Archiv der Kategorie: Wetter & Ennepe-Ruhr

Schwimmbrücke Dahlhausen soll gesperrt werden

Kommunalpolitiker an der Schwimmbrücke
Kommunalpolitiker an der Schwimmbrücke
„Kurzfristige Maßnahmen und Sachstand zur Findung einer langfristigen Lösung“ heißt es im Titel eines schriftlichen Vorschlags der Bochumer Stadtverwaltung. Zum einen geht es um den Weg zu einer neuen Brücke über die Ruhr, die dann auch wieder befahrbar sein soll. Zum anderen birgt die Vorlage einen überraschenden Beschlussvorschlag: Die Schwimmbrücke soll für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Nur noch Fahrradfahrer und Fußgänger sollen sie passieren dürfen.

Die Bochumer Stadtverwaltung hat noch eine andere Lösung erwogen, aber verworfen. Denkbar wäre die Befahrung in nur eine Richtung. Ziel auch dieser Variante ist, die Gefahren für auf den Schienen haltende Fahrzeuge zu reduzieren. Daher kommt die Einbahnstraßenregelung auch nur in Richtung Bochum infrage. Fahrbahnaufbauten würden nur auf der Hattinger Seite ein langsames passieren erzwingen. Auf der Bochumer Seite mit dem Bahnübergang könnte zügig passiert werden. Allerdings will die Verwaltung jetzt ganz auf Nummer sicher gehen, so dass nur nach links abgebogen werden kann. Da alle Fahrzeuge dann nach links abbiegen und schließlich auf die Kreuzung Lewackerstraße / Dr. C.Otto-Straße treffen, ist diese dann überlastet. Also kommt die Verwaltung zu einer Vorschlag: Besser als zuviel Verkehr ist kein Verkehr. Die Brücke soll gesperrt werden. Schwimmbrücke Dahlhausen soll gesperrt werden weiterlesen

Umstrittener Umbau des Ruhrbogens füllt Halle

Mehr als 300 Bürger füllten am Montagabend die Gebläsehalle des Industriemuseums Heinrichshütte in Hattingen. Die Bezirksregierung Düsseldorf stellte ihre Pläne für den Umbau der Ruhr zwischen Dahlhauser Wehr und Hattinger Wehr vor. Anlass für die Maßnahme ist die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) will bis 2027 die Ruhr an mehreren Stellen zu einem artenreicheren Gewässer umgebaut wissen. Allein schon die Zielsetzung und dazu, ob dies sinnvoll mit dieser Maßnahme erreicht werden kann, ist umstritten.

Trittsteinkonzept aus dem Umweltmininsterium

Die Argumentation der Bezirksregierung ist simpel. Zwar lasse sich die Ruhr nicht von der Quelle bis zur Mündung ökologisch gestalten, um aber sich dem Ziele einer Durchgängigkeit zu erreichen, könnten Abschnitte entsprechend realisieren lassen. Das Rahmenkonzept nennt sich Trittsteine. Dazwischen gibt es Staustufen und Fischtreppen.
Der weitere Umbau sei dann notwendig, damit die Ruhr wieder langsamer fließe. Um die Ruhr zu Beginn des Industriezeitalters schiffbar und daher tiefer zu machen, waren im 19. Jahrhundert bauliche Maßnahmen erfolgt, zum Beispiel Buhnen angelegt worden. Die schnellere Fließgeschwindigkeit habe den Grund abgetragen und den Fluss vertieft.

Fluss mit Inseln und Ufer

Loire bei Tours: Breites Flussbett mit Kiesbänken und Bauminseln
Mit der jetzt vorgestellten Maßnahme solle der Fluss flacher werden, sich an den Rändern zumindest an der rechten Seite ausbreiten können und Kiesbänke entstehen. Es kam der Vergleich mit der Loire in Frankreich. Die Ruhr sei „Über Wasser“ ökologisch in Ordnung, die Probleme seien „unter Wasser“. Bei der Aussage, dass die Ruhr in Ordnung sei, kam spontaner Applaus auf.
Der historische Leinpfad bleibe erhalten, da die Grundstücke auf der linken Flussseite für wasserbauliche Maßnahmen nicht zur Verfügung ständen. In die Runde wurde auch gerfragt, ob dies vielleicht anders sei und jemand ein Grundstück abgebe.

Alternativen zur Verbesserung des Wassers der Ruhr geprüft?

Von den Gegnern der Maßahme sprach sich niemand generell gegen Verbesserungen der Qualität der Ruhr. Eine ganze Bandbreite von Akteuren meldete sich zu Wort. Dabei erschien fraglich, ob denn überhaupt eine Verbesserung der ökologischen Qualität der Ruhr erreicht werde oder ob diese nicht die durch die Schäden des Umbau aufgewogen werden. Die Natur hat ja in den letzten 200 Jahren sich der veränderten Ruhr angenommen, so auch der mehr stehenden Gewässer zwischen den Buhnen. Fraglich ist, ob der Nutzen überhaupt groß sei, was auch von einem Vertreter der Fischerei bezweifelt wurde, der darauf hinwies, da bereits das von er Verwaltung vorgeschlagene Trittsteinkonzept dem Erfolg der Maßnahme entgegenstehe. Die Ruhr könne ja nicht durchgängig von der Quelle bis zur Ruhr werden, so dass der mögliche Nutzen für „die Natur“ noch geringer sei.

Ein in mehrerlei Gestalt auftretendes Argument gegen die Maßnahme bezeichne ich als erwartete Fehlallokation. Von Gegnern der Maßnahme wurde mehrfach auf alternative Maßnahmen hingewiesen, der der Umwelt mehr brächten. Es mangelt demnach nicht nur an der Höhe des Nutzens, sondern auch an der Verhältnismäßigkeit von Nutzen zu Aufwand. Das gilt für die Kosten wie für den ökologischen Nutzen gegenüber dem, was zerstört wird.

Hinzu tritt der Aspekt, dass das Bild der Ruhr aus dem Beginn des Industriezeitalters erhalten bleiben solle. Die Ruhr war zum Transport der Kohle über die schiffbar gemacht worden. Pferde zogen die Kähne über den Leinpfad den Fluss hinab. Eine Initiative hat sich daher auch an den Landschaftsverband Westfalen-Lipp gewandt, um den Schutz des Landschaftsbilds zu erreichen.
Auszüge eines Films mit einer Unterwasserkamera zeigten, dass die Ruhr „unter Wasser“ auch nicht arm an Arten ist. Die „Natur“ hat sich auf die montanindustriell vorgeprägte Ruhr eingestellt, zwischen den Buhnen gibt es heute auch Flora und Fauna.

Die Nutzung der Ruhr für den Wassersport war auch ein Teilaspekt. So ist fraglich, wie die Ruhr sich mit wandernden Kiesbänken für Kanuten nutzen lässt.

Das Geld ist da, jetzt muss es verbaut werden?

Herausgearbeitet wurde in er Veranstaltung auch, dass das Geld aufgrund der Wasserabgabe vorhanden sei und jetzt quasi nach Verwendung suche. Und die ist am Winzer Ruhrbogen einfach zu finden, da hier Fluss und Grundstücke in Landeseigentum seien. Hier zeigt sich ein Problemer grüner Nebenhaushalte: Das für bestimmte Zwecke vereinahmte Geld der Bürger muss nun am Budgetrecht des Landtags vorbei verwendet werden. Dies verstärkt Legitimationsdefizite bei der Implementation so entstandener Maßnahmen. Kritisch ist, dass eine Beteiligung der Bürger und demkoratisch gewählter Vertretung erst nach Erstellung der Pläne erfolgt. Auf kommunaler Ebene ist es demokratischer Standart, dass zu nächst diskutiert und beschlossen werden muss, ober überhaupt geplant wird und dafür Geld zur Verfügung steht. Die Bezirksregierungen tragen erhebliche zu Demokratiedefiziten im Nordrhein-Westfalen bei.

Knie des Ruhrbogens
Ruhr-Umbau: Nebenarme im Knie des Winzer Ruhrbogens, Hattingen

Bezirksregierung Düsseldorf visualisiert Beispiel des Umbaus

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat ein paar Grafiken erstellen lassen, um den heutigen Zustand der Ruhr jetzt und nach den mehrjährigen Umbaumaßnahmen darzustellen; Baumaßnahmen können nur im Winter erfolgen.
Zwei animierte Bilder auf dieser Seite geben den Großteil davon wieder. Der Betrachter sollte darauf achten, dass die Grafiken der Planungen tendenziös zusätzlich grün eingefärbt ist, um sie gefälliger zu machen; beim Ist-Zustand wurde auf eine Kolorierung verzichtet. Auch werden die Angler die zu Inseln zusammengefassten Buhnenköpfe mit Gumpen kaum so wie dargestellt nutzen können: Sie müssten dahin rudern oder schwimmen. Die Kolorierung verstärkt den Eindruck, dass es um die Realisierung eines ideologisch geprägten Idylls geht. Die Verwendung des Bildes von der Loire, die keine industriekulturell geprägter Fluss wie die Ruhr ist, spricht für sich.

Buhnen oder Insel in der Ruhr
Winzer Ruhrbogen: Umbaumaßnahme Buhnen zu Insel

Ruhr: Wie soll die Natur am und im Fluss aussehen?

Deutschland ist insgesamt eine Kulturlandschaft, die auch vom Menschen überformte Natur- und Landschaftsschutzgebiete umfasst. Die Römer klagte bereits über die dichten germanischen Wälder, die auf den fehlenden Verbiss bereits ausgerotteter Herdentiere zurückging. Unsere Vorstellung von Natur ist eine gesellschaftliche Vorstellung und ein der Politik zugängliches Produkt. Eine Verabsolutierung dieser „Vorstellung Natur“ führt zu einem ökologischen Fundamentalismus. Die von Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) getragene Renaturierung der Ruhr in dieser Form vertritt ein radikales Bild von Natur. Indstrienatur hat demnach auf ehemaligen Zechengeländen Platz, nicht aber in der Ruhr. Dabei scheint das Leben dort gar nicht soviel ärmer.

Wir sollten versuchen beide Vorstellungen eines Ökosystems zu erhalten, aber auch effizient unsere Gelder einsetzen.

Volle Gebläsehalle im Industriemuseum Henrichshütte, Hattingen
Volle Gebläsehalle im Industriemuseum Henrichshütte, Hattingen

P.S: Weitere Maßnahmen des Trittsteinkonzepts sind der Bau der Saarner Aue in Mülheim an der Ruhr und der Wengener Aue zwischen Witten und Wetter(Ruhr).

P.P.S.: Ein weiterer, ausführlicher Bericht findet auf Lokalkompass:Hattingen – „Renaturierung der Ruhr: Emotionale Info-Veranstaltung in der Hattinger Gebläsehalle

3. Kulturkonferenz Ruhr – Intentional zum Klimawandel

Am Dienstag fand in der Stadthalle in Hagen die 3. Kulturkonferenz Ruhr statt. Sie hat mir besser gefallen als ihre beiden Vorgänger. Ich denke, dass liegt daran, dass die Konferenz intentional für ein Ziel des Veranstalters Regionalverband Ruhr (RVR) erfolgt. Das Thema „Kultur und Klimawandel“ erfolgt in einer Auftaktwoche des RVR zum Klimawandel vom 27.09. bis 03.10. und in Vorbereitung auf ein Schaufenster im Rahmen der Klima.Expo.NRW 2022. Kritiker dürften sagen, die Kulturkonferenz wurde instrumentalisiert. Ich sage: Gott sei Dank. Es hat sie gerettet.

Kopf der Einladung zur 3. Kulturkonferenz Ruhr
3. Kulturkonferenz Ruhr: Kultur und Klimawandel

Klimakultur in der Stadthalle Hagen

Es waren deutlich weniger Teilnehmer erschienen als in den Vorjahren. Anhand der Teilnehmerliste schätze ich 240 Angemeldete, von denen sicher nicht alle gekommen sein. Das mag ein wenig an der nicht zentralen Lage des Veranstaltungsortes liegen. Ich schätze jedoch, dass die Themenwahl die Teilnehmer verändert hat. Und verändert hat sich auch der Kulturbegriff, der der Veranstaltung zugrunde lag. Fernab von einem tiefen Verständnis der semantischen Bandbreite des Kulturbegriffs ging es etwas mehr um Zivilisation, vielleicht auch Alltagskultur als um Hochkultur – und darin die Arbeit der freien Szene. Nach dem von mir geschwänzten obligatorischen Beitrag von Prof. Claus Leggewie vom Kulturwissenschaftlichen vermutlich zur notwendigen Klimakuktur habe ich mir ein Projekt des Goethe-Instituts in Usbekistan und eines des Vereins ‚Die Urbanisten‘ in Dortmund angehört.

Ich nehme aus den Veranstaltungen mit, dass mit kulturellen Formaten in einem autokratischen System Inhalte und Auseinandersetzungen über den Klimawandel und konkret das Schmelzen der Gletscher thematisiert werden können, siehe Goethe.de/Klima. Ich hab ein konkretes Projekt des Urban Gardening in der Metropole Ruhr vorgestellt bekommen, dass im städtischen Raum einen Beitrag zum Klimawandel leistet, weil es erheblich den Ausstoß von Kohlendioxid vermeidet, das beim Transport von Obst und Gemüse anfällt. Das Projekte stammte vom Dortmunder Verein „Die Urbanisten„. Ein wenig war die Konferenz wie eine Messe.

Kulturkonferenz Ruhr: Ende der Nabelschau?

Im Kontrast dazu sind mir die vorherigen beiden Kulturkonferenz als Sammelforen der Region in Erinnerung, wo sich die RVR-nahen Vertreter der Kulturinstitutionen trafen. Dabei wurden sie dann mit den Forderungen der sogenannten „freien Szene“ konfrontiert, die schließlich mehr Beteiligung und schließlich Geld für sich reklamierte. Ganz ergebnislos ist das nicht geblieben, so blieben im Rahmen der trienalen EmscherKunst jetzt was für Sie und auch die Restmitteln der liquidierten Ruhr.2010 GmbH. Aber so kann es ja nicht weitergehen. Es wurde mir nicht klar, wofür diese Kulturkonferenz weiterhin da sein solle und wie die Ergebnisse irgendwie verwertet werden könnten.

Bühne der Kulturkonferenz Ruhr
Bühne der Kulturkonferenz Ruhr
Das Publikum hat sich nicht nur zahlenmäßig verändert. Da freue ich mich sogar auf die Auswertung der Konferenz, die zuvor in Form einer Broschüre im Zeitungsformat kam. Und die Veränderung wirft die Frage auf: Wie lautet das regionale Kulturthema der 4. Kulturkonferenz?

Bisherige Themen der Kulturkonferenz

Die jährlich von Land und RVR veranstaltete Kulturkonferenz Ruhr ist aus dem Kulturhauptstadtprojekt Ruhr.2010 enstanden und Teil der Nachhaltigkeitsstrategie dieser. Die bisherigen Themen lauteten:

15.09.2012 : Kulturmetropole Zukunft. Die neue Dekade gestalten. (Welterbe Zollverein)
20.09.2013 : Zukunft der Interkultur. Strategien für eine Metropole der kulturellen Vielfalt. (Ruhrfestspielhaus Recklinghausen)
30.09.2013 : Kultur und Klimawandel. (Stadthalle Hagen)

Protest gegen Umgestaltung des Ruhrbogens bei Hattingen

Die Bezirksregierung Düsseldorf plant den Umbau des Winzer Ruhrbogens. Die Ruhr bei Hattingen so entsprechend den Vorstellungen der Landesregierung „reanturiert“ werden. Genau dagegen erhebt sich lauter Protest auch von Naturschützern – aber auch von Wassersportlern. Viele Bürger halten die Maßnahme, die vorgeblich der Verbesserung von Oberflächengewässern auf Veranlassung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie dienen soll, schlicht fü Geldverschwendung in Millionenhöhe.
Inzwischen hat sich ein Initiativkreis gegründet, der Unterschriften für eine Petition gegen die Maßnahme sammelt.

Protest von Naturschützern und Wassersportlern

Unter anderem wird die Ansicht vertreten, dass die Natur die Buhnen bereits angenommen habe. Buhnen sind Einbauten im 90 Gradwinkel zum Ufer, durch die die Fließgeschwindigkeit in der Flußmitte und damit nachfolgend die Wassertiefe erhöht wird. Die Wasserflächen zwischen den Buhnen fallen dadurch ruhig. Das Ökosystem habe sich dieser Wasserflächen entlang der Ruhraue inzwischen angenommen. Die Maßnahmen des Landes schadeten mehr, als dass sie nutzen. Eine geringere Fließgeschwindigkeit könnte zur Verschlammung des Grundes führen und den Lebensraum zahlreicher Arten vernichten.

Landschaftsbild gefährdet

Gefährdet ist aber auch das industriekulturell geprägte Landschaftsbild. Die Ruhr mit ihren Buhnen wurde zu Beginn des Industriezeitalters so schiffbar gemacht. Der Winzer Ruhrbogen ist ein Beispiel der Vermischung vorindustrieller Kulturlandschaft mit industriekulturellen Elemente aus der Anfangszeit der industrielle Revolution, dort wo der Kohlebergbau an der Oberfläche einst begann.

Im November 2014 will die Bezirkregierung ihre Pläne vorlegen.

Links

WAZ Hattingen: „Ruhrbogen – Gegner der Renaturierung wollen Petition einreichen“ (26.09.2014)

WAZ Hattingen: „Ruhrbogen II – Noch kein fertiges Konzept zur Umgestaltung“ (24.09.2014)

WAZ Hattingen: „Ruhr – Naturschützer gegen Renaturierung (11.09.2014)

Lokalkompass: „Hattinger gegen Renaturierung der Ruhr“ (09.09.2014)

Artikelbild

Ruhr zwischen Hattingen (links) und Bochum (rechts), die Ruhrbrücke Kemnader Straße unten rechts im Bild (Fotograf: N. Selisky 2004, GNU Free Documentation License, Wiki Commons)

Ruhr-Schwimmbrücke wieder frei nach Sperrung

Eine Meldung aus Burgaltendorf:

Nachdem ein Gutachter die Schwimmbrücke in Augenschein genommen hat, wurde die Brücke wieder freigegeben werden. Es konnten glücklicherweise keine Beschädigungen festgestellt werden. Da die Brücke heute in den frühen Morgenstunden von einem 40 Tonnen LKW befahren wurde, war diese den ganzen Tag zur Überprüfung gesperrt.

Ruhr-Schwimmbrücke mit Brückenuntersichgerät
Ruhr-Schwimmbrücke mit Brückenuntersichgerät, Bild: Marin von der Gathen

Außer Schrammen an den Schikanen und zerquetschtem Asphaltbelag, der auf Dahlhauser Erklärung zur interkommunalen Zusammenarbeit bei der Erneuerung der Schwimmbrücke_finalder Brückenzufahrt lag, scheint nichts Schlimmeres passiert zu sein. Strukturelle Schäden an der Brücke, eine weitere Beeinträchtigung der Statik der Brücke habe der Gutachter nicht feststellen können. Der 40 Tonner hatte die Brücke zweimal überquert, da er am Bochumer Ufer nicht weitergekommen war. Die Schäden waren glücklicherweise nicht der Rede wert.

Der Zustand der Brücke, die nur eingeschränkt nutzbar ist, ist unbefriedigend. Behelfsweise können zumindest PkW, die Brücke weiter nutzen. Dennoch muss es bei der Forderunn bleiben, dass die Brücker zügig erneuert wird. Dazu hatte sich einige CDU-Kommunalpolitiker heute – lange im Voraus verabredet – an der Schwimmbrücke getroffen. Hier der Link zu Ihrer Dahlhauser Erklärung zur interkommunalen Zusammenarbeit bei der Erneuerung der Schwimmbrücke (PDF).

Brückenuntersichtgerät an der Ruhr-Schwimmbrücke
Spezialgeräte zur Untersuchung der Schwimmbrücke, Bild: Martin von der Gathen

Wuppertal bleibt unbelehrbar bei IKEA Homepark

Die Landesregierung, hier die Landesplanungsbehörde in der Staatskanzlei, hat Wuppertal die Planungen für einen IKEA Homepark (Was ist ein IKEA Homepark?) in der Nähe des Wuppertaler Nordkreuzes (A43/A46/A1) erneut untersagt. Dabei hat die Landesplanungsbehörde nicht darauf abgestellt zu prüfen, ob die Stadt Wuppertal hätte formell überhaupt das Planungsvorhaben trotz bereits erfolgter Untersagung hat fortführen dürfen. Es wurde wirklich inhaltlich geprüft. Und der auch auf der Internetseite der Stadt Wuppertal abrufbare Entwurf des Schreibens mit dem der Bau versagt wird, hat es in sich. Er weist zahlreiche Unzulänglichkeiten des Verfahrens und der Beurteilungen der Stadtverwaltung Wuppertal nach. Für mich sieht es nach Rechtsbeugung von Amtswegen aus. Die Stadtverwaltung hat verkündet, dass sie wohl klagen werden. Vermutlich kann sie politisch nicht mehr anders. Ein gerichtliches Aus ist politisch leichter zu verkraften, als eine selbst verschuldetes – wenn auch weises – Einsehen.

Statt eines wortreichen Artikels erscheint hier eine Linkliste:

IKEA: Stadt erwägt Klage„, Westdeutsche Zeitung, 07.10.2013

Ikea – Stadt will gegen Ablehnung klagen„, Rheinische Post, 27.09.2013

Umstrittener „Ikea Homepark“ steht auf der Kippe„, DerWesten, 26.09.2013

Some Assembly Required
Some Assembly Required

Wenn der Supermarkt in Wetter-Wengern schließt … Drogerieartikel fehlen

Dirk Schmidt vor Supermarkt in Wengern
Dirk Schmidt vor Supermarkt in Wengern

Haupterkenntnisse der Bürgerbefragung:
1. Drogerieartikel fehlen besonders stark
2. Witten-Zentrum ist neben Alt-Wetter bevorzugtes Ausweichziel
3. Ältere und Frauen sind besonders betroffen, da weniger mobil
4. Insgesamt kein größerer Markt gewünscht, eher bei den Jüngeren
5. Wunsch nach etwas „Modernerem“ ist häufig

„Den Wengeranern werden nach dem Schließen des Edeka-Supermarktes im Dezember insbesondere Drogerieartikel fehlen, nachdem auch im letzten Jahr Schlecker aufgrund Konkurs geschlossen hatte“, erklärt Dirk Schmidt, Bürgermeisterkandidat der CDU Wetter. Dies ist Ergebnis einer Umfrage, die die CDU in Wengern zusammen mit Dirk Schmidt in der zweiten Augusthälfte unternommen hat. Dirk Schmidt dazu weiter: „Bei Körperpflegemitteln haben die Menschen vermutlich einen größeren Bedarf nach ihrer Marke. Und die ganze Bandbreite an Marken kann ein Discounter nicht abdecken, sondern nur ein Supermarkt mit Vollsortiment.“

Mit Markgröße zufrieden, aber ‚moderner‘

Die jetzt vorliegende Auswertung fördert auch zu Tage, dass es eher Jüngere sind, die sich einen größeren Markt wünschen. Insgesamt sind die Wengeraner jedoch mit der Marktgröße zufrieden. Allerdings müssen Marktgröße und Umsatz (Flächenumsatz) auch den Wünschen der Betreiber genügen. Dirk Schmidt sieht sich daher darin bestätigt, dass etwas für einen größeren Markt in Wengern getan werden muss. Eine Chance für einen neuen Markt sieht er, denn viele Wengeraner – hier wieder die Jüngeren voran – wünschten sich etwas Moderneres.

Frauen und Ältere besonders von Schließung des Supermarktes betroffen

„Leider bestätigt die Umfrage, an der 127 Bürger teilgenommen haben, dass gerade Ältere und Frauen stark unter dem Fortgang des jetzigen Supermarktes leiden werden. Sie sind weniger mobil und auch mehr auf das Ortszentrum in Wengern angewiesen. Gerade die Über-70-jährigen verlassen Wengern kaum noch“, so der 39-jährige Politikwissenschaftler. Ihn hat erstaunt, dass die Wengeraner offenbar häufiger in Witten-Zentrum einkaufen als in Witten-Bommern. Auch sei ein klarer Vorsprung von Alt-Wetter nicht zu erkennen.

Die Beteiligung an der Umfrage wertet die CDU als Erfolg und als Beleg für die Betroffenheit der Bürger.

Eine umfrangreiche Auswertung findet sich in diesem PDF-Dokument: Auswertung Umfrage ‚Supermarkt in Wengern‘.

Innenentwicklung vor Außenentwicklung: Die Kommune als Makler

Die weitere Inanspruchnahme unverbrauchter Flächen zu begrenzen, ist Ziel in
Deutschland geworden. In Nordrhein-Westfalen heißt das „Allianz für die Fläche“ und wurde bereits 2006 initiiert – also unter der damaligen CDU-geführten Landesregierung. Ziel ist es in NRW den Flächenverbrauch auf täglich 5 Hektar (!) zu halbieren. Das bedeutet, dass brachliegende Flächen zuerst entwickelt werden müssen. Leerstände, abgeräumte ehemalige Industrieflächen, leerstehende Gewerbehallen – all das muss zunächst einmal entwickelt werden, bevor Freiflächen neu herangezogen werden. Das ist dann Versiegelung von Boden. Das Aktivieren von Flächen im Bestand ist jedoch wesentlich schwieriger, als das Ausweisen neuer Gewerbegebiete. Altflächen müssen ggf. aufgearbeitet werden, Eigentümerstrukturen sind zu klären. Das ist alles viel konflikträchtiger als die bisherige Praxis der Neuausweisung von Gewerbe- und Industriegebieten.

Gebrochene Straßendecke
‚Gebrochen Straßendecke‘, Bild von Terric Delayn / photocase.com
Zwei wesentliche Änderungen erfolgen gerade bei der Steuerung des Flächenverbrauchs: Das Bau-Gesetzbuch (BauGB) wurde durch den Bund novelliert, in NRW wird ein neuer Landesentwicklungsplan (LEP) beraten, der frisch als Entwurf vorliegt. Die neue Konstellation von §1/§1a BauGB hat den Begründungsbedarf für Kommunen erhöht, wenn sie forst- oder landwirtschaftlich genutzte Flächen umwandeln wollen. Die Notwendigkeit ist zukünftig zu begründen und dazu sind Ausführungen über Baulücken, Leerstände und Brachen zu machen. Erst wenn nichts mehr begründbar und (gerichtlich) nachprüfbar geht, sollen neue Flächen verbraucht werden dürfen.

In diese Entwicklung fügt sich der Entwurf des neuen LEPs NRW (S. 33) ein und beschreibt zudem die Aufgabe der Kommunen:

Die Mobilisierung von Bauflächen obliegt den Gemeinden im Rahmen ihrer Selbstverwaltung. Hierzu stehen den Gemeinden die entsprechenden Instrumente des BauGB zur Verfügung. Die städtebauliche Innenentwicklung dient nicht nur dem Flächensparen, der Verkehrsvermeidung und der siedlungsräumlichen Nutzungs- und Gestaltqualität, sie ist auch hinsichtlich der Betriebs- und Unterhaltungskosten insbesondere der technischen Infrastruktur für die Gemeinden in der Regel kostengünstiger als die Inanspruchnahme von Freiflächen im Außenbereich. In der Summe dient die Innenentwicklung der Siedlungsbereiche der Erhaltung eines großräumig übergreifenden Freiraumverbundsystems und ist insofern von überörtlicher Bedeutung.

Ergänzend weise ich noch auf den demografischen Wandel hin, der spätestens ab 2025 in allen Landesteilen zu sinkenden Bevölkerungszahlen führt. Deinvestitionen – also der Abriss von Infrastruktur – sind kaum möglich.
Es ist sinnvoll, auf später (oder auch jetzt schon) nicht mehr unterhaltbare Einrichtungen zu verzichten.

Die Kommune als Makler
Die Aufgabe der Kommunen und ihrer Wirtschafsförder wird sich damit noch stärker hin zu der eines Maklers verschieben. Es gilt Brachen und Leerstände zu identifizieren. Die sind nicht immer gleich wie ein leeres Ladenlokal zu erkennen. Es kann sich auch um die Rasenfläche auf einem Fabrikgelände handeln. Die Stadt Hattingen – wurde mir erzählt – soll auch mal anklingeln, ob eine Restfläche wirklich benötigt werde oder für eine weitere Nutzung zur Verfügung stehe. Auch wenn ihr die Fläche nicht gehört. Die Kommunen haben bei der Identifizierung von Flächen und ihrer Mobilisierung den Vorteil des kurzen Weges: Als Behörde sind sie regelmäßig daran zu beteiligen, wenn es zu Nutzungsänderungen kommen soll. So kann vorab schnell erfragt, was denn auf einer Brache alles möglich sein könne. Zunächst ist es aber bereits von Vorteil, dass die Kommunen Register haben, was den so alles vorhanden ist.

Wo die Richtung hin gehen kann und dass das ein regionales Thema ist, zeigt der Atlas der Gewerbe- und Industrieflächen der Metropole Ruhr (ruhrAGIS). Leider kann man da nicht so einfach reingucken. Da sollen aber auch Potentialflächen als optionale Angebote enthalten sein, von denen kommunale Gremien teilweise noch nichts gehört haben. Wenn’s konkret wird, wird’s halt konfliktträchtig.

Probleme mit Wirtschaftsförderern und -politikern
Natürlich ist ein Neubau mit einer 10-jährigen Gewährleistungsgarantie für jeden Eigenheimbesitzer angenehmer, als sich mit den Hinterlassenschaften seiner Vorgänger zu befassen. Die Adam Opel AG wurde vor Jahrzehnten auf ehemalige Zechengelände nach Bochum geholt unter der Voraussetzung, dass die Stadt Risiken und Kosten aus der vorherigen Nutzung übernahm – Altlasten und Bergschäden. Sowas ist nicht einfach, aber auch nur vor Ort in jedem Einzelfall zu regeln. BauGB und LEP können nur einen Rahmen setzen. Die Verwaltungen werden laufen müssen. Wo sie’s nicht tun, wird die wirtschaftliche Entwicklung hintere die Laufenden zurückfallen. Sie werden als Erste dann nach neuen Flächen zur Versiegelung schreien, wenn sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben.

Heute las ich einen Bericht zur Positionierung des wirtschaftspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion NRW, Hendrik Wüst MdL. Da finden sich alle Argumente gegen diese Politik:

  1. Das Aufarbeiten alter Flächen könne schon mal 200 Euro je Qudarateter kosten,
  2. Unternehmen würden eher in anderen Bundesländern investieren und
  3. Flächenmonitoring – also die maklerische Tätigkeit – sei nicht Aufgabe der Kommunen.

In allen drei Punkten widerspreche ich ihm. Ich fühle mich jedoch in guter Gesellschaft mit Teilen der CDU wie der CDU Ruhr, die der Brachflächenentwicklung Vorrang einräumt, denn schließlich gibt es viele Zechen- und Industriebrachen an der Ruhr. Ein Standortvorteil gegenüber dem – bisher und weiterhin – landwirtschaftlich genutzten Raum? Ich denke schon, aber nur wenn die Chancen auch genutzt werden. Da wird es auch einen Wettbewerb um günstigere Flächen und Maßnahmen geben.
Ziele der Begrenzung des Flächenverbrauchs gelten im Übrigen auch in anderen Bundesländern, wie auch das BauGB. Die Gefahr, dass gewerbliche Makler arbeitos werden, sehe ich nicht.

Beispiel: Gewerbegebiet „Am Stork“ in Wetter (Ruhr)
Am 22. September 2013 findet zeitgleich mit der Wahl zum Deutschen Bundestag die Wahl eines neuen Bürgermeisters statt. Ich (der Autor) bin einer von drei Kandidaten für dieses Amt. Also gehe ich mal ins Konkrete und zwar in Wetter (Ruhr) und weiche nicht auf andere Beispiel aus. In Wetter wurde jüngst und umstritten das neue Gewerbegebiet „Am Stork“ ausgewiesen. Die CDU stimmte im Rat gegen diese Ausweisung, weil es sich ihrer Meinung nach nicht rechne und die Darlegung der Verwaltung dazu nicht schlüssig war. Die Grünen sind gegen eine Umwandlung landschaftlich geschützer Flächen, von Freiflächen, wie sie jetzt nach BauGB noch weniger möglich sind. Und die Diskussion zeigt auch, dass es diesem Gewerbegebiet an der verkehrlichen, infrastrukturellen Anbindung fehlt.
Fahre ich durch die Stadt, dann sehe ich aber Leerstände. Damit meine ich nicht nur die zahlreichen leer stehenden Geschäftsräume im Zentrum von Alt-Wetter, sondern verweise auf Aushänge wie „Gewerbehalle zu vermieten“. Die Stadt verfügt über genügend Potential. Traurig ist die Nachricht, dass weitere Arbeitsplätze in der örtlichen Industrie abgebaut werden. Selbst wenn der Standort erhalten bleibt, werden hier nicht zukünftig weniger Flächen benötigt. Zwei Beispiel, wo sich etwas finden lässt, wo auch die Infrastruktur bereits vorhanden ist. Das einzig gute an der erfolgten Ausweisung des Gebietes „Am Stork“ ist, dass nach den Regeln des neuen LEP die Flächen gegen andere, besser geeignete, getauscht werden könnten. Ein rein verwaltungsseitiger Akt.

Der Markt für gewerbliche Immobilien wird sich verändern. Die Rolle der Kommunen wird wichtiger werden, sie werden Makler. Und Makler sind im Verbund mit anderen und somit einem größeren Angebot besser. Das Bedeutung der Mischung von Angebotsmarkt und Nachfragemarkt bei gewerblichen Immobilien wird eine andere werden. Von einer Planwirtschaft mit Zuweisung von Flächen sind wird jedoch weit entfernt. Natur- und Umweltschutz ist halt nicht kostenlos zu bekommen. Hier macht es aber auch volkswirtschaftlich Sinn, Betriebe nicht von Fläche zu Fläche ziehen zu lassen.

Tourismus für Wetter: Chancen im Ruhrtal

Ruhrtalradweg: Fahrräder am Harkortsee
Ruhrtalradweg: Fahrräder am Harkortsee
Die Ruhr fließt durch Wetter (Ruhr). Sie hat etwas Trennendes, verbindet Wetter aber auch mit seinen Nachbargemeinden in der Region. Ihrem Verlauf folgen die Ruhrtalbahn und der Ruhrtalradweg. Aber durch Wetter führen auch weitere touristische Routen, so die Deutsche Alleenstraße, der Radfernwanderweg namens ‚Kaiserroute‘ von Paderborn nach Aachen sowie die Route der Industriekultur. Diese Liste ist nicht abschließend. Einige Projekte – wie die Anbindung per Rad ans Bergische Land – sind noch in Arbeit.

Die Chancen von Wetter im Ruhrtal nutzen
Im Ruhrtal hat sich der Tourismus wie in der Metropole Ruhr insgesamt gut entwickelt. Das gehört zum Strukturwandel einer einst rein industriell geprägten Region, die früher nur als Produktionsstandort gesehen wurde. Wetter wird keine touristische Destination ersten Ranges werden, aber zu einem guten wirtschaftlichen Mix gehört auch Tourismus. Und das Ruhrtal hat wirklich viel zu bieten. Ja, Wetter hat viel zu bieten. Burgen, Fachwerkhäuser, reizvolle Landschaft und auch Geschichten, wie die der Harkortschen Werkstätten und von Henriette Davidis.

Wetter hat Potential!
Dass eine touristische Entwicklung möglich ist, zeigen die Übernachtungszahlen aus Nachbargemeinden. Die monatlichen Daten des Landesbetriebs IT.NRW ermöglichen einen Vergleich sowohl landesweit, als auch für die Stadt Wetter. Gab’s in NRW 2005 noch 38,4 Millionen Übernachtungen, so waren es 2012 landesweit bereits 45,4 Mio. Übernachtungen.
In Wetter war der mittelfristige Trend leider ein anderer, hier gab es 2004 noch mehr Betten als heute. Aber auch hier ist eine Trendwende erkennbar, denn es werden wieder mehr Betten als noch 2010 angeboten. Ich vermute dahinter den Radtourismus. Radfahrer benötigen in der Regel exakt eine Übernachtung.

Tabelle Uebernachtungen EN Wetter HA HAT

Von der touristischen Entwicklung der Region sollte Wetter in besonderem Maße profitieren, liegt es doch direkt am Fluss. Leider ist das noch nicht erkennbar. Es besteht Handlungsbedarf. Einen Plan gibt es bereits. Auch die Stadtverwaltung verweist auf den Marketingplan der Ruhr Tourismus GmbH:

Im Mittelpunkt der künftigen Marketingaktivitäten steht die Industriekultur, begleitet unter anderem von den Themen Kulturreisen, Events, Shopping und Städtereisen. Als wichtigste Zielgruppen wurden gebildete Best Ager, junge Leute und Familien mit kleinen Kindern identifiziert. Vor allem Besucher aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und den Niederlanden werden angesprochen. Zu den Sekundärmärkten gehören Großbritannien, Frankreich, Österreich, Schweiz und Belgien. (Quelle: Internetseite der Stadt Wetter)

Reisemobile aus den Niederlanden
Reisemobile aus den Niederlanden
Die Niederländer sind schon da!
Bemerkenswert ist, dass Wetter bereits jetzt regelmäßig (und fast unbemerkt?) von Niederländern angesteuert wird. Sie machen hier Zwischenstation mit ihren Wohnmobilen. Ich habe mit ein paar der Reisemobilisten gesprochen. Sie kamen alle aus Gemeinden nahe der deutschen Grenze, zum Beispiel Arnheim und Eindhoven. Wetter bietet Berge und Industriekultur. Beides kennen Niederländer zuhause nicht.

Mehr Aktivitäten sind notwendig!
Diese lokalen Aktivitäten müssen sich in die regionalen einfügen, denn sonst verpuffen sie. Das können wir uns in Wetter nicht leisten Nur gemeinsam mit anderen sind wir stark. Viel zu viel Touristen fahren durch Wetter nur durch – mit dem Rad, dem Auto oder der Museumsbahn. Und denen, die hier bleiben, weil sie zum Beispiel ihr Reisemobil günstig für eine Nacht parken, denen müssen wir sagen, wie sie hinauf zu den Burgen kommen und wo sie ihre Klappräder ausfahren können. Dann bleibt auch mal einer länger.

Weitere Informationen
Die vier Übernachtungsangebote für Radtouristen in Wetter lassen sich über das Internetportal des Ruhrtalradwegs erreichen. 3 von 4 befinden sich in Wengern.

Der Marketingplan der Metropole Ruhr mit den von der Ruhr.Tourismus GmbH gestarteten Marketing-Aktivitäten ist als PDF-Dokumente hier erhältlich.

Fail! VRR und Bahn AG: Installiertes, elektronisches Ticket-System abgeschaltet

Touchpoint-RFID-Tag mit Daumen nach unten
Fail: Touchpoint der Deutschen Bahn (hier in Wetter)
Die Reste des Kulturhauptstadtprojektes Ruhr.2010 im Bereich des Nahverkehrs können an den Bahnhöfen und DB-Haltepunkten der Metropole Ruhr besichtigt werden. Im Rahmen eines Probebetriebes konnte von sämtlichen Bahn-Haltepunkten aus per Handy eine elektronische Fahrkarte gelöst werden – Touch & Travel hieß das. Der Probebetrieb im Jahr der Kulturhauptstadt lief so erfolgreich, dass das System bundesweit eingeführt wird, aber nur an ICE-, IC- und EC- Haltepunkte bzw. dort, wo Verkehrsverbünde und Deutsche Bahn kooperieren. In der Metropole Ruhr, wo der Probebetrieb erfolgreich lief, findet diese Kooperation nicht statt. Die sogenannten Touchpoints, blaue Schilder mit RFID-Tags (siehe Bild) etc., finden sich auch an Haltepunkten, an denen kein DB-Fernverkehr hält. Wird der Touchpoint genutzt, zum Beispiel seine Nummer in die App auf dem Mobiltelefon eingegeben, dann erscheint eine Fehlermeldung. Denn der Punkt ist dem System unbekannt. Auf Nachfrage teilte mir die Hotline, deren Nummer auf jedem Touchpoint aufgedruckt mit, dass dieser Touchpoint noch nicht abgebauter Rest des Pilotbetriebs sei. Es ging mal an der Ruhr, jetzt nicht mehr. In Berlin lässt sich an jedem U- und S-Bahnhaltepunkt eine Fahrt so lösen und beenden.

Nicht zu unterscheiden: Funktionierender Touchpoint am DB-Reisezentrum Bochum Hbf
Nicht zu unterscheiden: Funktionierender Touchpoint am DB-Reisezentrum Bochum Hbf
Für die „Metropole“ Ruhr ist das unbefriedigend. So kann ich zwar per Touch & Travel, wie das Angebot der Deutschen Bahn heißt, von Bochum nach Hagen fahren, denn beides sind IC-Haltepunkte. Hingegen kann ich nicht von Wattenscheid nach Wetter fahren. Beide Bahnhöfe sind mit Touchpoints ausgerüstet, doch es ist ein potemkinsches Angebot. Es geht nicht. Mehr noch! Eigentlich könnte es sogar für den örtlichen Nahverkehr nutzbar sein, so wie es in Berlin der Fall ist. Im Pilotbetrieb hieß es dazu in der WAZ am 01.09.2009:

Touch & Travel werde so umgesetzt, dass auch der Übergang auf andere Verkehrsmittel – beispielsweise vom ICE auf den Bus oder umgekehrt – möglich sei, versichert die DB. Das erspare den Ticketkauf auch beim Umstieg auf andere Verkehrsmittel. Auch seien keine Kenntnisse über Tarifgrenzen mehr erforderlich. Touch & Travel benötige keine aufwändige und teure Infrastruktur an den Haltestellen und Bahnhöfen, da die Datenübertragung zum Hintergrundsystem über das Mobilfunknetz stattfinde.

Streit um technisches System: Per Mobiltelefon bezahlen oder per Chipkarte
An wem liegt es nun, dass das Bahnfahren ohne Fahrkartenkauf in der Metropole Ruhr nicht mehr möglich bzw. nur sehr eingeschränkt möglich ist? Liegt es an der Deutschen Bahn, die die Touchpoints nicht wieder abgebaut hat? Oder liegt es am VRR? Beide sind in meinen Augen Schuld, sie kommen nicht zueinander. Ein Nachfrage bei Verantwortlichen des Verkehrsverbunds Rhein Ruhr (VRR) brachte mir die Antwort, dass der VRR ein anderes System bevorzuge, keines das an ein Mobiltelefon und die Ortung gebunden sein. Der VRR favorisiert ein NRW-weit einheitliches Modell, dessen Pilotbetrieb er realisieren will. Dabei soll eine Chipkarte (darauf der RFID-Chip) zum Einsatz kommen, die an ein Online-Vertriebs-Tool aller Nahverkehrsgesellschaften mit einem System namens EFM3 andockt. Die Vereinheitlichung aller Standards und Verfahren ist das Ziel und dürfte bis 2017/19 dauern. Dafür kann man dann losfahren und muss sich nicht um Tarife kümmern in NRW – so der Plan, wenn alle mitmachen. ‚Touch & Travel‘ wäre sofort verfügbar, wenn denn der VRR mit der Bahn kooperieren würde. Und daher gilt die Weisheit: Das Bessere (=VRR) ist der Feind des Guten (=Bahn). Ergebnis: Fail! Lässt sich denn nicht beides realisieren? Das seine sofort, das andere später? Ich könnte am Bahnhof Wetter meine Fahrkarte per Handy lösen und in Berlin-Zehlendorf aussteigen. Das wäre nicht einmal auf NRW beschränkt!

Behelfen muss ich mich mit einem separaten Handyticket-System für Mobiltelefone in der losfahrenden und ankommenden Stadt, sofern ich Fernverkehrszüge nutze, die an Fernverkehrhaltepunkten (=großen Bahnhöfen) halten. Die polyzentrale Struktur der Metropole Ruhr, die sich auch in einem sternförmigen Nahverkehrsnetz mit Hauptbahnhöfen als Mittelpunkten niederschlägt, wird bis auf weiteres mit den Methoden der interkonnektiven Welt konserviert.Es ist die übliche Tragödie des alten Ruhrgebiets.

Kommunalpolitker aller Kommunen, ja Regionalpolitiker, vereinigt Euch. Schiebt das Thema mit Anträgen, Anfragen und Resolutionen an. Lasst Euch dazu berichten. Das Thema ist ja noch nicht einmal hinreichend als Missstand bekannt. Ich will mal sehen, wo ich das einbringen kann. Fortsetzung folgt …

Potemkinsches Angebot: Touchpoint am Bahnhof Wetter (Ruhr)
Potemkinsches Angebot: Touchpoint am Bahnhof Wetter (Ruhr)