IKEA in Bottrop beginnt den Weg durch die Planungsinstanzen

Mit viel Aufmerksamkeit bedacht, auch hier im Blog, haben der Möbelmarkt IKEA und die Stadt Bottrop am 10.02.2015 ihre Pläne für den Bau eines fünften Möbelhauses im Ruhrgebiet bekannt gegeben. Und BILD verkündet das beispielsweise euphorisch mit den Lettern „Hej, Bottrop“. Ist diese Euphorie begründet? Eine nüchterne Analyse der Pressemitteilung der Stadt Bottrop reduziert die Botschaft darauf, dass versucht werde, die Voraussetzungen für den Bau eines solchen Möbelmarktes im Grenzgebiet der Städte Bottrop, Gladbeck, Essen und Gelsenkirchen zu führen. Laut Pressemitteilung ist dafür mit Gladbeck, Gelsenkircehn und dem Regionalverband Ruhr (RVR) gesprochen worden. Mehr aber auch nicht.

Wenn die Absichtserklärungen von Oberbürgermeister Bernd Tischler (SPD) und IKEA-Vertretern genau angeschaut werden, dann bleibt nur, das IKEA nach Bottrop will. Als ideal wird dabei das neue Gewerbegebiet „Am Kraneburger Feld“ im Bottroper Süden (Boy) als Standort angesehen. Für das neue Gewerbegebiet muss aber erst einmal das Planungsrecht geschaffen werden, was sich so liest:

Unabhängig davon sind alle Auswirkungen der Ansiedlung auf die drei Städte und darüber hinaus im Rahmen eines noch durchzuführenden Bebauungsplanverfahrens ausführlich zu untersuchen und zu bewerten. Hierzu zählen insbesondere Umweltauswirkungen, verkehrliche Auswirkungen und Auswirkungen auf die vorhandenen Zentren.

Örtlicher Widerstand gegen Nutzung „Am Kraneburger Feld“

Ein Möbelhaus in einem Gewerbegebiet? Da werden wieder Schwierigkeiten mit dem zentrenrelevanten Einzelhandelssortiment auftreten. Wird das Möbelhaus vorhandene Einzelhandelszentren in einer schrumpfenden Region beeinträchtigen? Wird diese Nutzung dann so mit dem Flächennutzungsplan vereinbar sein. Die Möbel sind nicht das Problem, aber die berühmten Teelichter und das übrige Sortiment, dass nicht zum Kernbereich des Möbelhandels gehört. Und hier greifen dann die beschränken Vorschriften gegen neue große Märkte auf der grünen Wiese, die auch neu im Landesentwicklungsplan, Sachlicher Teilplan Einzelhandel, niedergelegt sind.

Hinzu werden noch die Bedenken von Umweltschützern und kleineren Parteien in Bottrop kommen. Die Bebauung des Kraneburger Felders ist nicht unumstritten. Die Bottroper Grünen fassen ihre Position zusammen mit: „Verzicht auf die Zerstörung des Kraneburger Feldes im Bottroper Süden ist möglich“, wenn andere bergbauloch vorgenutzte Flächen insbesondere der Ruhrkohle AG (RAG) zügig entwickelt werden, zum Beispiel jene aus der Bergbauflächenvereinbarung „Wandel als Chance“ (Prosper Haniel & Propser II)

Plakat zum Bürgerentscheid gegen die A52 in Gladebeck
Plakat zum Bürgerentscheid gegen die A52 in Gladebeck

IKEA Bottrop: Beförderung des Ausbaus der B224 zur BAB 52

Der Widerstand dürfte auch die Gegner des Ausbaus der Bundesautobahn A52 erwachen lassen, denn die verkehrliche Anbindung über die B224 wird Ausbaumaßnahmen auf Bottroper Stadtgebiet befördern. Die sind eh schon angestrebt, um den Lückenschluss der A52 zu bauen. Aber gerade dagegen gibt es gerade im benachbarten Gladbeck erheblichen Widerstand.

Planer OB Bernd Tischler

Screenshot aus dem elektronischen Flächennutzungsplan der Stad Bottop
Screenshot aus dem elektronischen Flächennutzungsplan der Stadt Bottrop, Kraneburger Feld markiert
Den politischen Widerstand und die planungsrechtlichen Hürden zu überwinden, ist jetzt Bottrops Oberbürgermeister Bernd Tischler angetreten. Fachlich kennt er sich aus, er war vorher Planungsdezernent der Stadt. Zugleich ist er in der zweiten Wahlperiode Vorsitzender des Planungsausschusses des Regionalverbands Ruhr (RVR). Das ist nicht unwichtig, denn hier wird mindestens eine regionalplanerische Stellungnahme zum Vorhaben erwartet werden, wenn die planerischen Fragen nicht allein in Bottrop geregelt werden können. Danach sieht es aus.

2 Gedanken zu „IKEA in Bottrop beginnt den Weg durch die Planungsinstanzen“

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