D & W Firmensitz

Tuningszene Ruhrgebiet ohne Freunde? – Eine Szene wird kriminalisiert

Es ist Zeit über eine soziale Randgruppe zu schrieben: Die Tuning Freaks. In den USA und in Deutschland werden darunter Personen verstanden, deren Hobby es ist, Autos – in der Regel ihr eigenes – „aufzumotzen“. Unter Aufmotzen verstehe ich das Verbessern der Leistung des Autos, manchmal auch nur des Scheins. Mein erstes Auto war in dem Sinne auch getunt. Meine Eltern hatten es, als sie es noch fuhren und bevor sie es mir schenkten, tiefer legen (über die Federn), verbreitern (da kam was ran), einen Sportauspuff und ein Sportlenkrad montieren lassen. Es handelte sich um einen weißen Opel Corsa B. Damit hat mein Leben als Autofahrer mit einem Unterschicht-typischen, getunten Fahrzeug begonnen !?! Ich komme mir nicht so vor. Dennoch mich nervt das Vorgehen gegen die Tuningszene in der Metropole Ruhr inzwischen.

Tuner im Gespräch
Tuner im Gespräch
Anlass meines Beitrag ist eine Sperrung auf dem Gelände von Phoenix-West in Dortmund. Mit dieser sollte die Tuning Szene getroffen werden. Vermutlich ging das Treiben einigen genervten Anwohner auf die Nerven. Allerdings wurde in Dortmund-Hörde gleich übertriebe. Die Ruhrnachrichten Dortmund schreiben:

Die Sperrung von Phoenix-West erfolge auf Kosten vieler Bürger, die ihrem Hobby nachgehen wollten. Ihr liege eine falsche Reduzierung auf „kriminelle Raser“ zugrunde. Die Verwaltung habe die Sperrung beschlossen, ohne ausreichend dokumentieren zu können, dass die Tuner tatsächlich ein Problem seien.

Genau! Das gleiche passiert gerade in Wattenscheid, wo an der A 40-Ausfahrt Dückerweg neben McDonald’s und Burger King die Tuning-Firma D & W ihren Laden hat (siehe Foto).

D & W Firmensitz
Tuner D & W am Dückerweg, Wattenscheid

SPD kämpf gegen Tuner

In Wattenscheid geht seit einigen Monaten die SPD-Kommunalpolitikerin Christina Knappe gegen die Tuning-Szene vor. Wie ich sie verstanden habe, haben sich bei ihr Anwohner der Grünstraße beschwert. Das wird ihre Klientel sein, für die sie auch schon mal für ein Stück neuen Asphalt kämpft (siehe BO 20132809(. Aus einer ihrer Anfragen (Nr. 20132331) – im Namen der SPD-Fraktion – gebe ich hier mal die Einleitung wieder, denn diese sagt alles:

Während der Jahre 1995 bis zur Einrichtung der Baustelle “Erweiterung der A 40“ zwischen Gelsenkirchen-Süd und Bochum-Hamme haben an der Ausfahrt Dückerweg nahe der Firma D&W regelmäßig Treffen so genannter “Tuning Freaks “ stattgefunden. Nach regelmäßigen Einsätzen der Polizei aufgrund erheblicher Beschwerden von Anwohnern und aus der Politik hat sich die Situation entspannt. Die “Autofreaks“ haben das Bochumer Stadtgebiet gemieden und sind in benachbarte Städte wie Oberhausen, Essen oder Duisburg ausgewichen. Diese Kommunen haben solche Treffen – auch mit Hilfe der Polizei – ab sofort unterbunden. Der Baufortschritt auf der A-40-Baustelle bis Ende 2014 lässt die Autoliebhaber wieder auf den Bereich an der Ausfahrt Dückerweg aufmerksam werden. Die Polizei ist nach Darstellung von Anwohnern personell nicht in der Lage, die Situation zufriedenstellend zu regeln.

Es liest für mich, als ob hier eine sich täglich treffende kriminelle Drogenszene o. ä. vertrieben werden müsste. In einem Antrag der SPD für eine Bürgerversammlung zum Thema heißt es: Die katastrophalen Verhältnisse im Bereich „Dückerweg“ (D&W, Burger King, Mc Donald) sind unhaltbar. Ich war jetzt ein paarmal da. Die Zustände sind nicht unhaltbar. Da stehen ein paar Wagen auf dem Parkplatz rum und einige Tuner samt Fans unterhalten sich.

Nicht jedes Wochenende gibt es ein großes Tuner-Treffen

Klar, es gibt Tage wie den Karfreitag. Da muss etwas geregelt werden. Mehr Rücksichtnahme hilft und sicher auch die Geschwindigkeitskontrollen und Fahrzeugkontrollen. Über Facebook etc. verbreiten sich die Kontrollen schnell in der Szene, so dass die viele Tuner gewarnt sind. Gewarnt sind dann gerade der Anteil der negativ auffallenden Tuner, die verbotene Autorennen veranstalten und deren Umbauten keine Zulassung haben. Die Zeitungen berichten regelmäßig dazu. Aber das sind Ausnahmen, die sich nicht jedes Wochenende ereignen. Mehrmals im Jahr wird mir jedoch von großen Tuningtreffen berichtet. Die müssen sich doch regeln lassen, ohne gleich das Hobby vieler mit einem Verbot zu belegen!

Der Dückerweg und die Grünstraße müssten quasi zum „Sperrbezirk“ werden, um die Freizügigkeit der Tuning Freaks einzuschränken. Aber das gelingt auch bald, denn erst einmal soll eine Zufahrt zum Gelände dicht gemacht werden. Das liest sich in einer Antwort der Verwaltung (20140164) so:

Die Anregung, die Fritz-Reuter-Straße im Abschnitt zwischen Ridderstraße und Westenfelder Straße aus dem Vorbehaltsnetz herauszunehmen, wurde untersucht. Eine Herausnahme dieses Straßenabschnitts aus dem Vorbehaltsnetz ist hinsichtlich der Funktion im Straßennetz denkbar.

Eine entsprechende Beschlussvorlage wird erstellt und den zuständigen Gremien vorgestellt.

Was tun? Ja, aber nicht die Tuner kriminalisieren!

Ich krieg’s Kotzen. Hier sollen Leute kriminalisiert werden. Statt nach einer Lösung für Großveranstaltungen zu suchen, werden Verbote errichtet. Mit dem Ordnungsrecht soll die Szene verdrängt werden. Das passiert dann auch noch an anderen Stellen in der Metropole Ruhr. Am Dückerweg in Wattenscheid hat noch ein mittelständisches Unternehmen seinen Sitz, das von den Tunern lebt. In Wattenscheid wird auch der falsche Weg eingeschlagen. Tuning ist ein Hobby ohne politische Lobby. Immer druff! Bei den örtlichen Wählern kann sich mit Verboten profiliert werden. Glückwunsch an SPD-Politiker wie Frau Knappe. Ich werde da nicht mitmachen. Gegen Auswüchse kann auch anders vorgegangen werden.

Parkplatz am Dückerweg, Wattenscheid
Tuner-Treff: Parkplatz vor D & W, A 40, Ausfahrt Dückerweg

Der Manta-Fahrer als Prototyp des Tuners?

Wer nicht weiß, was diese Tunigszene ist, also was die Tuning Freak da so treiben, den weise ich auf den Wikipedia-Artikel zu Fahrzeugtuning hin:

Bei Liebhabern ist Fahrzeugtuning ein mit Ernsthaftigkeit betriebenes Hobby, das Fan-Charakter haben kann. Freunde des Tunings sind in vielerlei Hinsicht vernetzt, sie geben Zeitschriften heraus, organisieren Veranstaltungen und Treffen, so dass man von einer Tuningszene bzw. von regionalen Tuningszenen sprechen kann. […]
Außerhalb ihrer Szene haben Tuningfans oft ein klischeehaftes, teilweise negatives Image. Gemäß diesem Klischee werden Eigenschaften wie Imponierverhalten, prollige Umgangsformen, aggressiver Fahrstil usw. mit Fahrern von Tuningfahrzeugen assoziiert. Insbesondere der „Mantafahrer“ war ein beliebter Gegenstand von Witzen, die diese Stereotypen zum Inhalt hatten.

Der Manta-Fahrer, den es so gar nicht mehr gibt, ist als nur das Klischee des Tuning-Fans.

P.S.: Bereits 2007 konnte die Polizei keine Straßenrennen feststellen, auch nicht auf der Fritz-Reuter-Straße, siehe diese Mitteilung Nr. 20071638. Da parken auch zuviele Autos.

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