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Afrikaner werden weiter zu uns kommen

„Solange die wirtschaftlichen Umstände in Afrika nicht besser werden Afrikaner zu uns kommen. Sie haben Zuhause keine Hoffnung mehr für sich und ihre Zukunft“, erläuterte Alexandre Ndjeng Biyouha den Besuchern einer Veranstaltung der Union der Vielfalt (UdV) am Dienstagabend auf Zeche Holland. Das CDU-Netzwerk ‚Union der Vielfalt‘ hatte in Kooperation zu einem Abend über Gründe „Flucht und Migration aus Afrika“ eingeladen. Der 60-jährige Diplom-Ingenieur Alexandre Ndjeng Biyouha ist Vorsitzender des Vereins Planet Afrika e. V., der sich um Migranten aus Afrika und Hilfe für Afrika kümmert.

Warum Afrikaner zu uns wollen, oder besser: weshalb sie nichts Zuhause hält, stand in Biyouhas Vortrag im Vordergrund: „Sie suchen hier in Europa einen Beruf, Auskommen, Ausbildung und Arbeit. Zuhause gibt es das nicht. Selbst Ausgebildete haben keine Arbeit in Afrika“, erläuterte der aus Kamerun stammende Bochumer, der auch stellvertretender Vorsitzender des Integrationsrats der Stadt Bochum ist. Die Bewegründe ließen sich nur durch eine ökonomische Entwicklung Afrikas beseitigen: „Afrika braucht eine wirtschaftliche Unabhängigkeit. Produkte in Afrika müssen dort produziert werden. Afrika darf nicht nur Lieferant von rohen Rohstoffen sein.“ Mit einer wirtschaftlichen und beruflichen Perspektive, würden die Menschen bleiben.

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Zeitenwende: Migrantenvertreter lösen Ratsmitglieder ab

In der ersten Sitzung des neu gewählten Integrationsrats der Stadt Bochum kam es am Mittwoch, den 29. Oktober 2014, zu einer bedeutenden Veränderungen. Erstmalig wurden ausschließlich gewählte Vertreter und Vertreterinnen der Bochumer Migranten zu Vorsitzenden dieses Ausschusses gewählt. In der letzten Wahlperiode des Rates waren im Vorgängergremium, dem Ausschuss für Migration und Integration, noch ausschließlich Ratsmitglieder in die Leitungsfunktionen gewählt worden. Damals stellten die Vertreter des Bochumer Stadtrats die Mehrheit, im neuen Integrationsrat überwiegen jetzt zahlenmäßig die gewählten Vertreter der in Bochum lebenden Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund.

Migrantenvertreter und Verwaltung, Foto: Arne Lindemann
Integrationsbeauftragte, Vorsitzende des Integrationsrates und Oberbürgermeisterin

Das obige Bild zeigt von links nach rechts: Die neue Integrationsbeauftrage der Stadt Bochum und Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Bochum (KIBo) Susanne Köllner, die neue Vorsitzende Frau Khonafa Hajo (SPD), Alexandre Ndjeng Biyouha (CDU) und Ayse Balyemez (Grüne) sowie Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD).

Zusammensetzung der Migrantenvertreter ändert sich

Auffällig ist, dass sich über die Jahre Zusammensetzung und Auswahl der Migrantenvertreter verändert hat. Während es vor 10 Jahren noch eine Vielzahl an Listen gab, die am Ende mit wenigen Ausnahmen je einen Vertreter entsanden, so hat eine Konzentration der Listen stattgefunden. Folgende Migratenlisten habe es in den Integrationsrat geschafft: ILBO, SPD, AAAA und CDU-Forum. Auffällig ist, dass zwei Migrantenlisten bereits vom Namen her mit Parteien korrespondieren. Es sieht danach aus, dass sich Listen von Parteien mit Migraten durchsetzen. Erfolgt hierüber eine verstärkte Integration von Migranten ins Spektrum aller Parteien?

Weiterhin hat sich die Bandbreite der Berufe der Mitarbeiter auf eine bestimmte Kaste von Sozialarbeitern und politiknahe Professionen verengt. Quasi die Mittelklasse von Funktionsträgern mit Migrationshintergrund bildet sich hier ab. Ist das positiv zu werten für ein Entstehen einer solchen Mittelschicht oder negativ für die Vertretung von Sonderinteressen der Migranten?

Bild: Arne Lindemann

Einer für 160 Flüchtlinge – Personalnotstand in Bochum

Weit über 1.000 Flüchtlinge wird die Stadt Bochum im Jahr 2014 aufnehmen. Für die Monate November und Dezember wird von jeweils 100 Flüchtlingen ausgegangen, die von der Bezirksregierung Arnsberg zugewiesen werden. Zunächst kümmert sich die Stadtverwaltung um die Flüchtlinge. Sie müssen untergebracht werden – in einem Heim, einer Ferienwohnung und notfalls einem Hotel. Erst nach einigen Monaten dürfen sich die Flüchtlinge eine Wohnung suchen.

In der Regel haben Flüchtlinge nichts und es muss für vieles gesorgt werden. Nicht nur Kleidung und Möbel sind notwendig, auch ein Platz für die Kinder im Kindergarten. Der Wunsch geht oft mehr von der deutschen Gesellschaft aus, als von den Flüchtlingen. Dahinter steht unser Interesse, dass die Kinder schnell Deutsch lernen. Dafür gibt es auch Auffangklassen. Viel zu tun.

Nur 1 Mitarbeiter für 160 Flüchtlinge

Es gibt Hilfsorganisationen, aber als unterste Stufe unseres Sozialsystems muss sich die Stadtverwaltung um die Flüchtlinge kümmern. Sie übernimmt die Verantwortung von der Bezirksregierung. Die Oberbürgermeisterin stellt dafür 5,78 Stellen zur Verfügung. 5,78 Stellen für Flüchtlinge. Das sind etwa 160 Flüchtlinge je Mitarbeiter. Und da sind nicht alles Sozialarbeiter, die sich um kriegstraumatisierte Kinder kümmern. Das sind auch erst einmal die, die sich um die Unterbringung, ja das Nötigste kümmern. Und dann heißt das auch zurecht Flüchtlingsverwaltung, denn es müssen Mieten und Nebenkosten für all die Wohnungen im Stadtgebiet bezahlt werden.

Marodes Übergangswohnheim Heimstr./Hohensteinstr.: Unterbringung für Flüchtlinge unzumutbar
Marodes Übergangswohnheim Heimstr./Hohensteinstr.: Unterbringung für Flüchtlinge unzumutbar, siehe WAZ 1.10.14
5,78 Stellen für über 1.000 Flüchtlinge, das geht nicht. Die Folgen werden Burn-Out sein. Das geht auf die Mitarbeiter. So höre ich zumindest. Und dann soll es ältere Mitarbeiter geben, deren Wissen bald verloren gehe. Ein Personalmanagement, eine Personalentwicklung, die hier aktiv tätig wird, kann ich nicht erkennen. Ein alter Mangel der Bochumer Stadtverwaltung wird hier zu Lasten der Mitarbeiter gepflegt. Sich um mehr als die „nötigsten“ Probleme zu kümmern, kann da gar nicht gehen.
Das wird den Flüchtlingen nicht gerecht, aber auch nicht den Nachbarn der Einrichtungen. Ein schalldämpfender Teppich kann den Lärm laufender Kinder den Nachbarn erträglicher machen. Doch wer ist der Ansprechpartner?

Sozialarbeiter müssen zwischen Wohnungen pendeln

Noch eine marodes Übergangswohnheim der Stadt
Noch eine marodes Übergangswohnheim der Stadt: Emilstr.
Dass 5,78 Stellen besonders wenig sind, liegt auch an der Auflösung zentraler Übergangswohnheime in Bochum. Sozialarbeiter müssen zwischen den Standorten pendeln. Viel Zeit geht für Anfahrtswege drauf, statt für die Betreuung zur Verfügung zu stehen. Pro Flüchtling hat die Verwaltung mitgeteilt, verfügt sie über 8 Minuten Zeit. 8 kostbare Minuten, von denen im direkten Kontakt noch Zeit fürs Dolmetschen ab geht.

Die Stadt Bochum ist pleite und muss weitere Millionen einsparen. Die Betreuung der Flüchtlinge ist jedoch keine freiwillige Leistung. Auch deswegen sollen die Kommunen von Bund und Land mehr Geld für diese Arbeit erhalten. Und das wird für Materielles, aber auch für Personal benötigt.

Mehr Mitarbeiter für Flüchtlinge bereit stellen

Das CDU-Forum Integration, ein CDU-naher Zusammenschluss von Migranten, hat mit Mitgliedern im Integrationsrat für seine erste Sitzung am kommenden Mittwoch einen Antrag entwickelt. Er fordert bescheiden die Verdoppelung des Personals. Die Quote von Mitarbeiter zu Flüchtlingen soll sich von 1:160 auf 1:80 verbessern. Der Antrag ist bewusst so formuliert. Kommen mehr Flüchtlinge, dann werden mehr Mitarbeiter benötigt. Nimmt der Flüchtlingsstrom ab, dann genügen weniger. Zusätzlich Mitarbeiter sollen daher aus anderen Teilen der Verwaltung kommen.

Sozialdezernentin und Personaldezernentin in der Kritik

Kritik muss an Sozialdezernentin Angern und Personaldezernentin Collisi geübt werden. Wieso erkennt weder die inhaltlich zuständige Sozialdezernentin, noch die Personalabteilung die unhaltbare Situation? Die Überlastung der Fachabteilung wird nicht erkannt, auch nicht die langfristig notwendige Personalentwicklung. Leider ist das kein Einzelfall im Bereich der Migration und Integration. Die Stelle des bzw. der Integrationsbeauftragten war monatelang unbesetzt, die Vertretung ist dauerhaft erkrankt. Landesgelder werden zwar entgegen genommen, aber gerade hier gespart. Denn zur Organisation und Genehmigung von Aktivitäten – zum Geld ausgeben – war keiner da. Dann kann auch noch eine Haushaltssperre. Die Stadtverwaltung duldet den Personalmangel und erfüllt ihren Auftrag nicht mehr.

Wenn politische Gremien sich in die Personalpolitik der Verwaltung einmischen, dann ist das Problem arg und meist schon längst an der Zeit zu handeln. Ich rechne mit einer Mehrheit im Integrationsrat für die verbesserte Personalquote, um sich besser um die Flüchtlinge kümmern zu können. Bei dann 16 Minuten je Flüchtling, wäres es bei einer vierköpfigen Familie dann schon 1 Stunde.