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Auf welche Teilnehmer die RuhrGames sträflich verzichteten

Am letzten, langen Wochenende fanden in der Metropole Ruhr die RuhrGames statt. Ausgerichtet vom Regionalverband Ruhr (RVR) bzw. in seinem Auftrag von einer Agentur. Die Eröffnungsfeier am Mittwoch vor Fronleichnam auf Zeche Zollverein ließ ein Problem erahnen, dass dann auch eintraf: Es waren zuwenig Zuschauer da. Die Feier im Außenbereich des UNESCO-Weltkulturerbes zeigte ein Bild, auf dem die Leute vor der Bühne noch dichter hätten stehen können. Auch war die Zielgruppe – Kinder und Jugendlich – nicht so stark vertreten, wie es wünschenswert wäre. Die Organisatoren haben die Zielgruppe verfehlt. Da wird für die Fortsetzung dieses neuen Veranstaltungsformats nachgesteuert werden müssen.

Im Vorfeld zeichnete sich eine Lücke ab, die ein paar Monate zuvor bei den Sportvereinen der Region aufschlug. Die Ansprache über den institutionalisierten Sport war recht spät erfolgt. Über die Sportbünde, Stadtsportbünde, Stadtjungedsportbünde etc. war in einigen Kommunen ein Aufruf erfolgt, sich zu beteiliegen, zum Beispiel durch eine Einladung ausländischer Partner. Einige Vereine wunderten sich, denn für derartige Auslandsaktivitäten brauchen sie ein Jahr Vorlauf. Wohlgemerkt, hier bewegt man sich im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit, nicht in Konzernstrukturen.
So gab es vorab auch bereits einige Verärgerung über intransparente Vergaben für Beiträge bei den RuhrGames und sowieso Vorbehalte gegenüber dem RVR mit nur einer geringen Sportförderung. Ein Echo blieb dabei aus.

Bühne mit Vorplatz, Zollverein
Bühne mit Vorplatz, Zollverein

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RuhrGames meet You. Dortmund 28.-30.11.2014

Die RuhrGames sollen ab 2015 die Nachfolgeveranstaltung für die seit Jahren nicht mehr stattfindende Ruhrolympiade des Regionalverbands Ruhr (RVR) werden. Die Veranstaltung für Jugendliche soll olympische Sportarten mit Trendsportarten verbinden, bereichert um ein kulturelles Programm und mit industriekulturellem Ambiente. Alles klar? Das ist sicher voll gepackt, wird aber verspricht gut zu werden.

Cross-Marketing: RuhrGames x YOU.
Cross-Marketing: RuhrGames x YOU.

RuhrGames 2015: Jugendsportevent vor industriekultureller Kulisse

Für den Regionalverband ist das Kalkül klar. Er will die Chancen der Region nutzen und kommunizieren. Daher soll das Jugendsportevent raus aus d Turnhalle und vor die industriekulturell Kulisse der Region gezerrt werden. Für die Kulisse und Zielgruppe kommt auch dieses Joint Venture aus etablierten Sportarten wie Judo, Fechten, Leichtathletik, Basketball mit Beachvolleyball, Beachsoccer, Skateboarding zustande. Wettkämpfe dieser Sportarten sollen zu den RuhrGames erfolgen, bei der You -Messe wird es Präsentationen der Trendsportarten geben.

Warum die Pressekonferenz zur Kooperation mit YOU?

Logo der Jugendmesse YOU.
Logo der Jugendmesse YOU.
Derzeit läuft mit der „Road To RuhrGames“ eine Phase mit Veranstaltungen, die die große Sportveranstaltung der Metropole Ruhr bewerben soll. Da die Veranstaltung bzgl. Entwicklung und Realisierung in die Hände zweier in einem Wettbewerb gewonnenen Sportagenturen gegeben wurde, läuft auch das Marketing anders ab. Stadtsportbünde suchen derzeit nach Veranstaltung auf dem der „Road To Ruhr Games“, die angeführt Kooperation mit der Jugendmesse erfolgt in diesem Jahr und die Pressekonferenz war schon medial aufwendig und offenbar mit bestellten applaudierenden Jugendlichen (Schülerzeitungen?) besetzt gestaltet worden.

Hierfür erfolgte auch die Einladung zur Pressekonferenz mit Christoph Metzelder – moderiert von Comedian Luke Mockridge – an den Blog Schmidts-Katze. Es ging der Agentur vermutlich um die starke mediale Berücksichtigung dieser Kooperation. Cross-Marketing?

RuhrGames: Wir fördern Euch zu Tage
RuhrGames: Wir fördern Euch zu Tage

Die Jugendmesse YOU findet vom 28. bis 30. November 2014 in Dortmund statt.

Extraschicht 2014: Endlich im Chemiepark, aber wieder keine Schifffahrt

Das Wetter war nicht das Beste für die Extraschicht am 28. Juni 2014. Dennoch sollen sich nach Angaben des Veranstalters, der Ruhr Tourismus GmbH, 150.000 Besucher daran beteiligt haben. Wohnhaft in Wattenscheid, habe ich entscheiden diese Mal das nördliche Areal zu besuchen. Endlich ging es einmal auf eine Busfahrt durch den Chemiepark Marl, das ehemalige VEW Umspannwerk – ein Museum – stand an und entweder die Zeche Ewald oder Alter Fritz. Zu den Zechen ging es dann nicht mehr.

Programmheft der Extraschicht 2014
Programmheft der Extraschicht 2014
Es ist immer überraschend, wie wenig Standort doch zwischen 18 Uhr und 2 Uhr besucht werden können. Das Extraschicht-Ticket lohnt sich eigentlich nur bei Besuch zwei sehr interessanter benachbarter Veranstaltungen unter Berücksichtigung der Fahrtkosten für das ausgeklügelte Angebot an Sonderbuslinien. Zum Beispiel wird mir aus dem sehr gut besucht Ruhr-Stadion in Bochum – rewirpowerstadion – von einem tollen Programm berichtet. Die Busse fahren ab 18 Uhr.

Leider konnte ich um 18 Uhr erst aufbrechen, dann aber mit den regulär fahrenden Bussen und einem RegionalExpress nach Recklinghausen. Von dort dann mit einem Sonderbus zum Chemiepark nach Marl. Im Feierabendhaus wurde sich dann angemeldet für eine Busfahrt und das Ticket gegen ein gelbes Bändchen getauscht.

Die Busfahrt durch den Chemiepark allein kostet 2,50 € oder ist im Extraschicht-Ticket enthalten. Ich konnte dann an einer Fahrt um 20:55 Uhr teilnehmen, bis dahin trank ich mir eine Bionade und schaute im Vortragssaal den 20-minütigen Film zum 75-jährigen Jubiläum des Chemieparks, früher mal der Hüls AG, an.
Drei Stunden nach Beginn der Extraschicht war ich also endlich in Marl angekommen, saß in einem komfortablen Bus durch den Chemapark und hatte Fotografierverbot.

Bustour durch den Chemiepark in Marl

Tor 1 des Chemieparks Marls
Tor 1 des Chemieparks Marls
Ich fand’ds dennoch toll, mal das Gelände zu sehen. Ein Produktionsstandort von 30 Unternehmen, den jährlich Waren von mehr als 4.000.000 Mg (t) verlassen. Angefangen hat alles mit der Verwertung von Kokereigas.

Und da ist dann wieder der Zusammenhang mit der Kohle: Sie wurde gefördert, gewaschen, teils zu Koks gebacken, wobei weitere Stoffe entstanden, die dann hier verarbeitet wurden. In Marl auf der Gummizeche wurde aus dem Gas am Ende künstlicher Kautschuk. Das passte sicher gut zu den Autarkiebemühungen des Naziregies vor dem 2. Weltkrieg. Einige Gebäude zeigen noch sichtbar Einschusslöcher aus Kriegszeiten.
Heute kommen der Flüssigkeitsabsorber jeder Vierten Windel weltweit hierher und Chemikalen die rot Farbe rot bleiben lassen – um nur zwei Beispiele zu nennen. Zur Spitzenzeit im Jahr 1970 arbeiteten bei den damaligen Hülswerken 15.000 Menschen. Der Standort mit 100 km eigenen Schienen und zwei Kraftwerken liegt direkt an Lippe und Wesel-Dattel-Kanal.

Blick über den Chemiepark Marl
Blick über den Chemiepark Marl
Die Fahrt endete mit einem Besuch des Balkons in der 9. Etage eines Hochhauses. Von dort kann der von einer Evonik-Tochter betrieben Chempark und die Region betrachtet werden. Das hat sich gelohnt. In einem Vorjahr hatte ich mal die Vereinigten Schmiedewerke in Bochumbesucht, wo Rädern für die Eisenbahn aus einem Stück gefertigt werden.

VEW Umspannwerk Recklinghausen

Hochspannung an einer Glasscheibe
Hochspannung an einer Glasscheibe
Das einstige Umspannwerk der „Vereinigten Electritzätswerke“ in Recklinghausen beherbergt heute das Museum „Strom und Leben“. Mit Umsteigen am Bahnhof Recklinghausen kam ich mit zwei Sonderbuslinien vom Chemiepark hier an. Und das gleich zu vollen Stunden, um im Außengelände die trotz feuchten Wetters laufende Show mit Hochspannungsexperimenten zu sehen.

Die Show ist wie einst der Physikunterricht: Anschaulich, aber in größerem Maßstab. Es knallt , Blitze zucken, Drähte brennen durch (oder auch nicht) und Besuchern stehen die Haare zu Berge. Nach einem Imbiss ging es dann auch ins Museum.

Blitze und Kugeln
Blitze und Kugeln
Hier gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten: mit elektrischen Geräten, die mich in meiner Jugend begleiteten. Das orange oder grüne Wählscheibentelefon findet sich da, eine orange Kaffeemühle, Rasierapparate und alte Fernseher. Ganz nett, die Entwicklung durch die Jahrzehnte zu sehen. Die Entwicklung der Mobiltelefon der letzten 20 Jahre ist bemerkenswert, selbst wenn ich sie vollständig mitgemacht habe. Es lohnte sich hier zu sein.

Kanalsschiffahrt und Kommunikation darüber klappt nicht

Für das Feuerwerk auf der Halde Hohward – neben der Zeche Ewald in Herten – war es nun zu spät. Aber das war eingeplant und es Griff der Plan, mit dem Kanalschiff vom Recklinghäuser Stadthafen zur Zeche Alter Fritz in Herne zu fahren – von da dann nach Hause. Ich wollte schon immer mal eine nächtliche Kanalfahrt machen, aber im Nordsternpark war mir in Vorjahren einfach die Schlange zu lang. Eine Schlange gab es in Recklinghausen nicht.

Reinfall Schifffahrt: Kein Schiff wird kommen, das uns mitnimmt
Reinfall Schifffahrt: Kein Schiff wird kommen, dass uns mitnimmt
Erst hieß es, die Verspätung der Schiffe betrage 40 Minuten. Dann sagte ein anderer mit so einem Extraschicht-Outfit, es wäre eine Stunde. Aber okay, wir warteten. Nach 85 Minuten kam die „Santa Monica II„. Eine Freude für die Wartenenden. Das Personal der Extraschicht hatte sich kurz nach 1 Uhr schon verzogen. Aber der Schipper sagten nur, dass er nicht mehr zurückfahre. Man hätte uns bescheid geben müssen.

Sehr ärgerlich das Ganze. Die Extraschicht Facebook-Seiten geben keinen Hinweis darauf. Eine Beschwerde brachte mir die Info ein, dass die Schleuse außer Betrieb sei und ich den Bus nehmen solle. Die Antwort kam prompt via Facebook, aber dennoch muss ich wieder feststellen, dass der Schiffsbetrieb zur Extraschicht Glückssache ist. Das ist sehr unbefriedigend. Die letzten drei Schiffe sind damit ausgefallen.

Um 3 Uhr waren wird dann wieder zuhause. Das hat dann per Bus über Herne Bf, Flottmannhallen, Zeche Hannover, Jahrhunderthalle und Bochum Hbf nochmal annähernd 2 Stunden gebraucht. Einmal im Jahr reicht mir das.

Die nächste Extraschicht wird am 20. Juni 2015 gefahren.

Wahlgewinner in Wattenscheid: Der Hollandturm

Die Kommunalwahlen in Wattenscheid am morgigen Sonntag haben bereits einen Gewinner: Das Fördergerüst der Zeche Holland. Die meisten maßgeblichen Partei und Gruppierungen stellen den Erhalt des Fördergerüsts in den Vordergrund, ja auf Plakate, auf Flugblätter usw.

Fördergerüst der Zeche Holland, Wattenscheid
Fördergerüst der Zeche Holland, Wattenscheid

Eine Übersicht:

  • SPD-Großplakate zeigen SPD-Logo mit Wattenscheider Wappen und Fördergerüst.
  • FDP wirbt mit Bild des Hollandturms auf der Titelseiter eine Faltblattes.
  • CDU sagt was im Bezirksprogramm dazu und in Lautsprecherdurchsagen.
  • UWG fordert den unbedingten Erhalt im Wahlprogramm.

CDU-Bürgermeister kümmerte sich um Turm der Zeche Holland

Das Thema ist identitätsstiftend in Wattenscheid, aber lässt sich daran ein Unterschied zwischen den Parteien ausmachen? Vielleicht ein wenig, aber bestimmt kein Alleinstellungsmerkmal für eine Partei. Retrospektiv steht die CDU ganz gut dar, da Bezirksbürgermeister Hans Balbach (CDU) von Anfang an für den Erhalt des Turms gekämpft hat. Andere Parteien haben da erst eingelenkt, als der Erhalt aus der Bevölkerung gefordert wurde.

Sei’s drum. Gelobt sei, was den Turm erhält.

Nach Steinbrücks Stadtwerke-Honorar: Steiger Award geht ins Dortmunder U

Der Steiger-Award 2006 für Boris Becker, Bild von Joska Kristall GmbH & Co. KG, Bodenmais
Der Steiger-Award 2006 für Boris Becker, Bild von Joska Kristall GmbH & Co. KG, Bodenmais
Sind der Steiger Award und sein Organisator Sascha Hellen Stehaufmännchen? Es sieht fast so aus. Nach dem Skandal um die Honorarzahlungen von 25.000 € an SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als Redner auf einer Veranstaltung der Stadtwerke Bochum sowie der dadurch aufgedeckten Sponsoring- und PR-Maßnahmen der städtischen Tochtergesellschaft, stand seine jährliche Verleihung des „Steiger Award“ auf der Kippe. Bisher war auch dieses gesponsort worden und fand alljährlich in der Jahrhunderthalle statt. Das Datum der diesjährigen Verleihung am 12. Oktober war bereits länger bekannt. Heute teilte Sascha Hellen mit, dass der Kartenverkauf – eigentlich für Mai angekündigt – für die Veranstaltung im Dortmunder U jetzt laufe. Die Preisträger würden in den kommenden Tagen bekannt gegeben.

Das Dortmunder U scheint mir ein geeigneter und ist ein zentraler Veranstaltungsort für den Steiger Award als selbsternannten Medienpreis mit Ruhr-Bezug. Das U als „Zentrum für Kreativwirtschaft“ (das da ja auch selber in dieser Form institutionalisiert sitzt) ist nicht ganz unangeschlagen. In Dortmund gibt es Auseinandersetzungen über Defizit des U’s und mehrfach gezählte Besucher. Aufwand und Ergebnis stehen noch nicht im Einklang. Die Veranstaltungsflächen und Publikumsflächen sind deutlich geringer als im Komplex der Jahrhunderthalle in Bochum, der aus mehreren Hallen besteht. Veränderungen am Veranstaltungsformat und am erwarteten Zulauf deutet dies an. Erkennbar ist auch noch nicht, ob die Hellen Medien GmbH neue Sponsoren – vielleicht aus Dortmund – hat gewinnen können. Aufgrund eines früheren Email-Verkehrs mit Sascha Hellen zum Steiger Award ahne ich da was. Ich wünsche ihm viel Glück.

Meiner Erwartung nach war bei Sascha Hellens Firma nicht alles glücklich in der Abwicklung des Steiger Award, der Veranstaltungsreihe Herausforderung Zukunft und dem Sponsoring, das im Wesentlichen von den Stadtwerken Bochum und der Sparkasse Bochum stammt. Die Trennung von Bochum betrifft ja auch mit der Veranstaltungshalle eine weitere städtische Gesellschaft. Bis zu dem Skandal um Peer Steinbrück, der in seiner Folge noch mehr aufdeckte, hatte sich Bochum und seine SPD-geführte Stadtspitze stets mit Hellen, seinen Promis und Veranstaltungen geschmückt. Das hat ein Ende, aber offenbar nicht ein Ende der Veranstaltungen. Sie sind halt nicht mehr in Bochum, aber noch in Ruhr.

Gegenklage von Sascha Hellen gegen Stadtwerke Bochum
Echte Stehaufmännchen-Qualitäten beweist Hellen auch an anderer Stelle. Mit der städtischen Hallenfirma hat er sich auf eine Ratenzahlung seiner Mietausstände einigen könne. Da wird die Bochumer Veranstaltungs-GmbH auf einiges an Geld verzichten. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass laut Sascha Hellen erst die abrupte Kündigung der Stadtwerke die Schieflage der Gesellschaft bewirkte, so dass er nicht umgehende Zahlen konnte. Es fehlten ja plötzlich sechsstellige Summen. Allerdings verbinde ich mit derartigen Mediengesellschaften nicht die Erwartung, dass diese Millionen auf den Konten haben. Sie wirtschaften eher im Soll. Bemerkenswert ist, wie Hellen auf die Kündigung und Rückforderungen der Stadtwerke reagiert: mit einer Gegenklage.

Die Hellen Medien Projekte GmbH wird zwar von den Stadtwerken Bochum auf 250.000 € wegen nicht erbrachter Leistungen verklagt. Die Antwort besteht in einer Gegenklage in Höhe von bis zu 400.000 € – siehe WAZ vom 23.08.2013. Bei einer Aufrechnung oder einem Vergleich kann Sascha Hellen da mehr als sauber herauskommen. Ich bin mal gespannt, ob das alles noch vor oder zur Kommunalwahl 2014 oder eventuelle zur Oberbürgermeisterwahl 2015 verhandelt wird. Die Akten zur Beweisführung fehlen Sascha Hellen derzeit, sie liegen noch bei der Staatsanwaltschaft. Zwar steht Sascha Hellen noch unter Druck, solange die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht beendet sind, der politische Druck von Klagen „zur falschen Zeit“ ist jedoch geschickt eingestellt.

Mit dem Steiger Award weg vom Sündenbock-Image

Medial und unternehmerisch dürfte er auch das Sündenbock-Image los werden, wenn der Steiger Award 2013 und darüber hinaus wieder läuft. Er wäre dann wieder Handelnder. Bisher hatten sich viele Bochumer Akteure mit Hinweis auf ihn exkulpiert. Sascha Hellen schrieb (12.12.12) dazu:

[Es ist]deutlich geworden, dass es nicht nur ein Kommunikationsproblem zwischen Kunde und Dienstleister gab, sondern in erster Linie fehlende oder zumindest unzureichende Kommunikation in den einzelnen Abteilungen beim Kunden. Anders kann man sich viele Entscheidungen nicht erklären.

Dem Medienmenschen Hellen wird das alles bewusst sein. Ich tippe darauf, dass Hellen seine Rechnungen beglichen kommen wird, wenn sie einen Hauch von Erfolgschancen haben. Die Sozialdemokraten wollen das Thema sicher vor den Wahlen unter den Teppich kehren – notfalls mit einem Besen aus dem Geld der Stadtwerke.

Extraschicht: Beschränken Sie sich auf eine Stadt

Dieser Text stammt von Hedda Monstadt, die sich intensiv mit der Industriekultur befasst hat. Und Kontinutität einer Berichterstattung zur Extraschicht erscheint der Beitrag jetzt hier.

Auch die 13. Extraschicht war, trotz der für den gemeinen Abergläubischen unheilverkündenden Zahl, wieder ein voller Erfolg. In der Nacht der Industriekultur, die dieses Jahr am 6. Juli stattfand, wurde in 25 Städten an hunderten Spielorten zum Besten gegeben, was unser Ballungsraum zu bieten hat.

Die heilige Barbara hat vorher wohl mit Petrus einen kleinen Plausch gehalten und uns gutes Wetter gesichert. Man wurde aber nicht nur von strahlendem Sonnenschein und Industriecharme, sondern schon an Sammelpunkten wie dem Bahnhof, ab 18 Uhr, von einer großen Masse Menschen freudig in Empfang genommen. Die Anreise verlief reibungslos, denn mit dem Ticket konnte man, wie schon in den vergangenen Jahren kostenlos den ÖPNV und außerdem die Einsatzbusse, die gezielt die Attraktionen anfuhren, nutzen.

Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus
Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus
Von der Ruhr-Uni…
Es gab wieder viel zu sehen, hören bestaunen und erforschen. Von Konzerten – klassisch, rockig oder a capella – über Poetry-Slam bis zu Wissenschaft und Technik waren den Erlebnishungrigen keine Grenzen gesetzt. Um 18 Uhr wirkte die Deko des botanischen Gartens an der Ruhr-Uni Bochum mit hängenden Elektrogeräten in den Bäumen noch irritierend. Und auch der eher auf künstlerischen Wert ausgerichteten Lageplan half bei der Orientierung nicht besonders. Aber es heißt ja auch „Nacht der Industriekultur“.

Sobald es dunkel wurde und die angestrahlten Bäume und beleuchteten Wege wie ein Märchenwald erschienen, hinterließ das Angebot der RUB einen – durchweg positiven – bleibenden Eindruck. Sich zu orientieren war dank der teelichtgesäumten Wege und angestrahlten Bühnen auch kein Problem mehr. Die Jahrhunderthalle glänzte mit einem ausgewogenen Programm von lustigen Poetry-Slam-Einlagen bis klassischer Klaviermusik. Sebastian23 führte durch das Programm der modernen Mischung aus Philosophie, Komik und Blödelei auf voller Bühne, während die Tastenkünstler bei nicht weniger Publikum hauptsächlich auf kurze Einzelperformances setzten, die es allerdings ebenfalls in sich hatten.

Deutsches Bergbaumuseum, Bochum
Deutsches Bergbaumuseum, Bochum
Die Einsatzbusse konnten wieder dazu genutzt werden, von der einen interessanten Attraktion zur nächsten zu fahren. Sightseeing Busse konnten und sollten sie dabei nicht sein, denn die großen, detailreichen Industrieflächen mussten erkundet und nicht aus der Ferne betrachtet werden. Als Intercity-Verbindung waren sie auch weniger geeignet, sodass viel auf Straßenbahnen und Züge zurückgegriffen wurde. Natürlich hat sich mein Besuch der Extraschicht nicht nur auf meine Heimatstadt Bochum beschränkt, sondern war wie immer eine gute Gelegenheit um über den Tellerrand aus Bergbaumuseum und Jahrhunderthalle zu schauen. Die Dortmunder DASA zum Beispiel lieferte kräftigen A capella-Rock, der des Publikum schwer begeisterte. Wenn ein paar Jungs nur mit dem Mund eine ganze Reihe Instrumente täuschend echt und wahnsinnig klangvoll nachahmen, dann reißt das natürlich Jung und Alt mit.

Schaltpult in der DASA, Dortmund
Schaltpult in der DASA, Dortmund
… zur Jahrhunderthalle, zum Bergbaumuseum und zur DASA Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner
Leider war durch die Fahrt von Bochum nach Dortmund unser Aufenthalt bei dem Konzert der Rock4 vergleichsweise kurz, aber dadurch nicht weniger Eindrucksvoll. Mehr davon! Dass wir in der Nachbarstadt nur noch einen Teil der Show mitbekamen, war auch aus anderen Gründen nicht schlimm. Die DASA – Arbeitswelt Ausstellung, durch die man auch noch spät am Abend schlendern konnte wirkte – obwohl nicht geplant – sehr einladend und führte uns zu einem kleinen Stand im Eingangs-bereich, der auf den letzten Metern noch Hirnleistung forderte. Nanotechnik. Was ist das eigentlich? Keine Ahnung! So schien es vielen Menschen zu gehen, aber das sollte sich an dem unscheinbaren Infostand zumindest für uns ändern. Frisch aufgeklärt und voller interessanter Ideen konnte man gut die Heimreise antreten und ist beruhigt: Die Industrie ist nicht Vergangenheit, wie man es bei den großen, entkernten und umfunktionierten Hallen, die man an dem Abend zu sehen bekam, denken konnte. Nein, Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner.

Tücke oder Lücke der Abtransportkette
Leider hat uns das Programm so gefordert, dass wir auf die Idee kamen, schon um kurz nach zwölf die Spielstätten zu verlassen. Das stellte sich beim zweiten Hinsehen als ein relativ unbedachter Plan heraus. Man richtete seinen auf Nanoabstände eingestellten Blick auf den Fahrplan und entdeckte ein ganz und gar nicht Nano-Maßstäben entsprechendes Loch in der Abtransportkette zwischen viertel nach elf und 12.20 Uhr. Hier hätte man vielleicht noch bis zwei Uhr einen, der an anderen Stellen eher weniger effektiven Einsatzbusse seinen Dienst tun lassen können. Die Organisation der Extraschicht war nach zwölf Jahren Erfahrung trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers sehr ordentlich. Hut ab! Mit Industrie hatte der Programminhalt in großen Teilen wenig zu tun, aber das sollte es auch nicht. Die reine Anwesenheit des schwerindustriellen Umfelds beeindruckt schon und verführt vielleicht dazu noch einmal an den ein oder anderen geschichtsträchtigen Ort zurückzukehren und eine Führung zu besuchen – und das soll doch so sein. Danke an alle Organisatoren und Besucher für die Botschaft: Es gibt sie, die lebendige Industrie, die lebendige Kultur und die gelungene Kombination aus beidem. Danke für diese unvergessliche Nacht der Industriekultur!

Beschränken Sie sich auf eine Stadt
Achja… noch ein kleiner Tipp zum Abschluss für all diejenigen, die beim nächsten Mal dabei sein wollen: Beschränken Sie sich nicht auf einen Standort, aber auf eine Stadt. Die Verkehrsanbindung ist zwar auch zwischen den Städten gut und wird ja zusätzlich durch die Einsatzbusse unterstützt, aber eine Tour über mehrere Orte ist nur bei extrem straffem Zeitplan zu bewältigen und es soll ja auch ein angenehmer Abend sein, bei dem man die anvisierten Darbietungen pünktlich erreicht und sich auch mal von einem ungeplanten Programmpunkt überraschen lassen kann. Im nächsten Jahr ist dann die Nachbarstadt dran.

Inflation des Weltkulturerbes – Bewerbung der industriellen Kulturlandschaft an der Ruhr

Weltkulturerbe der UNESCO zu sein, ist eine besondere Auszeichnung. Auch für die Entwicklung des Tourismus ist das hilfreich. Eine Aufnahme in die Liste des kulturellen Erbes der Menschheit verspricht zusätzliche Aufmerksamkeit, mehr Touristen und mehr Einnahmen. Es sind schon us-amerikanische Touristen gesichtet worden, die systematisch die Objekte der Welterbeliste bereisen und sich ihren Besuch mit einem Stempel bestätigen lassen. In der Metropole Ruhr steht mit der Zeche Zollverein ein solches Objekt. Jetzt soll die zugehörige Route der Industriekultur und damit die industriekulturellen Landschaft der Ruhr-Metropole in Gänze aufgenommen werden.

Müngstener Brücke mit Blick auf Haus Müngsten im Brückenpark an der Wupper
Diesmal nicht unter den Bewerbern als UNESCO-Weltkulturerbe: Müngstener Brücke mit Blick auf Haus Müngsten im Brückenpark an der Wupper

Die Idee ist konsequent. Zollverein ist ein Punkt in der räumlichen Struktur der der einst montanindustriell geprägt Städteregion. Allein die großen Ankerpunkte der Route der Industriekultur (RIK) beschreiben schon den Zusammenhang zwischen Punkten: Zeche, Kokerei, Halde, Hafen, Eisenbahn, Stahlwerk. Dem Weg der Kohle zu folgen, ist das Leitmotiv einer Führung durch die Zeche Zollverein. Es ist eine Metapher für einen industriekulturell orientierten Besuch des alten Ruhrgebiets.
Dass die Idee nicht ganz falsch sein kann, belegen Übernahmen des Konzeptes in Polen und der Ukraine, ja als Europäische Route der Industriekultur. Das Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 hat der touristischen Vermarktung Jenseits der Grenzen der Region einen Schub gegeben. Diesen gilt es zu verstetigen. Dabei hilft diese Bewerbung und ggf. die Auszeichnung.

Inflation der Exklusivität
Mit der Bewerbung der Region dürfte nicht gezögert werden. Das gilt für alle, die die Auszeichnung begehren. Die Liste des Weltkulturerbes lebt von ihrer Exklusivität, die Positionen auf der Liste sind ein knappes Gut. Jeder will auf die Liste, um den oben genannten Profit zu haben. Mit jedem weiteren Objekt auf der Liste nimmt der Grenznutzen ab, ja der Nutzen für alle nimmt ab. Die Liste droht, irgendwann nicht mehr Exklusivität zu suggerieren sondern allenfalls Standard. Allein in NRW haben sich 9 Objekte neu zur Aufnahme beworben. Den Vorschlag des Landes Nordrhein-Westfalen hat eine akademisch besetzte Jury vorentschieden, die Landesregierung das Ergebnis bestätigt. (siehe auch Informationsdienst Ruhr vom 30.06.2012)

Netzwerke sind en vogue
Auch die 2012er Auswahl-Jury hat dies bemerkt. Sie empfiehlt vielen am Ende doch nicht akzeptierten Bewerbern, zum Beispiel zur Müngstener Brücke, sich als Netzwerk mit ähnlichen Objekten und nicht als Solitär zu bewerben. Dahinter steht das Kalkül, wie die Gremien der UNESCO überzeugt werden können. Ein Grund mehr sich als Kulturlandschaft zu bewerben.

Die Enttäuschten und die Neider
Kritik gibt es an dieser Bewerbung. Stefan Laurin lehnt in seinen Ruhrbaronen wie Ulrich Horn’s Post die Zukunft des Ruhrgebiets als Museum ab. Die Kritik geht aber fehl. Nicht die Bewerbung ist falsch, sondern das Fehlen anderer, weiterer Visionen für die Metropole Ruhr. Die touristische Entwicklung der Region ist nur ein kleiner Baustein, kann es auch nur sein. Wer das ablehnt, droht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wenn der große Baustein fehlt, dann ist doch nicht der kleine falsch.
Was dem einen zu wenig ist, ist dem anderen jedoch zu viel. Der CDU-Bundestagesabgeordnete Jürgen Hardt aus Solingen, dort wo im Bergischen Städtedreieck die Müngstener Brücke steht, erklärt enttäuscht: „… zu viel Ruhrgebiet!“ Und es folgt die Leier der CDU-Verbände in ländlich geprägten Regionen, dass eine SPD-geführte Landesregierung einseitig das Ruhrgebiet fördere. Ich wünscht es wäre so, denn oft muss ich u. a. in diesem Blog feststellen, dass das wider Erwarten oder Verlautetem nicht so ist. Wie laut müsste das Rufen eines Jürgen Hardt MdB aus dem Bergischen Land herüberschallen ins Ruhrgebiet, wenn sich die Landesregierung um einen großen Baustein bemühen würde?

Der industriekulturellen Landschaft der Metropole Ruhr sei Erfolg beschieden bei der Bewerbung als Weltkulturerbe. Die Metropole würde es helfen. Den Solingern sei geraten, einmal über den Tellerrand zu blicken. Zur Müngstener Brücke und dem mit Subventionen errichteten Brückenpark unterhalb am Wupperstrand passende Kooperationspartner finden sich nicht erst in Paris.

Ich hab den Brückenpark zuletzt im Mai besucht. Es lohnt sich.

Extraschicht 2012. Kleinode entdecken mit Planung. Preis im Einklang.

Als ich am Vorabend der Extraschicht auf dem Jahresempfang des Ruhrgebiets war, dachte ich einen Moment an die Konsequenzen schlechten Wetters für die Extraschicht 2012. Es wurde jedoch sonnig, warm und trocken. Das braucht eine erfolgreiche Extraschicht, die vom Ambiente der industriekulturellen Spielorte und ihrer Illumination lebt.

Es gibt die großen Spielort, die Drehscheiben, wie den Nordsternpark in Gelsenkirchen. Allerdings haben die Schmidts es sich angewöhnt, diese zu meiden. Zum einen sind sie uns zu voll. Wir meiden das Gedränge. Zum anderen meiden wir die Wartezeiten und haben eher Interesse an späteren, nächtlichen Ereignissen. Leider beißt sich das ein wenig mit dem Wunsch gerade die kleinere Spielorte zu besuchen.

Zur Extraschicht 2012 waren wir nur an den Spielorten der Künstlerzeche „Unser Fritz“ in Wanne-Eickel und zum Schluss wenige Kilometer weiter auf der „Zeche Consol“ in Gelsenkirchen. Von dort wieder bis zur Zeche Ewald, wo auch gestern wieder eine länger dauernde Party zu erwarten war, haben wir es nicht mehr geschafft.

„Licht an!“

Zechengebäude Unser Fritz
Illuminiertes Zechengebäude „Unser Fritz“ unter dem Mond von Wanne-Eickel

Die Extraschicht verspricht viel mit „Licht“. So hieß es auf einem Großplakat für den Spielort Nordsternpark auch „Licht an!. Das bewarb nicht nur die künstlerische Illumination der industriekulturellen Gebäude, sondern auch eine Lasershow im dortigen Amphitheater, in das ein alter Kohlehafen am Rhein-Herne-Kanal umgewandelt worden war. Nur leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass es im Nordsternpark bei Transport und Eintritt ins Theatergeländer stets zu Menschenaufhäufungen kommt. Im letzten Jahr waren es 200.000 Besucher, die die Extraschicht besuchten, und ich schrieb hier im Blog „Extraschicht 2011 teilweise überlaufen„.
Dann doch lieber Kleinode besuche. So ging’s zur wirklich toll be-, ja erleuchteten, Zeche „Unser Fritz“. Es wimmelte dort von Fotografen mit Stativen. Im Zechengebäude mit Künstlerateliers gab’s live music, aber attraktiver schien uns die Musik draußen auf einem uns noch unbekannten Strandgelände. Wir haben dort … ja, was … gechillt, in einem Strandkorb. Und da wir nicht um 18 Uhr, sondern um 21 Uhr unsere Tour in die „Nacht der Industriekultur“ beginnen, gab es Verwunderung, als wir „so spät“ unsere Tickets gegen ein Armbändchen tauschten. Bis dahin hatte es keiner sehen wollen. An viele Elementen der Extraschicht lässt sich auch ohne Ticket teilnehmen. Das lohnt sich dann, wenn man eh nur einen und dazu wohnortnahen Standort besucht, denn dann wird ja auch kein Bus benutzt.

Festhalten muss ich, wer die Extraschicht auskosten will, muss früher anfangen und sich fürs Ende einen Partystandort mit nächtlichem Programm, z. B. Nordsternpark oder Zeche Ewald aussuchen. Die Zeit zwischen Mitternacht und 2 Uhr morgens zu füllen ist nicht ganz einfach, bei warmen Wetter aber angenehmen. Auf „Konsol“ konnten wir zwar noch die Lichtinstallation samt Akustik genießen, aber auch die beginnenden Abbauarbeiten wahrnehmen. Das zu vermeiden, erfordert Planung wie der späte Heimweg. Die Ruhrtalbahn zu nehmen schied bei ersten Überlegungen schon aus, da ich nicht auf „Zeche Nachtigall“ in Witten stranden wollte. Im Vorjahr erinnere ich mich noch an eine nächtliche Tour mit Bus, U-Bahn und Wartezeiten.

Budget, Besucherandrang, Renommee und Preis im Einklang

Planung bei Besuch mehrerer kleinerer Standorte und Besuch später Veranstaltungen scheint mir auch wichtig zu werden, da es die Extraschicht gezwungen ist, kostendeckend zu arbeiten. Daher auch mein sorgvoller Blick zum Wetterhimmel. Was passiert, wenn es ab Siebenschläfer und rund um den Termin der Extraschicht einfach mal nur regnen sollte? – Das Budget (durch Zuschüsse) war einmal größer für diese Veranstaltung (siehe mein Beitrag zur Extraschicht 2010). Die Teilnehmerzahlen sind über die Jahre gestiegen. Dem Geschäftsführer der RVR-Tochtergesellschaft Ruhr Tourismus GmbH Axel Biermann gilt mein Hochachtung, Kosten, Renommee und Besucherandrang zusammengebracht zu haben. Und angesichts des kleinen Preises für die Teilnehmerkarte sind die Einschränkungen, die eine genauere Planung erfordern, vertretbar. Das ist ja auch ein Luxusproblem, das sich mir stellt.

Linkliste zu weiteren Berichten

Xtranews: Ein Sommer-Märchen: Zwölfte ExtraSchicht begeistert mit viel Glanz und Licht

WAZ Bottrop: Extraschicht – vom Barock in die Zukunft

Emsdetter Volksteitung (Ruhrnachrichten): Spot an für Zechen und Öfen – „Nacht der Industriekultur“

Ist Dortmunds Oberbürgermeister Sierau für oder gegen den Radschnellweg?

"achtung" von giftgruen / photocase.deÜber das Projekt eines Radschnellwegs durch die Metropole Ruhr, irgendwie parallel zur A40, hatte ich hier schon mal berichtet. Dabei hatte ich über die in einer Konzeptstudie Radschnellweg Ruhr veranschlagten 110 Mio. € bemerkt, das die Summe unverhältnismäßig erscheint, wenn den Kommunen an der Ruhr schon für kleinere Maßnahmen mit deutlich geringeren Kosten das Geld fehlt – siehe „Fahrradwege: Den Städten geht das Geld aus, auch hierfür (22.03.2012). Allerdings gibt es zwei Aspekte, die mich immer wieder wundern lassen. Ein Aspekt ist die Aufteilung in Konzeptstudie und noch ausstehender Machbarkeitsstudie. Ein anderer Aspekt ist das widersprüchliche Verhalten von Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD), der mal gegen das Projekt ist, meist aber dafür. Das sei hier mal nachgezeichnet

Es gibt diese Konzeptstudie Radschnellweg Ruhr, nach der so ein Radschnellweg von Hamm bis Duisburg, ggf. dann jedoch verlängert bis zum Rhein, insbesondere parallel zur A40 geführt werden soll. Gerade aufgrund notwendiger Bauwerke (Brücken!) in Bochum und Dortmund, wird dieser Abschnitt besonders teure. Richtung Hamm geht es dann und ab Essen kann dann die vorgesehene Radtrasse auf der ehemaligen Rheinische Bahn genutzt werden. Die Konzeptstudie geht auf einen Koalitionsantrag von Rot-Grün beim RVR zurück, bei der zuerst eine Fahrradstraße DU-E-BO-DO und dann später DU-E-BO-DO-UN gefordert worden war. Dabei hatte Rot-Grün schon damals Geld von der schwarz-gelben Bundesregierung gefordert. Und so soll das Projekt des Radschnellweges mit der Konzeptstudie in den Nationalen Radverkehrsplan (NRVP) aufgenommen werden. Bereits die Erstellung einer detaillierteren Machbarkeitstudie wird dabei vom Bundesverkehrsministerium gefördert, wobei der Eigenteil des RVR aus den Personalkosten besteht (EHDA- & SOWIESO-Kosten).
Jetzt ist der Standpunkt vertretbar, dass die Konzeptstudie bereits belegt, dass das Projekt nicht realisierbar sei. Es ist auch der Standpunkt vertretbar, dass erst einmal die Machbarkeitsstudie abgewartet werden sollte. Sie könnte eine alternative Route zu den teuren Abschnitten in Bochum oder Dortmund aufzeigen. Sie kann aber auch einfach nur Verschwendung von Geld und Personalkosten sein, die allerdings dann Niederschlag im Bundeshaushalt finden. Ich frage mich, weshalb benötige ich Aussagen zu den Kosten dann in einer Konzeptstudie?

OB Sierau mal dafür, mal dagegen
In Dortmund in einem Ausschuss losgetreten entwickelte sich als erstes Widerstand gegen den Radschnellweg. CDU, SPD und auch OB Sierau sprachen sich dagegen aus. Das wundert mich, da er bei allen Schritten noch wenige Wochen vorher das Projekt unterstützte. Das sah nach Konstanz des Koalitionsantrags für die Konzeptstudie der rot-grünen Koalition im Ruhrparlament aus, an der er beteiligt ist (PRO).

Hier mal eine Übersicht zu den dann folgenden Aktivitäten:

  • PRO Am 19.12.2011 unterschreibt Ullrich Sierau den „Letter of Intent“ und unterstützt ausdrücklich die Realisierung mit weiteren Hauptverwaltungsbeamten, Kollegen in der Region. Siehe hierzu diese Pressemitteilung.
  • PRO Der Haushalt des RVR und der Wirtschaftsplan der abwickelnden eigenbetriebsähnlichen Einrichtung des RVR „Route der Industriekultur“ passieren mit den Stimmen von Rot-Grün das Ruhrparlament. Der Haushaltsbeschluss erfolgte am 26. März 2012.
  • CONTRA Den Ruhrnachrichten einen Monat später, vom 24. April 2012, entnehme ich, das OB Sierau (SPD) wie SPD und CDU in Dortmund sich gegen das Projekt wende, da die allein für den Dortmunder Abschnitt veranschlagten 37 Mio. € nicht vermittelbar seien.
  • Jetzt wieder PRO?  Einen Niederschlag dieser ’starken‘ Dortmunder Positionierung in der regionalen Politik kann ich jedoch nicht erkennen. Wurde da nur in der heimische Höhle laut gebrüllt? Mich erreicht sogar die Info, dass man nichts gegen die Beauftragung der Machbarkeitstudie und Fortführung der Planungen habe. Ein Sturm im Wasserglas? Demnach wurde da nicht sonderlich für das Dortmunder Anliegen gekämpft. In den Ruhrnachrichten lies sich das so:

    Man werde sich nun mit den anderen Kommunen austauschen, deutete Sierau an. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Verbandsversammlung des RVR im Juni den alten Beschluss zurückholt und der Antrag für die Machbarkeitsstudie zurückgezogen wird.

Das wird dann nach Vorliegen der Machbarkeitsstudie in 2013 nochmal von Interesse sein. Im Juni wird nichts passieren.


Bild: „achtung“ von giftgruen / photocase.de

Haldensaga mit organisatorischen Schwächen

20110724-061417.jpgSamstag 23.07. auf Sonntag 24.07. fand die Veranstaltung Haldensaga im Ruhrgebiet statt. Initiiert von der Ruhr.2010 GmbH sollten etwa 2.000 Personen Nachtwanderungen von Halde zu Halde machen, unterbrochen durch eine Rastpause und ein Stückchen was auch immer an geistiger Erbauung. Insgesamt hatte die Veranstaltung aus meiner Sicht, der ich als Nachtdozent im Nordsternpark teilgenommen habe, aber auch nach Berichten von Teilnehmern und Tour-Guides, die Gruppen führten, Ihre Schwächen. Nicht alle Schwächen gehen auf das Konto der Veranstalter oder lassen sich damit entschuldigen, dass es ein Low-Budget-Projekt ist. Hier eine subjektive Übersicht.

  • Das Wetter. Kalt, wolkig und regnerisch in der zweiten Nachhälfte. Aber das lässt sich nicht planen, siehe Bochum Total
  • Die Konkurrenz. An dem Wochenende war u. a. Bochum Total und Fußball.
  • Die Streckenlänge. Im Vorfeld war bereits aufgefallen, dass manche Touren zu lang waren. Die waren dann aber immer noch zu lang. Eine Gruppe bröckelte von 28/26 auf 24, dann auf 11, die schließlich noch den Weg auf die Sonnenaufgangshalde fand. Andere waren vorher erschöpft. Einige Teilnehmer glauben, dass zum Beispiel die Wege auf die Halden hinauf – in Rundkursen – nicht mit eingerechnet worden waren. Am Ende seien dann nochmals 2 km hinzugekommen.
  • Die Ausschilderung. Die Strecke sollte mit Fahnen und Knicklichtern markiert sein. Das stimmt auch zumindestnzu Anfang. An meinem Standort stimmten Karten aber weder mit Standort der Fahne und geeignetem Standort überein, so dass die Dozenten (keine Orga da) mal eben selber korrigierten. Von der Sonnenaufgangshalde berichtet mir meine Frau, dass die Karte nicht den Weg nach oben wies und sämtliche Knicklichter zwischenzeitlich geklaut waren. Das könnten diemdort startenden Gruppen oder Dritte gewesen sein.
  • Die Versorgung. Es hat mindestens eine Verletzte gegeben, an deren Versorgung sich aber kaum ein Teilnehmer einer Gruppe beteiligt habe, aber u. a. mit Ausnahme eins Tour-Guide (allerdings einer anderen Gruppe). Das Team Building mit dem Ballett auf der Sonnenuntergangshalde hatte nicht den gewünschte Effekt.
  • Die Gruppengröße. Was die gegenseitige Unterstützung und den sozialen Zusammenhalt betrifft, wären kleiner Wandergruppen sicher besser geeignet. Wir Nachtdozenten an unserem Standpunkt haben die erste Gruppe mit 26 Personen zwei geteilt und unser Programm gemacht. Das galt auch für die nächste, aber der „Volonteer“ war nicht da und die ankommenden Gruppen mussten warten. Danach war die Organisation hin, was den Teilnehmern aber nicht auffallen musste. Die Gruppen haben dann alle in voller Stärke mehrere Vorträge bekommen … Organisation lässt sich nur durchhalten, wenn sich wer darum kümmert.
  • Die Medien. Bei zwei Gruppen waren Medienvertreter dabei. Die von der Presse sind zwar nicht komplett mit gewandert, aber die waren auch nicht zu unterscheiden. Der WDR-Kamermann war nervig, aber das mag subjektiv sein. Ich weiß, dass die einen „prekären“ Job haben, aber vor dem Nachtdozenten ein Interview anfangen, während der spricht, find ich grenzwertig. Da wurde in dem Moment auch nicht berichtet, sondern da wurden Bilder (und Teilergebnisse) produziert. Wenn man an dem Medienkram nicht interessiert ist, dann kann sowas das Erlebnis der Haldensaga beeinächtigen. In einer meiner Veranstaltungen hätte ich den aufgefordert, sich mal einen Moment zurückzuhalten. Für die Zukunft werde ich kritischer sein, wenn ich vor einer Veranstaltung Medienvertreter oder Veranstaltern eine Pauschalgenehmigung für Aufnahmen gebe.
  • Die Nachtdozenten. Ja, ich war auch einer. Es war offenbar schwierig, genug zu finden. Da kursierten im Vorfeld für diesen unbezahlten Job auch unterschiedliche Konzepte. Die Veranstalter werden daraus gelernt haben. Wenig Verständnis habe ich für Einführungsveranstaltungen, die länger als der Einsatz dauert. Dabei waren an meinem Standort die übrigen Nachtdozenten erfahrene, ja berufliche Gästeführer. Ich hoffe, nicht nur der Medien wegen. Die Ausstattung – Käppi und gelbe Warnweste – war auch nicht gerade hilfreich. Eine klare und vorhandene Trennung in Orga und Dozenten wäre hilfreicher.

Es gab auch gute Seiten, die ich so für mich mitnehme:

  • Die anderen Nachtdozenten waren interessant und wir haben uns in den Pausen unterhalten. Aus zwei Kontaken könnte da in nächster Zeit was werden.
  • Es war eine Erfahrung, mal den Inhalt (bei mir: politische Bildung zum Strukturwandel im Ruhrgebiet) in gerade mal 12 Minuten zu verpacken. Ich mag das Format nicht, da es zwingt Zusammenhänge zu stark zu raffen. Außer Präsentation von Fakten geht da nichts.
  • Ich musste mal auf mich zukommen lassen, wer denn da so kommt.
  • Wandern ist nicht so mein Ding, aber ich konnte daran teilnehmen und hatte um Mitternacht Schluss. Am frühen Morgen kehrte meine Frau Pamela hingegen als Eiszapfen zurück.
  • Sie berichtete von der tollen Versorgung im Schloss Horst, die die Teilnehmer mit ihrem Kaffee (also nicht vom Veranstalter) versorgten. Die Fußbodenheizung dort erlaubt, ohne Schlafsack und Isomatte direkt auf dem Boden zu schlafen.
  • Die Geburtstagsfeier um Mitternacht für einen Teilnehmer. Es gab ein Ständchen, Sekt und Süsigkeiten.

Fazit: Wenn die Veranstalter aus den Fehlern lernen, könnte das ggf. nochmal gemacht werden. Das sagt so auch Pamela. Allerdings würde ich auf jeden Fall vorher kritischer hinsehen.

Extraschicht 2011 teilweise überlaufen

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Mindestens 30 Minuten warten vorm Bochumer Verein, wo Eisenbahnräder aus glühenden Stahlrohlingen gepresst werden. Einen vollen Bus ziehen lassen, eine Haltstelle entgegenlaufen, um dann vom Westpark Bochum zum Nordsternpark Gelsenkirchen zu zuckeln. Das Warten auf Einlass ins Amphitheater zu Urbanatix scheint aussichtslos und die Hoffnung auf einen Platz auf ein Kanalschiff in Richtung Oberhausen wird sich nicht vor 3 Schiffen oder 1 1/2 Stunden erfüllen. Der Bus von Nordstern nach Zollverein ist schon voll, wie auch vermutlich bereits das Gelände des Weltkulturerbes. Um Umwege zu sparen gleich mit dem Taxi zur Zeche Consol mit dem Consol-Theater. Von dort mit einem Umweg über Recklinghausen nach Herne und mit der U-Bahn zurück nach Bochum.

Nein, ich gehörte nicht zu den Teilnehmern des VIP-Programms der veranstaltenden Ruhr Tourismus GmbH. Die Extraschicht bewältigte ich mit Frau, Freunden und Bekannten ohne Betreuung. Dafür bin ich froh, dass wir Freikarten bekommen hatten. Die großen Ankerpunkte stellten sich überlaufen dar. Die Wartezeiten verleideten die Teilnahme bzw. reduzierten die Möglichkeit wahrnehmbarer Attraktionen. Die kleinkünstlerische Lichtjonglage vor Nordstern bleibt mir erfrischend in Erinnerung. Dafür brauchte es keine Eintrittkarte.

Gefällig und kúnsterlisch waren Live-Projektion eines arbeitenden Zeichners mit Soundbegleitung auf einer großen Wand auf Consol sowie eine kleines Theaterstück mit Kinderbuchhelden. Hier gab es auch Plätze. Als ein Höhepunkt stellte sich spät nachts noch die Festivitäten auf Zeche Ewald dar. Hier wurde nachts unter offenem Himmel spontan getanzt. Auch scheint man in Herten mehr Freude an Cocktails und anderen alkoholhaltigen Getränken zu haben 🙂

Die Lehre für den 30. Juni 2012: Meide die Ankerpunkte/Drehscheiben. Klappere die kleineren, weniger zentralen Spielstätten ab. Vermeide den Konflikt zwischen Erlebnis und Masse.

Woran mag es gelegen haben?
Hat die Besucherlenkung nicht funktioniert? Zuviels wollten zu den großen Ankerpunkten der Industriekultur? Kontrolle der Tickets habe ich nur am Amphitheater wahrgenommen. Ein gechrumpftes Budget? Da hab ich bereits letztes Jahr drauf hingewiesen. Und Zukunft und Finanzierung sind weiter unsicher, solange es keine Nachfolgeregelung zum Kulturhauptstadtjahr gibt – auch wenn die Extraschicht bereits deutlich älter ist. Der Erfolg der Massenbeteiligung – 200.000 sollen es gewesen sein – wird den politischen Willen zum Erhalt beflügeln. Allerdings darf die die Masse das Fest nicht erdrücken oder Regenjahre zu heftigen Einnahmeausfällen führen. Genießen wir das, was wir noch haben.

Ein Lob an die Ruhr Tourismus, die alles, wenn auch unter schwierigen Bedingungen, dennoch soweit meistert.

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Bilder: Stephanie Kotalla