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Essener Tafel ist überall – auch in Bottrop und Gelsenkirchen

  • Die Essener Tafel hat gehandelt, um etwas gegen das Bedrängt-sein durch neue, ausländische Nutzer zu tun.
  • Darüber gibt es große öffentliche Entrüstung, aber auch Verständnis.
  • Die Trennung von Nutzern von Freibädern nach Ethnien ist in Ruhr schon bekannt.
  • Inzwischen werden aufgrund von „Konfliktsituationen“ in Bädern bereits Sicherheitsdienste eingesetzt.

Die Essener Tafel will als neue Empfänger für Lebensmittel nur noch Deutsche aufnehmen. Diese Maßnahme war nach Ansicht der Essener Tafel notwendig, da andere „Kunden“ verdrängt wurden. Das heißt nicht das bereits registrierte Nutze ausgeschlossen wurden. Die generelle Entscheidung wird vielfach kritisiert. Vielleicht war das wirklich nicht der schlaueste Weg, aber das zu beurteilen bedarf auch Wissen, was vor Ort überhaupt geleistet werden kann. Das fehlt mir.

An der gleichwohl mutigen Entscheidung erkenne ich, dass bei der Essener Tafel ein Problem besteht. Es funktioniert nicht so einfach mit dem Miteinander von eingesessener und neuen bzw. zugewanderten Einwohnern. Das ist nicht mal neu.
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Flohmarktmetropole Ruhr – Schaden für die Innenstädte oder Chance für Migranten?

Heute morgen waren wir shoppen auf dem Flohmarkt in Gelsenkirchen. Das sagt nicht viel, denn es gibt eine wahre Fülle an Flohmärkten in Gelsenkirchen und in der Metropole Ruhr. In Gelsenkirchen sollte es heute den Flohmarkt an der Veltins-Arena (auf Schalke) geben und den an der Trabrennbahn. Die liegt neben dem Revierpark Nienhausen unweit der Stadtgrenze zum Essener Norden. Dort ist etwa viermal die Woche Flohmarkt, auf den Parkplätzen des Revierparks zweimal die Wochen ein spezieller Flohmarkt für Baby- und Kindersachen sowie freitags ein Mittagsflohmarkt. Da war ich noch nicht. Mich zieht’s am Sonntag höchstens an die Ruhr-Universität, wo ein Flohmarkt diese Wochenende stattfindet. Manchmal ist am Sonntag aber auch einer hier bei Real an der A40.

'Flohmarkt' an der Trabrennbahn in Gelsenkirchen
‚Flohmarkt‘ an der Trabrennbahn in Gelsenkirchen

Ich geh da gerne mal ‚rüber. In Berlin gehört der Besuch des Floh- und anschließenden. Kunstmarkts sonntags auf der Straße des 17. Junis ab S-Bahnhof Tiergarten zum Standardprogramm, ggf. ergänzt um einen Bummel über den Markt am Ostbahnhof. Auch dort ist eine Spezialisierung in unterschiedliche Trödelrubriken erfolgt. Seltener sind die Stände mit dem gesammelten Dachgerümpel. An der Trabrennbahn in Gelsenkirchen fehlt dieses Sammelsortiment fast vollständig. Für die Händler wird beim laufenden Meter für 5 bis 11 Euro unterschieden, ob Trödel oder Neuwaren angeboten werden und an welchem Wochentag. Es soll auch Rabatte für Händler geben, aber insbesondere Sonderanmeldungen für Lebensmittel. Auf einem Wochenmarkt in Bochum ist der laufende Meter deutlich preiswerter.

Lebensmittel vom Flohmarkt
Lebensmittel auf Flohmärkten? Ja, genau. Und damit ist nicht die obligatorischen Bratwurstbude gemeint. Lebensmittel fallen unter Neuware. Zumindest hoffe ich das 🙂 Die führten mich auch dahin. Denn weniger Kleidung, Küchenkleingeräte, Mobiltelefonhüllen, Ersatzschlüssel, Süßwaren, Armaturen oder Hundefutter führten mich hierher, als vielmehr günstiges Obst. Wir wollen am Sonntag Apfelmus, Apfelgelee und Birnenkompott einkochenm Mit 1 bis 1,50 € pro Kilogramm Obst liegt der Preis hier um die Hälfte niedriger als im Supermarkt ‚um die Ecke‘. Das gilt auch für andere Waren.

Schaden oder Chance
Viele Händler und Käufer haben sichtlich und hörbar einen Migrationshintergrund. Ich bewundere beide. Die einen für das – freiwillige oder unfreiwillige – Preisbewusstsein, die anderen für ihr selbst hochgezogenes Geschäft, zum Beispiel den Schlüsselmacher, der seine Werkstatt in einen Marktwagen gebaut hat. Mir ist klar, dass mancher auch unfreiwillig selbständig wurde – aus Mangel an Optionen. Aber wo sonst als hier besteht die Möglichkeit mit wenig, ja geringem Kapitaleinsatz zu starten und zu wachsen? Ich hab großen Respekt vor jenen, die sich hier ihre Nische suchten. Sie verkaufen preiswerte Molkereiprodukte, Ersatzteile für Fahrräder oder Dessous – nicht die Miederwaren vom Wochenmarkt. A propos Wochenmarkt? Wo ist der Unterschied zum Wochenmarkt? Vielleicht in der fehlenden Sortimentsbegrenzung, in den höheren Standkosten, in Größe, Preishöhe und Häufigkeit der Märkte. Da wundert es nicht nur, dass in der Debatte um Einzelhandel auf der grünen Wiese, Zentrenrelevanz und Ladenöffnungszeiten auch die Märkte, die als Floh- und Trödelmärkte deklarierten Märkte, angegriffen werden. Auch sehe ich Diskussionen um die Zukunft der Wochenmärkter überall. Dabei wundert mich, dass die für die Händler auf den ersten Blick deutlich teurere Variante der Floh- und Trödelmärkte boomt, nicht aber der klassische Wochenmarkt.

Plaktae mit Hinweisen auf Flohmärkte
Plakate mit Hinweisen auf Flohmärkte am Gelände des Revierparks Nienhausen in Gelsenkirchen, gegenüber der Trabrennbahn

Es ist auffällig, dass Floh- und Trödelmärkte abseits von Reglementierungen durch Ladenöffnungszeiten, Sortimentslisten und Marktordnungen boomen, während klassische in zentraler Lage mir als problembehaftet erscheinen. Was macht den Floh- und Trödelmarkt (ohne Tödel und mit Neuwaren) so attraktiv für Händler wie für Käufer?

Politikversagen: Migrantenliste zur Kommunalwahl

Ich bin zwar Mitglied des Wahlausschusses zur Kommunalwahl, allerdings konnte ich nicht an der ersten Sitzung teilnehmen. Als die Einladung kam, hatte ich für den Sitzungtermin längst meine Reise in die Kulturhauptstadt Europas 2009, Linz in Oberösterreich gebucht. Eigentlich die Zulassung der Bewerber und der Listen eher unspannend. Ein paar Randdetails sind eher interessant, wenn meist auch unbedeutend, z.B. Einzelbewerber. Diesmal gab es aber sehr wohl ein spannendes Detail: Eine Migraten-Liste wird kandidieren. Daher habe ich mir heute im Rathaus einmal das Protokoll der Sitzung des Wahlausschusses angesehen. In dem finden sich nämlich sämtliche Kandidaten der Listen und Bewerber um das Amt des Oberbürgermeisters bzw. der Oberbürgermeisterin.

BUND nennt sie sich und hat nichts mit Naturschutz zu tun. BUND steht für Bund unabhängiger Demokraten. In vier Ratswahlkreisen haben sie versucht anzutreten, in drei geschafft. Dafür waren jeweils 20 Unterschriften notwendig. Bezeichnend sind auch die Kommunalwahlkreise, in denen sie antreten: Goldhamme/Stahlhausen (15), Hamme/Hordel (16) und Dahlhausen (65).  Es handelt sich um Gebiete mit hohen Migrantenanteilen. (Ich hab irgendwie die These im Kopf, das 50% der Türken und Türkisch-Stämmigen in 5 statistischen Bezirken leben.) Die Reserverliste wird von Abdullah Albayram angeführt, dieser sitzt bereits als gewählter Migranten-Vertreter im Ausschuss für Migration und Integration (AMI) der Stadt Bochum. Dort vertritt er Mehmet Erkan. Bei den Wahlen zum AMI hatte der BUND seinerzeit einen Sitz errungen. Bemerkenswert ist ein Blick auf die Liste aber auch, da hier auch Faruk Ötztürk kandidiert. Er ist ebenfalls Mitglied des AMI – allerdings für die Allgemeine Aktive Ausländische Arbeitnehmerliste (AAAA). Hat hier eine Fusion stattgefunden? Die AAAA ist die einzige Liste, die mehr als einen Sitz bei den Wahlen zum AMI errungen hatte. BUND im AMI und AAAA stellen zusammen drei Sitze.

Ein weitere Blick auf die Kandidaten lässt mich ahnen, dass es sich insbesondere um Kandidaten handelt, die eine Zuwanderungsgeschichte haben, die in die Türkei führt. Neben zahlreichen Vertretern von Moscheevereinen, gehören einige vermutlich zum Türkischen Elternverein. Insgesamt scheint es sich um vereinsmäßig und institutionell aktive Personen zu handeln. Sicherlich auch um irgengwie eine Art Avantgarde und um Integration bemühte, wenn nicht sogar von der Integrationsarbeit Lebende.

Alles in allem besorgt mich die Kandidatur dieser Liste. Sie ist vollkommen legitim, aber zeigt auch, dass eine Integration über den AMI und die politischen Parteien nicht gelungen ist oder nicht gewünscht ist – von wem auch immer. Sie ist jedoch immerhin auch soweit gelungen, dass sie für die existierenden Institutionen kandidieren. Falls eine Integration nicht gelingt, dann stand seit Jahren bei Disussionen quasi im Raum, würden Migranten beginnen, eigene Listen zu gründen. Das ist hier nun passiert. Die Wahlbeteiligung werde ich mir einmal anschauen. Die Liste wird vermutlich auch wieder bei den anstehenden Wahlen zum AMI, irgendwann nach der Kommunalwahl, antreten.

Die Kandidatur dieser Liste sollte ein Ansporn für die etablierten Listen sein, sich mehr um Migraten zu bemühen. Für die Volksparteien, die noch stadtweit nach dem Territoritalitätsprinzip – in kleine Stadtteileinheiten –  organisiert sind, ist das eine schwierige Sache. Die Liste tritt diesmal sehr beschränkt an, da sie nur in drei Kommunalwahlkreisen Stimmen sammeln wird. Das muss aber nicht so bleiben. Daher freue ich mich, dass es in Bochum inzwischen auch eine Gruppe des Deutsch-Türkischen Forums (DTF) gibt. Dem Landesverband gehöre ich bereits etwas länger an. Eigenständige Listen von Migranten bzw. Funktionären derer, die  mit Migranten arbeiten, sind bereits ein Zeichen von Politikversagen. Offenbar können die politisch Aktiven nicht hinreichend integriert werden. Es wird sich zeigen, wie viele Wähler der BUND haben wird.

Eine dauerhafte Etablierung einer Migranten-Liste oder -Partei würde ich für integrationsschädlich halten. Ich befürchte, dass dann öffentlich und unabgestimmt stets Sonderinteressen formuliert würden, die anderweitig auf Widerstand stoßen würden. Am Ende könnte dies eine Radikalisierung migranten-unfreundlicher Gruppen bewirken. Es wäre ema auch nicht dienlich, wenn das Thema „Integration“ am Ende auf eine Liste/Partei reduziert wird.

Jetzt aber erst einmal die Kommunalwahlen und Wahlen zur Migrantenvertretung abwarten. Da der BUND keinen eigenen Kandidaten für das Amts des Oberbürgermeisters stellt, bin ich mal gespannt, ob die OB-Kandidaten die Liste um werben. Gerade die SPD dürfte die Kandidatur beunruhigen, da sie bisher – mit Abstand – die Direktkandidaten in den drei genannten Kommunalwahlbezirken stellt.

Ruhrnachrichten Bochum: „Neun Parteien wollen in den Rat einziehen“ (17.07.2009)
WAZ Bochum: „Vier wollen auf den OB-Stuhl“ (17.07.2009)