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Weshalb die Deutsche Post weiß, wen Du wählst

Die Deutsche Post wirbt bei Parteien damit, dass sie „potenzielle Wählerschicht als auch Nichtwähler exakt lokalisieren“ könne. Die ‚Bild am Sonntag‚ vermittelt den Eindruck, dass Adressdaten von Wählern an Parteien verkauft (‚verhökert‘) werden.

Was stimmt denn nun? Und woher weiß die Deutsche Post überhaupt, wen ich wähle?

In meinem Archiv habe ich eine Broschüre der Deutschen Post dazu. Leider ist das Erscheinungsdatum nicht klar. Die Titel der Broschüre lautet: Menschen erreichen. Wähler aktivieren. Stimmen sichern. – Wie Dialogkommunikation Sie im Wahlkampf unterstützt. Ein Wahlkampfleitfaden.

Deutsche Post: Die Paletten der ‚Direktkommunikation‘ per Brief

Und da sind dann in der Broschüre die Dienstleistungen dargelegt, die angeboten werden. Das umfasst Beratung und ggf. sogar Gestaltung des Materials, das versendet werden soll. Und am Ende geht es ja um den Verkauf der Versanddienstleistung. Das ist da Kerngeschäft der Deutschen Post. Und da wird normale Infopost angeboten. Die Post geht am Enden an (s. S.12):

Geeignete Wählergruppen für Dialog-Maßnahme:

  • Alle Bürgerinnen und Bürger
  • Bürgerinnen und Bürger in ausgewählten Gebieten
  • parteiaffine Bürgerinnen und Bürger
  • Nichtwähler
  • Erst- und Jungwähler
  • Senioren
  • Sonstige (Briefwähler, Unternehmer, Spender, Mitglieder)

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Wie die Post Wählerdaten an Parteien verkauft

Was steckt hinter dem angeblichen Verkauf von Wählerdaten durch die Deutsche Post Direkt GmbH?

  • Die Post verfügt über Daten für Massen-Werbeaussendungen zu gewerblichen Zwecken.
  • Hierfür werden auch statistische Daten anderer Quellen eingekauft, zum Beispiel von Bundesämtern.
  • Zu den vorhanden, gekreuzten Daten lassen sich Thesen über Parteienpräferenzen bilden.
  • Die Post verkauft nicht die Adressdaten, sondern die Dienstleistung der Auslieferung.
  • Im Gegensatz zu Daten von Einwohnermeldeämtern können diese Daten genauer Zielgruppen identifizieren – so das Kalkül.
  • Das Instrument erlaubt die Mobilisierung der ‚eigenen‘ Wählerschaft fernab der eigenen Hochburgen.
  • Das ist alles nicht neu und kein Geheimnis.


Ein Wahlkampf steht bevor. Die Deutsche Post wird erwartbar auf einem Parteitag mit einem Stand im Foyer vertreten sein. Ein Ableger des Konzerns verschenkt dort eine Klapp-Visitenkarte mit je einer Briefmarke. Gab es da nicht letztens sogar Briefmarken, die selber gestaltet werden können?

Die Post macht Werbung für ihre Massen-Mailings. Unter Älteren wird das auch Zielgruppenbrief genannt. Das ist ein teures Vergnügen. Es kostet Geld, die Masse der Wählerinnen und Wähler anzuschreiben. Die Post verspricht, dass sie mit mit ihren Daten gezielt Haushalt anschreiben kann. Gezielt bedeutet, dass ich diese Bürgerinnen und Bürger grundsätzlich zur Wahl meiner Partei motivieren kann.
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Edeka und Post in Höntrop schließen

Zum September endet der laufende Mietvertrag der Edeka für den Supermarkt in Höntrop, an der Ecke Wattenscheider Hellweg / Höntroper Straße. Der Mietvertrag wird von der EDEKA Aktiengesellschaft nicht verlängert und die Filiale geschlossen. Davon betroffen ist die Post-Filiale, die in Höntrop neben Brief- und Paketdienstleistungen auch Postbankservice bietet. Auf dem Weg zur Schließung werden auch die Öffnungszeiten verkürzt. Schluss ist ab Mai dann bereits ab 19 Uhr.

Edeka-Supermarkt Wattencsheider Hellweg / Höntroper Straße
Edeka-Supermarkt Wattenscheider Hellweg / Höntroper Straße

Der Supermarkt, in dem auch ein weiterer Bäcker untergebracht ist, findet sich an exponierter Lage in Höntrop und ist der älteste Standort. Ursprünglich war an dieser Stelle ein Coop-Markt. Unweit der Grenze zwischen den Ortsteilen Höntrop und Westenfeld finden sich heute zwei weitere REWE-Supermärkte (vorher Real, Plaza) und der Discounter Aldi. Eine Unterversorgung bei der Nahversorgung ist nicht zu befürchten. Verschiedene Geschäfte nehmen auch Pakete für die Dienstleister UPS, DPD und Hermes an. Die Post-Filiale bietet im Vergleich zu andere Post-Stützpunkten besondere Dienstleistungen. Das Abholen von Paketen gehört nicht mehr dazu, aber fehlen werden auch der Standort von Postfächern und die Postbankdienstleistungen an dieser Stelle, die für viele Bürger gut zu erreichen ist.

Zuviel Konkurrenz, zu wenig Parpkplätze

Dass der Standort Probleme hat, wird bei einem vergleichenden Besuch der Märkte in der Umgebung schnell klar. Neben der Konkurrenzstellung untereinander kommt für den Edeka die unbefriedigende Parkplatzsituation erschwerend hinzu. Das Nahversorgungszentrum entlang des Wattenscheider Hellwegs bietet nur abgelegen vor der Sparkasse einige Parkflächen. Die Supermärkte verfügen alle über eigene Stellflächen, aber die des Edeka-Marktes sind am schwierigsten zu erreichen. Sie finden sich im Hof hinter einer Durchfahrt durch eine backsteinerne Häuserfront. Die Plätze sind hier auch für weitere Ärzte, Rechtsanwälte und andere Dauerparker belegt. Für automobile Kunden ist das wenig attraktiv. Der Markt wird auf Fußgänger angewiesen sein und den sogenannten „Frequenzbringer“ Post. Das wird sich aus Sicht der Konzernzentrale nicht als eine gute Perspektive für den Markt darstellen. Daher das Aus.

Post-Filiale mit Brief-, Paket-, und Bankservice
Post-Filiale mit Brief-, Paket-, und Bankservice

Und die Post?

Seitdem es in Höntrop keine Post mehr gibt hat es bereits eine andere Filial-Lösung gegeben. Das Geschäft (G.) mit der ersten Post-Filiale, die durch einen Subunternehmer betrieben wurde, gibt es inzwischen auch nicht mehr. In Gesprächen mit Betreibern von Ladenlokalen am Wattenscheider Hellweg werden Hinweise gegeben, dass die Deutsche Post nicht so viel an Miete zahlen wolle, dass sich der Betrieb lohne. Erst eine Mischkalkulation, die auch zusätzlich ins Geschäft geholte Kunden miteinbezieht, würde die Bereitstellung von Personal und Flächen für den Postbetrieb rechtfertigen. Das geht weder räumlich, noch wirtschaftlich für alle Einzelhändler und Dienstleister. Dem Vernehmen nach sei die Post jedoch sehr interessiert den Standort zu erhalten. Vor dem Schalter gibt es regelmäßig Schlangen.

Die Zukunft der Post ist kurzfristig das dringendste Problem und Teil der Gespräche auf der Straße und beim Friseur. Das Ausweichen auf Post-Stützpunkte hilft nur wenig. Mittel- bis langfristig wird sich dann die Frage stellen, was als Ersatz für den Edeka kommt. Ein lange anhaltender Leerstand an dieser exponierten Lagen tut dem Einzelhandelsstandort nicht gut.

DHL auf Opel-Werk I: Verhaltene Freude

Seit gestern wird in den Medien der Erfolg verkündet, dass DHL mit Opel eine Vereinbarung unterschreibt, bei der es um die Nutzung eines Drittels des freiwerdenden Opel-Werks I (Laer) geht. DHL will dort ein großes Logistiklager ansiedeln. Darüber wurde bereits lange gesprochen, aber auch nur verhalten. Die Sache ist dingfest und das soll heute in Düsseldorf verkündet werden von Landeswirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD). Der Bochumer Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Thomas Eiskirch beklagt eine fehlende Willkommenskultur, wenn einige sich nur verhalten freuen über die Ansiedlung einer so großen Niederlassung. Er spielt einen rhetorischen Ball der CDU weiter.
Die Ansiedlung ist ein Erfolg, aber Begleitumstände und die genaue Lage lassen bei mir nur eine verhaltene Freude sein. Wenn man sich mit den Details befasst wird es komplizierter. Dazu hier mehr.

Wie sieht der Löffel Essig im süßen Wein von 150.000 qm umgenutzter Fläche mit erhofften 600 sozialversicherungspflichten Beschäftigten aus?

  • In den Medien heißt es meist nur auf dem Opel-Gelände. Es gibt drei Werke: Opel I, Opel II und Opel III. Opel I wird in Bochum-Laer wird als erste frei, an den Standorten in Langendreer wird noch einiges sortiert, da Opel mit eigener Logistik bleiben wird. Lange wird gefordert, dass Opel sich erklärt, welche Flächen es braucht, welche nicht. Sind Alternativen für die Fläche für DHL geprüft worden?
  • Kann DHL mit Logistik nicht auch an andere Standorte in Bochum, ggf. sogar nicht auf Opel I-III. Wo die Jobs von DHL entstehen in Bochum ist höchstens mit Blick auf die Autobahnanbindung von Bedeutung. Politisch ist höchstens die Bedeutung des Ortes. Zu befürchten ist, dass die Logistik am Opel-Standort die Entstehung neuer Produktion verhindert.
  • Logistik bietet je Fläche weniger Arbeitsplätze als Produktion. Dennoch sind 600 Arbeitsplätze eine ganze Menge. Auf ehemalige Produktionsglände Produktion – also Industrie – zu setzen, ist aber ggf. besser. Klar, die muss aber erst gewonnen werden. Es ist aber bei einer Beurteilung auch richtig zu schauen, was mit einer Ansiedlung verhindert wird. Die Fläche des Opel-Werks I für Neuansiedlung wird kleiner, möge es aber nicht echte Industrieansiedlungen verhindern. ’s wäre doof gelaufen, wenn die 600 Arbeitsplätze weitere 1.000 in der Produktion verhindern. Neben Dienstleistungen wird Produktion gebraucht.
  • Die Herrichtung und Sanierung des Geländes wird mehr Geld verschlingen, als das Gelände wert ist. So meine Erwartungshaltung. Hinzu kommt meine Sorge, dass das Geld nicht reichen wird und die Opel-Beteiligung nur gering bis symbolisch ist. Zwar wird verkündet, dass das Geld vom Grundstückserwerb für die Gesellschaft Bochum Perspektive 2022 zu Verfügung steht, aber recht das? Oder bleibt die Stadt Bochum am Ende auf Kosten sitzen? Die Gefahr sehe ich.

Schaue ich mir an, dass die Gespräche und Vereinbarungen über die Schiene Opel und Landesregierung laufen, nicht über die gemeinsame Entwicklungsgesellschaft „Perspektive 2022“, dann bin ich besorgt, dass da zu viel Politik drin ist. Wird hier der schnelle Erfolg vor der Kommunalwahl gesucht? Der Katzenjammer mit Opel kommt dann nach der Wahl.
Sozialdemokraten habe ich im Verdacht, Erfolge in der vermeintlichen Industrie- und Ansiedlungspolitik, im Struktur ohne Rücksicht auf Kosten zu suchen. Da muss ich meine Hoffnung auf den grünen Koalitionspartner in Bochum und in Düsseldorf setzen.

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Kleine Presseschau

DerWesten: DHL plant Großlager auf Bochumer Opel-Gelände“ (31.03.2014)

Ruhrnachrichten: „Bochum Perspektive 2022 – Opel, DHL und Stadt geben Einzelheiten bekannt“ (31.03.2014)

Radio Bochum: „Die Deutsche Post DHL und Opel wollen morgen in Düsseldorf eine Partnerschaftserklärung unterzeichnen“ (31.03.2014)