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IKEA stoppt Expansion auch im Ruhrgebiet

IKEA will nicht mehr auf der grünen Wiese expandieren. So wurde das Projekt in Bottrop gestoppt. Anfang September 2019 folgte die Nachricht, dass der Konzern das Projekt in Herne fallen lässt. Auch das Projekt in Castrop-Rauxel wird nicht weiterverfolgt. Ebenso wie Veränderungen am vorhandenen Standort in Essen. Es gibt kein Projekt im Ruhrgebiet mehr. Mit der Ausnahme von Berlin, haben die Schweden alle Projekte gestoppt, heißt es.

Der Möbelgigant kämpfte immer wieder mit planungsrechtlichen Problemen. Die Märkte verkaufen nicht nur Möbel. Ein Großteil des Umsatzes der Märkte gehört in Innenstädte. Das Planungsrecht gibt vor, was wo verkauft werden darf und wie umfangreich Ausnahmen sind.

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PyroGames 2017 im Moviepark Bottrop

  • Feuerwerker-Wettstreit-Show PyroGames findet am Samstagabend vorm Moviepark in Bottrop statt
  • Diese PyroGames bringen Feuerwerk, Lasershow und Livemusik.
  • Im Herbst folgt noch mehr Lichtkunst im nördlichen Ruhrgebiet: Vom 12.-29. erleuchtet Marl.

Die Metropole Ruhr ist ein Zentrum der Lichtkunst. Und diese hat viele Facetten, zum Beispiel Feuerwerk.
Am kommenden Samstag, den 30.9. finden die PyroGames 2017 in Bottrop statt. Auf einem Parkplatz vor dem Moviepark wird es Livemusik der Band Rose Bogey’s und Feuerwerk geben. Dazu kommt eine Lasershow:

Ein weiteres Highlight ist die atemberaubende Licht- und Lasershow des Multimedia-Laser- Feuerkünstlers Jürgen Matkowitz, dem Inhaber von Apollo – Art of Laser and Fire. Die Zuschauer werden eine eigens auf die Pyro Games zugeschnittene und musiksynchrone Lasershow erleben, die den Spielort in ein optisches sowie musikalisches Szenario verwandelt. Die Magie von Laserlicht, Feuerzauber und Musik verschmelzen in Harmonie zu einem sehr wirkungsvollen Kunstwerk.

Es handelt sich um die zweite Tournee der Show durch Deutschland, siehe Bericht hier im Blog. Die Show in Bottrop (siehe Programm) beginnt um 19 Uhr auf dem Parkplatz E vor dem Moviepark-Gelände. Zunächst gibt es Gespräche mit Pyrotechnikern und Musik auf der Bühne. Nach Sonnenuntergang, wenn’s richtig dunkel ist so gegen 21:30, geht der Wettstreit der Feuerwerker los. Dieser dauert zwei Stunden. Gegen 23:30 Uhr ist dann wieder Siegerehrung und Livemusik angesagt.

Feuerwerker bei der Montage
Auch Hintergründe zur Pyrotechnik gibt es bei den PyroGames.

Freikarten

Auf der Facebook-Seite dieses Blogs verlose ich zwei Freikarten für die PyroGrames in Bottrop. Die Verlosung läuft bis Freitag, 29. September 2017 um 10 Uhr. Die Gewinner könne ihre Freikarten direkt an der Abendkasse abholen.

Mehr Lichtkunst-Events im Herbst 2017

Die PyroGrames sind nicht die einzigen Lichtkunst-Events in diesem Herbst. Am 12. Oktober 2017 starter „Licht Stadt Utopie“ in Marl. Im Rahmen von „Urbane Künste Ruhr“ wird die Ruhrgebietsstadt Marl in einen Lichtparcours verwandelt. Dieser wird vom 12. bis 29. Oktober dienstags bis sonntags zwischen 16 und 22 Uhr erstrahlen.

Bildmaterial: A&O PyroGames GmbH

EKOCity: Werben um den Müll aus Bottrop und Gelsenkirchen

Das Werben um die zukünftige Verbrennung des Mülls der Metropole Ruhr, der bisher in der RWE-Anlage in Karnap „verascht“ wurde, geht in die nächste Runde. An die Oberbürgermiester von Bottrop und Gelsenkirchen haben Repräsentanten des kommunalen Abfallwirtschaftsverbandes EKOCity und der darin vertretenen Städte bzw. Kreise jetzt einen Brief gesandt. Dem Schreiben ist auch zu entnehmen, dass zwischen Bottrop und Gelsenkirchen sowie den derzeitgen Beschickern der Müllverbrennungsanagen in Herten und Wuppertal keine Gespräche mehr geführt werden. Daher die Offerte, die – so die Hoffnung, der Absender – am Valentinstag zu neuen Gesprächen führen sollte.

Blick in den Müllbunker des RZR in Herten
Blick in den Müllbunker des RZR in Herten

Aufgrund sinkender Abfallmengen bei konstanten Fixkosten steigen die Preise je Tonne in den Anlagen, in denen die Kommunen die Haushaltsabfälle verbrennen. Das Ziel ist eine besser Auslastung. Geringe Müllmengen, zum Beispiel aufgrund schrumpfender Bevölkerungszahlen, konnten bisher aufgefangen werden, weil Altverträge ausliefen. Der Kreis Recklinghausen liefert so auch den Müll aus Gladbeck an, der aufgrund alter Verträge mit RWE auch in Karnap verascht wurde. Die Stadt Bochum hatte einige Jahre auch Hausmüllkapazitäten anderweitig gebunden. Die Annahme gewerblicher Müllmengen ist problematisch, da sie ordnungspolitische, ja kartellrechtliche Fragen aufwirft. Idealerweise müsste wegfallende Müllmenge durch die Hinzunahme weiterer Städte kompensiert oder sogar überkompensiert werden. Viele Parameter sind nicht genau bekannt, aber es besteht die Hoffnung bei Erweiterung um Bottrop und Gelsenkirchen den Preis je verbrannter Tonne Hausmüll gen 100 €/t zu senken. Davon würden dann auch alle Bürger in Bochum, Herne, Wuppertal, den Kreisen Ennepe-Ruhr, Mettmann, Recklinghausen etc. profitieren.

Günstigere Preise durch ein kommunales Kartell oder durch Markt?

Allerdings könnte es Bottrop und Gelsenkirchen auch gelingen, günstigere Preise für ihre Bürger durch eine (europaweite) Ausschreibung zu erzielen. Die Entscheidung dürfte nicht allein nach finanziellen, sondern auch umweltspezifischen Aspekten erfolgen. So sind insbesondere lange Transportwege zu vermeiden. Bei Hereinnahme derartiger Umweltaspekte wird juristisch jedoch schnell Neuland betreten. Für diesen schwierigen Weg hat sich die Stadt Mülheim an der Ruhr entschieden. Sie will in diesem Jahr ausschreiben. Dann wird sich zeigen, ob sich ein günstigerer Preis am Markt realisieren lässt. Einige Betreiber von Müllverbrennungsanlagen bieten die Verbrennung derzeit deutlich günstiger an. Der Grund sind Überkapazitäten in den Anlagen. Es gibt zu viele Müllverbrennnungsanlagen in einem schrumpfenden Markt. Da der Preis wesentlich von Fixkosten bestimmt ist und die Analgen in der Regel eine Mischkalkulation fahren, ergibt es für die Betreiber Sinn, auch Müllmengen hereinzunehmen, die einen geringeren Beitrag zur den Fixkosten leisten. Am Ende zahlen die Bürger einer Stadt für die Verbrennung ihres Mülls in einer Anlage mehr als die Bürger einer benachbarten Stadt in der selben Anlage. Diese Chance kann sich jedoch auch schnell als Milchmädchenrechnung herausstellen. Die Müllentsorgung erfolgt für große Mengen und muss eine Entsorgungssicherheit für bis zu 10 Jahren garantieren. Fraglich ist daher, ob für große, auf Dauer angelegte Menge derartige günstige Preise auch erzielbar sind. Hier kann aber auch gelten, dass die Kommune, die zuerst kommt, auch zuerst „mahlt“. Dann sind die günstigen Angebote weg und die übrigen Kommunen „beißen die Hunde“. So ist das halt am Markt.

Phosphat-Lagerstätten: Emschergenossenschaft an Verbrennungsanlage interessiert

Derweil scheinen die Verhandlungen zwischen RWE und einige Städten über den Kauf der Verbrennungsanlage in Karnap stockend voranzugehen. Die Mengen von Mülheim, Essen, Bottrop und Gelsenkirchen lasten die Anlage jedoch nicht aus. Gladbeck und Mülheim verbrennt zukünftig woanders. (Allerdings könnte auch RWE-Karnap sich an der Mülheimer Ausschreibung beteiligen.) Zu vernehmen ist, dass sich die Emschergenossenschaft auch für Karnap interessiert. Die Emschergenossenschaft betreibt Kläranlagen, in denen Klärschlamm anfällt. Diese enthält in hoher Konzentration die knapper werdende Ressource Phosphat, das ein wivhtiges Düngemittel ist. Auch wenn sich die Rückgewinnung aus der Asche noch nicht rentiert, werden derzeit gesetzliche Regelung vorbereitet, dass die phosphathaltige Asche aus einer gesonderten Verbrennung von Klärschlamm zur späteren Nutzung gesondert deponiert wird. Das soll garantieren, dass auch zukünftigen Generation Phosphat als Düngemittel zur Verfügung steht und ein Phosphatkreislauf entwickelt werden kann. Die Phosphat-Asche-Deponie wäre in der Zukunft eine Phosphat-Mine.

Der zeitliche Druck wächst. Ich bin gespannt, wie man sich in Bottrop und Gelsenkirche positioniert.

Medienberichte

Bottrop: Wohin mit dem Restmüll ab 2015? (15.02.2013)

Gelsenkirchen: Ab 2015 wird Müll teurer (17.01.2012)

Mülheim: Eine brennende Frage: Wohin mit dem Müll? (09.02.2013)

Essen: Brennend interessiert (07.02.2013)

Schmidts Katze: „Müllderby Ruhr: Wo wird zu welchem Preis verbrannt?“ (10.09.2012)

Müllderby Ruhr: Wo wird zu welchem Preis verbrannt?

Hausmüll ist ein Geschäft. Ob es ein gutes oder schlechtes Geschäft ist, sei dahingestellt. Es wird auf jeden Fall viel Geld bewegt, denn schnell kommen Tausende an Tonnen zusammen. Verträge zur Müllbeseitigung haben oft eine lange Laufzeit und bewegen Millionen.

Kipper vor Müllbunker einer Müllverbrennungsanlage
Kipper vor Müllbunker der Müllverbrennungsanlage RZR in Herten

Rahmenbedingungen
Seit einigen Jahren darf Hausmüll nicht mehr unbehandelt auf Deponien. Die klassische Kippe gibt es nicht mehr. Der Müll wird in Müllverbrennungsanlagen, aber auch getarnt in sogenannten EBS-Kraftwerken, verbrannt. Dabei wird nicht nur der Müll verascht, sondern auch Strom und (Fern-)wärme gewonnen. Metalle werden aussortiert, die Schlacke aus den Öfen aufbereitet.
Diese Vorgaben gestalten den Markt. Der Hausmüll muss mineralisch/thermisch verwertet werden. Allerdings sinkt die anfallende Menge jedes Jahr aufgrund Müllvermeidung, wachsenden Erfolgen bei der Weiterverwertung und einer schrumpfenden Bevölkerung. Geld fließt für die Beseitigung des Abfalls, für den gelieferten Strom und die Wärme. Die Anteile an den Gesamteinnahmen variieren. Die permanente Auslastung der Öfen ist wichtig, denn die Aufteilung der Fixkosten auf eine möglichst große Müllmenge lässt den Preis pro Tonne sinken.
Gab es vor einigen Jahren zu geringe Kapazitäten für die Müllverbrennung, gibt es derzeit Überkapazitäten. Das drückt den Preis am freien Markt für die Mengen, die nicht durch langfristige Verträge gesichert sind erheblich.

Müllverbrennungsanlage im Emscherbruch
Müllverbrennungsanlage im Emscherbruch, Herten: Rohstoff-Rückgewinnungszentrum Ruhr (RZR)

Abfallwirtschaftsverband EKOCity

Für 20 Jahre sind die Mitgliedsommunen des Abfallwirtschaftsverbandes EKOCity an diesen gebunden – bis 2012. Die Kreise Mettmann, Recklinghausen, Ennepe-Ruhr, die Städte Herne, Bochum, Wuppertal und Remscheid verbrennen ihren Müll gemeinsame in den Müllverbrennungsanlagen (MVA) in Herten und Wuppertal. Das erspart einigen Städten eine eigene MVA. Die Hertener MVA – Rohstoffrückgewinnungszentrum Ruhr (RZR) – gehört der Abfallwirtschaftsgesellschaft Ruhrgebiet mbH (AGR), einer 100 %-igen Tochter des Regionalverbands Ruhr (RVR). Die Wuppertaler MVA gehört der AWG Abfallwirtschaftsgesellschaft Wuppertal mbH. Für die Betreiber der MVAs sind langfristige Verträge eine gute Sache. Eine permanente Auslastung ist gegeben. Das Problem sinkender Abfallmengen konnte bisher durch die Akquise neuer Mengen aus den Reihen der Mitglieder kompensiert werden. So scheidet die zum Kreis Recklinghausen gehörende Stadt Gladbeck aus dem Verbund der in Essen-Karnap verbrennenden Städte aus. Der Kreis Recklinghausen wird die Gladbecker Müllmengen zusätzlich einbringen. Aus ähnlichen Gründen steigt auch die aus Bochum stammende Menge. Bei weiter sinkender Müllmenge werden neue Müllmengen weiterer Partner benötigt.

Karnap

Die Entsorgung einer Tonne Hausmüll kostet für die Kommunen des EKOCity-Verbandes zurzeit etwa 145 € pro Tonne (=Mg). Fein raus sind bisher die sogenannten Karnap-Städte. Sie verbrennen in einem von ihnen finanzierten und von RWE betriebenen Müllheizkraftwerk (MHKW) in Essen-Karnap. Dafür bilden Essen, Mülheim an der Ruhr, Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen die ‚Firma Verwertung und Entsorgung Karnap-Städte Holding GmbH‘ (VEKS). Am Ende der Vertragslaufzeit über das von RWE betriebene MHKW Essen-Karnap wird es der RWE gehören. Bis dahin verbrannten die Karnap-Städte die Tonne Müll dort für ca. 38 €. Im Vergleich zum Tonnenpreis im EKOCity-Verbund, sind dies 107 € mehr. RWE muss weitere Einnahmen aus dem Verkauf von Strom und Wärme generieren. RWE hat angeboten, die Müllöfen weiterhin in Abhängigkeit von einigen Nebenbedingungen für einen Preis zwischen 70 und 79 € pro Tonne zu betreiben. Den Karnap-Städten war dies offenbar zu teuer, wie auch ein Kauf der Anlage. Und daher suchen sich diese Müllmengen einen neuen Weg. Als erste haben Bottrop und Gelsenkirchen nun vor, ihre Müllmengen auszuschreiben.

Ausschreibung der Stadt Mülheim an der Ruhr

Die Stadt Mülheim an der Ruhr wird nun ihre jährliche Müllmenge zur Verbrennung „europaweit“ ausschreiben. Es handelt sich um 55.000 t/a, die in Teillose – vermutlich ein größeres und ein kleineres Los – aufgeteilt werden sollen. Bisher durfte Mülheim 105.000 t/a in Karnap verbrennen, allerdings waren die Mengen in der Vergangenheit stark rückläufig. Da die zukünftige Entwicklung nicht absehbar ist, erklärt sich folgende Strategie: Ein größerer Teil wird zwecks Entsorgungssicherheit auf etwa 10 Jahre vergeben. Die leicht variable Restmenge zu anderen, kurzfristigeren Konditionen.
„Europaweit“ ist die Ausschreibung, da sie nach EU-Recht erfolgen muss. Allerdings ist die Ausschreibung räumlich begrenzt. Klingt komisch, ist aber so. Entsprechend Vorgaben aus dem Landesabfallgesetz soll die Müllverbrennungsanlage, die den Zuschlag bekommt, aus NRW stammen. Das dient der Vermeidung langer, umweltbelastender Mülltransporte. Mit Blick auf die Sammlung des städtischen Müllbetriebs soll eine Anlieferstelle maximal 25 km entfernt sein. Das kann die Anlage sein, muss sie aber nicht. Da auch Transporte Kosten bedeuten, schränken die Vorgaben den Kreis der Bieter ein. Ich bin gespannt, wie das Bieterverfahren ausgeht. Werden die Mülheimer einen Preis unter dem der umgebenden Müllverbrennungsanlagen, unter 100 €/t und sogar unter dem RWE-Angebot erreichen? Letzteres empfände ich als sensationell. So dramatisch kann ich mir die Überkapazitäten vorstellen. Es käme meines Erachtens nur RWE zu solchen Preisen in Frage. Abwarten. (vgl. Vorlage der Stadt Mülheim 12/423-1)

Interesse an den Müllmengen

Die Mülheimer und Bottroper Kapazitäten sind auch für die Anlagen im EKOCity-Verbund interessant. Sie könnten helfen die verbrannte Menge konstant zu halten – selbst ohne Mitgliedschaft im Abfallwirtschaftsverband. Politisch ist es aber schwer vermittelbar, dass eine Stadt weniger bezahlen soll als eine andere, auch wenn beide in der gleichen Anlage verbrennen. Aber es gibt auch weitere Anlagen im Ruhrgebiet, die von anderen Kommunen, aber auch zusammen mit Privaten, betrieben werden. Etwas Markt ist vorhanden. Daran wird sich ablesen lassen, wie viel geringer die Verbrennungskosten sein könnten. Wenn sich denn ein geringerer Preis bei den Ausschreibungen realisieren. Aber der Preis für einige Wenige ist angesichts von Kapazitätsfragen marktbedingt nicht immer Preis für alle.
Die Mülheimer und Bottroper Ausschreibungen sind über die Stadtgrenzen hinaus von Interesse. Ich erwarte ein Derby von Bietern, ohne dass ich erwarte, dass die alle nahe bei den Erwartungen in den Rathäusern der beiden ausschreibenden Städte liegen.

Intransparente Geldverteilung der „freien Szene“ im Ruhrgebiet

Städte der Kulturregion Ruhrgebiet

Bei einer Veranstaltung zur Nachhaltigkeit des Kulturhauptstadtprojektes der Kommunalpolitischen Vereinigung Bochum in der Kunstwerkstatt am Hellweg in Wattenscheid, fiel es mir wieder auf: Die intransparente Verteilung der Gelder der regionalen Kulturförderung des Landes. Dr. Cebulla – quasi Chef der Kunstwerkstatt – berichtete, dass er keinerlei Förderung mehr von irgendwem erhalte. Das Hauptthema war jedoch die Enttäuschung der „freien Szene“ vom Kulturhauptstadtjahr, wo sie nicht berücksichtigt worden sei, und das dies für die Kulturhauptstadt- freie Szene sich auch danach fortsetze. Es zeigte sich aber auch, dass er und die Anwesenden von der Kulturförderung der „freien Szene“ nichts wussten.

Förderliste der „freien Szene“ werden zur Landesregierung durchgereicht
Das Land NRW hat verschiedene Kulturregionen. Die Karte zeigt die Kulturregion Ruhrgebiet. Die freie Szene berät darin jährlich für politische Gremien vor, wer da aus Kulturförderungsetats des Landeshaushalts Geld bekommt. Wie man in das Gremium kommt, weiss ich nicht. Ich habe mir sagen lassen, dass das Gremium von Gerd Spieckermann vom Bahnhof Langendreer morderiert wird. Der Bahnhof Langendreer hat den Ruf, „geschickt“ beim Einwerben von Fördermittel aus unterschiedlichen Quellen zu sein. In 2011 erhält der Bahnhof selber etwa 10% der regionalen Fördermittel. Die Regionalräte, also hier das Ruhrparlament des Regionalverbands Ruhr, empfehlen diesen Vorschlag dann der Landesregierung. Auf dem Weg von diesem Gremium der „freien Szene“ bis zum Landeshaushalt tut sich wenig.

Nachdem der RVR die Funktion des Regionalrats fürs Ruhrgebiet übernommen hat, hat das Ruhrparlament den Willen erklärt, beratende Mitglieder zu den Vorberatungen zu entsenden. Die Parlamentarier haben nach dem ersten Abnickenden Wunsch geäußert, zumindest nachrichtlich zu wissen, welche Projekte sie abnicken sollen und welche keine Förderung erhalten. Das hat dann auch im zweiten Jahr gleich nicht funktioniert, denn die Parlamentarier – hier Lothar Gräfingholt (CDU) aus Bochum und Monika Simshäuser (SPD) aus Hamm – sind nicht eingeladen worden. Statt die Empfehlung abzunicken, hat sich die CDU daher enthalten.

Wer agiert da eigentlich?
Das Vertreter der freien Szene die Entscheidungen ihrer, wie auch immer bestimmten, Vertreter nicht mitbekommen, ist das eine. Das andere ist, dass die offiziellen Entscheidungsträger das auch nicht mitbekommen. Der kommt mir schnell der Verdacht, dass da was ausgeklüngelt wird, was insbesondere den Beteiligten selber hilft.
Ein Bericht der Ruhrbarone xtranews (No, we can’t – Stille Haushaltssperre in NRW lähmt nicht nur die freie Kulturarbeit, 27.07.2011) zu den Problemen der „freien Szene“, Gelder in 2011 aus dem Landeshaushalt ausgezahlt zu bekommen, lässt nicht die Gefahr sehen, dass nur größere Insitutionen die Mittel zur Refinanzierung von Veranstaltungen heranziehen können, die sie eh machen würden. Das wäre dann keine Förderung zusätzlicher Projekte, sondern nur Mitnahmeffekte. Um das zu verifizieren, müsste ich mir die einzelnen Projekte mal ansehen. Ich kenne sie zu wenig, nicht einmal ein Datenblatt.

Nachfolgend einmal die aktuelle Förderliste (in der Reihenfolge) aus 2011. Wenige Projekte davon kenne ich.

 

Akademisches Förderungswerk (Kulturbüro), Bochum 21. Internationales Videofestival 12.000 €
ProJazz e.V., Dortmund jazzwerkruhr 36.400 €
Kulturzentrum Grend e.V., Essen Literatürk – 7. Deutsch-Türkisches Literaturfestival 22.000 €
Bahnhof Langendreer e.V., Bochum Odyssee – Kulturen der Welt. Musik der Metropolen ! 43.000 €
Pixelprojekt Ruhr, Herne Pixelprojekt Ruhrgebiet 46.500 €
Klack ZwoB e.V., Bochum 19.Blicke.Filmfestival des Ruhrgebiets 40.000 €
artscenico e.V., Dortmund LandTanz und DorfOrgien 11.800 €
30.000 € für 2012 angemeldet
open systems e.V., Essen upgrade 4.0 5.000 €
Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher e.V., Dortmund Hosgeldiniz! 6.740 €
Kunsthaus Essen, Essen dual 8.300 €
Jan Klare / Ludger Schmidt, Münster/Ennepetal Dorf-Feste 16.000 €
Studentische Initiative, Bochum MegaFon 2.000 €
JOE e.V., Oer-Erkenschwick SSBO Sun sucks brain out – Festival 7.900 €
Kultur im Ringlokschuppen e.V., Mülheim an der Ruhr Shiny Toys – interdisziplinäres Medienfestival 27.000 €
Deutsches Forum für Figurentheater, Bochum Ruhr-Kunst-Cashing 20.000 €
Rottstr. 5 e.V., Bochum Portait John Cage 1.550 €
Kultur im Ringlokschuppen e.V. + Literaturbüro Gladbeck, Mülheim Textrevolte – Literatur und Politik 15.000 €
Die Bühne e.V., Essen Inclusiv 18.200 €
Virtuell-Visuell, Dorsten Kunst bewegt Räume 16.500 €
99cent theater, Bochum Eintagsfliegen (kontinuierlich kopulierend) 10.000 €
Künstlersiedlung Halfmannshof e.V., Gelsenkirchen Zwischen Diktatur und Demokratie. Die Geschichte der Künstersiedlung Halfmannshof 1931-1956 17.000 €
Rita Maria Schwaigin, Dortmund Offene Ateliers Dortmund 4.000 €
Depot e.V., Dortmund Kunstbox 2.400 €

Die Liste enthält insgesamt 399.290 € und enthält mit Münster, Ennepetal, Oer-Erkenschwick und Dorsten vier Orte, die nicht zur Kulturregion Ruhrgebiet gehören.

 

Links
Seiten der Bezirksregieung Arnsberg mit Infos zur regionalen Kulturförderung und Antragsformularen

Drucksache des Regionalverbands Ruhr zur regionalen Kunst- und Kulturförderung 2011

Fällt der Kulturherbst 2011 für freie Träger und Projekte in NRW aus? (Gerd Herholz, Ruhrbarone, 20.03.2011)