Auf welche Teilnehmer die RuhrGames sträflich verzichteten

Am letzten, langen Wochenende fanden in der Metropole Ruhr die RuhrGames statt. Ausgerichtet vom Regionalverband Ruhr (RVR) bzw. in seinem Auftrag von einer Agentur. Die Eröffnungsfeier am Mittwoch vor Fronleichnam auf Zeche Zollverein ließ ein Problem erahnen, dass dann auch eintraf: Es waren zuwenig Zuschauer da. Die Feier im Außenbereich des UNESCO-Weltkulturerbes zeigte ein Bild, auf dem die Leute vor der Bühne noch dichter hätten stehen können. Auch war die Zielgruppe – Kinder und Jugendlich – nicht so stark vertreten, wie es wünschenswert wäre. Die Organisatoren haben die Zielgruppe verfehlt. Da wird für die Fortsetzung dieses neuen Veranstaltungsformats nachgesteuert werden müssen.

Im Vorfeld zeichnete sich eine Lücke ab, die ein paar Monate zuvor bei den Sportvereinen der Region aufschlug. Die Ansprache über den institutionalisierten Sport war recht spät erfolgt. Über die Sportbünde, Stadtsportbünde, Stadtjungedsportbünde etc. war in einigen Kommunen ein Aufruf erfolgt, sich zu beteiliegen, zum Beispiel durch eine Einladung ausländischer Partner. Einige Vereine wunderten sich, denn für derartige Auslandsaktivitäten brauchen sie ein Jahr Vorlauf. Wohlgemerkt, hier bewegt man sich im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit, nicht in Konzernstrukturen.
So gab es vorab auch bereits einige Verärgerung über intransparente Vergaben für Beiträge bei den RuhrGames und sowieso Vorbehalte gegenüber dem RVR mit nur einer geringen Sportförderung. Ein Echo blieb dabei aus.

Bühne mit Vorplatz, Zollverein
Bühne mit Vorplatz, Zollverein

Eigene Stärke bei Ansprache des institutionellen Sports in Vereinen und Schulen nicht genutzt

Trendsportarten sind nett und „trendy“, aber haben längst nicht die organisatorische Dichte, die breite Menge Jugendlicher anzusprechen und zur gemeinsamen Anreise zu bewegen. Breitensport und Mannschaftssportarten, auch solche, bei denen die Familie als Zuschauer kommt, waren zudem nicht angesagt. Da hilft dann auch keine Internetwerbung, die 200 Leute auf einem social media-Kanal zusammenbringt.

Nicht nur der organisierte Sport und die Kommunalverwaltungen wurden nicht eingebunden. Die Ansprache über Schulen sah mager aus. Dabei wird gerade eine Stärke der „öffentlichen Hand“ außer acht gelassen. Sie kann gerade über diese offiziellen Strukturen gehen. So haben RVR und Agentur es dabei bewenden lassen, auf Werbung zu setzten. Die Zielgruppe wurde online nicht hinreichend erreicht, der Werbeetat ist endlich und die eigene Stärke des institutionellen Zugangs zum Sport wurde nicht ausgespielt.

Die Veranstaltung war hipp, aber die Kindern und Jugendlichen haben es nicht bemerkt. Etwas zuviel Kopfgeburt von Marketingleuten. Hier muss für die nächsten RuhrGames im Jahr 2017 nachgebessert werden. Dann werden es auch mehr Besucher.

Noch Platz auf Zollverein
Noch Platz auf Zollverein

Und dann gab’s noch ein paar Mißverständnisse. Interessiert es Jugendliche wirklich, dass sie vom Essener Hauptbahnhof alle halbe Stunde mit einer historischen Straßenbahn zu Zollverein fahren können?

Links zu Berichten über die RuhrGames

Radio Essen: Besucher der Ruhr Games auf Zollverein können heute mit ganz besonderen Straßenbahnen nach Stoppenberg fahren., 06.06.2015

RVR: Ruhr Games erfolgreich gestartet / vier Tage Sport, Jugendkultur und Europa in der Metropole Ruhr, 06.06.2015

Schraege-O: “Ruhr Games” hätten mehr Besucher verdient gehabt, Andreas Reusch, 06.06.2015

WAZ Essen: Ruhr Games hätten mehr Werbung und Zuschauer verdient, Thorsten Schabelon, 05.06.2015

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