Schlagwort-Archive: Feinstaub

Feinstaub durch Silvester-Böller

Zum Jahreswechel kam die Spielverderber-Mitteilung des Umweltbundesamt: Silversterfeuerwerk setze so viel Feinstaub frei, dass es 15 % des Jahresaufkommens an Feinstaub aus dem Straßenverkehr entspricht. Das entspreche laut Pressemitteilung 4.000 Tonnen Feinstaub und sorge für vermehrte Krankenhausaufnahmen an Menschen mit Herz-Kreislaufproblemen. Jetzt liegen die Messwerte des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) vor, die ich mal für den Zeitraum Heiligabend 2015 bis 3. Januar 2016 ausgewertet habe. Ja, Neujahr ist deutlich zu erkennen.

PM10 Metropole Ruhr Silvester 2015-2015
Feinstaub durch Silvester-Böller weiterlesen

Feinstaub: Sperrt die A40 für den Lkw-Durchgangsverkehr

Einen neuen alten Hut nehme ich mit der WAZ von heute in die Hand, denn da lese ich den Titel „Experte fordert: Sperrt die A 40 für Lastwagen„. Anlass dieses Berichtes an einem Montagmorgen im Sommerloch ist die derzeitige Vollsperrung der A 40 in Essen zwecks Sanierung der A 40-Tunnel. Die Sperrung verursacht bisher keinen Stau und weniger deutlich Verkehrschaos als erwartet. Allerdings gehe ich davon aus, dass das nicht die gesamte Bauzeit so bleibt. Allerdings zeigt sich mit diesem „Experiment“ welch Nutzen eine Sperrung des Ruhrschnellwegs von LkW haben könnte für die Stauvermeidung.

Eine Vollsperrung der A 40 für alle Lastwagen kann jedoch nicht das Ziel sein. Lieferverkehre müssen weiter möglich sein. Das ist für die Metropole Ruhr als Industrieregion unvermeindlich. Allerdings ist eine Verlagerung des Durchgangsverkehrs von der A 40 auf die A 42 und A 2 nicht nur verkehrlichen Aspekten, sondern hinsichtlich der Belastung der Bewohner mit Abgasen und Feinstaub interessant.

7 % der Fahrzeuge sind Schwerlastverkehr, Dieselfahrzeuge und verursachen deutlich mehr als 7 % der Emissionen

Den Berichten in der WAZ ist zu entnehmen, dass der Schwerlastanteil laut letzter Verkehrszählung auf der Bundesautobahn bei Essen 7 % beträgt. Das entspricht bei 65.000 bis 120.000 Fahrzeugen pro Tag also zwischen 4.550 und 8.400 Fahrzeugen, von denen allerdings nicht alle Durchgangsverkehr sind. Allerdings sehen die Relationen bei den Emissionen anders aus. Diese 7 % der Fahrzeuge sind Lkw und damit fast ausschließlich mit Diesel betrieben. Zudem handelt sich sich bei diesen 7 % um Fahrzeuge die mengenmäßig auf diesem Abschnitt mehr Emissionen verursachen, als ihre Anteil gemessen allein an der Zahl der Fahrzeuge ausmacht. (Die CDU Bochum hatte in 2011 daher eine Sperrung der A 40 für den Lkw-Durchgangsverkehr vorgeschlagen, die die Regierungspräsidien hätte umsetzen könne.)

Feinstaubpartikel stammen großteils aus den Abgasen von Dieselfahrzeugen. Es handelt sich um den Dieselruß.

Da hat die WAZ dann noch etwas zur Folgeberichterstattung in den nächsten Tagen.


Bild: ‚Transit‘ von view7 / photocase.com

Umweltzone Ruhr: Der fehlende Nachweis der Wirksamkeit

20110524-093842.jpg

In der Metropole Ruhr neigt sich nach einigen Diskussionen nun das Ende der Beratung über eine Fortschreibung des Luftreinhalteplans Ruhrgebiet. Verkürzt hat sich die öffentliche Debatte wie 2007 wieder auf das Instrument der Fahrverbotszonen, genannt Umweltzonen. Damals, als Rot-Grün in Düsseldorf noch in der Opposition war, hatten die heutigen Koalitionäre mit Ihren Vertretern in der Metropole Ruhr eine einheitliche Umweltzone gefordert. Ursprünglich sollte das eine Zone sein, die ganze Städte umfasst. Das ist jetzt auf eine zusammenhängende Zone geschrumpft. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte sich angesichts der starken für maßvolle Fahrverbotszonen entschieden. Da konnten die Kommunen auch mehr beschließen, erlassen wird der Luftreinhalteplan staatlicherseits durch die drei Bezirksregierungen Arnsberg, Düsseldorf und Münster.

Was bisher geschah…
Die behutsame Einführung achtete die Verhältnismäßigkeit hinsichtlich der Belastungen für Bürger und Wirtschaft und war auch dem Umstand geschuldet, dass noch viele Erkenntnisse zu gewinnen waren und noch immer sind. So habe ich seinerzeit wie die CDU Bochum dem Einführung der Umweltzonen in der Form zugestimmt. Es ging auch darum, mit dem damaligen Konzept anderen Irrsinn, der nur ideologisch gegen Individualverkehr – als Pkw – gerichtet war, zu verhindern, da eigentlich vieles auch auf höherer staatlicher Ebene zu regeln wäre. Das gilt auch heute noch!
Damals war auch aber eines immer wichtig: Die beschlossenen Maßnahmen bedurften unbedingt einer Evaluation, ob sie auch wirklich wirksam seien. Die Vorstellung herrschte bei meinen Parteikollegen und mir, dass wir unwirksame Maßnahmen wieder aufheben wollten, um nach anderen zu suchen. Damals gab es noch viele Placebomaßnahmen wie Sprengwagen, da geglaubt wurde, damit Feinstaub in Verwechslung mit feinem Staub binden zu können. Und als dann das Landesumweltamt (LANUV) die Daten vorlegte, war die rot-grüne Minderheitsregierung in Düsseldorf gebildet und die Argumentation lief anders.

Ende 2010 lagen Messdaten für das Jahr vor den Umweltzonen (2007) vor, Daten für 2008 und 2009. Aber Achtung! Viele Daten sind errechnet oder bereinigt, denn es gibt nicht so viele Messtationen für die Fläche, auch wurden nicht alle Jahre am gleichen Standort kontinuierlich gemessen. Es zeigt sich, dass die Daten von 2008 durch besondere wetterbedingte Einflüsse nicht zum Vergleich geeignet sind. Aber es blieb der Vergleich von 2007 zu 2009 und da hatte sich die Feinstaubbelastung gebessert, so dass der Landesumweltminister NRW auf einer Pressekonferenz verkündete, dass die Umweltzonen etwas brächten, aber noch nicht genug, so dass sie erweitert werden müssten. Ich gehörte zu denen, die damals die Botschaft vernahmen, dass die Fahrverbote zu wenig gebracht hatten, zumindest verhältnismäßig wenig, so dass sie als Instrument ungeeignet seien. Das Ergebnis der Evaluation brachte die zu geringe Wirksamkeit hervor, die dann aber bei Rot-Grün als Begründung für eine Ausweitung benutzt wurde.

Eine weitere Befassung mit der Evaluation, nachdem später nicht nur PowerPoint-Folien, sondern auch ein ganzer Bericht vorlag, führt inzwischen zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit der Fhrverbotszonen gar nicht nachzuweisen ist, da es eine Vielzahl an erklärungsnotwendigen Phänomenen und interveniernden Umständen gibt, u. a.:

  • Warum sind an Stationen in Bochum und Herne die Blastungen an Wochenenden und nachts hoch? Bedingt dies die Windrichtung (!?).
  • Die Wirtschaftskrise hatte zu einer Verringerung des Schwerlastverkehrs (Diesel!) geführt.
  • Eine allgemeine, noch durch die Abwrackprämie gefördert Erneuerung des Fuhrparks der Bürger, aber auch von Bussen, hatte eine Verbrsserung gebracht. Die Busse verkehrten dann gerade in den Umweltzonen. (Dann würde als die Umweltzone indirekt wirken und besser eine Fortsetzung der Erneuerung des öffentlich Fuhrparks – Abfall, Feuerwehr, Busse … – Sinn ergeben.)
  • Bei den jetzt auch nur einzuhaltenden Zielen für Stickoxide ist die technische Machbarkeit noch nicht gegeben.

Damit kann ich mich allenfalls durchringen, den status quo zwecks weiterer Evaluation zu erhalten. Zu rechtfertigen wäre ggf. sogar eine Aufhebung der Zonen mangels Wirksamkeit. Sie verhindern nur die Realisierung von wirksamen Maßnahmen, die aber sicher schwieriger zu realisieren sind, als durch das Aufstellen von Schildern. Von der Unverhältnismäßigkeit einer Ausdehnung habe ich noch gar nicht geschrieben, wie auch nicht von Alternativen.


Foto: „Mist! Fehlalarm…“ von Munky / photocase.de

Umweltzone Ruhr ist unverhältnismäßige Belastung der Bürger

„Eine einheitliche Umweltzone für das ganze Ruhrgebiet, die das ganze Bochumer Stadtgebiet umfasst, halte ich für eine unverhältnismäßige Belastung der Bürger“, erklärt Dirk Schmidt, Mitglied im Umweltausschuss der Stadt Bochum. „Nicht nur, dass die zurzeit zwecks Evaluierung erhobenen Daten an der Herner Straße gut auszufallen scheinen, gibt zu bedenken. Ob eine Ausweitung in Bochum wirklich notwendig ist, ist auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Es ist durchaus richtig, dass die Umweltzonen im Ruhrgebiet die Zahl der Überschreitungstage des EU-Grenzwertes reduziert haben. Aber die Reduzierung und insbesondere die durch eine Ausdehnung zu erwartende weitere Reduzierung sind so gering, dass sie unverhältnismäßig im Vergleich zu den Belastungen für Wirtschaft, Handwerk und Bürger sind. Umweltzonen sind nun einmal Fahrverbotszonen.“

Das Westenfelder Ratsmitglied verweist darauf, dass jedoch erst einmal die neuen Bochumer Messreihen abgewartet werden müssten. Die Anstrengungen bei der Feinstaubreduzierung landesweit genügten jedoch noch nicht. Insofern stimmt er dem Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) zu, der im November 2010 erklärte, dass NRW auf dem richtigen Weg sei, und trotz Erfolgen bei der Reduzie-rung von Feinstaub und Stickstoffdioxid noch Anstrengungen nötig seien, jedoch kein akuter Handlungsbedarf bestünde.
„Es gibt ja noch Messstationen in Nordrhein-Westfalen mit zu vielen Tagen, an denen der EU-Grenzwert überschritten wird. Auch bei der Reduzierung der Konzentrationen an Stickstoffdioxiden gibt es Handlungsbedarf, aber warum muss das alles über flä-chendeckende Fahrverbote für einige Fahrzeuge geregelt werden?“ gibt Dirk Schmidt zu bedenken. „Das kommt für manche Fahrzeugbesitzer einer Enteignung gleich.“

Als Alternative zu Fahrverboten in Umweltzonen regt Dirk Schmidt an, wieder stärker über städtebauliche Maßnahmen, Verbesserung der Werte bei Dieselfahrzeugen des Nahverkehrs und eine Verlängerung der Beihilfen für die Nachrüstung von Fahrzeu-gen nachzudenken. „Es fällt auf, dass die Fahrzeugflotte im Ruhrgebiet insgesamt moderner ist als in den übrigen Landesteilen. Nach Angaben des Landesumweltministeriums gilt das auch für den Nachrüstgrad mit Filtern. Wenn dieser Trend sich fortsetzt, bedeutet dies, dass sich zumindest ein Teil der Belastung abbaut, ohne dass die Umweltzonen ausgeweitet werden müssen. Die Bürger tun ja schon was!“ erklärt Dirk Schmidt abschließend.


Foto: !! STOP !! von gagarenne / photocase.com

Nachbesserungen am Ausbau der A40

Heute lese ich in der WAZ Wattenscheid mal wieder von Werner Dechardt von der Bürgerinitiative zur (besser gegen die) A40.  Morgen findet sich die Nachricht, dass die Bezirksvertretung Wattenscheid – auch die CDU – eine Feinstaub-Messstation noch vor 2011 haben will.

Einen Tunnel, Deckel oder ähnliches wird es realistischerweise in den nächsten Jahren für die A40 in Wattenscheid nicht gegeben. Politiker aller Couleur und auf allen Ebenen geben da kein Geld her. Weder Bundesverkehrsminister Tiefensee (SPD), noch Rot-Grün in Bochum scheinen bereit zu sein, jeweils eigenes Geld in die Hand zu nehmen. Und das scheint mir auch gut so. Erst einmal muss das Projekt stehen, um weiterzusehen.

Und das „weiterzusehen“ ist auch richtig für die beiden Anliegen, mit denen ich da in den letzten beiden Tagen konfrontiert werde:

  1. Die Trasse der A40 soll erstmal gebaut werden. Es kann sein, dass der Landesbetrieb Straßen.NRW hier und da zuviel abgeholzt hat. Da sich der Umweltausschuss der Stadt Bochum öfter mal mit dem Vorgehen von Straßen.NRW befassen durfte, würde ich mich das nicht wundern.
    Schaue ich mir den ersten Abschnitt an, der langsam fertig wird, dann kommt bei mir der Gedanke auf, dass da hier und da vielleicht noch nachgebessert wird. Bei der Projektgröße scheint mir das aber normal. Da wird noch einiges gestaltet werden müssen und ggf. am Lärmschutz nachgearbeitet werden müssen. Pflanzen werden auch helfen.
  2. Die Forderung nach einer weiteren oder zeitlich früheren erneuten Messtation für ein Jahr ist auch nicht neu. Es gab auch eine Mitteilung im Rat der Stadt Bochum hierzu. Und da ziehe ich das gleiche Fazit: Erst muss der Ausbau fertig werden. Es hilft ja nichts, wenn da eine höhere Belastung mit Feinstaub festgestellt wird, es sich jedoch um eine atypische Situation handelt. Während der Umbauphase wird die Stausituation heftiger sein als vorher und nacher. Die Mitteilung der Verwaltung zeigte aber auch, dass von einer geringeren zukünftigen Belastung auszugehen sei.
    Und jetzt denke ich mir mal das Ergebnis dieser Messstation: Wenn da keine erhöhten Messwerte festgestellt werden, dann passiert nichts. Den Kritikern ist dann der Wind aus den Segel genommen; es sei denn, das Wetter sei Schuld an den guten Messergebnisse.
    Und wenn doch? Dann ist entweder die Ausnahmesituation als intervenierende Dritt-Variable oder im ersten Jahr die atypische Wetterlage ursächlich hierfür.
    Was könnte dann getan werden? Richtig, der Ausbau müsste beendet werden, um die atypische Situation zu beenden. Und das messen wir dann ab 2011, wenn die A40 fertig ist.

Warum messen wir dann nicht gleich 2011, wenn wir wissen, wie sich die ausgebaute A40 auf die Feinstaubbelastung dauerhaft – und nicht nur in der atypsichen Baussituation verhält ?

Die Forderung macht also keinen Sinn. Da aber auch nur die Werte des LANUV anerkannt werden und das LANUV erst in 2011 wieder messen will,  wird eh nicht viel passieren. Also gehe ich in 2010 mal lieber auf eine Begehungstour und schau mir die Mängel des Ausbaus an, um konkrete Forderungen nach Nachbesserung zu erheben.