Wolfgang Wendland kandidiert als Oberbürgermeister

Es ist die Meldung des Tages in Bochum und in Facebook-Timelines der Region. Der Wattenscheider Punk-Sänger Wolfgang Wendland will im September bei der Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Bochum kandidieren. Das verspricht, den Oberbürgermeister-Wahlkampf medial überregional interessant zu machen. Erste Spitzen von Sympathisanten gehen bereits gegen den vorgeschlagenen SPD-Kandidaten, den Landtagsabgeordneten Thomas Eiskirch (SPD). Wendland verfügt im Gegensatz zu Eiskirch über eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Ganz so abwegig ist die Kandidatur von Wolfgang Wendland, liebvoll „Woelfi“ genannt nicht. Er war immer schon politisch, nicht nur in den Liedtexte für seine Band ‚Die Kassierer‘. Da wurde schon mal der Polizeipräsident oder SPD und Grüne aufs Korn genommen. Das nur lokal bekannte, öffentliche Geheimnis ist, dass der 53-jährige sich politisch engagiert.

Der politische Weg des ‚unabhängigen‘ Wölfi

Zunächst soll Wolfgang Wendland Mitglied der CDU, Ortsverband Wattenscheid-Stadtmitte, gewesen sein. Aus dieser flog er zwangsweise raus, da die CDU keine Doppelmitgliedschaften und Kandidaturen für andere Parteien erlaubt. Wendland war Kanzlerkandidat der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschland (APPD) geworden.
Diese Kapital wurde abgeschlossen. Die Partei Die Linke kürte Wolfgang Wendland 2009 zu ihrem Spitzenkandidaten für die Wahl zur Stadtbezirksvertretung Wattenscheid, das zur Stadt Bochum gehört. Dadurch gewann Die Linke einen Sitz im Nachfolger des Wattenscheider Stadtrates. Dort hat der parteilose Wölfi fünf Jahre lang an der Kommunalpolitik der vor 40 Jahren nach Bochum eingemeindeten Hellwegstadt mitgewirkt.

Wolfgang Wendland der Realpolitiker?

Vieles sprach dafür, dass das politische Engagement Wendlands in der Bochumer Kommunalpolitik vorbei sei. Vor der Kommunalwahl hatte er zusammen mit allen weiteren Kommunalpolitikern, die über Listen der Partei Die Linke gewählt 2009 worden waren, seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur erklärt. Der Schritt wurde damit begründet, dass das Programm des Kreisverbands der Linken zur Kommunalwahl von der bisherigen, als realistische eingeschätzen Politik abweiche und illusorisch sei. Doch jetzt kommt es anders. Wendland will zur Wahl des Oberbürgermeister am 13. September 2015 antreten.

Erfolgreicher Alt-Punk mit erlerntem Beruf vs. linientreuer Polit-Sunnyboy ohne Abschluss

Favorit in der Ruhrgebiets-Stadt ist auf ersten Verdacht der örtliche SPD-Kandidat. Seit 1946 wurde Bochum ununterbrochen von sozialdemokratischen Bürgermeistern regiert; auch wenn die Konstellationen im kleineren und lange unabhängigen Wattenscheid mal anders waren. Für die SPD will mit Thomas Eiskirch ein Kandidat ans Rennen gehen, der die übliche Parteikarriere hinlegt. Über das Parteiengagement zum Vorsitzenden des Unterbezirks Bochum und dann auf den Stuhl des Oberbürgermeisters. Hierfür benötigt es in Nordrhein-Westfalen im Gegensatz zu Bundesländern wie Baden-Württemberg und zu Beamtenpositionen wie Beigeordneten keinerlei Qualifikation.

Diese Voraussetzung erfüllt Thomas Eiskirch. Er ist „Abiturient mit Führerschein“, wie man es im Ruhrgebiet mit seiner direkten Art salopp ausdrückt. Ein Studium oder eine Ausbildung hat er im Gegensatz zum Punker und Schauspieler Wolfgang Wendland nicht beendet. Letzterer ist gelernter Werbe- und Medienvorlagenhersteller, hat anschließend studiert. Erfolgreich ist er als Musiker und Schauspieler. Sein jüngstes Projekt ist eine Punk-Operette in Dortmund.

Eisfeld? Eiskirch? Eis-wer?

Was für ein Gegensatz also: Der erfolgreiche Alt-Punk mit erlerntem Beruf und der linientreue Polit-Sunnyboy ohne Abschluss. Mit der Kandidatur von Wendland als unabhängigem Kandidaten scheint der Wahlkampf in Bochum vom Salz der Unterhaltung zu gewinnen. Auch hier ist der Gegensatz gewaltig. Der Prominenz des SPD-Kandidaten in der Bochumer Bevölkerung steht die bundesweite Prominenz des Punk-Kandidaten gegenüber. Wer Wolfgang Wendland ist, weiß man in Hamburg und Berlin? Doch wer ist Thomas Eiskirch? Ist das nicht der neue Spieler des VfL Bochum? Ach nein, der heißt ja Thomas Eisfeld.

Einen Eindruck von Wolfgang Wendland in seinem kleinstädtischen Umfeld in Wattenscheid, dem Herzen der Metropole Ruhr, gibt obige, unpolitisches Video auf YouTube wieder. Weitere Infos zur Kandidatur gibt es derzeit auffindbar nur in der Facebook-Gruppe ‚Bürger für Wendland‚ und in einem Artikel der Ruhrnachrichten.

Links

Ruhrnachrichten: ‚Wolfgang Wendland kandidiert“Kassierer“-Sänger will Oberbürgermeister werden‚ (04.02.2015)

Ruhrbarone: ‚Bochumer Bürger fordern „Wolfgang Wendland soll Oberbürgermeister werden!“‚ (03.02.2015)

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