Ruhrparlament: 8 Parteien haben Chancen

Am 25. Mai 2014 wählen die Bürger der Metropole Ruhr auch ein neues Ruhrparlament – ohne es zu merken. Die Wahlen erfolgen indirekt über Wahlmänner, als die die neu gewählten Mitglieder der Räte der kreisfreien Städte und der Kreistage dienen. Ausschlaggebend ist bei der Wahl, welche Parteien und Listen zur Wahl ins Ruhrparlament antreten und ob diese weitgehend flächendeckend antreten. Denn nur dann können Stimmen fürs Ruhrparlament umgerechnet werden.

Nach Auswertungen der eingereichten, gültigen Wahlvorschläge der 11 Städte und 4 Kreise der Metropole Ruhr haben folgende Parteien bzw. Listen absehbar eine Chance auf Einzug ins Ruhrparlament, sofern sie bei den Stimmen ein passables Ergebnis vom Bürger vor Ort erhalten:

  • CDU, SPD, GRÜNE, FDP, DIE LINKE
    Diese 5 Parteien treten in alles Mitgieldskommune des RVR zur Wahl an. Weitgehend haben Sie bereits Reservelisten für den RVR gewählt, so dass sie Stimmen für das Ruhrparlament sammeln können.
  • Freie Wähler
    In vielen Kommunen gibt es freie und unabhängige Wählergemeinschaften. Einige davon gehören der Gruppe der ‚Freien Wähler NRW‘ an, aber nicht alle. Für die Wahl zum Kreistag Wesel finden sich kommunale Gruppen sogar zu einer Vereinigung der kommunalen Wählergemeinschaften zusammen. Die freien Wählergruppen haben zur letzten Kommunalwahl eine gemeinsame Liste für den RVR abgegeben. Da die zugehörigen Listen in einigen Städten sehr erfolgreich sind, konnten die Freie Wähler von 2009 bis 2014 einen Vertreter ins Ruhrparlament entsenden.

    Folgende Listen gehören dem ‚Dachverband‘ an: Essener Bürgerbündnis (EBB), Mülheimer Bürger-Initiativen (MBI), Bürger Union in Duisburg, Freie Wählergemeinschaft Hamm, Bürger für Hagen, Freie Wähler Ennepe-Ruhr, Freie Wähler/ Freie Liste Unna und die Vereinigte Wählergemeinschaften (VWG) im Kreis Wesel. (Die VWG ist komplex.)

  • Alternative für Deutschland (AfD)
    Die AfD hat Listen zu allen Wahlen der Vertretungen der Mitgliedsköroperschaften eingereicht, außer für Oberhausen und die Kreise Recklinghausen und Unna.
  • PIRATEN (Piratenpartei)
    Nur in Oberhausen hat es die Piratenpartei nicht geschafft, eine gültige Liste abzugeben.

Die Palette der wählbaren Parteien und Listen ist in den Kommunen viel breiter als bei anderen Wahlen. Daher fallen die Stimmen für viele Gruppen bei der indirekten Wahl unter den Tisch, da sie – völlig chancenlos – nicht antreten. Nur eine eine Stimmme bei der Kommunalwahl für eine flächendeckend in der Metropole Ruhr antretende Liste kann auch regional verwertet werden. Das ist unbefriedigend und spricht für eine Direktwahl des Ruhrparlaments.

Die rechtsextremen Parteien sind zersplittert

Die positive Nachricht an der Übersicht ist, dass – ohne Blick auf eine umstrittene Einordnung der AfD – die rechtsextremen Parteien in der Metropole Ruhr nicht einheitlich auftreten.
Eine Übersicht für die kreisfreien Städte und Kreistage: Die NPD tritt an in Bochum, Dortmund, Essen und Duisburg. PRO NRW kandidiert in Bochum, Essen, Gelsenkirchen, Duisburg und Hagen. ‚Die Rechte‘ kandidiert in Dortmund und Hamm. Die Republikaner kandidieren in Essen. Allenfalls ‚PRO NRW‘ hätte einen Ansatz für eine erfolgreiche Kandidatur für das Ruhrparlament, da sie für 5 Mitgliedskommunen kandidiert.

Hintergrund: Wahlmodus eliminiert kleine Listen

Frühjahrsputz in der Metropole Ruhr
Frühjahrsputz in der Metropole Ruhr

Wer mehr Stimmen erhält, erhält mehr Sitze. Die Regeln bei indirekten Wahlen sind etwas schwieriger. Bei der Bildung der ‚Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr‘ wird trotz es späteren Urnengangs der vorgenannten Wahlmänner und -frauen vom Ergebnis der Wahlen zum Stadtrat bzw. Kreistag auf das regionale Wahlergebnis geschlossen. Das Verfahren ist in §10 des RVR-Gesetzes beschrieben, aber entscheidend ist folgender Absatz 4 (Unterstreichung durch den Autor):

Entspricht die Sitzverteilung in der Verbandsversammlung aufgrund des Erststimmenergebnisses (Absatz 2) nicht dem Ergebnis, das sich bei einer Sitzverteilung nach dem Verfahren der mathematischen Proportion auf der Grundlage der von den Parteien und Wählergruppen bei den letzten allgemeinen Wahlen zu den Vertretungen der Mitgliedskörperschaften erzielten gültigen Stimmen ergeben würde, so ist eine neue Ausgangszahl für die Verteilung weiterer Sitze (Verhältnisausgleich) zu bilden. [… ] Bei den Berechnungen nach den Sätzen 1 bis 3 bleiben die Stimmenzahlen solcher Parteien oder Wählergruppen außer Betracht, für die keine Reserveliste eingereicht worden ist. Sie nehmen am Verhältnisausgleich nicht teil.

Es gibt also zwei Kriterien, die entscheidend sind. Zum einen muss eine Liste eingereicht werden. Die Fristen für die Abgaben laufen aber noch über den 25. Mai 2014 hinaus. Mehrere Gruppen haben davon schon Gebrauch gemacht. Zum anderen ist erforderlich, dass überhaupt genug Stimmen für mindestens 1 Sitz zusammenkommen. Eine Liste, die nur wenige Sitze isoliert in einem Stadtrat erhält, hat rechnerisch keine Chance. Es sei denn es bestehen Listenverbindungen, wie es regelmäßig bei freien Wählergruppen vorkommt.

So wurden die Chancen für die oben genannten 8 Listen ermittelt: CDU, SPD, Grüne, FDP, DIE LINKE, AfD, PIRATEN und Freie Wähler.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.