Schlagwort-Archive: Einkaufszentrum

Standortfrage Shopping Center – Thema durch?

Die Frage eines weiteren Shopping Center in Bochum hat sich erledigt. Das mag am Käufer des Geländes zwischen Husemannplatz und Willy-Brandt-Platz liegen. Nicht an ECE, sondern den Textilienhändler Andor Baltz und weitere ging es. Die Großwetterlage tendiert zugleich wieder stärker für eine Orientierung der Betreiber auf Ost- und Südost-Europa.

Es gibt aber auch eine weitere Zeichen. Mein Altpapier. Zum Jahreswechsel sortiere ich Papier. Jede Menge Zeitschriften müssen aussortiert werden. Und seit einigen Jahren bekam ich das „German Council Magazin“ zugesendet. Auch wenn ich selber nie Betreiber eines Einkaufszentrums war. Herausgegeben wird es vom German Council of Shopping Centers e. V., Ludwigsburg. Ich habe jedenfalls nur ein Exemplar aus Mai 2016 im Altpapier.

Kein Interesse der Lobby mehr?

Die Lobbyisten-Crew hat mich nicht mehr im Visier? Da muss ich mal die übrigen Kollegen im Bochumer Stadrat fragen. Bekommen sie das Magazin auch nicht mehr? Hatte ich das Magazin dem Engagement des ECE-Konzerns zu verdanken?

Die Ausagbe 02/2015 habe ich noch bekommen. Das Titelblatt zeigt bezeichnenderweise ein Spinnennetz mit dem Titel „Stabilität“.

Landesregierung untersagt IKEA in Wuppertal – Gut so!

In der Staatskanzlei von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) ist die Landesplanungs­behörde angesiedelt. Deren Arbeit ist hoch politisch. Dazu gehört neben Kraftwerksbauten wie Datteln IV und einem neuen Landes­entwicklungs­plan gerade auch der großflächige Einzelhandel. Und da fiel in der letzten Woche eine gewichtige Entscheidung: Der Stadt Wuppertal wird untersagt, die derzeitigen Planungen für einen IKEA-Homepark bzw. ein IKEA-Fachmarktzentrum weiter voranzutreiben (siehe Bebauungsplan 1137V – Dreigrenzen). Die Entscheidung ist durchweg richtig.

Schwedenhütte von daniel.schoenen / photocase.de
Problematisch an dem Projekt ist gar nicht der IKEA, der das entstehen soll. Es handelt sich vielmehr um einen IKEA-Homepark. Das Möbelhaus scheint willkommen, aber der schwedische Konzern baut neuerdings mit weiteren Partnern bevorzugt ganze Einkaufs­zentren. So etwas soll in Wuppertal, wo sich die Bundes­auto­bahnen A1 und A43 kreuzen, entstehen. (siehe „Was ist ein IKEA-Homepark?„) Ein Einkaufs­zentrum vor den Türen der Metropole Ruhr und der Städte des Ennepe-Ruhr-Kreises braucht niemand. Das Zentrum führt nur zum Niedergang der Innenstädte. Wuppertal meint sich auf Kosten seiner Nachbarn bereichern zu können. Für einen Irrglauben halte ich es, dass sich nicht auch die Kundenströme in Wuppertal selber verändern würden.
Diesen Konflikt um die Errichtung eines einzelnen „IKEA“ oder eines Einkaufszentrums mit einem IKEA führt der Konzern derzeit an mehreren Stellen. (siehe „IKEA auf der Suche nach Platz in der Metropole Ruhr„) Vermutlich werden die Kommunen und ihre Verwaltungen gegeneinander ausgespielt. Lobbyisten ziehen durchs Land. Letztlich ist der Konzern mit dem positiv besetzten Image eine – überspitzt gesagt – „Heuschrecke“, die mehr Umsatz erzielen will. Ich gehe gern zu IKEA, aber letztlich wollen und müssen die Geld machen. Das sollen sie auch, aber nach den gleichen Regeln für alle.

Die IKEA Deutschland GmbH & Co. KG schloss das Geschäftsjahr mit einem Umsatz von 3,65 Milliarden Euro ab. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von fünf Prozent. (Quelle: ikea.com)

Die Landesregierung liegt damit auch voll auf der Linie des Regionalverbands Ruhr. Dessen Ruhrparlament hatte das Vorhaben bereits mit einer Resolution abgelehnt. Im Rahmen des Planungsverfahren folgten verschiedene Stellungnahmen. Die jüngste Stellungnahme (12/716) als „Träger öffentlicher Belange“ wird derzeit beraten und soll am 17. Dezember 2013 beschlossen werden. Darin heißt es:

In der Konsequenz wird die Stadt Wuppertal erneut dringend aufgefordert, dieses Planverfahren einzustellen. Das geplante Einkaufszentrum ist ganz offensichtlich mit der im Regionalplan vorgesehenen Zuweisung zentrenrelevanter Einzelhandelsgroßprojekte zu den Siedlungsschwerpunkten unvereinbar.[…]

Aus diesem Grund hatte der Regionalverband Ruhr (RVR) zusammen mit Städten und IHK’en die Staatskanzlei aufgefordert, die Wuppertaler Planungen zu untersagen. Das wurde jetzt umgesetzt. Auf Verständigung mit den Nachbarn ist in Wuppertal nicht gesetzt worden. Dabei gibt es sogar Stimmen, dass so ein Einkaufszentrum mit einem IKEA als Anker auch den Wuppertaler Innenstädten schade. Historisch bedingt sind das mehrere, denn Wuppertal entstand aus dem Zusammenschluss mehrerer Städte im Tal der Wupper.

Zweierlei Maß der Wuppertaler

Bemerkenswert ist die Begründung sowohl aus der Landesplanungsbehörde zur Ablehnung des Projektes bzw. der Ablehnung der Ablehnung. In Wuppertal wurde versucht mit zweierlei Maß zu messen. Die stadteigene Liste zentrenrelevanter Waren des Einzelhandels wurde strikter gehandhabt als für das angestrebte Projekt eines IKEA-Fachmarktzentrums. Elektroartikel und Textilien waren plötzlich nicht mehr zentrenrelevant. Diesen Verfahrenstrick zur Verringerung der dargestellten Verkaufsfläche hat das Land jetzt zurückgewiesen. Insbesondere die Städte im Ennepe-Ruhr-Kreis, die um ihre Innenstädte fürchteten, wird es freuen.

Schlimm ist natürlich, dass einige CDU-Politiker meinen, dass wäre alles die Schuld der SPD im Ruhrgebiet, zum Beispiel Rainer Spiecker MdL (CDU) in einer Mitteilung. Dem ist entgegen zu halten, dass auch die CDU in der Metropole Ruhr sich gegen dieses großflächige Einzelhandelsprojekt wandten, wie auch an anderer Stelle, selbst in der eigenen Region. Allerdings stoßen auch Wuppertaler SPD-Landtagsabgeordnete ins selbe Horn und raten zur Klage gegen diese Verfügung des Landes, damit der von ihnen gestellten Landesregierung.
Bemerkenswert realistisch sehen die Angelegenheit die Wuppertaler Grünen. Sie kennen die Differenz zwischen einem IKEA-Möbelhaus und eine IKEA-Fachmarktzentrum (=Homepark) genau. So heißt es in einer Pressemitteilung:

Wuppertal braucht ein Möbelhaus auf einer geeigneten Fläche. Was nicht gebraucht wird, ist ein zusätzliches Fachmarktzentrum, das die Interessen von IKEA über die Interessen der Gesamtstadt stellt. Wir könnten uns ein Möbelhaus z.B. als Nachnutzung auf einer ehemaligen Gewerbe- oder Handelsfläche gut vorstellen

Es ist der gleiche Konflikt wie überall in und rund um’s Ruhrgebiet. Die Herren Clement und Ost werden noch eine Weile Klinken putzen müssen. Vielleicht sieht der IKEA-Konzern aber auch ein, dass das Konzept der Homeparks nicht in die Region passt.

Presseschau zum Thema

Remscheider Generalanzeiger: „IKEA: Wuppertal kündigt Widerstand an“ (von Stfean Melneczuk, 27.11.2012 – auch Westdeutsche Zeitung)

Rheinische Post: „Land stoppt Ikea-Pläne in Oberbarmen – Stadt erwägt Klage (von Marion Meyer, 27.11.2012)

DerWesten.de: Land untersagt IKEA-Planung“ (von Bernd Wold, 27.11.2012)

DerWesten.de: Landesregierung stopp IKEA-Pläne“ (von Klaus Bröking, 26.11.2012)

Eastgate – Das Unbehagen mit einem ECE-Einkaufszentrum

Shopping-Center Eastgate an der Marzahner Promenade

Die Tage war ich in Berlin-Marzahn. Was willst Du da?, hörte ich es später fragen. Marzahn ist gar nicht so schlimm wie sein Ruf! Die Denkfigur kommt mir aus der grünen Metropole Ruhr bekannt vor. Ich wollte mir da die eine oder andere städtebauliche Entwicklung ansehen. Und so landete ich auch im Zentrum, an der Marzahner Promenade mit dem Einkaufszentrum Eastgate.

Und dann war ich da shoppen. Ich war im Einkaufzentrum an dieser Promenade. Es ist direkt an die Brücke zur S-Bahn-Endstation montiert. Und es war schön da. Wir schlenderten durch die Mall und aßen zu Abend in einem gut besuchten food court. Klar, das hätte ich auch irgendwo zuhause bekommen könne. Selbst die Einrichtung der Shopping-Center ähnelt sich: Geländer, Schilder, Parkhausgestaltung etc. Ich hab mich da wohl gefühlt – keine Frage.

Dann fragte ich mich, ob Betreiber dieses Centers wohl die ECE Projektmanagement ist, die Einkaufs-Center-Entwicklungsgesellschaft; korrekt „ECE Projektmanagement G.m.b.H. & Co. KG“ mit Sitz in Hamburg. Ich konnte nur eine Schild zum Centermanagement finden, nicht mit einem Hinweis auf die Gesellschaft. Die Website des Eastgate half mir aber weiter. Ja, es ist ein Objekt der ECE!

Bochum: Mehrere Gebäude, kein Monolith!
Das wäre dann doch die nette Gelegenheit für ein Foto. In Essen gibt es nach der Öffnung Centers am Limbecker Platz viele zu beobachtende Entwicklung in der Innestadt – nicht nur Gutes. In Bochum gibt es bereits Objekte von ECE. Eventuell kommt eines auf dem Gelände des frei werdenden Landgerichtsgebäudes hinzu. Da wird bereits länger diskutiert und verhandelt. Ich meine, es sind bereits 4 Jahre. Ein Beschluss des Stadtrats stammt aus 2010.

Eine wesentliche Vorgabe für das Bochumer Projekt ist die Aufteilung des Areals in mehre Blöcke mit separaten Gebäuden, aber auch Stockwerkzahl. Es gibt halt Dinge, die nicht gewollt sind. Schöne Skizzen habe ich im Kopf. Einzelne Häuserblöcke zwischen denen die Mall verläuft. Nein, nicht zwischen den Häusern, sondern von Haus zu Haus, um die Straßen zwischen den Blöcken zu überwinden. Eine Mall, die die Shopper im Einkaufszentrum hält ist mir – und nicht nur mir – ein Graus. Es geht um eine Belebung der Innnestadt. Und so soll so ein Einkaufszentrum in die Innenstadt hineinstrahlen. Idealerweise mit Geschäften, die vom Center hinaus Richtung Straße, hier die Viktoriastraße und den Buddenbergplatz offen sind. Wäre das nicht eine tolle Zukunft: Eine belebte Vikoriastraße und ein Buddenbergplatz, die mit Fußgängern, Kaffees und vielleicht sogar kleinen Ständen gefüllt ist. Eine belebte Vikotriastra0e, eine belebte Kortumstraße, eine attraktiver Bongard-Boulevard!

Wo bleibt das Leben vorm Center?
In Marzahn sah ich die Promenade vor dem Eastgate-Center. Einen Brunnen gibt es da und die Läden des Eastgate reihen sich entlang dieser nach Urbanität schreienden Fußgängerzone. Nur zwei Dinge fehlten hier: Die Fußgänger und die Eingangstüren zu den Läden. Es herrschte dort kein rummelige Leben – im Gegensatz zum food court. Die Fotomontage zeigte es: keine zur Promenade hin geöffneten Läden, kaum Fußgänger, keine Café. Dafür Notausgänge. Klar die müssen sein, aber auch die Läden zeigten durch die Türen nur die Rückseiten ihrer Dekoration.
Die Fotomontage zu diesem Artikel gibt die Teile der Fußgängerzone wieder, die am Eastgate im 90-Grad-Winkel aufeinander treffen. Ebbe! Nur eine Momentaufnahme?
Ich las von einem neuen städteaulichen Projekt, das mit Fördergeldern angegangen werden soll, um nun endlich die Marzahner Promenade zu beleben. Das Eastgate gibt es seit 2005. Den Bushafen davor („Marzahner Promenade“) seit 2012. Wann kommt das Leben ins Zentrums von Marzahn?

Ich will nicht, dass Bochum so endet. Es ist zwar Oberzentrum, aber muss sich zwischen Dortmund und Essen behaupten. Essen scheint mir gerade einen Fehler gemacht zu haben. Die Nase vor hat Dortmund. Hier gibt es gerade die schönste Innenstadt mit urbanem Flair beim Shoppen.