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Video: Flashmob für den Gaucho-Tanz

Rund 22.000 Facebook-Nutzer hat die Ankündigung erreicht, 841 waren persönlich eingeladen, 44 haben zugesagt, 5 haben getanzt und ein paar standen herum. Nach 2 Runden und 10 mal gebücktem Gaucho-Gang bei Gesang ging mir die Puste aus. Sogar drei Gegendemonstranten haben sich eingefunden, die dann aber nur zuschauen mussten.

Gaucho-Tanz in Berlin

In Spandau und auf dem Alexanderplatz in Berlin sind für den Gaucho-Tanz dreimal so viele Leute zusammenbekommen. Aber egal, die Botschaft ist zumindest ausgesendet. Ich habe ein breites Grinsen im Gesicht.

ThyssenKrupp Nirosta: Demo für Erhalt der Standorte

Die Inspiration zu diesem Beitrag wurde geboren, als die Sprecherin der IG Metall auf der Demo für den Erhalt der deutschen Standorte von ThyssenKrupp Nirosta sich bei 500 Gästen aus dem Walzwerk in Krefeld bedankte. Das wunderte mich, da ich ich die Teilnehmerzahl der Solidaritätskundgebung am Freitagmittag auf dem Husemannplatz in der Bochumer Innenstadt gerade mal auf 1.000 schätzte. Auch nach der Loveparade-Katastrophe gilt Regel des (politischen) Marketings, dass Mehr mehr ist – und so wird etwas darauf gelegt. Es wurde verkündet, dass 4.000 zur Demo erschienen seien. So ist es es jetzt auch in den Zeitungberichten zu lesen, die ich am Ende des Beitrags verlinkt habe. Nachfolgend findet sich noch weiteres, das ich für bemerkenswert halte.

Frank Klein, Betriebsratsvorsitzender ThyssenKruppNirosta, spricht
Frank Klein, Betriebsratsvorsitzender ThyssenKruppNirosta, spricht

Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Frank Klein, der nach Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz (SPD) sprach, brüllte schon mehr ins Mikrofon. Sein Nachredner, der Betriebsratsvorsitzende aus Krefeld, bemerkte positiv, dass in Bochum auch zahlreiche Parteien vertreten sein, um ihre Solidarität zu bekunden. Und aus dem Stadt waren alle da, auch ein paar, die dort keinen Sitz haben – auch die Piratenpartei nicht. Die breite Beteiligung auch bei früheren Anlässen scheint in Bochum eine breite(re) zu sein.
Die Verzahnung zwischen IG Metall und SPD ist dennoch, wie sie traditionell ist und damit eine enge. Zumindest wird sich so gegeben. Da geben sich die Parteigenossen auf der Bühne ein Stelldichein, was mich immer etwas amüsiert, wie die da aufgereiht stehen. Ich habe mir angewöhnt, manche politische Propaganda zu überhören. Ich bin ja da, um Solidarität mit den Arbeitern und Angestellten bei ThyssenKrupp zu zeigen. Der Rest ist weitgehend wurscht.

Kritik an zuviel Umweltauflagen der CDU-geführten Bundesregierung
Schmunzeln musste ich sehr, als Frank Klein dann gegen die hohen Umweltauflagen der Bundesregierung wetterte. Ich darf mir vom linken politischen Gegner doch sonst immer anhören, dass die CDU-geführte Bundesregierung oder die CDU nicht genug für den Umweltschutz tue. Und diese verdrehte Wahrnehmung ging dann so weiter. So wetterte Klein gegen die Deindustrialisierung des Ruhrgebiets. Das sollen sich mal die Grünen und die SPD in NRW merken, wenn sie ihr Klimaschutzgesetz umsetzen. Aber Klein konnte noch was drauf legen: Er wetterte gegen die Hammer Runde und ihren Kampf gegen die weitere Nutzung der Deponie in Bochum-Hamme, auf der die Schlacke des Werks abgelagert werden soll. Er wird bewusst „Hammer Runde“ gesagt haben und nicht die SPD-Ratsmitglieder, ehemalige Werksangehörige, ja den gesamten SPD-Ortsverband Hamme angeführt haben. „Zur Erinnerung“ habe ich hier mal eine Presseerklärung der Hammer Runde auf der Internetseite der SPD Hamme verlinkt.

Ich will denen zurufen: Es sind SPD und Grüne in NRW und und Bochum, die die Deindustrialisierung des Ruhrgebiets vorantreiben. Guckt da mal hin!

Linke Folklore mit unpassenden Forderungen
Linke Folklore mit unpassenden Forderungen

So eine Solidaritätskundgebung besteht dann aus sich ähnelnden Solidaritätsadressen, so vorgetragen von den Betriebsratsvorsitzenden aus Krefeld und Dillenburg, wo bei letzterer auch Vorsitzender des europäischen Gesamtbetriebsrats ist. Dabei wurde klar, dass man sich bereits mit den neuen finnischen Eigentümern beschnuppert hatte. Gefordert wurden Beschäftigungsgarantien, die Ablehnung betriebsbedingter Kündigungen. Der Erhalt der Flüssigphase, dort wo der Stahl – aus Lichtbogenöfen, wenn ich mich recht ans Bochumer Werk erinnere – herkommt, wird als Voraussetzung gesehen, dass auch die weitere Verarbeitung, so im Walzwerk Krefeld, gesichert bleibt. Auch ein Investitionsstau bzgl. Modernisierung im Bochumer Werk wurde als Problem benannt.

Gäste aus dem Nirosta-Werk in Dillenburg, Hessen
Gäste aus dem Nirosta-Werk in Dillenburg, Hessen

Folklore der MLPD
Zuletzt noch das Bild eines Transparentes der Marxistisch-Leninistischen Partei (MLPD). Die einen kämpfen für ihren Arbeitsplatz und andere für den 6-Stunden-Tag. Für mich passt das nicht zusammen, wenn es darum geht, den Standort zu erhalten. Für solche Forderungen ist jetzt bestimmt keine Zeit, aber für die MLPD ist nie Zeit.

Da die Kundgebung in Funk, Fernseh und Zeitungen auf bundesweites Echo traf, wird sie ihr Ziel erreicht haben.

Hier Links zu Berichten in der Bochumer Presse:
„4000 Menschen demonstrieren gegen Nirosta-Schließung in Bochum“ (Chronik der WAZ, 27.01.2012)

Kampf um Arbeitsplätze – Stahlarbeiter setzen sich zur Wehr“ (Ruhrnachrichten, 27.01.2012)

ThyssenKrupp Nirosta – IG Metall will mit Demo in Bochum Zeichen setzen“ (WAZ Bochum, 26.01.2012)

und früher:
Thyssen-Betriebsrat trotz Widerstand für Deponie Marbach“ (WAZ Bochum, 14.06.2011)

SPD: Lohnkürzungen sind Angelegenheiten der Verwaltung – Erhöhung der Politik

Hände weg von den Erschwerniszuschlägen“ und ähnliches stand auf den Plakaten, mit denen Mitarbeiter von RVR Ruhr Grün und der Personalrat am Montag vor der Verbandsversammlung des RVR demonstrierten. „Vor der Verbandsversammlung“ ist dabei räumlich und zeitlich gemeint. Das Bild zeigt das Spalier, durch das die Politiker des Ruhrparlaments zur Sitzung gehen mussten. Das Anliegen der Demonstranten hatte ich bereits hier in „Mehr Geld für RVR-Spitze, weniger für Waldarbeiter geschildert. Auf der Tagesordnung der Verbandsversammlung am 13.12.2010 stand mit der Wiederwahl von Mitgliedern des Verwaltungsvorstands auch eine mögliche Erhöhung der Bezüge. Die Mitarbeiter demonstrierten, weil für einen Teil auch eine Kürzung der Erschwerniszuschläge ansteht. Das ist schon mal eine Lohnkürzung um bis zum 7,5 %. Daher stand auf einigen Plakten auch „Den sozialen Frieden wahren“.

Wie ich einem nicht widersprochenen Redebeitrag in der Verbandsversammlung entnehme, soll die Vorsitzende der SPD, Martina Schmück-Glock, zu der Demonstration gesagt haben, dass deren Anliegen ein laufendes Geschäft der Verwaltung sei. Demnach habe die Verbandsversammlung und die SPD-Fraktion quasi nichts mit dem Anliegen der Demonstranten zu tun. Wird damit auch die Verantwortung für den Haushaltsplan samt Stellenplan und Budget für Gehälter abgelehnt?
Bemerkenswert ist, dass dann aber in der Sitzung die Verbandsversammlung sehr wohl für die Gehaltszahlungen an den Regionaldirektor und die Bereichsleiter zuständig ist. Dazu sind Beschlüsse gefasst worden. Die Gehaltserhöhungen für Bereichsleiter, so von der Verwaltung des RVR vorgeschlagen, sind dann abgelehnt worden.

Ich fasse zusammen: Für die Erhöhung von Gehältern oder nicht fühlt sich die SPD verantwortlich, für die Kürzung von Löhnen oder nicht fühlt sie sich nicht verantwortlich. Das ist Angelegenheit der Verwaltung. Der derzeitige Verwaltungsvorstand des RVR besteht aus vier Mitgliedern. Drei davon haben das Parteibuch der SPD.

Signal gesetzt für Stuttgart 21

Es gibt auch Andersdenkende und damit Befürworter der Realisierung von Stuttgart21 mit dem Neubau der Bahntrasse von Stuttgart nach Ulm. Das Signal haben wir mit der Kundgebung am 21. Oktober 2010 vor dem Bochumer Hauptbahnhof erfolgreich gesetzt. Linke, Kommunistenableger und andere Stillstandsutopisten werden jetzt nicht allein das Bild bestimmen, wie oft sie auch durch die Stadt stapfen. Es gibt auch andere Meinungen dazu.

Lassen wir Bilder sprechen!
Leider habe ich nur nach der Kundgebung ein paar Bilder gemacht. Die Erinnerungsfotos finden sich im Facebook-Album Pro Stuttgart21 in Bochum. Daraus ist auch das Bild hier auf der Seite mit Dr. Christoph Konrad, Vorsitzender der CDU Bochum, entnommen.
Neidisch blicke ich daher auf die Bilder in der Galerie von DerWesten.de und da gibt es noch ein Video. (Das auf diesem Rechner hier nicht spielt. Warum?)

Das war die erste Kundgebung, die ich selber gemacht habe. In der Form war ich vor 15 Jahren oder so schon mal auf einer. (Golfkrieg?). Für viele der Teilnehmer war es auch das erste Mal. Ich werde mir mal ein paar Notizen machen müssen. Irgendwer kam auf die Idee, das Transparent hoch zu halten. Sieht gut aus, aber es reißt im Wind. Auch hätte noch ein dritter Redner gut getan. Und wieso haben zwei Leute Kameras, machen dann aber erst am Ende Bilder- Hä? Vielleicht kann ich das Wissen ja in ein paar Jahren nochmal gebrauchen oder amüsier mich bei der Lektüre.

Und dann was aus der Zeitung.
Wenig Protestler bei Stuttgart 21-Demos in Bochum (Sabine Vogt, WAZ Bochum, 21.10.2010)

Ich freu mich mich über alle Bilder, die mir geschickt werden. Danke an alle die gekommen sind. Ich hab 32 Hände geschüttelt. Danke auch an die Polizeibeamten. Und eine Bitte: Verbreitet das Wort und Eure Bilder. Drückt „gefallen“ und „Teilen“ in Eurem Facebook, damit Bekannte und Freunde Eure Bilder und Meinung sehen.

Und aufgrund von Nachfragen: Das war eine Aktion. Nächste Woche stehe ich nicht auf der Straße. Demonstrieren ist keine Kernkompetenz von Christdemokraten 🙂 Draußen auf der Straße herumkrakeelen, sollen mal die Anderen machen. Oder wie hier auf der Vuvuzela und Trillerpfeife blasen. Unsere und meine Meinung wurden auf diese Art hinreichend verbreitet.

DerWesten.de hat ein Video zu den „Demos“ in Bochum gefertigt.

Nachtrag: Im Video ist auch eine Fahne der MLPD zu sehen und der Vorsitzende der Stadtratsfraktion „Soziale Liste“, einem DKP-Ableger. Da stehen dann also Die Linke, MLPD und DKP zusammen.

Veränderungen der politischen Streitkultur

Da ich mich aufgrund der Vorbereitungen einer Kundgebung gerade stärker damit befasse, hier sechs Veränderungen, die ich bei der politischen Streitkultur in Deutschland erkenne

Protest wird breiter, akzeptierter und mehr
Protest wird mehrstimmiger
Protest wird radikaler
Protest wird rabiater
Protest löst Gegen-Protest aus

Es beteiligen sich mehr Menschen als früher an Protesten. Zumindest kommt es mir so vor. Könnte das mal jemand untersuchen? Dieses Mehr findet sich nicht nur in der Menge der Beteiligten an Protesten, sondern auch in der Zahl der Proteste und der Art der Anlässe. Insgesamt sind durch die Menge an Protesten – wie immer dieser Begriff als Aktion umrissen sein mag – deutlich mehr Anlässe protestfähig geworden, d.h. sie gelten als zulässige Objekte des Projektes. Ein Freund von mir, der selber mal bei den Grünen war, nennt das den Fluch der Grünen. Ohne Fragen nach Hintergründen und eigener Verantwortung wird gegen alles protestiert, was einem nicht passt.

Mein Lieblingsbeispiel sind Bürger einer Straße, die sich zusammen tun und protestieren, dass die Kanalisation zu klein sei. Diese müsse erweitert werden, da ihre Keller bei einigen starken Regenfällen überflutet werden, wofür sie auch noch Schadensersatz fordern. Kein Verständnis besteht bei diesen Protestieren dafür, dass die Kanalisation nicht alle Regenereignisse aufnehmen kann, dass sie dafür nicht ausgelegt ist und dass deshalb Regenrückhalteklappen in Häusern eingebaut werden. Diese Regenrückhalteklappe sind dann von den Protestierenden 40 Jahre lang nicht gewartet worden, halten das Regenwasser nicht zurück, aber Schuld sind sie ihres Erachtens nicht und wollen auch die Klappen nicht instandsetzen.

Es fällt mir auch auf, dass viele bei Unterschriftensammlungen aus Protest eher bereits sind mitzumachen, da es akzeptierter wird, anderen mit einer Unterschrift auszuhelfen.

Mehrstimmiger

Bei Protest mit vielen Beteiligten wird die „Bewegung“ vielstimmiger. Man könnte auch sagen, dass das Meinungsbild im Protest pluraler wird. Ich erlebe, dass bereits bei kleinen Gruppen der eine über den anderen über Details und Teilfragen andere Ansichten äußert, aber auch über die Mit-Protestanten. Die Einheitlichkeit ist schnell dahin und kann auch versucht werden, sie bewusst zu zerschlagen. Schwierig  – je nach Sicht – ist es dann auch, dass die Protestanten zu gemeinsamen Positionen bei Kompromissen finden. Jüngstes Beispiel ist, dass eine Gruppe am von Heiner Geißler moderierten Runden Tisch zu Stuttgart21 bereits ausgeschieden ist. Ursache ist ein Kompromiss für die Zeit der Verhandlungen, bei der einige Arbeiten zurückgestellt, andere aber fortgesetzt werden. (siehe hierzu u.a. Bericht auf Welt online, 15.10.2010)

Es scheint mir einfacher, diese Kakophonie des Protests auf simple Fragen der Ablehnung zu einigen, aber die Kompromissfähigkeit ist insgesamt nicht gegeben. Auch gibt es bei großen Protestbewegungen mehrere unabhängige institutionelle Protestanten. Es wird bunt – aufgrund der Komplexität der Probleme und Kompromisse dadurch schwieriger.

Radikaler, Rabiater

Und die Mehrstimmigkeit führt auch zu radikaleren Forderungen und radikalerem Vorgehen. Anstatt dass sich Protestanten (ja, Protestierende hätte ich auch sagen können) zunächst in ihrer Institution einigen, kann sich jeder die ihm passende Gruppe – also Partei – aussuchen. Also ist auch immer Platz für eine Gruppe der Radikalen und gemäßigteren Protestanten.

Aber auch ohne Schlussfolgerung aus dem Umstand der Mehrstimmigkeit, meine ich wahrzunehmen, dass die Positionen der Ablehnung radikaler werden. Zudem wird es dadurch auch schwieriger, die eigene Postion als nicht-absolut anzusehen, da sie ja als vermittelbar und teilbar mit anderen angesehen wird. Dies führt bis zur Steigerung, dass man selber unfehlbar und alleine das Gute vertrete, die anderen das Böse. Und dann wundert es nicht, dass auch die Bereitschaft zu zivilem Ungehorsam, zu Ordnungswidrigkeiten, zu Straftaten, ja Gewalt, steigt. Besonders schlimm ist aber, wenn andere dafür instrumentalisiert werden. Nicht allen, aber vielen der Protestanten scheint mir die Grenze, die der Anstand zieht, abhanden gekommen zu sein, die vorgibt, wie weit man bereit ist zu gehen.

Via Simon Zeimkes Beitrag „Die Hüter der Moral und die Meinungsfreiheit“ fand ich dazu einen Bericht vom Bayerischen Rundfunk mit dem Titel „Intoleranz – Wie Stuttgart 21 Gegner S21-Befürworter schikanieren“:

Ich rufe auch Jan Fleischhauers Film zum Buch „Unter Linken“ in Erinnerung, wo ein Autonomer nach einer Attacke auf einen CDU-Vertreter am Ende Schutz bei der Polizei sucht, weil er sich vom Journalisten Fleischhauer verfolgt fühlt, der ihm dazu eine Frage stellen will. Aber in dem Film gibt es noch anderes, wie den linken Vertretern, der der CDU nicht einmal den für sich reklamierten Minderheitenschutz gewähren wollen. Aua!

Der Journalist Dirk Hautkapp (NRZ, DerWesten) verweist in seinem Kommentar „Protest wird rabiater“ darauf, dass ein heißer Herbst bevor stehe, denn einige protestfähige, medial wirksame Anlässe stehen diesen Herbst ins Haus. Auch Andreas Laux geht beim Focus in diese Richtung. Wir werden sehen.

Gegen-Protest

Und diese fehlende Fähigkeit zur Einsicht löst dann noch Protest von denen aus, deren Kernkompetenz protestieren eigentlich nicht ist, die aber doch ihre eben nicht abweichende Meinung ausdrücken wollen. Anders ausgedrückt: Es wird protestiert, dass es keinen Anlass zum Protest gibt. Dies beschleunigt nochmals die Ausweitung dieser Protestkultur und ruft bei den eigentlichen Protestanten Reaktionen hervor. Nur was hier tun, wenn einem Form und Inhalt des Protestes nicht passen? Mit den Wolfen heulen oder die Klappe halten?

Vom Klappe halten und erdulden habe ich inzwischen die Nase voll. Da unterscheide ich mich nicht. Ich will nicht, dass gilt „Wer am Lautesten schreit, kriegt recht„. Die Zahl und Lautstärke der Schreihälse gibt nicht die Zahl der Bürger wieder, geschweige denn repräsentiert sie. Man muss solche Artikulationen ernst nehmen, aber irgendwann ist auch genug.

Was tun?

Es gibt keinen Weg zurück. Wer eine Meinung hat, muss lernen sie auch zu vertreten. Journalisten-Schelte gilt nicht, wenn sie nur über Schreihälse berichten, die ihnen ja Material und damit Lohn und Brot liefern. Bürgerlichen Konservativen fällt es bekanntlich einfacher Ungleichheit zu ertragen, aber irgendwann reicht es auch denen. Wenn inderen Milieus auch nicht so laut geschrieen wird, wird man auch dort mehr diskutieren müssen, um mehr Meinungen öffentlich zu formulieren. Sei es auch nur, dass eigentlich der Protest der Protestanten unangebracht ist. Damit wird mancher aus dem Privaten stärker in die Gesellschaft und Öffentlichkeit gezogen. Die Protestanten werden mit Protest-Protestanten leben lernen müssen. Das ist eine neue Qualität. Der „Grüne Fluch“ trifft am Ende alle, auch sie selber.

Und so reih ich mich ein, als einer, der außerhalb von BaWü für S21 protestiert (Begriff?). Bisher machen außerhalb BaWü das meines Erachtens nur die Protestanten.

pro Stuttgart 21 demonstrieren – in Bochum

Stuttgart 21 geht uns alle an. Mittlerweile wird das Thema in ganz Deutschland diskutiert. Auch in der Metropole Ruhr haben zwischenzeitlich einige Gegegner gegen das wichtige Infrastrukturprojekt demonstriert. Sie sollen nicht allein bleiben. Für Donnerstag, den 21. Oktober 2010 um 16.30 Uhr ist zu einer Kundgebung der Befürworter des Projektes Stuttgart 21 vor dem Bochumer Hauptbahnhof aufgerufen. Die Kundgebung wird bis 18 Uhr dauern.

Stuttgart 21 geht uns alle an, denn es geht auch darum, ob legitim beschlossene große Infrastrukturprojekte in Deutschland noch realisiert werden können. Rund 15 Jahre ist über Stuttgart 21 beraten worden und ein Ausstieg nach Planungen, Auftragsvergaben und Baubeginn ist mit dreistelligen Millionenschäden verbunden. Die Planungen und Beschlüsse sind demokratisch legitimiert. Und nicht nur in Baden-Württemberg sind die Vorteile des realisierten Projekts eines Tages zu spüren. Die Fahrzeit von derzeit 54 Minuten zwischen Stuttgart und Ulm wird sich auf 28 Minuten verkürzen. Das sind 26 Minuten weniger für jede Fahrt von und nach München.

Alle Befürworter des Projekte in der Metropole sind herzlich eingeladen sich zu beteiligen. Eine Vorabinfo wäre recht nett.

Linkliste

Für weitere Argumente sei auf folgende Linkliste zu Befürwortern von Stuttgart 21 verwiesen:

http://www.stuttgart21-ja-bitte.de/
http://wirsindstuttgart21.de/
http://www.fuerstuttgart21.de/
http://www.prosit21.de/
http://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/
http://www.wir-fuer-stuttgart21.de/
http://www.stuttgart21-kommt.de
http://www.prostuttgart-21.de/
http://www.direktzu.de/stuttgart21

Netzwerke
http://twitter.com/prosit21
http://www.facebook.com/fuer.s21


Bilder/Grafiken dieser Seite stammen von www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de.

Schwarz-gelb macht …. ja was?

Am Dienstag war ich mit einigen Freunden der Jungen Union auf der Gegendemo zum Arbeitnehmerempfang der Landesregierung. „Schwarz-gelb macht arm“ sollte wohl die zu transportierende Nachricht gewesen sein, statt dessen sah ich nur „verdi & co sind arm dran“, denn zu der groß angekündigten Demo kamen gerade einmal 90 Leute. Wir haben den Platz vor der Jahrhunderthalle mit einer gedachten Linie an einem Weg in zwei Sektoren geteilt und zu zweit von einem erhöhten Punkt aus ausgezählt. Links vom Weg zählten wir 36 und rechts davon etwa 50. (Update: Die Autorin Underberg zählt auf den Ruhrbaronen 150, aber da sind sicher auch die JU und ich drin 🙂 )
Dann war der Platz zudem mit Anhängern von Grünen und Die Linke gefüllt, was unschwer an den Fähnchen erkennbar war: Da sah ich die Vorsitzenden der Ratsfraktionen von Bündnis’90/Die Grünen, Die Linke und Soziale Liste „Seit an Seit“ wie auch einige SPD-Ratsmitglieder und Mitarbeiter der vorgenannten Fraktionen bzw. Parteien. Hinzukamen sicher noch der eine oder andere Funktionär aus den Sozialverbänden. Zumindest nehme ich dies an. Ich selber habe nur Brigitte Ponath und Hans-Jürgen Banaschak vom Paritätischen Wohlfahrtverband erkannt, die sich meinem Eindruck nach ja stets und gerne für derartige Aktionen benutzten lassen.

Eine Truppe demonstrierender Altenpfleger von verdi war auch erkennbar. Ich führe dies mal auf, um einen Anhalt für meinen Eindruck zu geben, dass da eigentlich nur Polit-Funktionäre rumliefen – quasi die, die man eh immer sieht. Von einer Massenbewegung oder -demo kann da nicht die Rede sein. Ziehe ich all die ewigen Funktionäre ab, sind da nicht mal 50 gekommen, die ich nicht zuordnen konnte. Diese Truppe hat versucht, sich für die Medien geschickt in Szene zu setzen – was ja nicht illegitim ist. Würd‘ ich ja quasi auch machen.
Als Rüttgers die Jahrhunderthalle betrat, wurden auch gleich die Fahnen eingewickelt, selbst wenn noch Besucher des Empfangs zur Halle strömten.

90 Rot-Rot-Grüne Funktionäre vor der Jahrhunderrthalle
90 Rot-Rot-Grüne Funktionäre vor der Jahrhunderthalle im Gespräch übrigens mit Landesozialminister Laumann (die Demonstranten stehen ab dem weißen Transparent links nach rechts, davor die Leute um Laumann und im Hintergrund Besucher)

Kleine Geschichte am Rande: Eine Polizeibeamter hatte uns darauf hingewiesen, dass wir dort, wo wir zunächst standen, nicht stehen dürften. Er hatte aber einen guten Platz auf der Brücke über der Zufahrt zum Platz vor der Jahrhunderthalle für uns. Da sind wir gerne hingezogen. Martin Buddelich von BO-Alternativ wollte uns offenbar von der Veranstaltung ausschließen, da – sofern ich es richtig verstanden habe – „er“ die Demo angemeldet hätte. Aber die Polizei wollte ihm wohl nicht folgen, die unterschiedliche Demonstranten zu sortieren.

Fazit: Unter dem gewerkschaftlichen Deckmantel von verdi hat sich da eine kleine und immer gleiche Truppe Rot-Rot-Grün zusammengefunden um gegen Schwarz-Gelb zu demonstrieren. Also nichts Weltbewegendes.

Links

Auf Martin Buddelichs BO-Alternativ findet sich ein Nachbericht, der auch gleich einmal die Teilnehmerzahl nicht erwähnt: „Pfiffe für Rüttgers“ (28.04.2010)

Die WAZ berichtet heute dazu: „Politik: Rüttgers lud zum Arbeitnehmerempfang“ (WAZ Bochum, 28.04.2010)

Auf der Internetseite von Verdi Bochum-Herne findet sich übrigens eine Liste mit den Erstunterzeichnern, die eindrucksvoll die Rot-Rot-Grüne Kooperation belegt, wer mag, kann das auf nachfolgendem Screenshot auszählen, welche Funktionäre von SPD, Grüne und Linkspartei da an einem Strang ziehen.

Rot-Rot-Grüne Kooperation in Bochum
Rot-Rot-Grüne Kooperation in Bochum