dortmund – hat gewinnen können. Aufgrund eines früheren Email-Verkehrs mit Sascha Hellen zum Steiger Award ahne ich da was. Ich wünsche ihm viel Glück.

Meiner Erwartung nach war bei Sascha Hellens Firma nicht alles glücklich in der Abwicklung des Steiger Award, der Veranstaltungsreihe Herausforderung Zukunft und dem Sponsoring, das im Wesentlichen von den Stadtwerken Bochum und der Sparkasse Bochum stammt. Die Trennung von Bochum betrifft ja auch mit der Veranstaltungshalle eine weitere städtische Gesellschaft. Bis zu dem Skandal um Peer Steinbrück, der in seiner Folge noch mehr aufdeckte, hatte sich Bochum und seine SPD-geführte Stadtspitze stets mit Hellen, seinen Promis und Veranstaltungen geschmückt. Das hat ein Ende, aber offenbar nicht ein Ende der Veranstaltungen. Sie sind halt nicht mehr in Bochum, aber noch in Ruhr.

Gegenklage von Sascha Hellen gegen Stadtwerke Bochum
Echte Stehaufmännchen-Qualitäten beweist Hellen auch an anderer Stelle. Mit der städtischen Hallenfirma hat er sich auf eine Ratenzahlung seiner Mietausstände einigen könne. Da wird die Bochumer Veranstaltungs-GmbH auf einiges an Geld verzichten. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass laut Sascha Hellen erst die abrupte Kündigung der Stadtwerke die Schieflage der Gesellschaft bewirkte, so dass er nicht umgehende Zahlen konnte. Es fehlten ja plötzlich sechsstellige Summen. Allerdings verbinde ich mit derartigen Mediengesellschaften nicht die Erwartung, dass diese Millionen auf den Konten haben. Sie wirtschaften eher im Soll. Bemerkenswert ist, wie Hellen auf die Kündigung und Rückforderungen der Stadtwerke reagiert: mit einer Gegenklage.

Die Hellen Medien Projekte GmbH wird zwar von den Stadtwerken Bochum auf 250.000 € wegen nicht erbrachter Leistungen verklagt. Die Antwort besteht in einer Gegenklage in Höhe von bis zu 400.000 € – siehe WAZ vom 23.08.2013. Bei einer Aufrechnung oder einem Vergleich kann Sascha Hellen da mehr als sauber herauskommen. Ich bin mal gespannt, ob das alles noch vor oder zur Kommunalwahl 2014 oder eventuelle zur Oberbürgermeisterwahl 2015 verhandelt wird. Die Akten zur Beweisführung fehlen Sascha Hellen derzeit, sie liegen noch bei der Staatsanwaltschaft. Zwar steht Sascha Hellen noch unter Druck, solange die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht beendet sind, der politische Druck von Klagen „zur falschen Zeit“ ist jedoch geschickt eingestellt.

Mit dem Steiger Award weg vom Sündenbock-Image

Medial und unternehmerisch dürfte er auch das Sündenbock-Image los werden, wenn der Steiger Award 2013 und darüber hinaus wieder läuft. Er wäre dann wieder Handelnder. Bisher hatten sich viele Bochumer Akteure mit Hinweis auf ihn exkulpiert. Sascha Hellen schrieb (12.12.12) dazu:

[Es ist]deutlich geworden, dass es nicht nur ein Kommunikationsproblem zwischen Kunde und Dienstleister gab, sondern in erster Linie fehlende oder zumindest unzureichende Kommunikation in den einzelnen Abteilungen beim Kunden. Anders kann man sich viele Entscheidungen nicht erklären.

Dem Medienmenschen Hellen wird das alles bewusst sein. Ich tippe darauf, dass Hellen seine Rechnungen beglichen kommen wird, wenn sie einen Hauch von Erfolgschancen haben. Die Sozialdemokraten wollen das Thema sicher vor den Wahlen unter den Teppich kehren – notfalls mit einem Besen aus dem Geld der Stadtwerke.

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