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Bier kann noch kultiger werden: Convention in der Jahrhunderthalle

Dies ist eine Dauerwerbesendung – aber eine ziemlich coole. Mit der Finest Spirits & Beer Convention ist eine neue Veranstaltung in der Jahrhunderthalle im Westpark, Bochum gelandet, die Bierspezialitäten und Spirituosen miteinander verbindet. Eine „Messe“, die sich an den Endverbraucher wendet, der direkt – quasi nackt ohne Werbesprüche – mit dem Hersteller kommunizieren soll. Gut das der Eintritt Proben umfasst 🙂

Was will die Messe in der Metropole Ruhr?

Habe ich Herrn Witt von nordrhein-westfälischen Verband der Brauereien verstanden, dann ist er mit dafür verantwortlich, dass der Veranstalter Frank Böhr seine beiden Münchener Veranstaltungen nach Bochum getragen hat, um sie dort zu vereinen. Im Zentrum von Nordrhein-Westfalen bietet sich so ein Event an, da hier ein Land und eine Region mit großer Bierbrautradition und großen Brauereien sei: Veltins, Köpi, Warsteiner … Moritz Fiege ist auch vertreten.

Bier ist mehr als Hopfen, Gerste und Malz

Die Bier Crafting- Welle ist im Pott vielleicht auch noch nicht so angekommen und so habe ich Biere aus der neuen Hopfensorte Hallertau Blanc mit Mandarina Bavaria probiert. Ein deutlich anderer Geschmack, wenn ich in unserer Gegend doch den Dreiklang Kölsch, Alt und Pils gewohnt bin. Allerdings soll Helles inzwischen auf dem Vormarsch sein – die Bayern halt. Auf jeden Fall habe ich dazu gelernt, dass die Bandbreite von dem, was aus Hopfen, Gerste und Malz werden kann, breiter ist, als was wir so alltäglich trinken. Bier kann also noch kultiger werden. Und aufgrund dieser Werthaltigkeit von Bierspezialitäten und Spirituosen sei auch der Veranstaltungort gewählt worden. Die Jahrhunderthalle und die Industriekultur haben sich als Rahmen etabliert.

Das ist auch eine Botschaft von Veranstalter Frank Böhr: Das Bier will in den Ballsaal, die Spirituose ist schon da. Die deutschen Brauer seien in den letzten Jahrzehnten „faul“ gewesen und hätten sich auf dem Reinheitsgebot ausgeruht. Seit einigen Jahren gäbe es wieder Innovation. Und die produziert aus den gleichen Zutaten „Tangerine Green […] mit deutlich fruchtigem Citrus- und leichtem Stachelbeer- Charakter“ von der Bitburger Versuchsbrauerei Craftwerk auch den Sondersud von Freigeist, der mir wie Erdbeerlimes aussieht aber als Methusalem-Alt daherkommt.

Edelbrände und auch Whisky: Deutschland hat was zu bieten!

Lantenhammer: Willi, Whisky und Wili im Whiskyfass ausgebaut
Lantenhammer: Willi, Whisky und Wili im Whiskyfass ausgebaut
Und offensichtlich lässt sich mit den Zutaten und Verarbeitungsformen für Bier genauso spielen wie mit den Zutaten und Ausbauarten von Spirituosen. Eigentlich dachte ich: langweilig! Aber die Firma Lantenhammer vom Schliersee mit der Marke Slyrs hat mir ein Bildungserlebnis verschafft:
Die verkaufen einen dreijährigen Whisky. Egal. Die haben auch einen guten Willi. Okay. Aber dann haben die den Williamsbrand eine Weile im Whiskyfass gelagert. Das Finish ist toll, die Schärfe ist weg und ein leichter Rauchgeschmack am Ende. Und damit ist auch mein Repertoire an Worten zur Geschmacksbeschreibung zuende. Das Zeug ist mehr als nur genießbar. Toll. Wie lange der Willi im Whiskyfass war, wollten sie nicht verraten. Betriebsgeheimnis. Ich empfehle auch das Haselnussfinish.

Beer and Spirit Tasting: Bekanntes intensivieren oder Neues entdecken

Ungefiltert: Holzfass Pilsener Urquell
Ungefiltert: Holzfass Pilsner Urquell
Die Lehre von den Spirits ist, dass mal der Vergleich herangezogen werden muss. Und da geht noch einiges beim Bier. Von der Quelle allen Pilsbiers kommt ein infiltriertes Holzfass mit Bier Pilsener Brauart, dass Pilsner Urquell mitgebracht hat. Darauf freue ich mich gleich und auf den Unterschied zur heutigen, normal im Laden befindlichen, Abfüllung. Bis auf die Trübung soll das identisch sein, aber mehr ein Nahrungsmittel. Ich bin gespannt.

Dem Veranstalter wünsche ich Glück, dass die Veranstaltung trotz Streiks der Lokführer ein Erfolg wird. Dann kommt er hoffentlich 2015 oder 2016 wieder.

Bierbar im Fass
Bierbar im Fass

Oktoberfest – Ein deutscher Trend, aber warum?

Das Münchener Oktoberfest findet im September statt und endet mit dem Tag der Deutschen Einheit bzw. dem Wochenende mit diesem 3. Oktober.  Es ist nur eines der herbstlichen Bierfeste. In Stuttgart gibt es die Cannstadter Wasn. Beide zeichnen sich für mich durch bierseelige Feiern mit Musik, Speis und Trank in einem Festzelt aus – dem Bierzelt.

Trend zu herbstlichen, bierseeligen Veranstaltungen

Mittlerweile sehe ich einen starken Trend zu diesem Veranstaltungsformat überall in Deutschland. Im Sauerland feiern zahlreiche Schützenvereine ein Oktoberfest, es gibt zentrale Veranstaltungen (z. B. Schmallenberg) und auch in den Städten gibt es das Veranstaltungsformat. Es sieht für mich nach einem langsam gewachsenen,  noch wachsenden und starken Trend aus.

In Xanten wird dieses Jahr das 16. Oktoberfest gefeiert. An mehreren  Oktoberabenden füllen mehr als 4500 Leute das Festzelt und sorgen für gute Einnahmen der im kommunalen Besitz befindlichen Freizeitgesellschaft Xanten mbH. Das schreibe ich mal, weil es mir etwas bedenklich scheint, dass inzwischen eine Gesellschaft im Eigentum von Regionalverband Ruhr, Kreis Wesel und Stadt Xanten zu einem der größten, vermutlich sogar dem größten Bierlieferanten am Niederrhein geworden ist. Aber auch anders wo, wird so gefeiert, zum Beispiel beim Oktoberfest im Revierpark Wischlingen. Und das sind alles nur de Spitzenveranstaltungen. Es gibt eine Vielzahl kleinerer Veranstaltungen. Einfach den Namen einer Stadt und das Wort „Oktoberfest“ zusammen googlen. Auffällig ist für mich, dass dazu immer der bayerische, weiß-blau Stil gehört.

Drei Fragen beschäftigen mich: Wieso gibt es diesen Trend zu Oktoberfesten in dieser Form, weshalb hat dieses Veranstaltungsformat starken Zulauf und weshalb dominiert Weiß-Blau?

Ich weiß die Antworten nicht und versuche es mal mit Überlegungen dazu. Hat jemand Anregungen für mich?

Corona Extra: teueres, zu billiges Biervergnügen

Aufgrund eines Berichtes im Nachrichtendienst „EUWID Recycling“ habe ich mir zum letzten Wochenende einen Sixpack Corona Extra gekauft. Die Bierflaschen wollte ich mir einmal genauer ansehen, denn laut Bericht der Deutschen Umwelthilfe e.V. handelt es sich um Einwegflaschen, die rechtswidrig als Mehrwegflaschen in den Handel gebracht würden.

Nahaufnahme einer Flascher des Bieres der Marke Corona Extra
Corona Extra: Flasche: Dünnes Glas mit Naht, ohne Schleifspuren

Ich hätte mir die Flaschen ohne Hinweis nicht näher angeschaut, aber was sehe ich: Eine dünnglasige Flasche mit Naht. Flaschen mit Naht, habe ich mal gelesen, seien preiswerter. Demnach wäre das eine Einwegflasche. Beim Kauf eines Sixpacks achte ich nicht darauf. Es handelt sich aber wirklich um eine Pfandflasche wie bei den anderen Sixpacks üblich. Die Flaschen werden dann mit einem Pfand von 8 Cent im Laden belegt. Für das Sixpack macht dies insgesamt 48 Cent aus. Die Flaschen werden nach Konsum zum Supermarkt zurückgebracht, das Pfand erstattet.

Alles ungebrauchte Mehrwegflaschen?
Und dann? Die Corona-Flasche meiner nicht repräsentativen Stichprobe sahen alle ungebraucht aus. Es waren auch keine Schleifspuren zu sehen. Das sind diese Spuren u. a. oben an der Flasche ziwschen Flaschenhals und Beginn des Etiketts. Auf braunen Flaschen sieht das wie ein weißer Streifen aus. Wenn ich darüber nachdenke, dann sieht das nicht nach einer Mehrwegflasche aus, sondern wie eine Einwegflasche. Nur, wer denkt darüber nach? Die Deutsche Umwelthilfe e.V. hat es getan, wie weitere Presseberichte, z. B. FTD und Welt zeigen. Demnach hat die Radeberger-Gruppe, die das mexikanische Bier in Deutschland vertreibt, die Flasche rechtswidrig als Einweg in den Verkehr gebracht.

Der EUWID Recycling ist zu entnehmen, dass das Bier aus Mexiko über Belgien nach Deutschland geliefert würde. Das sollte auch der Rückweg des Pfandguts sein. Demnach war bisher nicht so. Was genau mit den Flaschen geschah, bleibt jedoch im Dunkeln. Der Vorteil für die Radeberger-Gruppe für das bisherige Vorgehen liegt in einem Wettbewerbsvorteil: Der Sixpack ist mit 48 Cent Pfand belegt, bei Einweg wären es 6 mal 25 Cent. Das sind 1,50 € und damit 1 € mehr. Da das Importbier teuer ist, ist dies in diesem Marktsegment sich relecant. Ich habe in einem Supermarkt in Essen-Huttrop für den Sixpack Corona 7,99 € bezahlt, zzgl. Pfand macht das. 8,47 €. Für die Hälfte hätte ich schon was bekommen. Mit dem Einwegpfand müsste ein Sixpack Coroan Extra sogar 9,49 € kosten.

Transkontinentales Pfandsystem
Selbst wenn der mexikanische Hersteller das Pfandgut aus Deutschland wiederbefüllen würde, würde das ökologisch Sinn ergeben? Da müssen dann ja Flaschen zweimal über den Atlantik verschifft werden. Voll hin und leer zurück. Was spricht gegen eine Abfüllung in Europa, frage ich mich? Berichte deuten darauf hin, dass die Radeberger-Gruppe aber wirklich ein transkontinentales Pfandsystem aufbauen will. Dann gibt es bald Pfandflaschen aus Mexiko. Werden diese dicker und schwerer sein? Ein Vorteil könnte sein, dass das Pfandssystem vielleicht ins Ausland exportiert wird.

Hier die Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe e.V. im Original: Erfolg für Deutsche Umwelthilfe: Radeberger Brauereigruppe räumt jahrelange Verbrauchertäuschung bei Corona Bier ein. Auf den Internetseiten der Radeberger-Gruppe odoer Corona Extra (EU-Website) fand ich keine Stellungnahme.

Das Bier passte gut zu einem scharfen spanischen Wildgericht am Sonntag.