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VRR 2030/50, oder: Ein Schienennetz aus der Kaiserzeit

Der Bau einer Autobahn verschlinge ein Beamtenleben, erklärte mir mal ein auto-affiner Rechtsanwalt. Bei Eisenbahnen scheint alles noch einmal länger zu dauern. Das Eisenbahnnetz an Rhein und Ruhr stammt überwiegend aus der Kaiserzeit. Das betrifft nicht nur Trassen und Gleise, sondern auch Technik. Wie soll da die Hoffnung umgesetzt werden, mehr Passagieren zu befördern? Von wegen Notwendigkeit, Klimaschutz und so.

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Tempo 30 als Lärmschutz gegen ge-tunte Autos

Die Anwohner der Fritz-Reuter-Straße in Wattenscheid sind vom Lärm gebeutelt. Ihre Straße führt vom Bahnhof Wattenscheid über die Grünstraße zur Autobahnauffahrt am Dückerweg, wo einige Fast Food-Ketten, eine Feuerwache und ein Tuning-Laden liegen. Die Straße liegt in der engen Schlucht zwischen den Lärmschutzwänden der Bundesautobahn A 40 und der ICE-Bahntrasse Bochum-Essen. Der Lärm der Züge und der Autobahn scheint nichts zu sein im Vergleich zu den lauten Auspuffs der Fahrzeug von Tuning Fans. Diese sollen angeblich so oft dadurch fahren, dass die Anwohner jetzt gegen die Tuner und ihre Autos geschützt werden müssen. Schilda lässt grüßen.

Tuning: Böse laute Auspüffs der Tuner belästigen die Anwohner mit Lärm
Böse laute Auspuffs der Tuner belästigen die Anwohner mit Lärm

Jetzt hat die Stadtverwaltung einen Beschlussvorschlag vorgelegt, um das Umfeld des gelegentlichen Treffs der Tuningszene mit Tempo 30 zu drangsalieren. Und entsprechend der rot-grünen Verbotskultur auch gleich alle anderen Autofahrer. Begründet wird dies (hier aus Vorlage Nr. 20140864) mit der Lärm durch die aufgemotzten Autos:

Die Hauptproblematik, so ergibt sich aus Vorlage Nr. 20132986, besteht darin, dass die getunten Fahrzeuge zwar als sehr laut empfunden werden, sich aber im Regelfall noch im Rahmen der gesetzlichen Werte bewegen. Die Geräusche werden auch deshalb subjektiv als „Rasen“ wahrgenommen, da durch die Bebauung der Schall ungünstig reflektiert wird. Auffällige Geschwindigkeitsübertretungen wurden nicht festgestellt. Das Problem ist daher nur durch einer Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und Kontrolle dieser zu beheben.

Tuning: Der Lärm legaler Auspuffanlagen

Und in der genannten Vorlage Nr. 20132986 heißt es:

Das Lärmaufkommen wird in diesen Straßen neben dem Straßenverkehr insbesondere durch die Zu- und Abfahrten der Autobahn, die Autobahn selbst und die Bahnstrecke bestimmt.

Der Lärm, der durch die Tuningszene zusätzlich verursacht wird, beschränkt sich dabei höchstens auf wenige Stunden in der Woche. Entsprechend den oben aufgeführten Erkenntnissen entsteht dieser Lärm in erster Linie durch die zumeist legalen Auspuffanlagen und die baulichen Gegebenheiten, und nur sehr vereinzelt durch Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Lärmstauende Lärmschutzwand im Hinterhof
Lärmstauende Lärmschutzwand im Hinterhof
An anderer Stelle verweist die Verwaltung auch auf den Lärm der Musikanlagen der Tuner. Diese würden leiser gestellt, sobald die Polizei auftauche. Auch hätten die Tuner dazugelernt. Eine ersten Hinweis will ich mal geben: Der Parkplatz der Tuningszene und die Feuerwache sind noch mehrere Hundert Meter entfernt!

Hier sollen Rennen stattfinden?
Hier sollen Rennen stattfinden?
Schon bei den Autorennen, die da stattfinden sollen, bin ich sehr, sehr skeptisch. Die Polizei hat nie welche nachweisen können. Und jetzt schaut Euch mal die Straße an: Auf der einen Seite parken Autos! Wie soll das bei dieser Straßenbreite gehen, selbst wenn kein Auto entgegen kommt?

Andere Lärmquellen sind an der Fritz-Reuter-Straße sind viel bedeutender. Die angebliche Lärmbeästigung durch Tuner ist selten und auf einige wenige Fälle beschränkt. Die Lösung ist die Tempo 30-Zone nicht. Aber ganz Aussperren darf die Verwaltung die „ach so bösen Tuner“ nicht, denn die Freizügigkeit gilt auch für sie. Es wird bei zwei symbolischen 30-Schildern bleiben. Darunter leiden dann alle Autofahrer, nicht nur die Tuning Szene.

Stuttgart 21: Der Bahnhof kommt!

Die Bürger in Baden-Württemberg haben den Ausstieg abgelehnt.
Das Bild mit dem Ergebnis und die Fragestellung waren kompliziert zu verstehen. Ein „Nein!“ war ein eine Stimme gegen den Ausstieg und damit für den Bau des Bahnhof im Rahmen von Stuttgart 21. Und das freut mich.

Das freut mich, …

  • weil ich mich mit weiteren Mitstreitern auch hier bei uns für Stuttgart 21 eingesetzt habe, so mit einer Demonstration. Wir lagen richtig!
  • weil ich mich mit der damaligen Demonstration gerade gegen die gewendet habe, die meinten, dass die Lautstärke und die veröffentlichte Meinung das entscheidende Element sei. Die Lautstärke allein zählt nicht, Entscheidungen fallen nicht auf der Straße.
  • weil das Ergebnis auch die rechtsstaatlich erfolgte Zustimmungen zum Projekt bestätigt.
  • weil das Ergebnis bzgl. Ausgang und Beteiligung zeigt, dass direkte Demokratie wie Volksabstimmungen nicht nur Projektgegner gefällt sind. So etwas kann aus deren Sicht auch nach hinten los gehen.
  • weil ich hoffe, dass den Projektgegnern jetzt der Zulauf wegbleibt. Allerdings wird es weiterhin einige Unverbesserliche geben. Die Parkschützer werden das Ergebnis voraussichtlich auf die Ablehnung eines Gesetzes reduzieren und versuchen einen Zustimmung zum Gesamtprojekt Suttgart 21 zu leugnen, was sie voraussichtlich unglaubhaft werden lässt.
  • Strecke des alten Orient-Express Paris-Budapestweil das Projekt gut für Deutschland, gut für den Eisenbahnverkehr der Zukunft in Mitteleuropa ist. Es geht hier um die Beschleunigung der Strecke Paris-Budapest (Orientexpress) und den europäischen Auftrag Deutschlands.
  • weil die Realisierung von Stuttgart 21 eben nicht ursächlich für das Stocken des Projektes des Rhein-Ruhr-Expresses ist. Auch wenn das gerne von Interessierten suggeriert wird, dann stecken die Problem noch nicht auf der Zeitschiene der Finanzierung; da würde ich gerne erst einmal hinkommen.
  • weil ich hoffe, dass es in Stuttgart friedlich wird und auch in den Stunden nach der Abstimmung friedlich bleibt. Da hängt viel von Signalen auf der Demonstration am auf die Abstimmung folgenden Montag ab.

Signal gesetzt für Stuttgart 21

Es gibt auch Andersdenkende und damit Befürworter der Realisierung von Stuttgart21 mit dem Neubau der Bahntrasse von Stuttgart nach Ulm. Das Signal haben wir mit der Kundgebung am 21. Oktober 2010 vor dem Bochumer Hauptbahnhof erfolgreich gesetzt. Linke, Kommunistenableger und andere Stillstandsutopisten werden jetzt nicht allein das Bild bestimmen, wie oft sie auch durch die Stadt stapfen. Es gibt auch andere Meinungen dazu.

Lassen wir Bilder sprechen!
Leider habe ich nur nach der Kundgebung ein paar Bilder gemacht. Die Erinnerungsfotos finden sich im Facebook-Album Pro Stuttgart21 in Bochum. Daraus ist auch das Bild hier auf der Seite mit Dr. Christoph Konrad, Vorsitzender der CDU Bochum, entnommen.
Neidisch blicke ich daher auf die Bilder in der Galerie von DerWesten.de und da gibt es noch ein Video. (Das auf diesem Rechner hier nicht spielt. Warum?)

Das war die erste Kundgebung, die ich selber gemacht habe. In der Form war ich vor 15 Jahren oder so schon mal auf einer. (Golfkrieg?). Für viele der Teilnehmer war es auch das erste Mal. Ich werde mir mal ein paar Notizen machen müssen. Irgendwer kam auf die Idee, das Transparent hoch zu halten. Sieht gut aus, aber es reißt im Wind. Auch hätte noch ein dritter Redner gut getan. Und wieso haben zwei Leute Kameras, machen dann aber erst am Ende Bilder- Hä? Vielleicht kann ich das Wissen ja in ein paar Jahren nochmal gebrauchen oder amüsier mich bei der Lektüre.

Und dann was aus der Zeitung.
Wenig Protestler bei Stuttgart 21-Demos in Bochum (Sabine Vogt, WAZ Bochum, 21.10.2010)

Ich freu mich mich über alle Bilder, die mir geschickt werden. Danke an alle die gekommen sind. Ich hab 32 Hände geschüttelt. Danke auch an die Polizeibeamten. Und eine Bitte: Verbreitet das Wort und Eure Bilder. Drückt „gefallen“ und „Teilen“ in Eurem Facebook, damit Bekannte und Freunde Eure Bilder und Meinung sehen.

Und aufgrund von Nachfragen: Das war eine Aktion. Nächste Woche stehe ich nicht auf der Straße. Demonstrieren ist keine Kernkompetenz von Christdemokraten 🙂 Draußen auf der Straße herumkrakeelen, sollen mal die Anderen machen. Oder wie hier auf der Vuvuzela und Trillerpfeife blasen. Unsere und meine Meinung wurden auf diese Art hinreichend verbreitet.

DerWesten.de hat ein Video zu den „Demos“ in Bochum gefertigt.

Nachtrag: Im Video ist auch eine Fahne der MLPD zu sehen und der Vorsitzende der Stadtratsfraktion „Soziale Liste“, einem DKP-Ableger. Da stehen dann also Die Linke, MLPD und DKP zusammen.

Eisenbahnmuseum Dahlhausen wächst. Eisenbahntourismus wächst.

Das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen soll eine Stiftung werden (siehe Vorlage Stadt Bochum Nr. 20101786). Die Rechtsform dessen, was dort zu sehen ist, ist zunächst egal, aber dieser zunächst rechtliche Schritt steht am Anfang einer Entwicklungsperspektive. Aus dem Eisenbahnmuseum in Dahlhausen, einem Verein von Eisenbahnfreunden, soll am Horizont noch mehr ein richtiges Eienbahnmuseum werden, ein Deutsches Eisenbahnmuseum. Dafür braucht es neben einem museumspädagogischen Konzept, das die Geschichte des Transports im Allgemeinen und der Eisenbahn im Besonderen darstellen dürfte, ein paar materieller Zutaten: Ausstelllungsobjekte wie insbesondere Loks und Waggons, Grundstück(e) und Anlagen. Der Verein der Eisenbahnfreunde wird dies nicht alles leisten können, so den Kauf der Grundstücke in Bochum-Dahlhausen. Für öffentliche Investitionen muss gesichert sein, dass die Ausstellungsobjekte auch am Ausstellungsstandort bleiben.

Im Rat der Stadt Bochum, beim Regionalverband Ruhr (RVR) und sicher auch bei den Eisenbahnfreunden wird daher zurzeit über die Errichtung einer gemeinsamen Stiftung vorangetrieben. Einem alten Beschluss folgend will der RVR unter hoffentlicher Akquisition von staatlichen Fördermitteln die Grundstücke erwerben. Dies ist möglich geworden, da die Deutsche Bahn sich nun von den Grundstücken trennen will. Eine Tochtergesellschaft des RVR ist bereits Besitzerin der Ruhrtalbahnstrecke, die vom Eisenbahnmuseum bis nach Hagen führt.

Die Eisenbahnfreunde bringen die Ausstellungsobjekte in die Stiftung ein. So können sie unter dem neuen „Dach“ weiter arbeiten. Die Stadt Bochum bringt einen symbolischen Euro ein. Der RVR, zu dem die Stadt Bochum gehört. wird die Grundstücke einbringen. Am Ende soll die Stiftung die nötigen Mittel akquirieren (z.B. Städteerneuerungsprogramm), um den ausgedehnteren Museumsbetrieb zu ermöglichen und zu betreiben. Zumindest habe ich das alles so verstanden.

In einer Vorlage des RVR (Nr.  12/0176) wird neben Errichtung eines Parkplaktes und einer Gastronomie Folgendes aufgeführt:

Prioritär ist der Bau eines neuen Eingangsgebäudes im Osten des Geländes mit Information, Kasse, Garderobe, WC, Shop, Audioguides etc. geplant. Zudem sind eine Bibliothek, Vortrags- und Seminarräume, ein Aussichtspunkt, ein Prolog mit eindrücklicher Medienproduktion und eine Rundumprojektion mit ca. 20m²Projektionsfläche vorgesehen.

Dazu gab’s auch erste Pläne zu sehen.

Ausgehend von Beratungen beim RVR wird überlegt, noch ggf. weitere Aktivitäten des Regionalverbands im Bereich des Eisenbahntourismus zu bündeln. Ein regionale Vernetzung dieser Aktivitäten erscheint sinnvoll. Nicht nur ist der RVR mittelbar Eigentümer der Ruhrtalbahnstrecke, sondern hat auch Haltepunkte an weiteren Ankerpunkten der Route der Industriekultur errichtet, so auf Zeche und Kokerei Zollverein in Essen und im Landschaftspark Duisburg-Nord, einem ehemaligen Stahlwerk. Das Bild dieses Beitrags zeigt den Schienenbus zwischen den Stationen Zollverein und Kokerei Zollverein.

Die (teilweise ja schon realisierte) Vision besteht für mich in einem regelmäßigen nostalgischen Eisenbahnverkehr zwischen Ankerpunkten der Route der Industriekultur. Dies Netz soll die räumliche und geschichtliche Struktur des Raumes der Metropole Ruhr erlebbar machen. Dafür von mir: Glückauf! Und es gibt sogar schon Leute, die sowas realisieren wollen unter dem Namen RuhrTrain.

Hier ein Artikel von DerWesten: Mit Volldampf in die Zukunft…“ (Michael Weeke, 19.07.2010)