Archiv der Kategorie: Ruhr.2010

Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010

3. Kulturkonferenz Ruhr – Intentional zum Klimawandel

Am Dienstag fand in der Stadthalle in Hagen die 3. Kulturkonferenz Ruhr statt. Sie hat mir besser gefallen als ihre beiden Vorgänger. Ich denke, dass liegt daran, dass die Konferenz intentional für ein Ziel des Veranstalters Regionalverband Ruhr (RVR) erfolgt. Das Thema „Kultur und Klimawandel“ erfolgt in einer Auftaktwoche des RVR zum Klimawandel vom 27.09. bis 03.10. und in Vorbereitung auf ein Schaufenster im Rahmen der Klima.Expo.NRW 2022. Kritiker dürften sagen, die Kulturkonferenz wurde instrumentalisiert. Ich sage: Gott sei Dank. Es hat sie gerettet.

Kopf der Einladung zur 3. Kulturkonferenz Ruhr
3. Kulturkonferenz Ruhr: Kultur und Klimawandel

Klimakultur in der Stadthalle Hagen

Es waren deutlich weniger Teilnehmer erschienen als in den Vorjahren. Anhand der Teilnehmerliste schätze ich 240 Angemeldete, von denen sicher nicht alle gekommen sein. Das mag ein wenig an der nicht zentralen Lage des Veranstaltungsortes liegen. Ich schätze jedoch, dass die Themenwahl die Teilnehmer verändert hat. Und verändert hat sich auch der Kulturbegriff, der der Veranstaltung zugrunde lag. Fernab von einem tiefen Verständnis der semantischen Bandbreite des Kulturbegriffs ging es etwas mehr um Zivilisation, vielleicht auch Alltagskultur als um Hochkultur – und darin die Arbeit der freien Szene. Nach dem von mir geschwänzten obligatorischen Beitrag von Prof. Claus Leggewie vom Kulturwissenschaftlichen vermutlich zur notwendigen Klimakuktur habe ich mir ein Projekt des Goethe-Instituts in Usbekistan und eines des Vereins ‚Die Urbanisten‘ in Dortmund angehört.

Ich nehme aus den Veranstaltungen mit, dass mit kulturellen Formaten in einem autokratischen System Inhalte und Auseinandersetzungen über den Klimawandel und konkret das Schmelzen der Gletscher thematisiert werden können, siehe Goethe.de/Klima. Ich hab ein konkretes Projekt des Urban Gardening in der Metropole Ruhr vorgestellt bekommen, dass im städtischen Raum einen Beitrag zum Klimawandel leistet, weil es erheblich den Ausstoß von Kohlendioxid vermeidet, das beim Transport von Obst und Gemüse anfällt. Das Projekte stammte vom Dortmunder Verein „Die Urbanisten„. Ein wenig war die Konferenz wie eine Messe.

Kulturkonferenz Ruhr: Ende der Nabelschau?

Im Kontrast dazu sind mir die vorherigen beiden Kulturkonferenz als Sammelforen der Region in Erinnerung, wo sich die RVR-nahen Vertreter der Kulturinstitutionen trafen. Dabei wurden sie dann mit den Forderungen der sogenannten „freien Szene“ konfrontiert, die schließlich mehr Beteiligung und schließlich Geld für sich reklamierte. Ganz ergebnislos ist das nicht geblieben, so blieben im Rahmen der trienalen EmscherKunst jetzt was für Sie und auch die Restmitteln der liquidierten Ruhr.2010 GmbH. Aber so kann es ja nicht weitergehen. Es wurde mir nicht klar, wofür diese Kulturkonferenz weiterhin da sein solle und wie die Ergebnisse irgendwie verwertet werden könnten.

Bühne der Kulturkonferenz Ruhr
Bühne der Kulturkonferenz Ruhr
Das Publikum hat sich nicht nur zahlenmäßig verändert. Da freue ich mich sogar auf die Auswertung der Konferenz, die zuvor in Form einer Broschüre im Zeitungsformat kam. Und die Veränderung wirft die Frage auf: Wie lautet das regionale Kulturthema der 4. Kulturkonferenz?

Bisherige Themen der Kulturkonferenz

Die jährlich von Land und RVR veranstaltete Kulturkonferenz Ruhr ist aus dem Kulturhauptstadtprojekt Ruhr.2010 enstanden und Teil der Nachhaltigkeitsstrategie dieser. Die bisherigen Themen lauteten:

15.09.2012 : Kulturmetropole Zukunft. Die neue Dekade gestalten. (Welterbe Zollverein)
20.09.2013 : Zukunft der Interkultur. Strategien für eine Metropole der kulturellen Vielfalt. (Ruhrfestspielhaus Recklinghausen)
30.09.2013 : Kultur und Klimawandel. (Stadthalle Hagen)

Emscherkunst.2013: Übernachten in Fluss und Wolke

Wolken in der Wolke
Wolken in der Wolke

Seit dem 22.06. und bis zum 06.10.2013 findet entlang der Emscher, von Gelsenkirchen bis zu Mündung in den Rhein bei Dinslaken, die Ausstellung Emscherkunst.2013 statt. Es handelt sich um ein Nachfolgeprojekt der Kulturhauptstadt Ruhr.2013. Die Ausstellung mit Objekten entlang der Emscher soll triennal fortgesetzt werden. Dieser Beitrag widmet sich der dreiteiligen Installation des Berliner Künstlers Rainer Maria Matysik mit dem Titel „Fluss und Wolke“. Sie befindet sich direkt an der Emschermündung. Eigentlich fällt das Wasser der Emscher da zurzeit nur einfach in den Rhein hinunter.

Installation "Wolke und Fluss" an der Emschermündung
Installation „Wolke und Fluss“ an der Emschermündung
Die Installation gehört zu den Objekten, in denen auch übernachtet werden kann – notdürftig. Aber nicht nur das Kunstobjekt ist so interessant für die Übernachtung. Es macht die Kombination mit dem Ort am Rhein. Der industriell genutzte Abwasserfluss Emscher fällt gereinigt im Schatten eines Kohlekraftwerks über den Rhein, den Lastkähne befahren. Es ist aber auch landschaftlich schön dort zwischen den Menschen mit ihren Rädern und Hunden, den Spatzen und Storchen und den Wolken. Es ist ein kleines Erlebnis von der Wolke aus das alles zu beobachten. Teilweise wird man beobachtet, bis Hineingucker in die Wolke peinlich berührt und erschreckt feststellen, dass da wer in der Wolke wohnt 🙂

Nachfolgend sei auf zwei youtube-Videos verwiesen. Das erste habe ich selber gefertigt von unserem 14-stündigen Leben auf, in und um die Wolke. Es zeigt die Umgebung, Landschaft und Natur. Und es ist halt ein Amateur-Video von 3:44 Minuten Länge. Die Ummgebung gibt mir zeitlich mehr. Das Kunstobjekt kommt mir mehr als Instrument zur Erschließung der Umgebung in ihren zeitlichen Phasen vor.

Das zweite Video ist vom Veranstalter. Künstler Rainer Maria Mystik erläutert sein Werk. Es wird seine Entstehung gezeigt. Es sind auch schöne Bilder dabei, gerade zu Anfang der 7:06 Minuten.

Bewohner und Besucher der Wolke haben Kommentare hinterlassen, die sich im Audionetz der Ausstellung finden lassen. Das alles ist immer nach Künstler sortiert, mit denen sich die Ausstellung schmückt. Eine Anmerkung zur Gestaltung von Videos, Internetseite und Schildern: Ich finde es auffallend, dass die Namen groß geschrieben werden und die Werktitel klein. Aber die meisten Besucher dürften es nicht bemerken. Das Schöne an dieser Kunst im urbanen Raum ist, das sie sicher noch Elitenkunst ist, aber sich an eine andere Elite als die der kulturellen Hochkultur wendet. Den Schnurz mit Kommentaren von Künstlern und Kuratoren braucht es nicht. Im dem Sinne gilt: Auftrag erfüllt, der Rest ist Beiwerk.

Die Übernachtung hat 60 € gekostet. Dafür haben die Mitarbeiter auch den Container mit der Waschgelegenheit und der Toilette abgeschlossen. Es handelt sich also mehr um Camping ohne Dusche etc. Allerdings hat jemand unser Bett frisch bezogen, als wir ankamen. Die Handtücher konnten wir dann nicht gebrauchen.

Es gibt auch Wirtschaftsförderung durch die Ausstellung zu erleben. Die Gaststätte Stapp nur wenige Meter entfernt freut sich jeden Abend über zwei zusätzliche Gäste, die auch deren Sanitäranlagen benutzen dürfen. Die Wirtsleute nehmen das deutlich war.

Extraschicht: Beschränken Sie sich auf eine Stadt

Dieser Text stammt von Hedda Monstadt, die sich intensiv mit der Industriekultur befasst hat. Und Kontinutität einer Berichterstattung zur Extraschicht erscheint der Beitrag jetzt hier.

Auch die 13. Extraschicht war, trotz der für den gemeinen Abergläubischen unheilverkündenden Zahl, wieder ein voller Erfolg. In der Nacht der Industriekultur, die dieses Jahr am 6. Juli stattfand, wurde in 25 Städten an hunderten Spielorten zum Besten gegeben, was unser Ballungsraum zu bieten hat.

Die heilige Barbara hat vorher wohl mit Petrus einen kleinen Plausch gehalten und uns gutes Wetter gesichert. Man wurde aber nicht nur von strahlendem Sonnenschein und Industriecharme, sondern schon an Sammelpunkten wie dem Bahnhof, ab 18 Uhr, von einer großen Masse Menschen freudig in Empfang genommen. Die Anreise verlief reibungslos, denn mit dem Ticket konnte man, wie schon in den vergangenen Jahren kostenlos den ÖPNV und außerdem die Einsatzbusse, die gezielt die Attraktionen anfuhren, nutzen.

Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus
Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus
Von der Ruhr-Uni…
Es gab wieder viel zu sehen, hören bestaunen und erforschen. Von Konzerten – klassisch, rockig oder a capella – über Poetry-Slam bis zu Wissenschaft und Technik waren den Erlebnishungrigen keine Grenzen gesetzt. Um 18 Uhr wirkte die Deko des botanischen Gartens an der Ruhr-Uni Bochum mit hängenden Elektrogeräten in den Bäumen noch irritierend. Und auch der eher auf künstlerischen Wert ausgerichteten Lageplan half bei der Orientierung nicht besonders. Aber es heißt ja auch „Nacht der Industriekultur“.

Sobald es dunkel wurde und die angestrahlten Bäume und beleuchteten Wege wie ein Märchenwald erschienen, hinterließ das Angebot der RUB einen – durchweg positiven – bleibenden Eindruck. Sich zu orientieren war dank der teelichtgesäumten Wege und angestrahlten Bühnen auch kein Problem mehr. Die Jahrhunderthalle glänzte mit einem ausgewogenen Programm von lustigen Poetry-Slam-Einlagen bis klassischer Klaviermusik. Sebastian23 führte durch das Programm der modernen Mischung aus Philosophie, Komik und Blödelei auf voller Bühne, während die Tastenkünstler bei nicht weniger Publikum hauptsächlich auf kurze Einzelperformances setzten, die es allerdings ebenfalls in sich hatten.

Deutsches Bergbaumuseum, Bochum
Deutsches Bergbaumuseum, Bochum
Die Einsatzbusse konnten wieder dazu genutzt werden, von der einen interessanten Attraktion zur nächsten zu fahren. Sightseeing Busse konnten und sollten sie dabei nicht sein, denn die großen, detailreichen Industrieflächen mussten erkundet und nicht aus der Ferne betrachtet werden. Als Intercity-Verbindung waren sie auch weniger geeignet, sodass viel auf Straßenbahnen und Züge zurückgegriffen wurde. Natürlich hat sich mein Besuch der Extraschicht nicht nur auf meine Heimatstadt Bochum beschränkt, sondern war wie immer eine gute Gelegenheit um über den Tellerrand aus Bergbaumuseum und Jahrhunderthalle zu schauen. Die Dortmunder DASA zum Beispiel lieferte kräftigen A capella-Rock, der des Publikum schwer begeisterte. Wenn ein paar Jungs nur mit dem Mund eine ganze Reihe Instrumente täuschend echt und wahnsinnig klangvoll nachahmen, dann reißt das natürlich Jung und Alt mit.

Schaltpult in der DASA, Dortmund
Schaltpult in der DASA, Dortmund
… zur Jahrhunderthalle, zum Bergbaumuseum und zur DASA Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner
Leider war durch die Fahrt von Bochum nach Dortmund unser Aufenthalt bei dem Konzert der Rock4 vergleichsweise kurz, aber dadurch nicht weniger Eindrucksvoll. Mehr davon! Dass wir in der Nachbarstadt nur noch einen Teil der Show mitbekamen, war auch aus anderen Gründen nicht schlimm. Die DASA – Arbeitswelt Ausstellung, durch die man auch noch spät am Abend schlendern konnte wirkte – obwohl nicht geplant – sehr einladend und führte uns zu einem kleinen Stand im Eingangs-bereich, der auf den letzten Metern noch Hirnleistung forderte. Nanotechnik. Was ist das eigentlich? Keine Ahnung! So schien es vielen Menschen zu gehen, aber das sollte sich an dem unscheinbaren Infostand zumindest für uns ändern. Frisch aufgeklärt und voller interessanter Ideen konnte man gut die Heimreise antreten und ist beruhigt: Die Industrie ist nicht Vergangenheit, wie man es bei den großen, entkernten und umfunktionierten Hallen, die man an dem Abend zu sehen bekam, denken konnte. Nein, Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner.

Tücke oder Lücke der Abtransportkette
Leider hat uns das Programm so gefordert, dass wir auf die Idee kamen, schon um kurz nach zwölf die Spielstätten zu verlassen. Das stellte sich beim zweiten Hinsehen als ein relativ unbedachter Plan heraus. Man richtete seinen auf Nanoabstände eingestellten Blick auf den Fahrplan und entdeckte ein ganz und gar nicht Nano-Maßstäben entsprechendes Loch in der Abtransportkette zwischen viertel nach elf und 12.20 Uhr. Hier hätte man vielleicht noch bis zwei Uhr einen, der an anderen Stellen eher weniger effektiven Einsatzbusse seinen Dienst tun lassen können. Die Organisation der Extraschicht war nach zwölf Jahren Erfahrung trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers sehr ordentlich. Hut ab! Mit Industrie hatte der Programminhalt in großen Teilen wenig zu tun, aber das sollte es auch nicht. Die reine Anwesenheit des schwerindustriellen Umfelds beeindruckt schon und verführt vielleicht dazu noch einmal an den ein oder anderen geschichtsträchtigen Ort zurückzukehren und eine Führung zu besuchen – und das soll doch so sein. Danke an alle Organisatoren und Besucher für die Botschaft: Es gibt sie, die lebendige Industrie, die lebendige Kultur und die gelungene Kombination aus beidem. Danke für diese unvergessliche Nacht der Industriekultur!

Beschränken Sie sich auf eine Stadt
Achja… noch ein kleiner Tipp zum Abschluss für all diejenigen, die beim nächsten Mal dabei sein wollen: Beschränken Sie sich nicht auf einen Standort, aber auf eine Stadt. Die Verkehrsanbindung ist zwar auch zwischen den Städten gut und wird ja zusätzlich durch die Einsatzbusse unterstützt, aber eine Tour über mehrere Orte ist nur bei extrem straffem Zeitplan zu bewältigen und es soll ja auch ein angenehmer Abend sein, bei dem man die anvisierten Darbietungen pünktlich erreicht und sich auch mal von einem ungeplanten Programmpunkt überraschen lassen kann. Im nächsten Jahr ist dann die Nachbarstadt dran.

EMSCHERKUNST.2013 – Ein Wiedersehen im neuen Vorgarten der Metropole Ruhr

Vom Hinterhof zum Vorgarten. So kann das Motto des Emscherumbaus
verstanden werden. Seit zwei Jahrzehnten wird der Abwasserkanal – volkstümlich
„Köttelbecke“ genannt – zu einer neuen Flusslandschaft umgebaut. 350 Kilometer
betonierter Abwasserkanäle werden wieder zu lebendigen Gewässern. Im Rahmen des
Projekts Emscher Landschaftspark wurden Industriebrachen zu Naturräumen und
Parks, zu neuen Ort für Arbeit, Wohnen und Freizeitgestaltung. Der exponierteste
exponierteste Standort in Bochum ist der Westpark rund um die Jahrhinderthalle.
Die Internationale Bauaustellung Emscher Park inszenierte das Flussareal in den
1990er Jahren. Zum Jahr der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 wurde diese
Inszenierung mit EMSCHERKUNST.2010, dem nach eigener Aussage größten Projekt von
Kunst im öffentlichen Raum fortgesetzt. Das vom Publikum angenommene Projekt
wird vom 22.06.2013 bis zum 06.10.2013 fortgesetzt.

Bei der Neuauflage als EMSCHERKUNST.2013 soll es ein Wiedersehen mit einigen
Ausstellungsobjekten geben. Die Emschergenossenschaft hatte einige Objekte
aufgekauft, zum Beispiel das begehbare Klo „Between The Waters“ und die
Beobachtungsstation der Amateur-Ornitologen. Aber auch neue Objekte wird es
geben. Eines der neuen Objekte trägt den Namen „Zauberlehrling“. So hat das
Berliner Künstlerkollektiv „Inges Idee“ seinen tanzenden Strommast getauft.
(Bild: Inges Idee/EMSCHERKUNST)

Tanzender Strommast
Tanzender Strommast, „Inges Idee“ – EMSCHERKUNST.2013
Der Ausstellungsraum auf der Emscher-Insel, dem schmalen Landstreifen
zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher, wird etwas nach Westen verschoben. Im
Fokus steht das Areal zwischen Gelsenkirchen über Essen und Bottrop bis
Oberhausen. Darüber hinaus sollen Duisburg und Dinslakne mit dem
Mündungsbereich in den Rhein miteinbezogen werden. Der Radrundweg zu dieser
Städte übergreifenden Ausstellung soll 43 km lang werden.

Die EmscherKunst gehört programmatisch zum Bereich „Urbane Künste“ der im
Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Kulturhautpstadtprojekts anteilig von
Land und Regionalverband Ruhr (RVR), dem Verband von 53 Kommunen der Metropole
Ruhr, finanziert wird. Weiterer Partner der Emscher-Ausstellung ist die
Emschergenossenschaft. Für die Weiterführung von Projekten der Ruhr.2010
stellen Land und NRW jeweils 2,4 Millionen € jährlich bereit. Die
EmscherKunst-Ausstellung soll mindestens bis 2020 in einem dreijährigen
Rhythmus wiederholt werden.

Dieser Beitrag erschien in den BO-Nachrichten im Dezember 2012.

Metropole Ruhr als Grüne Hauptstadt Europas vorerst gescheitert

Die Metropole Ruhr wird sich nicht mit ihrem Regionalverband RVR oder einem Zweckverband einiger Städte als ‚Grüne Hauptstadt Europas‚ bewerben dürfen. Das teilte jetzt Karl Falkenberg, Leiter der EU-Generaldirektion Umwelt, den Dezernenten der Städte Bochum, Dortmund und Essen mit. Der Regionalverband wurde nicht angeschrieben.

Grünes Papierschiffchen
Vorausgegangen war in der ersten Jahreshälfte ein Tauziehen, wer denn die Bewerbung vornehmen dürfe. Es zeigte sich das Gezerre, ob der mit dem Ruhrparlament legitimierte Regionalverband vorangehen solle oder eine interkommunale Arbeitsgemeinschaft. Daraus war dann sogar die Idee entstanden, einen Zweckverband parallel zum Regionalverband zu gründen. Schließlich wurde die Frage aufgeworfen, wer sich denn bewerben dürfe als Stadt. Erste „Grüne Hauptsadt Europas“ in Deutschland war das Bundesland Hamburg, einer der Stadtstaaten.

Die Metropole Ruhr ist Teil der Metropolregion Rhein-Ruhr. Es handelt sich um ein industriell geprägtes, polyzentrisches Siedlungsgebiet mit 53 Verwaltungseinheiten, darunter 11 kreisfreie Städte, von denen einige das Kriterium von mehr als 200.000 Einwohnern erfüllen, um sich für den Titel ‚Grüne Hauptstadt Europas‘ zu bewerben. Dazu gehören die drei genannten Städte. Inwiefern sich Region oder Stadtregionen an Bewerbungsverfahren und ähnlichem beteiligen dürfen, ist von den genauen Bestimmungen abhängig. Hamburg dürfte die Kriterien Stadt und Region zu gleich erfüllen.

Hier zeigt sich immer wieder eine Schwäche des Ruhrgebiets und seiner Verwaltungsgliederung. Die regionale Ebene ist so schwach ausgebildet, dass sie funktional nicht einer Stadt gleich kommmt. Niemand will die Städte abschaffen, aber sogar eine sektorale Kooperation erreicht nicht annähernd die Qualität. Kann sie gar nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass Verwaltungsvorschriften oft Stadtregionen nicht berücksichtigen.

Stadtregionen werden nicht hinreichend berücksichtigt

Beim Programm der Europäischen Kulturhauptstädte lassen sich mehrere Phasen unterscheiden. Zuletzt ist es Mode, sich als Region zu bewerben. Die Metropole Ruhr hat auch gerade als Region im Strukturwandel seinerzeit für das Jahr 2010 den Zuschlag erhalten. Die Abwicklung stellte sich jedoch schwieriger dar, da der notwendige Bannerträger Essen stets nach vorne gestellt werden musste.
Wenig sachgerechnet stellt sich mir die Lärmkartierung dar. Für den Lärmschutz wurden im Bundesrecht unterschiedliche Fristen in Abhängigkeit von der Zahl der Einwohner vorgegeben. Das führt zu unterschiedlichen Arbeiten in den größeren und mittleren Städten. Für die Region wäre eine Kooperation in synchronisierten Phasen sinnvoll gewesen. Der im Ergebnis bzgl. seiner Fahrverbotszonen umstrittene Luftreinhalteplan Ruhr zeigt bzgl. der Kooperation hier, wie es auch gehen kann – übrigens in einem Bereich, in dem dem Regionalverband keine regionale Zuständigkeit zukommt.
Hier wird mehr Lobbyarbeit für die Region in Berlin und Brüssel benötigt, ggf. sogar in Düsseldorf.

Die Chance der erfolgreichen Bewerbung einer Stadt besteht. Ich schätze sie als geringer ein. Karl Falkenberg gibt zum Schluss seiner Absage an die Region folgenden Hinweis:

Ich habe Verständnis dafür, dass sie möglicherweise die Bewerbung einer Stadt stellvertretend für die beiden anderen drei Einzelbewerbungen vorziehen. Dieses Vorgehen ist unserer Ansicht nach möglich, sofern sich alle Angaben nachweislich auf die gewählte Bewerberstadt beziehen.

Für dieses Vorgehen müssen jetzt Konzepte entwickelt werden, die die Falkenberg’sche Vorgabe erfüllen könnten. Dazu gehört das Gerangel, welche Stadt Bannerträger wird. Bei der Bewerbung als Europäische Umwelthauptstadt hatte das Ruhrparlament in einer in allen Fraktionen frei gegebenen Abstimmung für Essen votiert. Schon dieses Verfahren dürfte heute umstritten sein.

Siehe zum Thema auch Ruhrbarone: „Ruhrgebiet hat keine Chance als “Grüne Hauptstadt Europas”“

Umwelthauptstadt: Bewerbung ohne Bannerträger und RVR

Kind ohne Kopf mit Puppe, hängend
Vergessen II von Pippilotta* / photocase.com
Man gönnt sich ja sonst nichts im Ruhrgebiet und erst recht nicht dem Nachbarn. Das beschworene Kirchturmdenken treibt in der Metropole Ruhr sein Unwesen. Und da es schon schlecht ist, sich nach der Bannerträgerlösung „Essen“ als Kulturhauptstadt Ruhr.2010 wieder für eine Stadt zu entscheiden, soll jetzt ein neuer Zweckverband für die „Grüne Hauptstadt Europas“ gegründet werden. So muss auch nicht Banner oder Einfluss an den Regionalverband Ruhr (RVR) abgegeben werden.

Unkritisch berichtet in der morgigen WAZ-Ausgabe Essen Hans-Karl Reintjens über die von Dezernenten und Stadtspitzen vorangetriebene Gründung eines Zweckverbandes, um sich als „Grüne Hauptstadt Europas“ zu bewerben. Dem WAZ-Journalisten ist offenbar nicht aufgefallen, dass in Essen an der Kronprinzenstraße 35 der Regionalverband Ruhr (RVR) seinen Sitz hat. Liegt die Frage nicht auf der Hand, warum dieser nicht die Bewerbung starten und ggf. abwickeln könne? So müsste seine Artikelüberschrift vollständig heißen „Bewerbung ohne Bannerträger und RVR“.

Sachlich und mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbare Parallelstruktur
Es lässt sich sachlich nicht darstellen, dass die „Metropole Ruhr“ zwecks Bewerbung als Europäische Umwelthauptstadt einen neuen Zweckverband gründen muss, wo es bereits einen Regionalverband samt Ruhrparlament gibt. Das lässt sich allenfalls juristisch begründen, allerdings konnte mir so nur begründet werden, warum es nicht mit dem RVR gehen könne. Was für einen Zweckverband spricht, was der RVR nicht könne, wird mir bisher nicht klar. Und daher bleibt die politische – und vom gesunden Menschenverstand getragene Frage – wieso einen weiteren Verband gründen? Der wird ja nicht im leeren Raum gegründet, sondern nach dem Gesetz über die kommunale Gemeinschaftarbeit.

Wie so ein Zweckverband aussieht
So ein Zweckverband bekommt dann eine Verbandsversammlung, parallel zur Verbandsversammlung des RVR. So ein Zweckverband bekommt einen Verbandsrat, parallel zum Verbandsausschuss des RVR. So ein Zweckverband bekommt einen Verbandsvorsteher, parallel zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung des RVR und der Regionaldirektorin. Und in die Verbandsversammlung entsenden dann die Mitgliedskommunen aus den Räten und Kreistagen Mitglieder. Gut, das schafft weitere Posten, kann ich mich freuen. Ich bin ja selber Mitglied in der Verbandsversammlung und im Verbandsrat des Abfallwirtschaftsverbandes EKOCity und stellvertretendes Mitglied in der Verbandsversammlung des bekannteren Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR). Einen weiteren Verband, der im Gegensatz zu den vorgenannten EKOCity und VRR jedoch bei den Mitgliedern identisch mit dem RVR ist, diese repräsentiert, ergibt für mich keinen Sinn. Das macht für diejenigen Sinn, die keinen Bannerträger wollen und darunter verstehen, dass sie auch den RVR nicht wollen: Bloß nicht eine zentrale Stelle das machen lassen.
Es sind auch Modelle denkbar, bei denen der Regionalverbands Ruhr, der am Memorandum für die Bewerbung immerhin mitgewirkt hat und auch dazu bereits beschlossen hat, eine Rolle dauerhaft übernimmt. Hier treiben einige eine Politik voran, bei der das Ruhrparlament vor der Tür bleiben muss. Mitspielen unerwünscht!

Und hier tritt auch bereits ein gravierender Unterschied zur Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt auf. Das Bewerbungsbüro befand sich im 2. Stock des Hauptgebäudes des Regionalverbands. Jetzt sehe ich Emails eines Projektbüro irgendwo in der Essener Stadtverwaltung. Ein Verweis auf Olympiabewerbungen, die per Zweckverband erfolgten, hinkt übrigens aufgrund des Teilnehmerkreise und m. E. des Stils. Da waren an zentraler Stelle handelnde Personen der Region bedacht.

Das bisherige Fazit der Posse, die letzte Woche in den Gremien des RVR und jetzt nach und nach in den Kreistagen und Räten der Region gestartet wurde, lautet für mich: Da wollen sich einige profilieren. Diese Profilneurosen stehen dem regionalen Ansatz entgegen – und so auch der Gedanken einer „Metropole Ruhr“. Mal sehen, wo das endet.


Bild: „Vergessen II“ von Pippilotta* / photocase.de

Karikatur: Hier demonstrieren die 20 RuhrKunstMuseen für den Erhalt des Kunstmuseums Bochum

Bei der Diskussion über eine Schließung des Kunstmuseums Bochum ist Debatte ganz auf "Ganz oder gar nicht" verkürzt. Und da ein Schließen ja das Ende des Abendlandes wäre, geht das nicht. Kooperation oder andere Modelle des Betriebs werden nicht mehr überlegt. Das gilt für Kooperationen mit den übrigen Bochumer Museen in städtischer oder universitärer Trägerschaft, wie auch für den Verbund der 20 RuhrKunstMuseen. Offenbar geht Kunst verloren, wenn ein Museumsgebäude weniger in der Metropole Ruhr betrieben wird. Nehmen die Direktoren an, dass die Kunst aus Bochum dann verkauft wird, verbrannt wird oder in einem großen Loch verschwindet? Dann irren sie.

Es gibt auch die Chance, die Arbeit dort am Stadtpark oder anderswo zu konzentrieren. Meine Kritik an der derzeitigen Diskussion habe ich vorläufig in eine Karikatur gefasst.

Hier mein Kommentar zu WAZ-Beitrag „Kunstmuseum Bochum droht das Aus – Schaden fürs Revier“ (26.01.2012)

„Ich frag mich, wo denn die Kooperationsdebatte (gen andere Kommunen oder Institutionen) bleibt. Wenn von 20 Häusern im Verbund der RuhrKunstMuseen 1 schließt, dann bleiben 19 über. Verschwindet mit dem Gebäude und dem Betrieb der Inhalte oder wandert in andere Häuser? Gibt es da keine Lösung?

Bei der Diskussion um BoSy/Konzerthaus/Haus der Musik ist doch auch immer die regionale Kooperation da. Hier funktioniert sie nur zwecks Abwehr einer Spardebatte.“

Wiedersehen mit Emscherkunst 2013

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EMSCHERKUNST.2010 war die große Installation von regelmäßig auch begehbaren Kunstobjekten im Emschertal zwischen Dortmund und Oberhausen. Die Federführung dafür lag bzw. liegt bei der AG Neues Emschertal, in der der Regionalverband Ruhr (RVR) und die Emschergenossenschaft (EG) seit ein paar Jahren kooperieren. Diese Kooperation ist keine Selbstverändlicheit. Über Jahrzehnte hat es sie nicht gegeben, obwohl beide diagonal gegenüber an der gleichen Kreuzung im Essener Südviertel liegen; beiden Sitzen gegenüber ist die AG Neues Emschertal angesiedelt. Das ist durchaus bildlich. Kümmert sich die EG im Rahmen des Emscherumbaus um wenige 100 Meter rechts und links des Flusses, so setzt der Regionalverband mit seinen Konzeptionen hinter dem Flussbereich an. So kann man das simplifiziert sehen.
Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers (CDU) hatte mehrfach angeregt, mehr aus diesem Streifen zu machen. Zuletzt steht noch immer die Vision einer zweiten Internationalen Bauausstellung EmscherPark (IBA II) im Raum.

Derweil war in der Kooperation das Projekt Emscherkunst auf der Emscher-Insel zwischen Herne und Bottrop realisiert worden. Die Insel bezeichnet das wenige Meter bis Kilometer große Gebiet, das zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal liegt. Es ist ein besonderes Gebiet, dass vom Strukturwandel, z. B. nicht mehr benötigte Kohlelagerflächen und verfüllte Hafenbecken, und der Situation, nur über Brückenbauwerke zugänglich zu sein, geprägt ist. Die Projekte der ESCHERKUNST tragen dazu bei, den Raum der Öffentlichkeit zu erschließen. Das schließt an das Projekt der Renaturierung der Emscher an und ähnelt dem Ziel der Gestaltung ehemaliger Bergehalden. Kein Wunder, dass auch eine Erschließung für den Freizeitverkehr mit dem Fahrrad vorgesehen ist.

Die Zuschauer haben das Projekt gut angenommen. Die Emschergenossenschaft hat einige Ausstellungsobjekte aufgekauft. Dazu gehören das begehbare Klo „Between The Waters“(siehe Foto), die Beobachtungsstation der Amateur-Ornithologen und das Objekt mit dem Titel „Warten auf den Fluss“ . Bei der Neuauflage EMSCHERKUNST 2013 wird es daher auch ein Wiedersehen geben. Manches Objekt wird vermutlich komplett neu errichtet werden müssen. Holz kommt mir als Baustoff nicht dauerhaft vor.

Angestrebt wird ein dreijähriger Rhythmus, also eine ruhrtypische Trienale. Die Neuauflage soll wieder getragen werden von der AG Neues Emschertal, also RVR und EG. Letztere werden sich fragen müssen, ob sie nur Finanziers sein wollen, oder auch gestalterisch eingreifen. Programmlich soll es, so einem mündlichen ergänzten Bericht beim RVR nach, auch Änderungen geben: Bürger und örtliche Künstler sollen stärker eingebunden werden.

Damit stellt sich Emscherkunst (2013) als erstes Kunstprojekt aus dem Kultuthauptstadtjahr dar, für das sich eine finanzierte Lösung nach dem Kulturhauptstadtjahr abzeichnet. Ich höre, dass die für die regionale Kulturarbeit beim RVR und beim Land vorgesehen Mittel auch dafür verwendet werden sollen. Dies sind die hauptsächlichen Ressourcen für Initiativen zur „Verstetigung der Kulturhauptstadt“, bei der, wie ich einem Artikel von Gerd Herholz auf den Ruhrbaronen entnehme, keine Klarheit herrscht.

Die Emscherkunst soll mit Besucherzentren im Nordsternpark (Gelsenkirchen), Dinslaken und Oberhausen (Brücke) diesmal bis zu Emschermündung am Rhein geführt werden. Der Radrundweg soll 43 km lang werden. Damit entsteht wieder ein großartiges, Stadtgrenzen überschreitendes Projekt mit großer Wirkung für die Region und Bevölkerung, dass im Sinne eines Strukturwandels alte Areale neu erschließt. Das Zusammnwirken verschiedener Akteure erweist sich hier als fruchtbar.

Die alte App der Emscherkunst.2010 fürs iPhone ist übrigens noch verfügbar, wie auch manche Objekte von Dauer sind, so zum Beispiel rehranre im Herner Meer. Diese Wassermarke haben wir am heutigen Sonntag im Rahmen eines Ausflugs mal aufgesucht. Toll.


Das Bild oben stammt vom Fotografen Roman Mensing und wurde mir freundlicherweise vom Projektbüro Emscherkunst zur Verfügung gestellt.

tatort Wattenscheid – aus Tradition!

Es läuft ja gerade so eine Bewerbungsrunde – jeder gegen jeden – um den Standort für eine neue Tatort-Reihe aus dem Ruhrgebiet. Aufgebracht wurde die Diskussion von der neuen WDR-Intendantin Monika Piel. Ganz Schlaue sehen als Nachfolger sogar Ruhr, ohne dass eine Stadt genannt wird. Das würde dann bildlich mit Zollverein zu realisieren sein, so dass am meisten Essen profitieren würde. Warum auch nicht? Aber auch Herne, Bochum und Dortmund drängeln sich nach der Tatort-Würde, sogar mit Vorschlägen für die Besetzung der Rolle des Kommisars. Duisburg durfte zu eng noch mit Schimanski verbunden sein, wie ich hoffe, dass Toto und Harry keinen Imageschaden bewirken. 

Was auffällt, ist, dass nur die großen, kreisfreien Städte konkurrieren. Warum eigentlich? Von den 53 Gemeinden in Ruhr sind 42 kreisangehörige Gemeinden. Die Städte sind natürlich kleiner, so dass die Drehbuchautoren mit den Örtlichkeiten etwas sparsamer und Städte übergreifender arbeiten müssten. Die Stadt sollte eine sein, die direkten einige kreisfreie Großstädte angrenzt.

Im Herzen Ruhrs
Eine Stadt halte ich dabei für besonders geeignet, denn sie vereinigt den Charme, in der Stadtmitte bereits ein typischer Stadtteil zu sein. Sie liegt zwischen Bochum, Essen und Gelsenkirchen: Wattenscheid. Der Kommissar müsste noch nicht einmal hier arbeiten, er könnte auch einfach hier wohnen, wie Der Fahnder in seine Kneipe gehen und Fan der SG Wattenscheid 09 sein. Auch Herne und Witten gehören zur Kreispolizeibehörde Witten. 
Von der Größe nimmt Wattenscheid es mit kreisangehörigen Städten auf, ist allerdings ein Stadtbezirk wie Steele von Essen. Ruhrbaron Stefan Laurin stellte Wattenscheid erst im September 2010 in eine Reihe mit Herne und Marl, hat sie aber als Tatort-Standort übersehen.

Das klingt abwegig? Nein, Wattenscheid ist eine Stadt mit großer Krimitradition. In der Hellwegstadt wurde kein geringerer als James Bond geboren. So steht es in seiner Biographie. Wer’s nicht glaubt, der google mal nach James Bond und Wattenscheid oder schlage in der Wikipedia nach.

Also, stellvertretend für viele andere und aus Tradition: Tatort Wattenscheid!

Die Frage des Standorts des Tatort-Kommissar ist gar nicht so trivial. Kommt der Kommissar aus Überruhr, Werden, Lütgendortmund oder Buer, dann dürfte das ein anderer Charakter sein, als wenn er in Stiepel, Werden oder Mülheim haust. Es stellt sich die Frage, wer sich mit dem Kommissar identifizieren soll und welches Bild von Ruhr vermittelt werden soll. Für Schimmi sollen sie zuletzt den Dreck extra in die Straßen gekippt haben, damit Duisburg auch so aussah, wie sich Restdeutschland das so vorstellt.

Konzerthaus Bochum ging in aller Stille

Die erahnten Umstände des Abschieds in aller Kürze:

  • Der von der Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz vorgelegte Haushaltsplanentwurf 2011 sieht keinen Haushaltsausgleich bis 2015 vor. Mit einer Genehmigung ist mittelfristig nicht zu rechnen.
  • Weitergehende Sparvorschläge werden von Rot-Grün im Bochumer Rathaus nicht erwartet.
  • Schwelende Korrekturen alter Bilanzen, Abrechnungen und Mehrbelastungen lassen die Hoffnung auf Besserung schwinden.
  • Ein Bauherr für einen Saal neben der Marienkirchen wurde in völliger und letzter Konsequenz nicht gefunden.
  • Die Akteure können in allen Bereichen nicht mehr bei der Sache gehalten werden.
  • Es ist schon lange still.

Es beleibt die zuletzt sterbende Hoffnung, dass Totgesagte länger leben.

Trost spendend nehme ich eine bunte Broschüre des Bochumer Stadtbaurates zur Hand.

Wie viele Zuschauer hat die Ruhrtriennale?

Wie viele zahlende und nicht zahlende Zuschauer haben eigentlich die einzelnen Programmpunkte der Ruhrtriennale? frage ich, nachdem ich von „Love’s Deep Ocean“ (Alim Quasimov) in der Jahrhunderthalle zurückgekehrt bin. Die Halle 4 war nicht einmal zu einen Viertel besetzt – maximal 100 Zuschauer. Ich gehörte zu den nicht zahlenden Gästen.
Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Okay, ich bin früher gegangen. Das mag anfangs peinlich wirken, aber das Gefühl verschwindet, sobald man draußen an der Luft wieder Freiheit atmet. Es ging nicht anders, meine Konzentration war nach einer Stunde nicht mehr da. Der Künstler Alim Quasmiov wird hoch gelobt, so u.a. von der New York Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitpunkt. Allerdings habe ich mit Musik abseits der Dur-/Moll-Harmonik Probleme. Als ich in Istanbul mal Musik (jaja, Aserbaidschan ist nicht Türkei, aber hat auch ne Turksprache) hörte, konnte einigen Stücken folgen. Es waren am Ende Filmmelodien, u.a. einer Soap-Opera. Ich vermute, dass die Harmonik sehr schlicht war und „westliche“ Elemente enthielt. Alim Quasimov und seine Tochter bzw. die Musikform des Mugham waren dann aber doch zu schwer für mich. Es kreist mir zu sehr um die Stimme. Hier mal ein Beispiel von youTube:

Der derzeitige Intendant der Ruhrtriennale, Willy Decker, wollte in seinem Programm Kunst, Kreativität und religiöse Urelemente verbinden. Der gesungene Mugham wirkt auf mich religiös, aber das kann auch ein in mir sitzender westlicher Sterotyp des Stimmenklangs und der Gestik sein. Es ist auch nicht abzustreiten, dass Quasimov eine verdammt gute und beeindruckende Stimme hat. Dennoch, ich habe den Zugang nicht gefunden. Aber offenbar haben wenige den Zugang gefunden, also überhaupt den Weg dahin.

Viele Stücke der Triennale sind ausverkauft. Zumindest entnehme ich es den Angaben im Programm. Kulturpolitik stelle ich mir immer so vor, dass da ein Sandkasten hingestellt wird, den die Kulturschaffenden dann bespielen. Dabei geht es nicht nur um die Bespielung mit publikumswirksamen Veranstaltungen, sondern auch weitere Ziele können verfolgt werden. Ich zähle sie mal hier nicht auf. Auch Mugham hat meinen Horizont erweitert. Aber da mach ich jetzt erst einmal einen Haken dran. Allein von der Zuschauerbeteiligung stellt diese Musik eine Nische dar. Die Produktionskosten dürften gering sein: 6 Musiker mit Technik auf der Bühne. Und da frage ich mich, ob das eine Abrundung des Programms mit ja auch durchaus teueren Produktionen ist und nicht nur eine prestige-trächtige Bespielung ist, ohne auf Widerhall in der Region zu treffen.

Der heutige Abend in der Jahrhunderthalle in Bochum hat mich auf jeden Fall verstört. Sinn und Zweck von Kunst, notwendiges Maß an Publikumszuspruch und öffentlicher Finanzierung muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen, wie auch die Frage, welche Kulturschaffenden wie und für wen ausgewählt werden. Ist das wie mit des Kaisers neuen Kleidern oder lieg ich komplett daneben?

Meiner Erinnerung nach hält das Land an der Kultur Ruhr GmbH, die Träger der Ruhrtriennale ist, einen Anteil von 51% und leistet 80% der Zuschüsse, wobei der Rest vom Regionalverband Ruhr stammt. Gute Nacht!

Masterplan Kulturmetropole Ruhr schimmelt vor sich hin


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Angestaubter Masterplan Kulturmetropole Ruhr

Szene: Eine repäsentative Amtsstube im Ruhrgebiet. Auf dem Schreibtisch eines Hauptgemeindebeamten liegt ein Aktendeckel. In dem Aktendeckel liegt eines der letzten Exemplare eines Masterplans Kulturmetropole Ruhr. Entworfen wurde er einst, um die Nachfolge und Nachhaltiugkeit des Kulturhauptstadtprojektes Ruhr.2010 zu sichern. Es handelte sich um die Idee, die Geldausgabe mit dauerhaftem Nutzen zu rechtfertigen.

Die Zeit vergeht. Der Hauptgemeindebeamte nimmt den Aktendeckel. Scharfsinnig und ungerührt erkennt er, dass die Zeit diesen Entwurf aus dem Sommer 2009 erledigt hat. Er schließt den Aktendeckel und legt den Vorgang in der blauen Rundablage neben seinem imposanten Holzschreibtisch ab.

Der Entwurf eines Masterplan Kulturmetropole Ruhr liegt seit über einem Jahr vor. Mit wenigen Ausnahmen hat er die Räte und Kreistage der Metropole nicht erreicht. Die Bbürgermeister und Landräte haben ihn den Gremien nicht vorgelegt bzw. die Kulturverwaltungen gehindert, ihn an die Kulturausschüsse weiterzuleiten. Einige Kommunalpolitiker haben jedoch nach ihm gefragt. Die Kulturverwaltungen mussten dann berichten, was sie ohne Nachfrage nicht berichten durften.

Das letzte Quartal des Kulturhauptstadtjahres steht an. Die tragende Gesellschaft Ruhr.2010 GmbH wird schrittweise bis zum 31.12.2012 abgebaut werden. Eine Nachfolgeregelung ist zum 01.01.2011 nicht zu erkennen. Dümpeln steht nach dem 31.12. an. Schade.

Über Strukturen wird bereits ansatzweise gesprochen: Soll die Ruhr.2010 GmbH von Dauer sein, soll der RVR oder seine Tourismus-Gesellschaft Teil weiterführen oder passiert besser gar nichts? Wird Letzteres bevorzugt, dann wird eher nicht gesprochen. Eine Diskussion über die regionale Funktion von Kultur, über Exellenzen und Aufgaben von Kultur findet nicht statt. Gerade dazu steht etwas im Masterplan Kultur. Der zweite Schritt wird vor dem ersten gemacht.

Mitte September erfuhr ich dass es nur noch wenige verfügbare Exemplare des gedruckten Masterplanentwurfs gibt. Er soll auch nicht nachgedruckt werden. Mit einer weiteren Diskussion und Beratung wird demnach auch anderswo nicht mehr gerechnet.
Mein Exemplar ist also inzwischen eine Rarität. Interessierte finden hier eine PDF-Ausgabe.

siehe auch: „Angestaubter Masterplan Kulturmetropole Ruhr“ vom 18. Juni 2010


Bild: “Blumenmeer” von view7 | photocase.de