Ich bin kein Zuchtvieh! – Mode-Bloggerin Miss Kittenheel übers Frauenbild der AfD

MissKittenheel zum Progamm der AfD
Miss Kittenheel – Vintage-Bloggerin kommentiert Parteiprogramm der AfD
Sie arbeitet als Landschaftsarchitektin und bloggt über Vintage-Mode in Plus-Size-Größe. Sie näht ihre eigenen Hütchen und bemüht sich Shopping Queen zu werden. Jetzt hat sich Miss Kittenheel in einem Blogbeitrag mit erhobenen Stinkefinger das neue Grundsatzprogramm der AfD angegriffen. Wer sie persönlich kennt, weiss das sie sich im Bochumer Stadtrat als unabhängiges Ratsmitglied politisch engagiert. Aber wird so ein themenfremder Blogeintrag nicht ihre Leser vergraulen? Ein Interview.

Miss Kittenheel, Du hast Dich in Deinem Blog zum neuen Grundsatzprogramm der AfD geäußert. Was hat Dich dazu bewegt?

Eine Partei, die meine Rechte als Frau massiv verändern möchte, kann ich belächeln – das ist auch ok, solange besagte Partei nur in zugigen Fussgängerzonen steht. Zieht eine solche Partei allerdings in mehrere Landtage zunächst knapp über der 5% Hürde, aber zuletzt mit 13-25% ein, ist es ratsam sich genau anzusehen, was die denn wollen.

Ist ein Modeblog nicht der falsche Ort für eine Diskussion über die Ziele der AfD?

Auf den ersten Blick vielleicht, aber in meinem Blog geht es auch um Bodypositivity, also ein besseres Körperbewusstsein zu bekommen, was nicht mit Diäten zu verwechseln ist.

Wir leben – ob uns das passt oder nicht – in einer Welt in der die Politik die Regeln vorgibt. Das fängt bei der Mehrwertsteuer für ein Päckchen Kaugummi an, geht darüber ob ich als dicker Mensch höhere Krankenkassenbeiträge zahlen soll, aber auch wie ich leben möchte. Politik greift durchaus darin ein, wie wir leben dürfen. Die Ehe ist immer noch gemischtgeschlechtlich. Alles andere sind nur eingetragene Partnerschaften.

Über die allgemeinen Ziele haben andere schon genug geschrieben. Berichte über Politik werden oft nur von denen gelesen, die sich sowieso schon dafür interessieren. Mit meinem Blog möchte ich darüber mit meinen Leserinnen diskutieren. Denn es betrifft uns auch als Frauen. Darüber wie wir leben. Und das Frauenbild der AfD, wie es sich mir präsentiert, gefällt mir gar nicht.

Was stört Dich daran, was die AfD über Frauen und ihre Rolle in Gesellschaft und Familie schreibt?

Das Frauenbild der AfD scheint mir trotz der zwei Aushänge-Politikerinnen Petry und von Storch stehengeblieben zu sein. Forderungen nach dem alten Familienrecht von vor 1976 sprechen für mich dafür. Natürlich dürfen Frauen, die für ihre Familie da sein wollen, nicht benachteiligt werden. Aber Frauen können mittlerweile ihren Partner verlassen, ohne sich darum sorgen zu müssen, ob sie die Kinder behalten können.

Für mich ist die AfD in erster Linie eine Partei verbitterter Männer, die sich abgehängt von den gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten mindestens 30 Jahre fühlen.

Modeblog mit Beitrag zum Frauenbild der AfD
Blog Miss Kittenheel: vintage | plus-size | style
Sollten Frauen nicht selber die Wahl treffen dürfen, ob sie nach einer 'traditionellen Rolle' leben wollen oder nicht?

Am Anfang schwurbelt die AfD viel über Freiheit. Ich will frei über mein Leben entscheiden. Ich will nicht zurück in Zeiten, in denen man nicht sagen darf, dass es Menschen gibt die anders als die meisten leben. Meine Art zu leben schränkt eigentlich nicht irgendjemand anders ein. Ich begreife auch nicht warum. Es sei denn derjenige hat Angst um seinen Bestand.

Ich störe mich am dem Ausdruck „traditionelle Rolle“. Ich will meine Rolle selber bestimmen können. Für mich haben Männer und Frauen die gleichen Rechte. Das beinhaltet auch, wie ich mein Leben gestalten will.

Lässt die AfD denn Frauen nicht eine Wahlfreiheit, ob sie nach einer 'traditionellen Rolle' leben wollen oder nicht?

Vordergründig schon, aber wenn sämtliche Förderungen und Erleichterungen an meinen Familienstatus, also ob heteronormativ verheiratet oder nicht, gebunden werden – fällt einiges an Wahl weg. Ebenso wie die Vorgabe der zeitlichen Verfügbarkeit von Eltern. Mich gruselt es wenn eine Partei fordert, dass ich drei Kinder bekommen soll, weil sonst das „Volk ausstirbt“. Für ich gehört das nicht zu den Aufgaben einer freiheitlich-demokratischen Regierung oder Staates, sich darin einzumischen. Ich bin kein Zuchtvieh!

Miss Kittenheel geht im Beitrag 'Mit mir nicht, meine Herren' auf Details des Grundsatzprogramms der AfD ein.

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