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Whisky-Messe in Jahrhunderthalle

Eine Konsummesse zu Genussmitteln folgt der nächsten in der Bochumer Jahrhunderthalle. Nach rheinland-pfälzischen Winzer am letzten Wochenende folgt am Freitag und Samstag jetzt eine Whisky-Messe. Die Whisky’n’more öffnet am Freitag um 16 Uhr und geht bis Mitternacht, am Folgetag von 14 bis 22 Uhr. In der Eintrittskarte zu 12 € ist das Ticket für den Nahverkehr enthalten. Dazu gibt es ein Tasting-Glas.

Es gibt auch diverse Tasting, für die Tickets erworben werden können. Viele sind bereits ausgebucht.

Bochumer Tutehorn 09.03.2015

Aktuelle Nachrichten aus Bochum & Wattenscheid

Photosynthese: Die Europäische Union fördert das Projekt Sun2Chem an der Ruhr-Universizät mit 1,2 Mio. €. Ein internationales Forscherteam möchte halbkünstliche Chloroplasten erzeugen, die biotechnologisch interessante Produkte herstellen. Dazu wollen sie den Photosynthese-Prozess vonen natürlichen Chloroplasten modifizieren. (RUB)

Marke Bochum: In den Format DIN A7 und A8 und in einer Reihe an Farben ist bei BO-Marketing (Huestraße 9) jetzt auch der Aufkleber mit dem Jedermanns-Logo erhältich. Abhängig von Größe und Hintergrund kostet der Aufkleber pro Stück zwische 25 Cent und 1,5 €.

Jahrhunderthalle: Mit 4.000 Besuchern endete die Weinmesse von Freitag bis Sonntag in der Jahrunderthalle. Dazu gehörte am Samstagabend auch eine Weinparty. Winzer aus den 6 Weinregionen Rheinland-Pfalz suchten den Direktkontakt zum Konsumenten. (WAZ)
Die nächste Konsumentenmesse steht auch bereits an. Am kommenden Wochenende geht es mit Whisky’n’more weiter.

Landesmeisterschaft: Die Cheer Academy Bochum e.V. hat mit ihrem Team Violets die 24. Landesmeisterschaft im Cheerleading, Kategorie ‚Junio All Girl Cheer‘ gewonnen. (Lokalkompass)

Verspätung: Metalldiebe hatten ein Kabel gestohlen auf der Eisenbahnstrecke zwischen Bochum-Ehrenfeld und Essen-Steele-Ost. Die fehlenden 360 m Metall führten zu Verspätungen durch Umleitung der S1. (Radio Bochum)

Neues Rathaus: Den Bau eines neuen Rathauses für mehr als 100 Mio. € als Ersatz für das sanierungsbedürftige Bildungs- und Verwaltungszentrum wird von der CDU-Ratsfraktion abgelehnt. Die Sanierung von Schulen und Sportstätten müsse Vorrang vor einem weiteren Prestige-Objekt haben. (CDU, WAZ)

Nach Steinbrücks Stadtwerke-Honorar: Steiger Award geht ins Dortmunder U

Der Steiger-Award 2006 für Boris Becker, Bild von Joska Kristall GmbH & Co. KG, Bodenmais
Der Steiger-Award 2006 für Boris Becker, Bild von Joska Kristall GmbH & Co. KG, Bodenmais
Sind der Steiger Award und sein Organisator Sascha Hellen Stehaufmännchen? Es sieht fast so aus. Nach dem Skandal um die Honorarzahlungen von 25.000 € an SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als Redner auf einer Veranstaltung der Stadtwerke Bochum sowie der dadurch aufgedeckten Sponsoring- und PR-Maßnahmen der städtischen Tochtergesellschaft, stand seine jährliche Verleihung des „Steiger Award“ auf der Kippe. Bisher war auch dieses gesponsort worden und fand alljährlich in der Jahrhunderthalle statt. Das Datum der diesjährigen Verleihung am 12. Oktober war bereits länger bekannt. Heute teilte Sascha Hellen mit, dass der Kartenverkauf – eigentlich für Mai angekündigt – für die Veranstaltung im Dortmunder U jetzt laufe. Die Preisträger würden in den kommenden Tagen bekannt gegeben.

Das Dortmunder U scheint mir ein geeigneter und ist ein zentraler Veranstaltungsort für den Steiger Award als selbsternannten Medienpreis mit Ruhr-Bezug. Das U als „Zentrum für Kreativwirtschaft“ (das da ja auch selber in dieser Form institutionalisiert sitzt) ist nicht ganz unangeschlagen. In Dortmund gibt es Auseinandersetzungen über Defizit des U’s und mehrfach gezählte Besucher. Aufwand und Ergebnis stehen noch nicht im Einklang. Die Veranstaltungsflächen und Publikumsflächen sind deutlich geringer als im Komplex der Jahrhunderthalle in Bochum, der aus mehreren Hallen besteht. Veränderungen am Veranstaltungsformat und am erwarteten Zulauf deutet dies an. Erkennbar ist auch noch nicht, ob die Hellen Medien GmbH neue Sponsoren – vielleicht aus Dortmund – hat gewinnen können. Aufgrund eines früheren Email-Verkehrs mit Sascha Hellen zum Steiger Award ahne ich da was. Ich wünsche ihm viel Glück.

Meiner Erwartung nach war bei Sascha Hellens Firma nicht alles glücklich in der Abwicklung des Steiger Award, der Veranstaltungsreihe Herausforderung Zukunft und dem Sponsoring, das im Wesentlichen von den Stadtwerken Bochum und der Sparkasse Bochum stammt. Die Trennung von Bochum betrifft ja auch mit der Veranstaltungshalle eine weitere städtische Gesellschaft. Bis zu dem Skandal um Peer Steinbrück, der in seiner Folge noch mehr aufdeckte, hatte sich Bochum und seine SPD-geführte Stadtspitze stets mit Hellen, seinen Promis und Veranstaltungen geschmückt. Das hat ein Ende, aber offenbar nicht ein Ende der Veranstaltungen. Sie sind halt nicht mehr in Bochum, aber noch in Ruhr.

Gegenklage von Sascha Hellen gegen Stadtwerke Bochum
Echte Stehaufmännchen-Qualitäten beweist Hellen auch an anderer Stelle. Mit der städtischen Hallenfirma hat er sich auf eine Ratenzahlung seiner Mietausstände einigen könne. Da wird die Bochumer Veranstaltungs-GmbH auf einiges an Geld verzichten. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass laut Sascha Hellen erst die abrupte Kündigung der Stadtwerke die Schieflage der Gesellschaft bewirkte, so dass er nicht umgehende Zahlen konnte. Es fehlten ja plötzlich sechsstellige Summen. Allerdings verbinde ich mit derartigen Mediengesellschaften nicht die Erwartung, dass diese Millionen auf den Konten haben. Sie wirtschaften eher im Soll. Bemerkenswert ist, wie Hellen auf die Kündigung und Rückforderungen der Stadtwerke reagiert: mit einer Gegenklage.

Die Hellen Medien Projekte GmbH wird zwar von den Stadtwerken Bochum auf 250.000 € wegen nicht erbrachter Leistungen verklagt. Die Antwort besteht in einer Gegenklage in Höhe von bis zu 400.000 € – siehe WAZ vom 23.08.2013. Bei einer Aufrechnung oder einem Vergleich kann Sascha Hellen da mehr als sauber herauskommen. Ich bin mal gespannt, ob das alles noch vor oder zur Kommunalwahl 2014 oder eventuelle zur Oberbürgermeisterwahl 2015 verhandelt wird. Die Akten zur Beweisführung fehlen Sascha Hellen derzeit, sie liegen noch bei der Staatsanwaltschaft. Zwar steht Sascha Hellen noch unter Druck, solange die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht beendet sind, der politische Druck von Klagen „zur falschen Zeit“ ist jedoch geschickt eingestellt.

Mit dem Steiger Award weg vom Sündenbock-Image

Medial und unternehmerisch dürfte er auch das Sündenbock-Image los werden, wenn der Steiger Award 2013 und darüber hinaus wieder läuft. Er wäre dann wieder Handelnder. Bisher hatten sich viele Bochumer Akteure mit Hinweis auf ihn exkulpiert. Sascha Hellen schrieb (12.12.12) dazu:

[Es ist]deutlich geworden, dass es nicht nur ein Kommunikationsproblem zwischen Kunde und Dienstleister gab, sondern in erster Linie fehlende oder zumindest unzureichende Kommunikation in den einzelnen Abteilungen beim Kunden. Anders kann man sich viele Entscheidungen nicht erklären.

Dem Medienmenschen Hellen wird das alles bewusst sein. Ich tippe darauf, dass Hellen seine Rechnungen beglichen kommen wird, wenn sie einen Hauch von Erfolgschancen haben. Die Sozialdemokraten wollen das Thema sicher vor den Wahlen unter den Teppich kehren – notfalls mit einem Besen aus dem Geld der Stadtwerke.

Extraschicht: Beschränken Sie sich auf eine Stadt

Dieser Text stammt von Hedda Monstadt, die sich intensiv mit der Industriekultur befasst hat. Und Kontinutität einer Berichterstattung zur Extraschicht erscheint der Beitrag jetzt hier.

Auch die 13. Extraschicht war, trotz der für den gemeinen Abergläubischen unheilverkündenden Zahl, wieder ein voller Erfolg. In der Nacht der Industriekultur, die dieses Jahr am 6. Juli stattfand, wurde in 25 Städten an hunderten Spielorten zum Besten gegeben, was unser Ballungsraum zu bieten hat.

Die heilige Barbara hat vorher wohl mit Petrus einen kleinen Plausch gehalten und uns gutes Wetter gesichert. Man wurde aber nicht nur von strahlendem Sonnenschein und Industriecharme, sondern schon an Sammelpunkten wie dem Bahnhof, ab 18 Uhr, von einer großen Masse Menschen freudig in Empfang genommen. Die Anreise verlief reibungslos, denn mit dem Ticket konnte man, wie schon in den vergangenen Jahren kostenlos den ÖPNV und außerdem die Einsatzbusse, die gezielt die Attraktionen anfuhren, nutzen.

Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus
Ruhr-Universität Bochum von Bochum-Stiepel aus
Von der Ruhr-Uni…
Es gab wieder viel zu sehen, hören bestaunen und erforschen. Von Konzerten – klassisch, rockig oder a capella – über Poetry-Slam bis zu Wissenschaft und Technik waren den Erlebnishungrigen keine Grenzen gesetzt. Um 18 Uhr wirkte die Deko des botanischen Gartens an der Ruhr-Uni Bochum mit hängenden Elektrogeräten in den Bäumen noch irritierend. Und auch der eher auf künstlerischen Wert ausgerichteten Lageplan half bei der Orientierung nicht besonders. Aber es heißt ja auch „Nacht der Industriekultur“.

Sobald es dunkel wurde und die angestrahlten Bäume und beleuchteten Wege wie ein Märchenwald erschienen, hinterließ das Angebot der RUB einen – durchweg positiven – bleibenden Eindruck. Sich zu orientieren war dank der teelichtgesäumten Wege und angestrahlten Bühnen auch kein Problem mehr. Die Jahrhunderthalle glänzte mit einem ausgewogenen Programm von lustigen Poetry-Slam-Einlagen bis klassischer Klaviermusik. Sebastian23 führte durch das Programm der modernen Mischung aus Philosophie, Komik und Blödelei auf voller Bühne, während die Tastenkünstler bei nicht weniger Publikum hauptsächlich auf kurze Einzelperformances setzten, die es allerdings ebenfalls in sich hatten.

Deutsches Bergbaumuseum, Bochum
Deutsches Bergbaumuseum, Bochum
Die Einsatzbusse konnten wieder dazu genutzt werden, von der einen interessanten Attraktion zur nächsten zu fahren. Sightseeing Busse konnten und sollten sie dabei nicht sein, denn die großen, detailreichen Industrieflächen mussten erkundet und nicht aus der Ferne betrachtet werden. Als Intercity-Verbindung waren sie auch weniger geeignet, sodass viel auf Straßenbahnen und Züge zurückgegriffen wurde. Natürlich hat sich mein Besuch der Extraschicht nicht nur auf meine Heimatstadt Bochum beschränkt, sondern war wie immer eine gute Gelegenheit um über den Tellerrand aus Bergbaumuseum und Jahrhunderthalle zu schauen. Die Dortmunder DASA zum Beispiel lieferte kräftigen A capella-Rock, der des Publikum schwer begeisterte. Wenn ein paar Jungs nur mit dem Mund eine ganze Reihe Instrumente täuschend echt und wahnsinnig klangvoll nachahmen, dann reißt das natürlich Jung und Alt mit.

Schaltpult in der DASA, Dortmund
Schaltpult in der DASA, Dortmund
… zur Jahrhunderthalle, zum Bergbaumuseum und zur DASA Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner
Leider war durch die Fahrt von Bochum nach Dortmund unser Aufenthalt bei dem Konzert der Rock4 vergleichsweise kurz, aber dadurch nicht weniger Eindrucksvoll. Mehr davon! Dass wir in der Nachbarstadt nur noch einen Teil der Show mitbekamen, war auch aus anderen Gründen nicht schlimm. Die DASA – Arbeitswelt Ausstellung, durch die man auch noch spät am Abend schlendern konnte wirkte – obwohl nicht geplant – sehr einladend und führte uns zu einem kleinen Stand im Eingangs-bereich, der auf den letzten Metern noch Hirnleistung forderte. Nanotechnik. Was ist das eigentlich? Keine Ahnung! So schien es vielen Menschen zu gehen, aber das sollte sich an dem unscheinbaren Infostand zumindest für uns ändern. Frisch aufgeklärt und voller interessanter Ideen konnte man gut die Heimreise antreten und ist beruhigt: Die Industrie ist nicht Vergangenheit, wie man es bei den großen, entkernten und umfunktionierten Hallen, die man an dem Abend zu sehen bekam, denken konnte. Nein, Industrie ist nur mittlerweile viiiiel kleiner.

Tücke oder Lücke der Abtransportkette
Leider hat uns das Programm so gefordert, dass wir auf die Idee kamen, schon um kurz nach zwölf die Spielstätten zu verlassen. Das stellte sich beim zweiten Hinsehen als ein relativ unbedachter Plan heraus. Man richtete seinen auf Nanoabstände eingestellten Blick auf den Fahrplan und entdeckte ein ganz und gar nicht Nano-Maßstäben entsprechendes Loch in der Abtransportkette zwischen viertel nach elf und 12.20 Uhr. Hier hätte man vielleicht noch bis zwei Uhr einen, der an anderen Stellen eher weniger effektiven Einsatzbusse seinen Dienst tun lassen können. Die Organisation der Extraschicht war nach zwölf Jahren Erfahrung trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers sehr ordentlich. Hut ab! Mit Industrie hatte der Programminhalt in großen Teilen wenig zu tun, aber das sollte es auch nicht. Die reine Anwesenheit des schwerindustriellen Umfelds beeindruckt schon und verführt vielleicht dazu noch einmal an den ein oder anderen geschichtsträchtigen Ort zurückzukehren und eine Führung zu besuchen – und das soll doch so sein. Danke an alle Organisatoren und Besucher für die Botschaft: Es gibt sie, die lebendige Industrie, die lebendige Kultur und die gelungene Kombination aus beidem. Danke für diese unvergessliche Nacht der Industriekultur!

Beschränken Sie sich auf eine Stadt
Achja… noch ein kleiner Tipp zum Abschluss für all diejenigen, die beim nächsten Mal dabei sein wollen: Beschränken Sie sich nicht auf einen Standort, aber auf eine Stadt. Die Verkehrsanbindung ist zwar auch zwischen den Städten gut und wird ja zusätzlich durch die Einsatzbusse unterstützt, aber eine Tour über mehrere Orte ist nur bei extrem straffem Zeitplan zu bewältigen und es soll ja auch ein angenehmer Abend sein, bei dem man die anvisierten Darbietungen pünktlich erreicht und sich auch mal von einem ungeplanten Programmpunkt überraschen lassen kann. Im nächsten Jahr ist dann die Nachbarstadt dran.

Urbane Künste Ruhr: PULSE PARK im Westpark Bochum

Noch bis zum 16. September 2012 pulsiert es im Westpark, direkt hinter der Jahrhunderthalle in Bochum. Von Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr bis 1 Uhr ist hier die Lichtinstallation PULSEPARK des aus Mexiko stammenden Künstlers Rafael Lozano-Hemmer aus Montreal, Kanada zu erleben. Der Künstler sieht seine Aufgabe darin, interaktive Kunst in öffentliche Räume zu bringen. Er bezeichnet sich selber als Nerd.

In einer Skulptur am Wiesenrand hat der Künstler einen Pulsnehmer untergebracht. Eine kleine, beleuchtete Metallplatte erläutert die Handhabung. Mit festen Umschließen der Metallteile wird der eigene Puls in die Installation eingespeist. Er gibt der Illumination des Parks für einige Sekunden den Rhythmus vor. 250 Theaterscheinwerfer leuchten im Takt des eigenen Pulses auf. Danach zeigt die Installation die letzten 250 eingespeisten Pulse gemäß eines FIFO-Stack an: Jeder der 250 Scheinwerfer zeigt einen Puls an. Da mitten in der Installation drinnen picknicken Besucher dieser Technik-Performance.

Die Installation wurde von der Kultur Ruhr GmbH, Abteilung Urbane Künste, initiiert und finanziert anlässlich der Ruhrtriennale 2012. Ausrichter der Ruhrtriennale ist die von Land NRW und RVR getragene Kultur Ruhr GmbH. Die Abteilung Urbane Künste ist neu. Sie wurde im Rahmen der Nachfolge des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010 und der Ruhr.2010 GmbH errichtet. Die Installation im Westpark ist Teil der Nachwirkungen – der Nachhaltigkeit – des Kulturhauptstadtprojektes. So wird es auch die Austellung EMSCHER.KUNST 2013 werden. Im Vorfeld hatten Regionalpolitiker, die CDU Ruhr und das Ruhrparlament, gefordert, dass Ruhr.2010 kein einmaliges Feuerwerk sein dürfe, sondern auch nachwirke. Auch so, denn der Auftrag der Abteilung Urbane Künste Ruhr ist, Kunst im öffentlichen Raum zu inszenieren. Bemerkenswert in einer Zeit, in der der öffentliche Raum zu schrumpfen scheint.

Die Installation und die Präsentation von Rafael Lozano-Hemmer zu seinen Arbeiten erinnerte mich an einen Besuch im ARS ELECTRONIC CENTER in Linz, Österreich. Eine der Installation des Künstlers erfolgte auch in Linz.

Wie viele Zuschauer hat die Ruhrtriennale?

Wie viele zahlende und nicht zahlende Zuschauer haben eigentlich die einzelnen Programmpunkte der Ruhrtriennale? frage ich, nachdem ich von „Love’s Deep Ocean“ (Alim Quasimov) in der Jahrhunderthalle zurückgekehrt bin. Die Halle 4 war nicht einmal zu einen Viertel besetzt – maximal 100 Zuschauer. Ich gehörte zu den nicht zahlenden Gästen.
Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Okay, ich bin früher gegangen. Das mag anfangs peinlich wirken, aber das Gefühl verschwindet, sobald man draußen an der Luft wieder Freiheit atmet. Es ging nicht anders, meine Konzentration war nach einer Stunde nicht mehr da. Der Künstler Alim Quasmiov wird hoch gelobt, so u.a. von der New York Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitpunkt. Allerdings habe ich mit Musik abseits der Dur-/Moll-Harmonik Probleme. Als ich in Istanbul mal Musik (jaja, Aserbaidschan ist nicht Türkei, aber hat auch ne Turksprache) hörte, konnte einigen Stücken folgen. Es waren am Ende Filmmelodien, u.a. einer Soap-Opera. Ich vermute, dass die Harmonik sehr schlicht war und „westliche“ Elemente enthielt. Alim Quasimov und seine Tochter bzw. die Musikform des Mugham waren dann aber doch zu schwer für mich. Es kreist mir zu sehr um die Stimme. Hier mal ein Beispiel von youTube:

Der derzeitige Intendant der Ruhrtriennale, Willy Decker, wollte in seinem Programm Kunst, Kreativität und religiöse Urelemente verbinden. Der gesungene Mugham wirkt auf mich religiös, aber das kann auch ein in mir sitzender westlicher Sterotyp des Stimmenklangs und der Gestik sein. Es ist auch nicht abzustreiten, dass Quasimov eine verdammt gute und beeindruckende Stimme hat. Dennoch, ich habe den Zugang nicht gefunden. Aber offenbar haben wenige den Zugang gefunden, also überhaupt den Weg dahin.

Viele Stücke der Triennale sind ausverkauft. Zumindest entnehme ich es den Angaben im Programm. Kulturpolitik stelle ich mir immer so vor, dass da ein Sandkasten hingestellt wird, den die Kulturschaffenden dann bespielen. Dabei geht es nicht nur um die Bespielung mit publikumswirksamen Veranstaltungen, sondern auch weitere Ziele können verfolgt werden. Ich zähle sie mal hier nicht auf. Auch Mugham hat meinen Horizont erweitert. Aber da mach ich jetzt erst einmal einen Haken dran. Allein von der Zuschauerbeteiligung stellt diese Musik eine Nische dar. Die Produktionskosten dürften gering sein: 6 Musiker mit Technik auf der Bühne. Und da frage ich mich, ob das eine Abrundung des Programms mit ja auch durchaus teueren Produktionen ist und nicht nur eine prestige-trächtige Bespielung ist, ohne auf Widerhall in der Region zu treffen.

Der heutige Abend in der Jahrhunderthalle in Bochum hat mich auf jeden Fall verstört. Sinn und Zweck von Kunst, notwendiges Maß an Publikumszuspruch und öffentlicher Finanzierung muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen, wie auch die Frage, welche Kulturschaffenden wie und für wen ausgewählt werden. Ist das wie mit des Kaisers neuen Kleidern oder lieg ich komplett daneben?

Meiner Erinnerung nach hält das Land an der Kultur Ruhr GmbH, die Träger der Ruhrtriennale ist, einen Anteil von 51% und leistet 80% der Zuschüsse, wobei der Rest vom Regionalverband Ruhr stammt. Gute Nacht!