Hundertwasser Lebenslinien, Osthaus-Museum

Dem östereichischen Spiralform-Künstler und Gegner der geraden Line Friedrich Hundertwasser (1928-2000) widmet das Osthaus-Museum in Hagen die Ausstellung „Hindertwasser Lebenslinien“ (1.2.-10.5.2015). Dabei werden nicht nur didaktisch erläuterte Werkgruppen an die Wände der Ausstellungsräume gehängt, sondern auch Objekte wie Tapisserien ausgestellt. Dazu kommen mehrere Vitrinen mit Architekturmodellen.

Das Wertvolle der Ausstellung scheint mir nicht nur die vermittelte Erkenntnis über die Bedeutung der Spirale für das Werk des naturverbundenen Künstlers, sondern ergänzend über sein Schaffen immer und überall ohne Atelier, auf gefundenen Materialien, mit selbsterstellten Materialien und Bildträgern, die selbstaufgezogen oder -aufgeklebt als Option in Kästen montiert wurden – von ihm selber. Das rühmt auch die Pressemitteilung der Aussteller:

ÜBERBLICK ÜBER ALLE TÄTIGKEITSBEREICHE
Das Osthaus Museum Hagen widmet Friedensreich Hundertwasser in Kooperation mit der Hundertwasser Gemeinnützige Privatstiftung und DIE GALERIE Frankfurt eine umfassende Ausstellung, die alle Tätigkeitsbereiche würdigt: Malerei, Druckgraphik, angewandte Kunst, Architektur und Ökologie. In jedem dieser Felder hat der Künstler eine individuelle Sprache gefunden, die unverkennbar seine Züge trägt, eigenwillig und konsequent, mahnend, Beispiel gebend und neue Wege aufzeigend.

Hundertwasser – Seine Träume in allen Tätigkeitsbereichen


„Meine Bilder sind die Ernte meiner Träume“, sagte Friedensreich, und: „Wenn ich male, träume ich.“ (Zitate von 1972) Ein baumliebender Kreativer, der davon überzeugt war, dass das Paradies auf Erden sei. Wir müssen es nur erkennen. Zu seinen Bildern gehören Titel aus Worten und Sätzen, zum Beispiel die „Die Wellen des Igels“ (1957) und „Gelbe Träne“ oder „je ne sais pas encore“.

Es ist mir bisher schwer gefallen, den Künstler Hundertwasser zu fassen – trotz oder gerade wegen eines touristischen Besuchs am Hundertwasser-Haus in Wien. Die Hagener Ausstellung vermittelt ein Verständnis für den Zugang zu seinem Werk, seiner Naturverbundenheit und Ablehnung des Technischen. – „Die Waagerechte gehört der Natur, die Senkrechte dem Menschen.“

Fotografieren verboten

Eingang Osthausmuseum
Eingang Osthausmuseum, Ausstellung „Hundertwasser Lebenslinien“
Gerade mit Blick auf die Architekturmodelle ist es bedauerlich, dass Hobbyfotografen keine eigene Auseinandersetzung mit dem Werk des Künstlers ermöglicht wird. Viele Leihgeber, denen für die Bereitstellung dennoch gedankt werden muss, lehnen es ab, ihr Eigentum fotografieren zu lassen. Schade. Das Werk als Beispiel für die Ausstellung – „Der Traum des toten Indianers“ ist bezeichnenderweise im Besitz des Osthaus-Museum. Das Hagen Ursprungsmuseums des Folkwang-Stifters ehrt diese Ausstellung.
Auch im Eingangsbereich des Museum fällt die urheberrechtliche Problematik gleich auf. Rechts neben dem Entrée findet sich kein Werk des Künstlers, sondern eine „Hommage an Hundertwasser“ das seinen Stil aufgreift und von Hagener Künstlern gestaltet wurde. Es steht zugleich für das üppige Begleitprogramm der Ausstellung.

Das Schaffen Hundertwassers, das spätere mehr als das frühere, hat Formen hervorgebracht, die zitationsfähig sind. Spiralen und nicht gerade Linien sind solche Elemente. Sie werden als Gestaltungselemente überdauen, wie zum Beispiel grafische Werke im Stil von Keith Haring oder der Pop Art-Künstler Roy Lichtenstein und Andy Warhol.

Use Public Transport – Save The City

Der diskriminierende Eintritsspreis zu „Hundertwasser Lebenslinien“ für all diejenigen, die keinen Anspuch auf Ermäßigung haben, beträgt 9 €. Dafür gibt es eine gut aufbereitete Ausstellung mit 130 Werken, die ich mit dem gleichen Ticket gerne noch einmal besuchen würde. Idealerweise wird für die Anfahrt der öffentlichen Nahverkehr gewähltt, denn nur das wird dem Künstler gerecht. So findet sich neben dem berühmten „Save The Whales“ auch das Gemälde „Use Public Transport – Save The City“.

Ein Gedanke zu „Hundertwasser Lebenslinien, Osthaus-Museum“

  1. Vielen Dank für den Besuch in der Hundertwasser-Ausstellung und die kritische Auseinandersetzung! Schön, dass unsere Intention, den Künstler Hundertwasser in seiner Vielseitigkeit erfahrbar zu machen, auf so fruchtbaren Boden gestoßen ist. Es erstaunlich, in welchem Maße die aktuelle Präsentation auch Hundertwasser-Skeptiker zu überzeugen vermag.
    Natürlich ist die Situation immer schwierig, was das Fotografieren im Museum angeht, zumal sich oft andere Besucher auch gestört fühlen. Beim gestrigen #Followamuseum-Day wurde auf twitter über diese Problematiken ausführlich diskutiert, und auch mehrere Kulturblogs haben sich dieser Fragen angenommen (http://t.co/thRGTt93Zs). In unserem Fall sind wir sehr froh, dass Blogger mit Interesse am Kunst- und Kulturbereich nach Anmeldung im Rahmen einer Berichterstattung eine Sondererlaubnis zum Fotografieren erhalten können, was vereinzelt auch schon genutzt wurde.
    Vielleicht darf noch angemerkt werden, dass mit dem 9 Euro Vollzahler-Ticket auch das Emil Schumacher Museum besucht werden kann, man also im Hagener Kunstquartier neben Hundertwasser, der ständigen Sammlung des Osthaus Museums mit Werken der klassischen Moderen, Sonderausstellungen wie der derzeitigen zu Alfred Flechtheim, und dem Jungen Museum eben auch das komplette Schumacher-Museum sehen und einen sehr wichtigen Künstler der deutschen Kunstgeschichte kennen lernen kann.
    Wir freuen uns auf zukünftige Besuche von „Schmidt’s Katze“ und wünschen viel Freude bei allen kommenden Kultur-Entdeckungen!

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