Orkan-Tief: Der Ruhri kann defensiv fahren

Der Deutsche steigt in sein Auto und ist gleich schlechter Laune. Es wird gemotzt, gemckert, gedrängelt und gehupt. Er kann auch anders. Die Bürger der Metropole Ruhr bringen es bereits fertig, mehr Autos per Zeiteinheit über die A40 fahren zu lassen, als es andere Regionen Deutschlands bewerkstelligen. Der Tag nach dem Pfingsturm, den orkanartigen Böen des Orkantiefs Ela, brachte erhebliche Behinderung für den Verkehr. Meine Strecke von Wattenscheid in die Stadtmitte Essen brauchte 2 Stunden über eine Slalomstrecke einspuriger Straßen. Aber, es ging. Denn die Autofahrer nahmen Rücksicht. Ein wunderbar entspanntes Fahren in diese Ausnahmesituation.

Einspurige Berliner Straße, Wattenscheid
Einspurige Berliner Straße, Wattenscheid
Ich habe erlebt, wie eine ansonsten vierspurige Straße auf eine Spur schrumpfte. Ohne Ampel fuhr mal die eine Richtung mal die andere.An vielen Stellen waren Bürgersteige und Fahrradwege vollständig blockiert. Autofahrer nahmen Rücksicht und gaben von der verengten Straßen den Bürger noch etwas ab.

Das Reißverschlusssystem klappte und es wurden Lücke gelassen, um das Kreuzen aus Einmündungen und von entgegenkommenden Fahrzeugen zu ermöglichen. Straßen wurden zweispurige über lange Strecken genutzt, wo sich sonst in eine Reihe gedrängelt wird. Es gibt noch Zusammenhalt und Rücksichtnahme.

Blockierter Bürgersteig in Essen-Huttrop
Blockierter Bürgersteig in Essen-Huttrop

Lass das mal den Fachmann machen?

Allerdings hat mich eines gewundert. Ich sah keine Menschen, die spontan anpackten, um herunliegende Bäume und Äste zu beseitigen. Zumindest beiseite schieben hätte oftmals geholfen. Und so sah ich am Abend noch vielfach eine blockierte rechte Spur oder Abbiegespuren an Kreuzungen. Allenfalls für Absperrungen mit Flatterband wurde abgesperrt. Haben wir Deutschen, zumindest die Großstadtbewohner, inzwischen so wenig Wissen um Bäume, dass selbst kleine Ästchen nicht mehr beseitigt werden? Ist das nur was für Fachleute oder Behörden?

Okay, das ist nicht immer einfach. Auf einer Brachfläche neben meinem Parkplatz haben sich heute Äste aus vermutlich privaten Gärten angesammelt. Auf dem Bürgersteig liegt ein paar Meter weiter liegt noch ein großer Ast. Den ziehe ich am Mittwochmorgen dann wenigstens rüber zu Brachfläche. Leute, packt an, da wo’s geht.

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