DHL auf Opel-Werk I: Verhaltene Freude

Seit gestern wird in den Medien der Erfolg verkündet, dass DHL mit Opel eine Vereinbarung unterschreibt, bei der es um die Nutzung eines Drittels des freiwerdenden Opel-Werks I (Laer) geht. DHL will dort ein großes Logistiklager ansiedeln. Darüber wurde bereits lange gesprochen, aber auch nur verhalten. Die Sache ist dingfest und das soll heute in Düsseldorf verkündet werden von Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Der Bochumer Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Thomas Eiskirch beklagt eine fehlende Willkommenskultur, wenn einige sich nur verhalten freuen über die Ansiedlung einer so großen Niederlassung. Er spielt einen rhetorischen Ball der CDU weiter.
Die Ansiedlung ist ein Erfolg, aber Begleitumstände und die genaue Lage lassen bei mir nur eine verhaltene Freude sein. Wenn man sich mit den Details befasst wird es komplizierter. Dazu hier mehr.

Wie sieht der Löffel Essig im süßen Wein von 150.000 qm umgenutzter Fläche mit erhofften 600 sozialversicherungspflichten Beschäftigten aus?

  • In den Medien heißt es meist nur auf dem Opel-Gelände. Es gibt drei Werke: Opel I, Opel II und Opel III. Opel I wird in Bochum-Laer wird als erste frei, an den Standorten in Langendreer wird noch einiges sortiert, da Opel mit eigener Logistik bleiben wird. Lange wird gefordert, dass Opel sich erklärt, welche Flächen es braucht, welche nicht. Sind Alternativen für die Fläche für DHL geprüft worden?
  • Kann DHL mit Logistik nicht auch an andere Standorte in Bochum, ggf. sogar nicht auf Opel I-III. Wo die Jobs von DHL entstehen in Bochum ist höchstens mit Blick auf die Autobahnanbindung von Bedeutung. Politisch ist höchstens die Bedeutung des Ortes. Zu befürchten ist, dass die Logistik am Opel-Standort die Entstehung neuer Produktion verhindert.
  • Logistik bietet je Fläche weniger Arbeitsplätze als Produktion. Dennoch sind 600 Arbeitsplätze eine ganze Menge. Auf ehemalige Produktionsglände Produktion – also Industrie – zu setzen, ist aber ggf. besser. Klar, die muss aber erst gewonnen werden. Es ist aber bei einer Beurteilung auch richtig zu schauen, was mit einer Ansiedlung verhindert wird. Die Fläche des Opel-Werks I für Neuansiedlung wird kleiner, möge es aber nicht echte Industrieansiedlungen verhindern. ’s wäre doof gelaufen, wenn die 600 Arbeitsplätze weitere 1.000 in der Produktion verhindern. Neben Dienstleistungen wird Produktion gebraucht.
  • Die Herrichtung und Sanierung des Geländes wird mehr Geld verschlingen, als das Gelände wert ist. So meine Erwartungshaltung. Hinzu kommt meine Sorge, dass das Geld nicht reichen wird und die Opel-Beteiligung nur gering bis symbolisch ist. Zwar wird verkündet, dass das Geld vom Grundstückserwerb für die Gesellschaft Bochum Perspektive 2022 zu Verfügung steht, aber recht das? Oder bleibt die Stadt Bochum am Ende auf Kosten sitzen? Die Gefahr sehe ich.

Schaue ich mir an, dass die Gespräche und Vereinbarungen über die Schiene Opel und Landesregierung laufen, nicht über die gemeinsame Entwicklungsgesellschaft „Perspektive 2022“, dann bin ich besorgt, dass da zu viel Politik drin ist. Wird hier der schnelle Erfolg vor der Kommunalwahl gesucht? Der Katzenjammer mit Opel kommt dann nach der Wahl.
Sozialdemokraten habe ich im Verdacht, Erfolge in der vermeintlichen Industrie- und Ansiedlungspolitik, im Struktur ohne Rücksicht auf Kosten zu suchen. Da muss ich meine Hoffnung auf den grünen Koalitionspartner in Bochum und in Düsseldorf setzen.

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Kleine Presseschau

DerWesten: DHL plant Großlager auf Bochumer Opel-Gelände“ (31.03.2014)

Ruhrnachrichten: „Bochum Perspektive 2022 – Opel, DHL und Stadt geben Einzelheiten bekannt“ (31.03.2014)

Radio Bochum: „Die Deutsche Post DHL und Opel wollen morgen in Düsseldorf eine Partnerschaftserklärung unterzeichnen“ (31.03.2014)

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