Geostrategische Bedeutung einer Pipeline für Flüssiggas (LNG) durch den Kreis Wesel

Es ist eine einfache Meldung über den Beginn eines Raumplanungsverfahrens im Kreis Wesel. Von der niederländischen Grenze kommend soll eine Pipeline bis ins westfälische Ahaus gebaut werden. Das Projekt trägt den Titel Zeelink. Das ist eine Meldung, die vielleicht gerade mal die Bewohner der betroffenen Städte und Gemeinden betrifft. Und ausweislich der Projektvorstellung im Internet, geht es auch nur um die Umstellung von L-Gas auf H-Gas, dass sich durch den Methangehalt im Erdgas unterscheidet. Die Maßnahme wird so begründet:

Mittelfristig wird der Anteil von L-Gas aufgrund sinkender Gasvorkommen in Deutschland und den Niederlanden zurückgehen; bis 2030 um etwa 90 Prozent.

Die ZEELINK Fernleitung sorgt dafür, dass neue H-Gas-Aufkommen aus Nord, Süd und West angebunden werden können. Sie sind damit auch eines der wichtigsten Verbindungsglieder für den Gastransport von Nord nach Süd. (siehe Zeelink.de)

Und ungefähr hier bleibt auch die Berichterstattung teilweise stecken, zum Beispiel bei der Rheinischen Post vom 9. Mai 2016. Ein bedeutendes Stück zusätzlicher Information ist, dass dadurch eine Verbindung zur Pipeline geschaffen wird, die die Terminals für verflüssigtes Erdgas in Zeebrugge anbinden (LNG-Terminal). Das Fachmedium Energate Messenger berichtet folgenden Hintergrund dazu:

Die rund 215 Kilometer lange Zeelink-Pipeline soll in zwei Abschnitten von der deutsch-belgischen Grenze nach Legden bei Ahaus verlaufen. Damit wollen die beiden Gasnetzbetreiber einen Zugang zum belgischen LNG schaffen, das im Zeebrugge-Terminal angelandet wird. Der Baubeginn ist für Ende 2018 geplant. Die Inbetriebnahme der Leitung ist für 2021 vorgesehen

Verflüssigtes Erdgas (LNG) soll Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen verringern

Zeelink.de selber stellt sein Projekt oberflächlicher als Verbindung zwischen Nord, Süd und West dar. Da fehlt der Osten, aus dem Deutschland derzeit reichlich Erdgas bezieht. Das Projekt der Zeelink-Pipeline hat geostrategische Bedeutung. Es geht darum, den Anteil russischen Erdgases zu verringern. Es geht darum, wirtschaftliche und außenpolitische Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Das wird viele Jahren dauern. Dazu gehört, dass Potenzial Europas, seinen Energiebedarf auch mit verflüssigtem Erdgas (liquid/liquefied natural gas – LNG) zu decken, das per Schiff zum Beispiel aus USA, Kanada oder Katar angelandet wird. Dazu passt auch die Meldung vor gut zwei Wochen, dass im Hafen Brunsbüttel erstmalig eine Kesselwaggon mit LNG beladen worden sei. (vgl. Die Welt, Brunsbüttel ringt um LNG-Terminal, 26.04.2016

Der Anteil russischen Erdgas in Deutschland beträgt etwa 40 Prozent. Aufgrund wegfallender Quellen in Deutschland und den Niederlanden (siehe obige Projektbeschreibung von Zeelink) wird der Anteil russischen Gas weiter steigen. Die Erschließung von LNG verringert die Abhängigkeit von einem Energieträger und „einer Energiequelle“. Diese Abhängigkeit ist in ostmitteleuropäischen und osteuropäischen Ländern noch wesentlich ausgeprägter.
Bereits der Titel eines Bericht des Wall Street Journals bringt es auf den Punkt: With U.S. Gas, Europe Seeks Escape From Russia’s Energy Grip (25.02.2016)

Das Projekt betrifft nicht nur die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Wesel. Das Projekt wird durch OpenGrid und ThyssenGas realisiert. (siehe auch RVR-Drs. 13/0242)

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