Nicola Mastroberardino (Claudio), Daniel Stock (Benedikt)

Viel Lärm um Nichts, Schauspielhaus

Shakespeares Komödie ‚Viel Lärm um Nichts‘ hatte am Samstagabend Premiere im Schauspielhaus Bochum. Die unter der Regie von Olaf Kröck (und Ensemble, siehe dazu RN)entstandene Adaption ist keine textgetreue Wiedergabe verbunden mit einer Kostümschlacht. Wer diese Form des ‚klassischen Theaters‘ sucht, war falsch? Szenen vermeintlich modernen Sprachgebrauch angepasste Passagen wechseln mit Bruchstücken ursprünglichen (deutschen) Texts. Der Plot wurde in ein Krankenhaus verlegt. Das Bühnenbild überzeugte.

In die Komödie waren Slapstick-Einlagen eingebaut. Diese waren vorhersehbar, was mich nicht gestört hat. Anders sahen das meine Begleitung und weitere Zuschauer. Beim zweiten Slapstick war zu hören: „Jetzt mach doch weiter.“ Aber des dauerte, bis der Ping-Pong-Ball erfolgreich auf dem Tischtennis-Tisch landete.

Etwas für Kenner …

Mich beschleicht ein wenig die Befürchtung, dass das Publikum Shakespeares Schauspiel kennen muss, um der Aufführung zu Folgen. Kürzungen fiel zum Opfer, warum die zurückgewiesene und mit einem Maschinengewehr erschossene Hero schließlich doch wieder lebt. Wie bei einem Treffen im Jenseits wird schlußendlich die Intrige, die zur Verleumdung der Hero führte, aufgelöst. Der Schwerpunkt der Iszenierung liegt auf der Entwicklung der Intrige gegen Claudio-Hero und der Verkuppelung von Benedikt-Beatrice. Auch um diesen Sätzen folgen zu können, muss die Handlung bekannt sein.

Es dürfte daher ein theateraffines Bildungsbürgertum sein, für das die Inszenierung erfolgte. Shakespeare Komödie sind meines Erachtens schwieriger zu folgen als seinen Dramen. Und das klassische Theater lockt ein spezifisches Milieu. So waren zur Premiere auch die üblichen Vertreter aus der Stadt zu sehen: Kommunalpolitiker diverser Parteien, Geschäftsfüher einiger Gesellschaften und der Präsident den Deutschen Bundestags, der Bochum Abgeordnete Dr. Norbert Lammert.

Leichte Unterhaltung für Kenner, Semiotik für Analytiker

Da es sich um eine Komödie handelt habe ich das Stück genossen. Ich bin Theater-Konsument. Mich beschleicht, dass die Masken des Balls eine tiefere Bedeutung haben. Ich vermute, dass das Blut nach dem Maschinengewehr-Massaker mir etwas sagen will. Aber ich verweiger mich der Anstrenung, herauszufinden, was das sein soll. Die Kontemplation überlasse ich denen, die diese suchen. Für sie ist auch was dabei. Ich fühlte mich unterhalten – so sehr, dass ich heute diese Zeile schreibe. Dann hatte ich noch zwei Kölsch.

Das Bühnenbild (Mascha Mazur) für ‚Viel Lärm um Nichts‘ ist recht aufwendig und drehbar. Es überzeugt. Irgendwas erinnert mich an die Iszenierung von Kafkas Amerika. Brilliert hat für mich Daniel Stock als Benedikt.

20150131DS Schauspiel Bochum ShakespeareIm Vormonat (Dezember 2014) erreichte das Schauspielhaus einen Besucherrekord seit Erfassung der Zuschauerzahlen im Jahr 1979: 45.405 Zuschauern und eine Auslastung von 84 %. Als Ursache wird das breite Spektrum des Programms gesehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.