Schlagwort-Archive: Klimawandel

3. Kulturkonferenz Ruhr – Intentional zum Klimawandel

Am Dienstag fand in der Stadthalle in Hagen die 3. Kulturkonferenz Ruhr statt. Sie hat mir besser gefallen als ihre beiden Vorgänger. Ich denke, dass liegt daran, dass die Konferenz intentional für ein Ziel des Veranstalters Regionalverband Ruhr (RVR) erfolgt. Das Thema „Kultur und Klimawandel“ erfolgt in einer Auftaktwoche des RVR zum Klimawandel vom 27.09. bis 03.10. und in Vorbereitung auf ein Schaufenster im Rahmen der Klima.Expo.NRW 2022. Kritiker dürften sagen, die Kulturkonferenz wurde instrumentalisiert. Ich sage: Gott sei Dank. Es hat sie gerettet.

Kopf der Einladung zur 3. Kulturkonferenz Ruhr
3. Kulturkonferenz Ruhr: Kultur und Klimawandel

Klimakultur in der Stadthalle Hagen

Es waren deutlich weniger Teilnehmer erschienen als in den Vorjahren. Anhand der Teilnehmerliste schätze ich 240 Angemeldete, von denen sicher nicht alle gekommen sein. Das mag ein wenig an der nicht zentralen Lage des Veranstaltungsortes liegen. Ich schätze jedoch, dass die Themenwahl die Teilnehmer verändert hat. Und verändert hat sich auch der Kulturbegriff, der der Veranstaltung zugrunde lag. Fernab von einem tiefen Verständnis der semantischen Bandbreite des Kulturbegriffs ging es etwas mehr um Zivilisation, vielleicht auch Alltagskultur als um Hochkultur – und darin die Arbeit der freien Szene. Nach dem von mir geschwänzten obligatorischen Beitrag von Prof. Claus Leggewie vom Kulturwissenschaftlichen vermutlich zur notwendigen Klimakuktur habe ich mir ein Projekt des Goethe-Instituts in Usbekistan und eines des Vereins ‚Die Urbanisten‘ in Dortmund angehört.

Ich nehme aus den Veranstaltungen mit, dass mit kulturellen Formaten in einem autokratischen System Inhalte und Auseinandersetzungen über den Klimawandel und konkret das Schmelzen der Gletscher thematisiert werden können, siehe Goethe.de/Klima. Ich hab ein konkretes Projekt des Urban Gardening in der Metropole Ruhr vorgestellt bekommen, dass im städtischen Raum einen Beitrag zum Klimawandel leistet, weil es erheblich den Ausstoß von Kohlendioxid vermeidet, das beim Transport von Obst und Gemüse anfällt. Das Projekte stammte vom Dortmunder Verein „Die Urbanisten„. Ein wenig war die Konferenz wie eine Messe.

Kulturkonferenz Ruhr: Ende der Nabelschau?

Im Kontrast dazu sind mir die vorherigen beiden Kulturkonferenz als Sammelforen der Region in Erinnerung, wo sich die RVR-nahen Vertreter der Kulturinstitutionen trafen. Dabei wurden sie dann mit den Forderungen der sogenannten „freien Szene“ konfrontiert, die schließlich mehr Beteiligung und schließlich Geld für sich reklamierte. Ganz ergebnislos ist das nicht geblieben, so blieben im Rahmen der trienalen EmscherKunst jetzt was für Sie und auch die Restmitteln der liquidierten Ruhr.2010 GmbH. Aber so kann es ja nicht weitergehen. Es wurde mir nicht klar, wofür diese Kulturkonferenz weiterhin da sein solle und wie die Ergebnisse irgendwie verwertet werden könnten.

Bühne der Kulturkonferenz Ruhr
Bühne der Kulturkonferenz Ruhr
Das Publikum hat sich nicht nur zahlenmäßig verändert. Da freue ich mich sogar auf die Auswertung der Konferenz, die zuvor in Form einer Broschüre im Zeitungsformat kam. Und die Veränderung wirft die Frage auf: Wie lautet das regionale Kulturthema der 4. Kulturkonferenz?

Bisherige Themen der Kulturkonferenz

Die jährlich von Land und RVR veranstaltete Kulturkonferenz Ruhr ist aus dem Kulturhauptstadtprojekt Ruhr.2010 enstanden und Teil der Nachhaltigkeitsstrategie dieser. Die bisherigen Themen lauteten:

15.09.2012 : Kulturmetropole Zukunft. Die neue Dekade gestalten. (Welterbe Zollverein)
20.09.2013 : Zukunft der Interkultur. Strategien für eine Metropole der kulturellen Vielfalt. (Ruhrfestspielhaus Recklinghausen)
30.09.2013 : Kultur und Klimawandel. (Stadthalle Hagen)

Sturmschäden an Bäumen treiben Städte gen Überschuldung

Was kostet ein Baum? Die Ersatzbeschaffung eines Baumes ist teuer. Sie wird fällig bei einem Verkehrsunfall. Bäume gehören den Städten. Ihnen gehören die Straßen, die Bäume und sie haben die Pflege bezahlt, damit der Baum anwachsen kann. Junge wie mittelalt gepflanzte Bäume benötigen diesen Start, der mal 3, mal 10 Jahre braucht. Die Aufwendungen hierfür sind geringer als die Ersatzbeschaffung eines Baumes. Aber dennoch finden sich in den Bilanzen der Städte Tausende an Bäumen mit dem Erstellungswert, der bei Großstädten auf 1.000 € und mehr je Baum geschätzt wird (siehe Methode Koch). Viele dieser Bäume haben an Wert aufgrund von Sturmschäden verloren – teilweise vollständig. Bei beispielsweise 17.000 Baumschäden in Düsseldorf entspricht das schnell einem Wertverlust von 17 Mio.€ zzgl. Kosten für die Beseitigung und Schäden an der Infrastruktur, an Kanälen, Kabeln und Straßen. Das muss jetzt in die Haushalts eingearbeitet werden.

Sturmschäden : In Essen-Stelle hat es diesen Baum aus seiner Pflanzinsel gerissen
In Essen-Stelle hat es diesen Baum aus seiner Pflanzinsel gerissen
In Essen-Stelle hat es diesen Baum aus seiner Pflanzinsel gerissen
In Essen-Stelle hat es diesen Baum aus seiner Pflanzinsel gerissen
EU-Hilfe: Wie hoch ist die Gesamtsumme der Sturmschäden?

Anders als bei Sturmschäden im „ländlichen“ Raum fallen die Schäden bei einer deutlich höheren Zahl an Akteuren an. Liegt eine Waldfläche, dann sind davon ein paar Eigentümer betroffen. Bei kleinteiligeren Siedlungen und Gärten ist das komplizierter. Daher kann auch der Gesamtschaden nur schwerlich ermittelt werden. Ein Ansatz ist, über die Versicherungen die Gesamtschadenhöhe zu schätzen.

Die Höhe des Gesamtschaden ist wichtig, um EU-Hilfen zu erhalten. Nur wenn der Schaden 3,5 Mrd € insgesamt neträgt oder 2,5 Mrd € allein in der Region NRW, dann könnte auch ein Zuschuss aus Brüssel kommen. Bis dahin sind die Kommunen allein auf das Land angewiesen. Kommunalpolitiker und Landesregierung führen auch schon Gespräche.

In der Presse waren einige Forderungen und Vorstellunge´n zu lesen. Es sieht aber nur nach einem kleinen Beitrag aus. Das Land wir den Kommunen nicht die Bäume ersetzen wollen – nicht zum Preis der Ersatzbeschaffung und auch nicht zu den Gehstehungskosten. Das wird die Bilanzen der eh schon gebeutelten Städte belasten. Ich vernehme Stimmen, dass gesetzlich eingriffen werden soll.

Die finanziellen Auswirkungen würden dann per Gesetz beseitig? Ist das der Sinn einer ordentlichen Haushaltswirtschaft? Geht ’ne Stadt durch abgängige Bäume wirklich pleite?

Lohnt sich das Kohlekraftwerk Datteln IV noch?

Ende April geht das Genehmigungsverfahren für das Kohlekraftwerk Datteln IV in die nächste Phase. Die Regionalplanungsbehörde des Regionalverbands Ruhr (RVR) wird im Mai den Mitgliedern des zuerst beratenden Planungsausschusses umfangreiche Unterlagen zur Verfügung stellen. Anfang Juli wird dann das „Ruhrparlament“, die Verbandsversammlung des RVR, darüber entscheiden. Es geht nicht nur um die Genehmigung selber, sondern auch darum, ob im Rahmen eines sogenannten Zielabweichungsverfahrens die in der NRW-Staatskanzlei bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) angesiedelte Landesplanungsbehörde entscheiden muss. Darauf läuft es hinaus, denn im rot-grünen Koalitionsvertrag ist vorgesehen, das im Falle einer Genehmigung eh die Landesregierung alles noch einmal vollständig prüft. Das sag mir einer, dass die Politik nicht zu Datteln IV entscheidet, wenn sie für bestimmte Entscheidungen zusätzliche Hürden errichte. (vgl.“Rot-Grüne Willkür: Zusätzliches Verfahren für Datteln IV“ vom 13.06.2012)

Die Idee vom fertigen Kraftwerk Datteln IV, einst geplant für 2011.
Die Idee vom fertigen Kraftwerk Datteln IV, einst geplant für 2011.
Derweil dümpelt der noch nicht fertige Bau in Datteln am Kanal vor sich hin. Es ist mehr als ein Rohbau. E.ON hat dort alles fertiggestellt, soweit mit den erteilten Genehmigungen vertretbar war. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Konzern eine vollständige Genehmigung hatte. Nicht diese wurde ungültig, sondern mehr indirekt, weil die Genehmigungsgrundlagen während des Baus entfielen. Das warf Fragen nach einem Bestandsschutz auf. Denn da war ja faktisch mit einer gültigen Genehmigung bebaut worden. Insofern ist das Wort „Schwarzbau“, das die Grünen in Datteln vor Ort benutzen, rein populistischer Natur. Beim RVR ist mit diese Vokabel noch nicht stärker aufgefallen. Zurzeit passiert nicht viel. Die Politiker warten auf die Unterlagen, die die Verwaltung erarbeitet, und seitens E.ON wird ein nicht fertiger Kraftwerksbau unterhalten, der nur Kosten verursacht.

Wird Datteln IV noch Gewinne erzielen können?

Die Kalkulation des Kohlekraftwerks Datteln IV ging von einem anderen Zeitplan aus. Europas leistungsfähigster Kraftwerksblock hätte im Jahr 2011 mit der Stromproduktion beginnen sollen. Bisher werden dort nur Kosten produziert. Unter Effizienzgesichtspunkten ist das neue Kraftwerk super: Es löst ältere Kraftwerke ab, so die Blöcke Datteln I und III. Es produziert weniger Emissionen. Der Einsatz von Kraft-Wärme-Kopplung führt zu einer höheren Energieeffizienz. Kurz: Aus der gleichen Menge Kohle kann mehr Energie gewonnen werden. Das Kraftwerk wird ältere Kraftwerke vom Markt verdrängen. Allerdings hat sich inzwischen der Markt für Kohlestrom deutlich verändert – Stichwort Energiewende. So ist inzwischen fraglich geworden, ob mit Kohlestrom überhaupt Geld verdient werden kann. Er wird weiter benötigt, aber derzeit gibt es soviel, dass der Preis an der Leipziger Strombörse sehr tief ist. Denn das ist das Paradox der Energiewende: Die Strompreise für Endverbraucher steigen, da sie auch die Kosten für den bevorzugt eingespeisten Strom aus regenerativen Quellen bezahlen. Für den nachrangig erzeugten Strom aus herkömmlichen Quellen – also hier der Kohle – besteht ein Überangebot und daher ist der Preis derzeit „im Keller“.

Exkurs: Eine Lehre aus dem Verlustprojekt Trianel-Kraftwerk Lünen?

Klar erkennbar: Kraftwerk der Stadtwerke Dessau.
Klar erkennbar: Kraftwerk der Stadtwerke Dessau.
Strukturen, wem was gehört, sind nicht immer einfach erkennbar. Eine Beteiligungsgesellschaft der Stadtwerke Flensburg ist neulich insolvent geworden: Trianel-Beteiligung führt in Flensburg zu Pleite“ (WAZ Lünen 03.01.2013). Das Flensburger Tageblatt bezeichnete dies für „kommunale Firmentöchter“ zurecht als ungewöhnlich. Diese Pleite wird nicht allzu unangenehm für die Stadt Flensburg und ihre Stadtwerke gewesen sein. Die Gesellschaft hätte sich mit Geld retten lassen. Doch warum hätte der Gesellschafter hier weiter Geld verbrennen sollen? Über diese Flensburger Förde Energiegesellschaft war er am Trianel-Kraftwerk in Lünenf beteiligt. Bei der Errichtung des Kraftwerks mit knapp 30 Partnern aus der kommunalen Energieversorgung, (siehe Liste auf der Internetseite der Stadtwerke Bochum) war mit Anfangsverlusten gerechnet worden. Die Inbetriebnahme hat sich auch dort verzögert. Ein Gewinn wird von einige Optimisten noch innerhalb der 20 Jahre Betriebszeit erwartet, bis das Kraftwerk vollständig an RWE fällt – siehe Ruhrnachrichten Witten und Handelsblatt im März 2013: „Ein Kohlekraftwerk macht wenig Freude“. Andere zweifeln, ob die Kosten je erzeugter Kilowattstunde Strom dauerhaft oberhalb des erzielbaren Erlöses liegen können. Die Stadtwerke Flensburg haben eine Gesellschaft und das dort eingesetzte Kapital verloren. Damit ist aber auch das Risiko der Kraftwerksbeteiligung an Trianel in Lünen beendet. Andere Stadtwerke sind nicht mittelbar über Gesellschaften, sondern direkt am Lünener Kohlekraftwerk beteiligt. Eine „geplante“ (=unzulässige) Insolvenz bietet sich hier nicht an. In einer Vorlage der Stadt Bochum zum Wirtschaftsplan der Stadtwerke Bochum GmbH bzw. der Energie und Wasser Mittleres Ruhrgebiet (emwr) liest sich das so:

Der sonstige betriebliche Aufwand enthält in 2011 eine Zuführung zur Rückstellung für steuerliche Risiken aus Betriebsprüfung, sowie in 2011 und 2012 jeweils eine Zuführung zur Drohverlustrückstellung für die Beteiligung am Trianel Kohlekraftwerk Lünen (TKL).
[…] Zum Ausgleich der Aufwendungen aus der Dotierung der Drohverlustrückstellungen für Verluste aus dem Projekt Trianel Kohlekraftwerk Lünen GmbH & Co. KG (TKL) auf Ebene der ewmr entnimmt die HVV [=Bochumer „Holding für Versorgung und Verkehr“] 6,0 Mio. € in 2012 und 2,0 Mio. € in 2013 aus der Gewinnrücklage.

Diese auch durch die Energiewende beeinflussten Verluste reduzieren das Potential zur Subventionierung des Nahverkehrs, siehe Energiewende frisst Nahverkehr – Dominoeffekt bei kommunalen Subventionen vom 18.10.2012.

Versicherungsfall Datteln IV?

Veilleicht wäre es E.ON gar nicht so unrecht, wenn der Kraftwerksbau jetzt scheitert. Das ist eine Frage für Wirtschaftswissneschaftler, Kaufleute und Juristen. Wer haftet in welchem Umfang, wenn Datteln IV nicht in Betrieb gehen darf und zurückgebaut werden muss? Für die Umwelt wäre es besser, wenn andere Kraftwerke vom Netz gehen würden. Aber wer finanziert den Verlust aus einer Stilllegung? Hier könnte die Sache haftungsrechtlich kompliziert, aber nicht unlösbar sein. E.ON wird den Bau versichert haben. Fraglich ist, was in den Versicherungspolicen steht. Es wird viel geredet, aber nur wenige haben Wissen.

Politisch sieht die Baustelle jedoch anders aus. Es wird gemunkelt, dass SPD und Grüne in der Landesregierung um NewPark und Datteln IV zocken. Datteln IV solle demnach gebaut werden, der NewPark nicht. Ersatzweise stünden – so die Idee – Gewerbe- und Industrieflächen am Standort der Opel-Werke in Bochum zur Verfügung. Die dies verfolgen, gehen schon länger – berechtigt – von einer Schließung des Opel-Standorts Bochum aus.
Wenn Datteln IV scheitert, wäre das ein schlechtes Signal für Investoren in NRW.

Essen will vorangehen bei Expo Klimawandel


Auf die hohen Kosten einer Weltausstellung – zu Deutsch: Expo – zu Klimaschutz und Umwelt in der Metropole Ruhr habe ich bereits hingewiesen und auf eine mögliche Zwischenlösung als Europäische Umwelthauptstadt 2014/15. Dabei bleibe ich auch erst einmal, denn die über die Finanzierung eines solchen Projektes muss erst noch gesprochen werden. wie es in einem Artikel der WAZ heißt „später, später, später“.

Essener Ratsbeschluss
Das Projekt dieser Expo in Ruhr ist letzte Woche einen Schritt weiter gekommen. Auf Antrag von CDU, Grünen, FDP und EBB, einer Essener Bürgerliste, beschloss der Rat der Stadt Essen, dass ihr Oberbürgermeister Paß (CDU) sich für Essen bei der Realisierung verwenden solle. Der Antrag des Viererbündnisses (PDF) gibt viele Optionen für Essen in der Begründung an und belegt mir indirekt, dass man sich in Essen bewusst ist, als Bannerträger der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 besonders zu profitieren. Die zentrale Passage des Beschlusses lautet:

Der Rat der Stadt unterstützt ausdrücklich die Bestrebung eine internationale Weltausstellung ‚EXPO Fortschrittsmotor Klimaschutz‘ ins Ruhrgebiet zu holen. Zu diesem Zweck ist frühzeitig zusammen mit den Nachbarstädten auf den Regionalverband Ruhr sowie auf Landtag und Landesregierung zuzugehen, um sich konstruktiv auch mit möglichen Flächenangeboten einzubringen.

Bemerkenswert finde ich den Hinweis auf interkommunale Kooperation über den Regionalverband Ruhr und das durchschimmernde Angebot, wieder als Bannerträger für eine Expo (oder als Europäische Umwelthauptstadt) bereit zu stehen.

Lösung für Finanzierung des Aus für Flughafen Essen/Mülheim
Im Rahmen der Projektentwicklung für Bewerbungen als InnovationCity Ruhr haben die Städte Essen und Mülheim eine Idee für den Flughafen Essen/Mülheim entwickelt. Zuletzt hatte sich in Mülheim eine Mehrheit gegen den Flughafen gefunden, so heißt es dazu auf DerWesten (Mülheim, 23.09.2010):

Der Ausstieg aus dem Flughafen-Geschäft ist erst vor wenigen Wochen vom Rat beschlossen worden. Essen und das Land wollen den Flughafen auch nicht mehr. Das Gelände für Zukunftstechnologien und wissenschaftliche Stätten zu nutzen, diesen Vorschlag hatte der Sprecher der „Initiative gegen Fluglärm“, Waldemar Nowak, bereits mehrfach gemacht. „Für Mülheim könnte so eine Expo langfristig wegweisend sein“, meint er, denkt an Fördergelder und daran, dass dieses Areal endlich eine „sinnvolle Nutzung“ erhielte.

Eine Ende für den Flughafen Essen/Mülheim hat allerdings auch seine Tücken, denn eigentlich müsste er zwecks Vertragserfüllung bis 2034 betrieben werden. Ansonsten ist mit Schadensersatzzahlungen zu rechnen, wenn man sich mit den Anspruchsinhabern nicht vorher einig wird. Und das dürfte mit Geld möglich sein. So heißt es dazu auf DerWesten (Essen, 07.10.2010):

Na bitte: Für den Aero-Club, der auf dem Flughafen noch bis 2034 einen gültigen Vertrag hat, und für das Luftfahrtunternehmen WDL, das bis 2025 Nutzungsrechte besitzt, würde sich aus den Zuschuss-Töpfen für eine Klima-Expo schon eine Abfindung finden lassen, ist eine der Hoffnungen, zumal andere Lösungen, wie es sich die Mülheimer gerade einmal wieder von einem Gutachter haben vorrechnen lassen, locker Millionenbeträge kosten dürften. Egal, ob man nun die bestehende Landebahn verkürzt, oder sie gar an den Rand des Flughafens verlegt, um Platz für andere Nutzung zu schaffen – es käme teuer.

Das erklärt das besondere Interesse der Städte Essen und Mülheim. Auch gerade die CDU geht dort voran. Es lohnt Sicht für sie. Auffällig sind die wenigen Anstrengungen der SPD dort. Erkennbar bilden sich gerade Strukturen einer interkommunalen und regionalen Kooperation heraus.


Bild: Eisberge von Jökulsarlon, von rzihlmann / photocase.de

Datteln 4 und die Fernwärme

Es gibt einen Konflikt im Lande. Einen Konflikt um Kohleverstromung. Es ist ein vielschichtiger Konflikt, siehe hierzu „LEP – Welche Kraftwerke brauchen wir?“ (22.06.2010)- Der Konflikt ist für die Metropole Ruhr ein ganz konkreter, keiner der nur in Düsseldorf zwischen den Koalitionären SPD und Grünen sowie den Oppostionsparteien im Landtag geführt wird. Politisch spannend ist er, da die Koalition der Minderheitsregierung hier Einigkeit herstellen muss.

Konkret ist der Konflikt nicht nur allein aufgrund des Standortes in Datteln. Durch die Übertragung der Regionalplanung für die Metropole Ruhr durch die vorherige schwarz-gelbe Landesregierung wird über Planungsrecht und somit Baurecht auch durch den Regionalrat in Essen, die Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr (RVR), entschieden. Bis September 2009 war noch der Regionalrat in Münster zuständig. Auch beim RVR bilden SPD und Grüne eine Koaltion. Der zuständige Bereichsleiter der RVR-Verwaltung ist mit Dr. Thomas Rommelspacher ein Grüner. (Der voraussichtlich durch einen anderen Grünen, den derzeitigen Fraktionsvorsitzenden der Grünen Martin Tönnes ersetzt werden soll.)

Nicht nur politische Entscheidungen verorten den Konflikt in der Region. Wenig wahrgenommen wird die Rolle von Datteln 4 für die Energieversorgung. Datteln 4 soll insbesondere die ICEs der Deutschen Bahn mit Strom versorgen. Das im Vergleich zu alten Anlagen deutlich effizientere Kraftwerk soll im Wege der Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) auch das nördliche Ruhrgebiet mit Fernwärme versorgen, so u.a. die Städte Herne, Bochum, Marl, Recklinghausen und Herten. Die nachstehende Karte stammt von Eon.

Die Stadt Herne ist besonders betroffen. Datteln 4 soll das alte Kraftwerk am Shamrock ersetzen. Nicht zu vergessen sind erhebliche wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Effekt während Bau und Betrieb der Anlage, für die bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert wurde. Für die Region wäre ein Stop des Projektes fatal.

Die Grünen, u.a. Umweltminister Remmel, fordern einen totalen Stopp des Projektes – ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Effekte und ohne hinreichenden Ersatz für die Strommmengen. Es wird auch in Kauf genommen, dass ältere, weniger effiziente und saubere Kraftwerke am Netz bleiben müssen. Ursächlich ist, dass Datteln 4 zum Symbol für die Politik der Grünen geworden ist. Die Fertigstellung der Anlage käme einem Gesichtsverlust gleich. Dadurch wird der Konflikt irrational und schwer lösbar. Dies schadet dem Land und der Region.

Bettvorleger einer Expo für Klimawandel

Rot-Grün will sie. Hannelore Kraft will sie auch: Eine Expo (Weltausstellung) für Umweltschutz und Klimawandel in der Metropole Ruhr. In der Regierungserklärung der Ministerpräsidentin heißt es:

Um ausländischen Investoren ein vollständiges Bild vom ökologischen Aufbruch im Industrieland Nordrhein-Westfalen vermitteln zu können, werden wir die Bundesregierung bitten, unsere Bewerbung um eine internationale Weltausstellung zu unterstützen, die „EXPO Fortschrittsmotor Klimaschutz“. In diesem weltweiten Schaufenster wollen wir zeigen, welche Fortschritte auf den Feldern Klimaschutz, innovative Technologien und Stadtumbau durch gemeinsames Handeln von Wirtschaft, Städten und Land unter Beteiligung der Zivilgesellschaft zum Nutzen der Menschen möglich sind.

Und es hat auch etwas für sich, da zur Bespielung des Ruhrgebiet ein Projekt für die Nachfolge der Internationalen Bauausstellung Emscherpark (IBA) in den 1990ern und des Kulturhauptstadtjahres 2010 gesucht wird.

So eine Expo ist ein großes Projekte, größer und teurer als ein Kulturhauptstadtjahr. Etwa so teuer wie das von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers vorgeschlagene Projekt einer zweiten IBA im Emschertal, die über Jahre dauern würde. Allerdings hielt ich so eine zweite IBA für realistischer, als das Großprojekt einer Expo. Es mag ein Reflex eines Ruhris sein, der nicht nach dem Sinn, sondern zunächst nach Kosten fragt. Die öffentliche Hand (Kommune, Region, Bund, Land) hat insgesamt 3,5 Milliarden DM (ca. 1,7 Mrd. Euro) für die Expo 2000 in Hannover investiert. Die Expo.02 in der Schweiz kostete 1,4 Mrd. Schweizer Franken, etwa 1,1 Mrd. Euro. Problematisch sehe ich, dass trotz mit einer Expo verbundener Investitionen in die Infrastruktur alles auf ein punktuelles Ereignis konzentriert ist. Nachhaltigkeit kann so schwer erreicht werden, wenn nach dem Ereignis die weitere Bespielung der Hinterlassenschaften geklärt werden muss. So ist es auch bei der IBA gewesen, aus der u.a. die Route der Industriekultur hervorging.
Zum Vergleich: Der Umbau des Emschertals im Rahmen des Plans emscher:zukunft der Emschergenossenschaft wird am Ende ca. 4,4 Milliarden Euro gekostet haben, jedoch über 20 Jahre dauern. Die IBA kostete die öffentliche Hand über die Jahre verteilt rund 1,5 Mrd. Euro.

Die Kommunen der Metropole Ruhr werden die Ausgaben für eine Expo nicht stemmen können. Die Nachfolgefinanzierung des Kulturhauptstadtprojektes stellt sich bereits als schwierig dar. Auch wenn die Kommunen nur eine prozentuale Ko-Finanzierung (10% ?) erbringen müssten, wäre dies ein Problem. Aber auch beim Land sieht es nicht besser aus. Schuldenmacherin Hannelore Kraft müsste noch was drauflegen.

Daher ist damit zu rechnen, dass die großen Expo-Träume zu einer kleinen Messe, musealen Ausstellung und/oder Konferenz zu Umwelt- und Klimaschutz schrumpfen werden. Der große Tiger der visionären Idee einer Expo in der Metropole Ruhr wäre dann als Bettvorleger gelandet. Wir werden sehen.


Bild: ‚PlanLos‘ von MMchen / photocase.com