Schlagwort-Archive: Migration

Essener Tafel ist überall – auch in Bottrop und Gelsenkirchen

  • Die Essener Tafel hat gehandelt, um etwas gegen das Bedrängt-sein durch neue, ausländische Nutzer zu tun.
  • Darüber gibt es große öffentliche Entrüstung, aber auch Verständnis.
  • Die Trennung von Nutzern von Freibädern nach Ethnien ist in Ruhr schon bekannt.
  • Inzwischen werden aufgrund von „Konfliktsituationen“ in Bädern bereits Sicherheitsdienste eingesetzt.

Die Essener Tafel will als neue Empfänger für Lebensmittel nur noch Deutsche aufnehmen. Diese Maßnahme war nach Ansicht der Essener Tafel notwendig, da andere „Kunden“ verdrängt wurden. Das heißt nicht das bereits registrierte Nutze ausgeschlossen wurden. Die generelle Entscheidung wird vielfach kritisiert. Vielleicht war das wirklich nicht der schlaueste Weg, aber das zu beurteilen bedarf auch Wissen, was vor Ort überhaupt geleistet werden kann. Das fehlt mir.

An der gleichwohl mutigen Entscheidung erkenne ich, dass bei der Essener Tafel ein Problem besteht. Es funktioniert nicht so einfach mit dem Miteinander von eingesessener und neuen bzw. zugewanderten Einwohnern. Das ist nicht mal neu.
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Träum weiter – Solide Komödie am Schauspielhaus Bochum

Die junge Künstlerin Nora ist ins ins Koma gefallen. Um sie herum versammelt sich ihre auseinandergedriftete türkisch-griechisch-deutsche Familie und ihre Ex-Freundin. Diese Komödie der Zwischenzustände unter Kulturen, Generationen, Geschlechtern, sexuellen Orientierungen und zwischen Leben und Tod ist mit Charakteren überzeichnet, die alle ihr Päckchen an Problemen im Leben vor sich her tragen. Und manchmal ist es auch mehr als eins.

„Es muss Menschen wie mich geben, damit die Welt nicht untergeht.“

Dennoch bearbeitet die Dortmunder Drehbuchautorin Nesrin Şamdereli – bekannt von „Almanya – Willkommen in Deutschland“ (Youtube-Trailer) – die Themen der Päckchen bis in alle Tiefe. Es ist halt eine Komödie, eine dramatische Komödie mit gutem Ausgang. Und hier will gelacht werden, um den Preis kein Problem zu tief zu bearbeiten.

So überzeichnet die Autorin Nora als bio-deutschen Gutmenschen. Regisseurin Selena Kara lässt Schauspielerin Anne Eigner mit blondem Zopf auftreten. Und diesem Gutmenschen mit Helfer-Syndrom geht es nicht um ein Päckchen, sondern um alle Päckchen, die sie lösen will. Mit dem Ziel dafür gefeiert zu werden, der Gesellschaft ein Vorbild zu geben.
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Kermes in Langendreer – Goßer Erfolg für moslemisches Gemeindefest

Die moslemische DITIB-Gemeinde an der Ümminger Straße in Langendreer-West hat in den letzten 1 1/2 Jahren großes vollbracht. Am letzten Wochenende – 1. bis 3. Mai 2015 – feierte sie Kermes. Mit geschätzten 10.000 Besuchern trotz Regens an einigen Tagen gilt das moslemische Gemeindefest als mehr als gelungen. Viele Bürger aus dem Stadtteil, die nicht moslemischen Glauben waren, fanden sich darunter. Gratulation auch dafür.

Mit viel Engagement wurden die Gebäude entlang der Bahnstrecke Bochum-Dortmund im letzten Jahr renoviert. Wo verußte Fensteröffnungen bisher wenig einladend wirkten, befinden sich jetzt moderne Fenster und dahinter entsteht ein Gemeindezentrum mit Gebets-, Aufenthalts- und Unterrichtsräumen. Die nach Geschlechtern getrennten Gebetsräume sind bereits fertig und prächtig mit orientalischen Ornamenten ausgeschmückt.

Die vierte DITIB-Gemeinde deckt einen Bedarf der weit überwiegend türkischstämmigen Moslems in den Stadtteilen Bochum-Langendreer, -Werne und -Laer. Bisher nutzten viele die DITIB-Gemeinde an der Schmidtstraße in Bochum-Zentrum. Der Trägerverein hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Inzwischen gehören im 350 Mitglieder an.

Buden vom Bochumer Weihnachtsmarkt

Das große Gelände entlang der Bahnstrecke wurde zum Teil an das Unternehmen Pohlschmidt vermietet. Es lagert hier die vom Bochumer Weihnachtsmarkt bekannten Buden. An einigen finden sich der aus Anatolien stammenden St. Nikolaus angebracht. Die Holzhütten werden auch für den Kermes genutzt. Dieser umfasst neben Speisen auch einen kleinen Markt, Flohmarkt und ein buntes Programm auf der Bühne.

Kermes in Langendreer
Kermes in Langendreer

Anlässlich des Kermes wurden Gästen auch eine sehr gelungene medial Präsentation über DITIB, die neue Moschee-Gemeinde im Bochumer Osten und die Bauarbeiten gezeigt. Dieser war zum Beispiel zu entnehmen, dass 70 % der Moslems in Deutschland in den inzwischen 900 DITIB-Vereinen organisiert sind. Diese wollen sich als überparteilich und unabhängig verstanden wissen. Zukünftig sollen in den Schulungsräumen auch Integrations- und Deutschkurse angeboten werden. Immer noch würden insbesondere einige Frauen zuwenige Deutsch sprechen.

Ein Rückblick auf die Planungen finden sich in diesem Artikel der WAZ: DITIB plant offene Begegnungsstätte (07.07.2013)

Zeitenwende: Migrantenvertreter lösen Ratsmitglieder ab

In der ersten Sitzung des neu gewählten Integrationsrats der Stadt Bochum kam es am Mittwoch, den 29. Oktober 2014, zu einer bedeutenden Veränderungen. Erstmalig wurden ausschließlich gewählte Vertreter und Vertreterinnen der Bochumer Migranten zu Vorsitzenden dieses Ausschusses gewählt. In der letzten Wahlperiode des Rates waren im Vorgängergremium, dem Ausschuss für Migration und Integration, noch ausschließlich Ratsmitglieder in die Leitungsfunktionen gewählt worden. Damals stellten die Vertreter des Bochumer Stadtrats die Mehrheit, im neuen Integrationsrat überwiegen jetzt zahlenmäßig die gewählten Vertreter der in Bochum lebenden Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund.

Migrantenvertreter und Verwaltung, Foto: Arne Lindemann
Integrationsbeauftragte, Vorsitzende des Integrationsrates und Oberbürgermeisterin

Das obige Bild zeigt von links nach rechts: Die neue Integrationsbeauftrage der Stadt Bochum und Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums Bochum (KIBo) Susanne Köllner, die neue Vorsitzende Frau Khonafa Hajo (SPD), Alexandre Ndjeng Biyouha (CDU) und Ayse Balyemez (Grüne) sowie Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD).

Zusammensetzung der Migrantenvertreter ändert sich

Auffällig ist, dass sich über die Jahre Zusammensetzung und Auswahl der Migrantenvertreter verändert hat. Während es vor 10 Jahren noch eine Vielzahl an Listen gab, die am Ende mit wenigen Ausnahmen je einen Vertreter entsanden, so hat eine Konzentration der Listen stattgefunden. Folgende Migratenlisten habe es in den Integrationsrat geschafft: ILBO, SPD, AAAA und CDU-Forum. Auffällig ist, dass zwei Migrantenlisten bereits vom Namen her mit Parteien korrespondieren. Es sieht danach aus, dass sich Listen von Parteien mit Migraten durchsetzen. Erfolgt hierüber eine verstärkte Integration von Migranten ins Spektrum aller Parteien?

Weiterhin hat sich die Bandbreite der Berufe der Mitarbeiter auf eine bestimmte Kaste von Sozialarbeitern und politiknahe Professionen verengt. Quasi die Mittelklasse von Funktionsträgern mit Migrationshintergrund bildet sich hier ab. Ist das positiv zu werten für ein Entstehen einer solchen Mittelschicht oder negativ für die Vertretung von Sonderinteressen der Migranten?

Bild: Arne Lindemann

CDU: Deutsch-Türkisches Forum wird ‚Union der Vielfalt‘

17 Jahre bemühte sich das Deutsch-Türkische Forum in der CDU (DTF) um die Interessen von Migranten in und an der CDU. Der Blick auf die Berichterstattung um das DTF gerade auch in den letzten Monaten in der regionalen Presse in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass eine Entwicklung öffentlich verborgen geblieben ist. Das DTF hat sich zu einer Organisation weiterentwickelt, in der sich Migranten nicht nur türkischer Herkunft engagieren. Am 25. Juni 2014 erfolgte die Weitergabe des Vorsitzes des DTF NRW vom Gründer Bülent Arslan an die erste muslimische Bundestagesabgeordnete der CDU, an Cemile Giousouf Mdb aus Hagen. Dabei beschlossen die Mitglieder auch eine Änderung von Satzung und Namen. Das DTF heißt nun „Union der MigrantenVielfalt – Netzwerk Integration“. Das Ziel ist es eine anerkannte Vereinigung der CDU zu werden, die in allen Bundesländern und der gesamten Fläche vertreten sein soll.

Bülent Arslan und Cemile Giousouf MdB, neue Vorsitzender der Union der Migranten
Bülent Arslan und Cemile Giousouf MdB

Deutschland wird weniger, älter und bunter. Die Mitglieder des Landesverbandes des DTF, die in Düsseldorf zusammenkamen, waren sicher wenige gemessen an der Größe der CDU. Sie waren dafür deutlich jünger als der Durchschnitt der CDU. Das fiel überraschend auf, wenn die Kandidaten für die turnusgemäßen Vorstandswahlen das Alter ihrer Kinder nannten. Die Versammlung war auch bunter, gerade auch in der Breite er vertreten Migranten. Viele haben die deutsche Staatsangehörigkeit, dennoch spielt die Herkunft, selbst bei Migranten der zweite oder dritten Generation noch immer eine Rolle.

Die Umfirmierung in „Union der Vielfalt“ hat Vorarbeit gekostet, den der Vorstand passte sich an. In ihm sind Migranten mit vielen verschiedenen kulturellem Hintergrund vereint. Ich verzichte auf eine Aufzählung. Stattdessen verweise ich auf die Vielfalt in ihrer Komplexität. Die Muslimin Cemile Giousouf mag türkisch klingen? … sie entstammt einer griechischen Minderheit und hat auch einen griechischen Pass. Welch schöne Symbolik, dass sie den Vorsitz von einem Türkischstämmigen übernimmt.

17 Jahre Deutsch-Türkisches Forum

Vor 17 Jahren machten sich einige junge Politiker mit dem Deutsch-Türkischen Forum – DTF – auf den Weg. Damals schien es angebracht, eine Trennung bei Migrantengruppen zu haben. Aber es gab auch Zweifel, ob die Trennung richtig sei. Zu der Truppe zählte Bülent Arslan, der langjährige Vorsitzende des DTF NRW sowie Thomas Kufen MdL. Er war einige Jahre Integrationsbeauftragter der Landesregierung und integrationspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Heute gibt es Bundestags- und Landtagsabgeordnete der CDU, die selbst Migranten sind bzw. auch eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit haben. Es ist ein langer Weg von damals. Bülent Arslan kann davon ein Lied singen. Vor zehn Jahren wollte er mal Kandidat der CDU für die Wahl zum Deutschen Bundestag werden. Das hat nicht geklappt. Zur letzten Bundestagswahl haben die gleichen Delegierten mit Cemile Giousouf aufgestellt, die als erste Muslima für die Union in Berlin sitzt. Tempora mutantu“

CDU-Landesvorsitzender Armin Laschet MdB und Bülent Arslan
CDU-Landesvorsitzender Armin Laschet MdB und Bülent Arslan

Union der Migranten – Netzwerk Integration Nordrhein-Westfalen e.V.

Die „Union der MigrantenVielfalt“ hat sich zum Ziel gesetzt, als ordentliche Vereinigung bzw. Sonderorganisation der CDU anerkannt werden. Die neue Vereinigung will nicht nur in die Gesellschaft wirken, sondern in die CDU hinein. So sehr die CDU sich hinsichtlich der Integration von Migraten verändert hat, sich sogar für sie geöffnet hat, so sehr wird aber auch befürchtet, dass sich die Gesellschaft schneller entwickle, als die CDU mithalten könne. Mithalten meint damit politische Inhalte und die Kompetenz der Mitglieder und einzelnen Gruppen, Migranten Willkommen zu heißen.

Die Zahl der Migranten nimmt zu, ihre politische Rolle auch. Die CDU hat sich lange schwer getan, Migranten (nicht Vertrieben) zu akzeptieren und hinkte anderen Parteien, ja der gesellschaftlichen Entwicklung weit hinterher. Da ist noch einiges zu tun, Bülent Arslan schloss seine Rede mit einem Zitat von Norbert Blüm als Warnung:

Wer festhält, was verändert werden muss, verliert alles.

In einer früheren Version habe ich die "Union der Migranten" geschrieben, irgendwie fällt es mir schwer von DTF auf Union der Vielfalt umzustellen.

Wie ist der Deutsche Türkische Kulturverein ADÜTDF in Bochum Dahlhausen einzuordnen?

Dieser Text entstand als Antwort auf einen Text von Sebastian Hammer in meinem Facebook-Profil. Den Text von Hammer lehne ich ab,  da die Argumentation – höflich ausgedrückt – auf nicht vorgenommenen Differenzierungen, Verallgemeinerung und meines Erachtens Fehlinterpretationen beruht.  Er ist stellvertretender Vorsitzender der Jusos Bochum, der SPD-Jugendorganisation, und laut Angaben in seinem Facebook-Profil für die „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der IFAK e. V.“ verantwortlich.

Die „Deutsche Türkische Föderation“ (Almanya Türk Federasyonu – ATF) ist die deutsche Organisation der seit 1995 in Brüssel ansässigen Europäischen Konförderation der „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e. V. (ADÜTDF – Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu). Der deutsche Verband ist bereits 1978 aus einem Zusammenschluss mehrerer türkischer Vereine hervorgegangen. (vgl. KAS 2002) Der Verband ist föderativ organisiert und hat in Deutschland ca. 150, Nordrhein-Westfalen ca. 70 örtliche Vereine. Bundesweit hat sich die Zahl der Mitglieder von einst 20.000 in den 1990er Jahren (2003: ca. 10.000) auf 7.000 reduziert, was auch durch einige Abspaltungen von neuen Verbänden bedingt ist.(Zahlen vgl. NRW 2009) Die Finanzierung erfolgt vor allem über Mitgliedsbeiträge. Die Mitglieder sehen ihre Aufgabe in der sozialen, kulturellen und ökonomischen Unterstützung ihrer Mitglieder sowie der Förderung von „Zusammenarbeit und Solidarität“ (ebd.). Konkretisieren kann sich dies zum Beispiel in Dienstleistungen für Bestattungen in Deutschland oder in der Türkei.

„Die ADÜTDF gilt als Auslandsorganisation der türkisch-nationalistischen MHP (Milliyetci Hareket Partisi/Partei der nationalistischen Bewegung). Diese propagiert die Ideologie der nationalen Einheit aller Turkvölker auf der Grundlage der türkischen Identität. Während sie vor Beginn der achtziger Jahren den Islam als etwas dem Türkentum Artfremdes betrachtete, vertritt sie heute die Türkisch-Islamische Synthese (Türk Islam Sentezi), eine Ideologie, in welcher islamische und ethnisch-nationale Elemente miteinander verknüpft werden. […] [E]ntsprechend halten die Idealistenvereine ihre Anhänger zum Moscheebesuch und zur Verrichtung des Freitagsgebetes an und organisieren Korankurse und Wallfahrten nach Mekka.“ (KAS 2002)

Die MHP war 1969 aus der „Republikanischen Bauern-Volkspartei“ hervorgegangen und eng mit den durch ihren Anführer bereits in den 1960er-Jahren gegründeten para-militärischen Kommandolagern, deren meist ideologisch und militärisch unterwiesene Jugendliche sich selbst als „Bozkurtcula“ – deutsch „Graue Wölfe“ – bezeichneten. Die Grauen Wölfe agierten in der Türkei gegen linke Bewegungen und kurdische Autonomie-Bestrebungen. Die auch gewaltsam ausgetragenen Konflikte politischer Gruppen in der Türkei führten zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit mehr als 5.000 Toten und schließlich zum dritten türkischen Militärputsch 1980, in dessen Folge alle Parteien – auch die MHP und die Grauen Wölfe – verboten wurden. Ziel war eine Neuordnung der türkischen Gesellschaft und des politischen Systems, was zahlreiche oppositionelle Türken in das europäische Exil trieb. Die MHP existiert unter diesem Namen wieder seit 1992 und war von 1998 bis 2002 an der türkischen Regierung beteiligt. Bei den Wahlen 2007 (14,3 % Stimmenanteil) tat sie sich durch Anti-EU-Rhetorik und Agitation gegen die PKK hervor. PKK ist die Abkürzung für die marxistische, kurdische Untergrundbewegung „Arbeiterpartei Kurdistans“, die von der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten als terroristische Vereinigung eingestuft wird.

ADÜTDF, MHP, Graue Wölfe und viele weitere, in unterschiedlichem Maß nationalistische Gurppen – auch in Deutschland tätige Verein und Dachverbände – bezeichnen sich als Idealisten (Ülkücü-Bewegung). Der ideologische Hintergrund des Spektums türkischen, nationalistischen Ülkücü-Bewegung ist aufgrund rassistischer (passender wohl stark nationalistisch überzogener) und panturkistischer Elemente mit entsprechenden Ausgrenzungstendenzen kritisch zu bewerten. Eine Darstellung hierzu gibt der Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (NRW 2004). Inwieweit dies jedoch auf den europäischen bzw. deutschen Zweig der Bewegung, bei vorhandener Anpassung an die westeuropäische bzw. deutsche Gesellschaft, zu übertragen ist, bleibt fraglich. Einer pauschalen Übertragung auf alle deutschen Vereine und Mitglieder fehlt die Grundlage.

Migranten bringen ihre politischen Einstellungen und Konflikte mit

Türkische Migranten zu unterschiedlichen Zeiten und aller politischen Richtungen haben die Konflikte untereinander mit nach Deutschland gebracht. Bis in die 1990er Jahren sollen para-militärische „Graue Wölfe“ in Deutschland politische Gewalt ausgeübt haben. Anhänger des Anführers der MHP in Deutschland und der Idealistenvereine wie in der ADÜTDF sollen darin immer wieder verstrickt gewesen sein, wie in das Erpressen von Spendengeldern von türkischen Gastarbeitern oder Messerstechereien. Berichterstattungen des Spiegel dazu stehen Dementi des ADÜTDF gegenüber. Der deutsche ADÜTDF hat vor Jahren Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer ideologischen Überzeugungen abgelehnt. Kritiker merken an, dass sich die Methoden geändert hätten, da die Anhänger inzwischen zu Wohlstand gelangt seien.
Auf eine von der Fraktion Die Linke, namentlich u. a. von der Bochumer Bundestagsabgeordneten Sevim Dağdelen gestellt Anfrage im Deutschen Bundestag nach der Beteiligung der ADÜTDF an Demonstrationen mit Flaschen- und Steinwürfen wurde seitens der Bundesregierung geantwortet, dass “kein organisatorischer oder personeller Bezug zur ADÜTDF festgestellt werden“ (BTAG 2008) konnte. Im Verfassungsschutzbericht des Bundes wird der ADÜTDF nicht aufgeführt, im Bericht des Verfassungsschutzes des Landes Nordrhein-Westfalen der den ADÜTDF präventiv beobachtet, heißt es: „Gewalttätige Aktionen, die sich früher meist gegen PKK-Anhänger gerichtet haben, sind seit einigen Jahren aus diesem Spektrum nicht mehr zu verzeichnen gewesen.“ [Hervorhebung durch den Autor] (NRW 2009, S.10)

Zulauf erhielten die ADÜTDF und andere türkisch-nationalistische Organisationen zuletzt nach den rechtsextremistisch, neonazistisch motivierten Gewalttaten (Brandanschläge) gegen Türken in Mölln und Solingen in der ersten Hälfte 1990er Jahren. Dahinter steht der durch die Anschläge ausgelöste Wunsch nach Stärke und Gegenwehr. Es gibt neben ausländischen – türkischen – Komponenten der Konflikte unter Migranten auch inländische Komponenten.

Die Arbeit der Idealistenvereine wird dann als schädlich – „integrationshemmend“ – angesehen, wenn sie zu einer Abwendung von der deutschen Gesellschaft, in eine Parallelwelt, führt. Die deutsche ADÜTDF vertritt auch eine stark türkeiorientierte Sichtweise, „spricht jedoch in Bezug auf ihre Klientel von westeuropäischen Türken“ und sieht sich als demokratische Organisation der gesellschaftlichen Mitte, die sich im Rahmen der Gesetze bewegt. Es ist offensichtlich eine Anpassung an die neue Heimat erfolgt. Der Dachverband fördert die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft und legt seinen Mitgliedern das Engagement in Ausländerbeiräten und kommunal Gremien nahe. (s./vgl.KAS 2002) Der Verfassungsschutzbericht NRW 2010 gibt zur ADÜTDF (Ülkücü-Bewegung) folgende Bewertung ab:

„Aufgrund der Vielfalt und auch der Vielzahl der hier [beim Verfassungsschutz] bekannten Internetauftritte liegt die Vermutung nahe, dass die Ülkücü-Bewegung mit ihren Positionen und Forderungen das Entstehen einer extremistischen, isolierten Jugendbewegung in Deutschland fördert. Insbesondere unter den türkischstämmigen Jugendlichen der zweiten und dritten Migrantengeneration gibt das Erstarken eines übersteigerten türkischen Nationalbewusstseins Anlass zur Sorge, da dies die Integration der Jugendlichen in die Lebens- und Gesellschaftsverhältnisse in Deutschland behindert. Ob die Beeinflussung der Jugendlichen allein durch das Internet oder auch in den Vereinen bzw. durch Mitschüler erfolgt, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Zurückliegende Vorfälle an Kölner Schulen lassen vermuten, dass der Einfluss von Mitschülern nicht zu unterschätzen ist.“ (NRW 2009)

Eine Studie des Kreuzberger Zentrums für Demokratische Kultur, schließt daran mit folgender Feststellung an: „Andererseits ist es aber auch erforderlich (ZDK 2003), stärker in diese Einrichtungen hinein zu schauen, sich mit den dort organisierten MitgliederInnen kritisch auseinander zu setzen und vor allem die Jugendlichen nicht allein der Obhut der Vereinsvorstände zu überlassen.“ (ZDK 2003) Vor diesem Hintergrund müssen öffentliche Stigmatisierungen, die politisch aus dem Migrantenmilieu heraus motiviert sein können, mit Vorsicht betrachtet werden. Sie sind kontraproduktiv.

Der Deutsche Türkische Kulturverein in Dahlhausen an der Dr. C-Otto-Straße gehört diesem Verband an. Der Dahlhausener Verein wird wie der zur ADÜTDF gehörende Verein an der Rottstraße im Verfassungsschutzbericht des Landes NRW nicht genannt. Sie sind politisch bisher nicht in Erscheinung getreten. (vgl. auch RN 05.05.2011)

Zusammenfassung

Der Dachverband ADÜTDF ist mit türkischen-nationalistischen Organisationen verpartnert und mit der MHP auf eine Partei im türkischen Parlament bezogen. Konflikte zwischen rechten und linken türkischen Gruppen und innerhalb dieser sowie zur kurdischen Autonomie-Bewegung, insbesondere der PKK, sind mit den Migranten nach Deutschland gekommen. Diese Konflikte wie auch durch deutschen Extremismus geförderte Tendenzen zur Abschottung waren und sind schädlich für die Integration in Deutschland. Ihre Fortsetzung kann von der deutschen Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Noch weniger kann politische Gewalt gegen oder zwischen Gruppen toleriert werden.
Der Verein in Dahlhausen kann damit auch nicht in Verbindung gebracht werden. Der Umzug in die neuen Räume an der Dr. C.-Otto-Straße ist Anzeichen des vermehrten Wohlstands der zu einem großen Teil selbstständig tätigen 60 Mitglieder und ihrer Familienangehörigen. Dort wird im Sinne des ADÜTDF ehrenamtliche Arbeit zur Selbsthilfe der Mitglieder geleistet. Die derzeitige öffentlicher Stigmatisierung durch linksgerichtete Migrantenorganisationen und politische Organisationen erweist sich als schädlich, da sie eine Ausgrenzung bewirken und es dem Verein derzeit schwer fällt, zum Beispiel Deutschlehrer zu finden. Die Integrationsbemühungen des örtlichen Vereins im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe wirken gerade einer befürchteten Abkapselung entgegen, im Gegensatz wie die mit dem deutschen Rechtsstaat wenig verträgliche Forderung linker Gruppen, dass der Verein aus Dahlhausen verschwinden müsse.

Zur Symbolik

Der blau-graue Wolf war Namensgeber der para-militärischen Kommandos, die sich selber „Graue Wölfe“ nannten. Der graue Wolf entstammt der Türkischen Mythlogie, einer Gründungssage, die alle Turkvölker teilen und sie auf das Volk der Göktürken zurückführt. Diese hätten sich nach einem verloren Krieg für Generationen in ein fruchtbares Tal in den Bergen zurückgezogen. Das Volk habe das Tal und die Berge erst mit Hilfe der Wölfin Asena verlassen können. Der graue Wolf ist als Symbol nicht einer Organisation allein zuzurechnen.

Die MHP verwendet als Logo eine rote Fahne mit drei Halbmonden und geht auf die Kriegsflagge des osmanischen Reichs zurück, auf dessen positive Teile sich türkische Nationalisten beziehen.

Literatur

BTAG 2008	Bundestagsdrucksache Nr. 16/7682 vom 08.01.2008; Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen ,Wolfgang Neskovic und der Fraktion DIE LINKE (Drs. 16/7455)
KAS 2002	Türkische politische Organisationen in Deutschland , Sevket Kücükhüseyin; Konrad-Adenauer-Stfitung (Hrsg.); Zukunftsforum Politik Nr. 45; Sankt Augustin, August 2002
NRW 2004	Türkischer Nationalismus: ‚Graue Wölfe’ und ‚Ülkücü’ (Idealiste)-Bewegung, Verfassungsschutz des Landes Nordrhein-Westfalen 2004
NRW 2009 	Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2010,
Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen,  2010
NRW 2010	Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2010, Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, März 2011
Wikipedia DE
- Militärputsch in der Türkei 1980
- Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland
- Milliyetçi Hareket Partisi
ZDK 2003	Demokratiegefährdende Phänome in Kreuzberg und Möglichkeiten der
		Intervention - ein Problemaufriss, Eine Kommunalanalyse im Berliner Bezirk
		Friedrichshain-Kreuzberg Berlin, Februar 2003

Protest gegen „Graue Wölfe“ in BO-Dahlhausen ist ökonomisch motiviert

Türkische Fahne flattert im WindVorgeschichte
Seit vielen Jahren gibt es einen türkischen Verein in Bochum-Dahlhausen. Probleme gibt es nun, seit der Verein ein öffentlich sichtbareres, neues Domizil direkt am Kreisverkehr – quasi dem Ortskern – bezogen hat. Dabei gehen die neuen Probleme gar nicht von dem Verein aus, sondern von den Neidern.

Der Verein trägt sich allein, also ohne Unterstützung durch Steuergelder. Das neue Heim haben die Mitglieder in Eigenleistung prächtig ausgestattet. Da fallen gleich die teuren Kacheln auf und Toilettenräume, die ich mir privat für ein eigenes Häuschen wünschen würde. Und zu einer neuen Einrichtung gehören nicht nur der bekannte Billardtisch, sondern auch Flachbildschirme, DVD-Player, Beamer etc. Die Vereinsmitglieder, u. a. ehemalige, so genannte Gastarbeiter und auch heutige Ladenbesitzer, haben es zu etwas gebracht in Deutschland. Und diesen bescheidenen Wohlstand kann man in den Vereinsräumen sehen.

Jetzt sind diese neuen, größeren Räumlichkeiten sehr attraktiv – auch für Jugendliche und Kinder der Vereinsmitglieder und auch von Nicht-Vereinsmitgliedern. Das Verhältnis der Mengen zueinander kenne ich nicht, aber die, die nun dort ihre Zeit verbringen, standen bisher nicht auf der Straße, sondern wurden an anderer Stelle betreut, zum Beispiel durch die IFAK, einem linksgerichteten Bochumer Integrationsverein, der als erster Integrationsarbeit in Bochum leistete.

Die IFAK beschreibt zum Beispiel eine solche Aktivität im Stadteilzentrum Dahlhausen auf ihrer Internetseite:

„Von 13.00 bis 16.00 Uhr gibt es die Möglichkeit in attraktiven Räumlichkeiten unterschiedliche Freizeitangebote im Spiel, Sport und Kreativbereich in Anspruch zu nehmen.“

Ich habe den Eindruck, dass u. a. dieses Angebot nicht mehr hinreichend angenommen wird. Was soll’s, mag man meinen, aber wenn man in so einem Integrationsverein drinsteckt, hat  das weit reichende Konsequenzen für die eigene Arbeit. Was der eine Verein ehrenamtlich aufzieht, gewährleisten bei dem anderen Verein Mitarbeiter, finanziert überwiegend aus Steuergeldern. Auch die öffentlich geförderte, wenn nicht sogar voll finanzierte, Immobilie kann natürlich nur bescheidener daherkommen. Aber ohne Kinder und Jugendliche in der Betreuung ist der Grund der eigenen Arbeit und Existenz, ja der Jobs der Mitarbeiter, infrage gestellt. Und so wundert es mich nicht, wenn sich unterschiedliche Gruppen nun gegenseitig diffamieren. Damit meine ich Vorwürfe der folgenden Art: Die einen sind rechtsradikal, die anderen lassen Kinder Alkohol trinken. Die einen rechneten Teilnehmer an Deutschkursen gegenüber staatlichen Stellen ab, die gar nicht da seien, und die anderen seien als Menschenfischer für eine nationalistische Ideologie unterwegs … etc. pp.

Türk Federasyon oder „Graue Wölfe“
Der zentrale Vorwurf des konkurrierenden Vereins IFAK und des „Internationaler Kulturverein Regenbogen Bochum-Dahlhausen“ lautet, dass der Verein eine Organisation der „Grauen Wölfe“ sei und daher der deutschen Dachorganisation „Türk Federayson“ oder lang „Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu“ angehören. Und das ist so, wird nicht bestritten und ist klar und deutlich auf dem Schild über dem Eingang zu lesen.

Wer sind die „Türk Federasyon“, „Grauen Wölfe“ oder türkischen Idealisten? Das ist schwierig, komplex und facettenreich. Zur Beantwortung muss man sich mit den Gründen und Folgen des Militärputsches in der Türkei Anfang der 1980er Jahre befassen, der das vorherige – als gescheitert angesehene – politischen System mit seinen damaligen Parteien beseitigte. Dieses hatte sich durch einen starken, gewalttätig ausgetragenen Konflikt zwischen linken und rechten Gruppen bis hin zu politisch motivierten Morden ausge zeichnet. Die unterschiedlichen Gruppen türkischer Migranten zu verschiedenen Zeiten haben diese Konflikte mit nach Deutschland gebracht und in der Vergangenheit auch hier ausgetragen. Das scheint mir nun in neuer Weise zurückzukommen, wobei sich über die Jahrzehnte auch Wandlungen ergeben haben, so zum Beispiel eine Abkehr von politisch motivierter Gewalt und die Erkenntnis, dass Deutschland für die meisten zur Heimat geworden ist und man sich etwas erarbeitet hat.

Jetzt ließe sich der Türkische Verein auf diese nette Rolle ehemaliger Gastarbeiter (unzutreffend) reduzieren. Aber wodurch zeichnet sich der Dachverband aus, was ist das gemeinsame dieser Vereine, deren Dachverband betont, dass der die deutsche Variante bzw. Variante in Deutschland ist? Ich sehe da zwei Aspekte, die mir nicht so gefallen:

Nationalgefühl
Die Ideologie scheint mir auf einer Überhöhung des Türkentums – Panturkismus bzw. Turanismus – aufgebaut zu sein, die sich allerdings einer Anpassung an die Verhältnisse in Deutschland nicht entziehen konnte. Keiner wird den Anschluss Deutschlands an die Türkei fordern. Die Existenz von westeuropäischen Türken ist akzeptiert. Den Grad dieses Linkenn eher fremden Nationalgefühls kann ich nur schwer trennen vom von mir als typisch türkisch wahrgenommenen starken Nationalgefühl bzw. Patriotismus. Da gibt es sich erheblich unterscheidende Semantiken von politischen Begriffen und eine sehr extreme politische Sprache, ja eine andere politische Kultur. Ergänzt um die Sprachbarriere erschwert dies Außenstehenden ein Verständnis von Vorgängen und Positionen. Auffällig ist ein Bezug zur türkischen Mytholgie und so las ich auch von einer Beschreibung als türkisch-islamischer Synkrasie. Die Frage ist, wieviel türkischer Nationalismus darf oder kann sein. Die Menschen sind auch Träger dieser mit einer anderen Nation verbundenen Identität. Allerdings zeigt mir Lektüre zum Dachverband auch, dass die Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft und Engagement in der Kommunalpolitik ausdrücklich erwünscht wird.

Integrationshemmend
Ist das vermittelte Nationalgefühl übersteigert, dann ist dies integrationshemmend, denn es führt in eine Parallelgesellschaft. Eine leider schon recht alte Broschüre (2002) der Konrad-Adenauer-Stiftung zu türkischen, politischen Organisationen zieht folgendes Fazit:

Die ADÜTDF ist bemüht, in der deutschen Öffentlichkeit als demokratischeVereinigung der politischen Mitte wahrgenommen zu werden und betont ausdrücklich, sich im gesetzlichen Rahmen der Bundesrepublik Deutschland zu bewegen. Dies hängt unmittelbar mit der aktuellen [Anm.: damaligen] Regierungsbeteiligung der MHP zusammen. Unter dem Firnis zur Schau getragener demokratischer Gesinnung befinden sich jedoch weiterhin stark ethno- und kulturzentristische Vorstellungen

Allgemein muss die Haltung der ADÜTDF als integrationshemmend bewertet
werden.

Ich habe aber auch wahrgenommen, dass der Dahlhausener Verein nach einem Deutschlehrer suchte. Das ist für die Mehrung des eigenen Wohlstands in der neuen Heimat Deutschland auch erforderlich. Allerdings kapselt sich der Dahlhauser Verein eher ab. Das mag an Vorgaben des Dachverbands u..a. zur Öffentlichkeitsarbeit liegen, aber auch eine Reaktion auf Angriffe sein. Man will eher seine Ruhe haben und privat bleiben. Von meinem Besuch vor Monaten weiß ich, dass die Angriffe und Berichterstattung betroffen machen und sich die Frage stellt: wie damit umgehen? Die vorhandene Abkehr vom öffentlichen Leben in dieser verfahrenen Situation ist auch integrationshemmend. Ich wünschte mir, der Verein würde sich an bürgerschaftlichen Aktivitäten beteiligen. Bei dem Besuch mit CDU-Kollegen vor ein paar Monaten haben wir denen das auch so gesagt. Man kann übrigens einfach ohne Anmeldung durch die Tür des Vereinslokals laufen und wird herzlich begrüßt.

Menschenfänger?
Der Vorwurf rührt daher, dass die gute Ausstattung der neuen Vereinsräume dem Ziel diene, Kinder und Jugendliche für die eigenen Wertvorstellungen zu gewinnen. Dies hängt von der Beurteilung der Ideologie des Vereins durch die Gegener ab, wobei der Dahlhausener Verein politische nicht auffällig ist, was die Ruhrnachrichten nicht einem Bericht am 5.5.2011 auch feststellten. Den Dachverband, der auch dem Charakter eines ADAC nach Anbieter von Dienstleistungen zum Beispiel für Beerdigungen ist, mag ich da nicht beurteilen. Ich müsste mir dazu mal so ein Deutschlandtreffen der Deutschen Türkischen Föderation anschauen, aber das werde ich kaum tun. Die, die da mit dem Finger zeigen, sind übrigens auch nicht ideologiefrei tätig.

Bei meinem Besuch dort habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Vereinsmitglieder hier voll stolz einiges zusammen getragen, um einfach ihren Verein und ihr Vereinsheim, indem sie viel Zeit verbringen, schön zu machen. Ich gehöre auch einem „Ideologieverein“ an, für den monatlich mehr als 100 € verwendet werden. Das soll Probleme mit einem eventuell übersteigerten Nationalgefühl nicht relativieren, aber auch den Gemeinschaftsaspekt hervorheben. Im Wertesystem der CDU wird hier – nach der katholischen Soziallehre – Subsidarität gelebt. Der Sympathie dafür kann ich mich nicht entziehen: Da haben sich Menschen in ähnlicher Lebenslage, mit ähnlichen Lebensläufen und ähnlicher Herkunft zusammengeschlossen, damit es ihnen besser geht und um sich gegenseitig zu helfen. Und das auch noch ohne Staat und Steuergelder! In dieser Form sieht man das gern.

Leider ist es aber so, dass der Erfolg Verlierer erzeugt und Neider mit sich bringt. Und darin sehe ich die Ursache des künstlichen Aufruhrs in Dahlhausen. Als die Deutsche Türkische Förderation in Dahlhausen noch in alten, schäbigen Räumen war, hat die Ideologie für keinen Aufruhr gesorgt. Das ist jetzt anders. Und das ist mein Vorwurf an die Urheber des Protestes: Es geht hier ums Geld! Der Rest ist geheuchelt. Hier wird nur ausgegrenzt, der Versuch der Integration ist nicht zu erkennen. Man beachte übrigens die Erstunterzeichner: Die versammelte Bochumer Linksszene.

Warum Politik sich damit befasst?
Ich befasse mich auch mit den Vorgängen in Dahlhausen, weil mir diese linke Heuchelei auf den Keks geht. Aber es gibt auch zwei weitere Gründe:

Das Entstehen einer Parallelgesellschaft ist nicht im gesellschaftlichen Interesse. Das einst von den grünen verfolgte Multi-Kulti-Konzept, jeder schön für sich, ist tot. Man muss auf die Deutsche Türkische Föderation weiter zugehen, damit sie sich nicht abkapselt.

Die Ausgrenzung durch die linksorientierte Vereine wie die IFAK, einem Netzwerk linker und grüner Funktionäre verstärkt den Rückzug in eine solche Parallelwelt, zumindest für den privaten Lebensteil. Ich habe in Dahlhausen mit einem Obsthändler und einem Fliesenleger gesprochen, die sich in ihrem Beruf der Gesamtgellschaft kaum entziehen werden können. Was die IFAK aber da gerade initiiert, ist auch integrationshemmend. Offentsichtlich kann man dort nicht akzeptieren, dass auch anderswo gearbeitet werden muss und wird.

Wofür ich stehe
Da ich mich auf einen Hagel an Kritik und Beschimpfungen aus der linksextremen Ecke freue, hier auch gleich meine politischen Forderungen zum Thema:

  • Konflikte aus anderen Ländern – und sogar Zeiten – haben in Deutschland nichts verloren! Links- wie rechtsorientierte Gruppen türkischer Migranten müssen sich von den Konflikten in ihrem Heimatland lösen. Deutschland ist nicht Vorfeld oder Urlaubsland für Konflikte und „Kämpfer“ aus anderen Ländern. Alles andere ist integrationsschädlich, da es das Zusammenleben stört.
  • Vereine zur Selbsthilfe sind mir lieber als auf dauerhafte Alimentierung mit Steuergeldern angewiesen Sozialarbeiternetzwerke. – Pluralität muss es auch in der Integrationsarbeit geben.
  • Migranten sind Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und tragen diese mit sich. Das Ausleben einer auch türkischen Identität muss möglich sein.  Für übersteigerte Nationalgefühle gilt das nicht, wenn sie das friedliche Zusammenleben gefährden. Das wäre integrationshemmend und auch ansonsten eine Verirrung des Denkens.
  • An der Diffamierung von Personen und Vereinen, die sich allein gegen ihren Erfolg  und ihre Leistungen wendete, beteiligte mich nicht. Leider geschieht dies jetzt in Dahlhausen, wo sich die Deutsche Türkische Föderation ein neues Vereinsheim geschaffen hat. Der Protest dagegen ist unglaubwürdig, denn die Initiatoren müssen sich fragen, warum sie erst jetzt aktiv werden. Für mich ist die Antwort salopp formuliert klar: Weil es an den eigenen Geldbeutel zu gehen scheint.

Eine Lösung der Frontstellung in Dahlhausen zwischen den Vereinen kann ich mir vorstellen, aber das ist schwer zu moderieren. Da wird leider noch Zeit vergehen. Insgesamt sollte alle stärker differenzieren.


Vertiefende Linkliste

Aufruf zu „Rote Karte für Graue Wölfe“ auf der Internetseite des Bochumer „Forums für Antirassismus und Kultur“ oder alternativ BO-Alternativ

Türkische, politische Organisationen in Deutschland – Broschüre der Konrad-Adenauer-Stiftung aus 2002.

Zwei Wikipedia-Artikel
zu „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland

zu „Militärputsch in der Türkei 1980

 


Bild: „Hereingeflattert“ von schiffner / photocase.com

Ein Buch, seine Thesen und die Folgen – Lesung und Diskussion zum Buch von Thilo Sarrazin

Die Thesen von Thilo Sarrazin zur sozialen Sicherung, Bildung und Integration sind seit der Vorabveröffentlichung seines Buches in aller Munde. Im Fernsehen bei Politshows und bei politischen Gesprächen kann man sich den losgetretenen Diskussionen nicht entziehen“ erklärt Dirk Schmidt (CDU), Mitglied des Rates der Stadt Bochum. Zusammen mit Bezirksvertreterin Christiane Kutz, einer Kollegin aus dem Vorstand der CDU Bochum, veranstaltet er am kommenden Dienstag, den 26. Oktober 2010 um 19:00 Uhr im Kolpinghaus Bochum-Mitte (Maximilian-Kolbe-Str. 14-18, 44793 Bochum) eine öffentliche Diskussion und Lesung zum Buch ‚Deutschland schafft sich ab‘. „Christiane Kutz und ich wollen mit weiteren Lesern und am Buch interessierten Bürgern ins Gespräch kommen. Es ist ja nicht zu leugnen, dass viele zur Zeit diskutierte Thesen zum Thema Integration und Zuwanderung durch die Diskussion der Thesen von Thilo Sarrazin entstanden sind. Manches daovn ist sehr umstritten. Einiges ist dabei klärungs- und erklärungsbedürftig.“

Ablauf der Veranstaltung
Christiane Kutz und Dirk Schmidt wollen zu Beginn der Veranstaltung in die Auseinandersetzung um das Buch einführen und die neuesten Entwicklungen der Diskussion der Thesen nachzeichnen. Dazu gehören auch die Thesen von Horst Seehofer zu Integration. Dabei sollen auch irreführende Begriffe, wie zum Beispiel „muslimische Migration“ hinterleuchtet werden. In der Veranstaltung besteht Gelegenheit zum Meinungsaustausch und zur Diskussion.

Zu der Veranstaltung, zu der ansonsten nur per Internet (Email, Facebook, WWW) eingeladen wurde. Sind alle Bürger herzlich eingeladen, die sich friedlich an einer durchaus kontroversen Diskussion beteiligen wollen. Unter anderem hat bereits der Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Forums, Kreisverband Bochum, sein Kommen zugesagt.

Christiane Kutz ist Vorsitzende der CDU Bochum-Ost (Langendreer, Laer, Werne) und Mitglied der Bezirksvertretung Bochum-Ost sowie des Vorstands der CDU Bochum. Dirk Schmidt ist ebenfalls Mitglied der Vorstands der CDU Bochum, des Rates der Stadt Bochum und Vorsitzender der CDU Wattenscheid-Westenfeld. Beide haben neulich festgestellt, dass auch sie das Buch des Genossen Sarrazin gelesen haben, wie manch anderer auch.
Vom Verlag des Buches liegt den Veranstaltern inzwischen eine Genehmigung für den Teil der Lesung vor.

Die Aufsteigerrepublik – Zuwanderung als Chance

„Die Aufsteigerrepublik – Zuwanderung als Chance“ ist der Titel eines Buches von Armin Laschet, des ersten deutschen Integrationsminister hier aus Nordrhein-Westfalen. Aus diesem Buch wird der am 27. April 2010 um 20 Uhr in Bochum vortragen.

Beim Veranstaltungsort bin ich mir nicht sicher, wo der gerade ist, obwohl mir eine Einladung vorliegt.

Integrationsausschuss darf beschließen, wie lange noch? [Update]

Im Rahmen einer Experimentierklausel ist vor fünf Jahren der Ausschuss für Migration und Integration der Stadt Bochum eingerichtet worden. Die Stadt Bochum nutzt dafür wie andere Kommunen die Experimentierklausel der nordrhein-westfälischen Gemeindeordnung. Dies musste bzgl.  §27 mit den Regelungen zum Ausländerbeirat dringend weiterentwicklet werden. Die letzte rot-grüne Landesregierung hatte nichts Neues mehr bewerkstelligt, so dass vielflältiges Experimentieren im Lande notwendig war.

In Bochum hatte man sich für ein „Experiment“ entschieden und dann auch mit der Kommunalaufsicht ausgehandelt, bei dem ein Ausschuss gebildet wurde, der den übrigen Ausschüssen des Rates gleichberechtigt war. Das besondere ist, dass er aus Ratsmitglieder und gewählten Migrantenvertretern zusammengesetzt ist, wobei die Zahl der Ratsmitglieder die der Migrantenvertreter um eins übertrifft und der Vorsitzende aus den Reihen der Ratsmitglieder stammt. Das ist aber normal, da die Vorsitze in Ausschüssen im Rat per Quoten auf die Fraktionen entfallen.

Das Experiment auch in Bochum zu wagen, war dringend geboten. Der alte Ausländerbeirat hatte gerade einmal zwei funktionierende Sitzungen zustande bekommen: die erste und die letzte. Ansonsten waren die Mitglieder und Gruppen im Ausländerbeirat einfach nur zerstritten und wirkten nicht arbeitsfähig. Der neue Ausschuss für Migration und Integration funktionierte wesentlich besser.

Jetzt steht eine Novelle des §27 der Gemeindeordnung an. Vorschläge liegen von den Landtagsfraktionen CDU und FDP (gemeinsam) sowie von der Fraktion Bündnis’90/Die Grünen vor. Von der SPD habe ich noch nichts gehört. Aus Bochumer Sicht ist eines leider traurig: Keiner der beiden Entwürfe enthält eine Beschlussrecht für das neue Migrantengremium. Der Ausschuss würde wieder auf eine beratende Funktion beschränkt, egal welches Modell realisiert wird oder egal, ob die Gemeindeordnung der Kommune eine Wahl zwischen verschiedenen Optionen ließe. Die CDU-Fraktion im Rat der Stadt Bochum hat sich daher an die Landtagsfraktion der CDU gewendet, um auf dieses Problem hinzuweisen.

Und nun was besonders kurioses: Der Vertreter der Landesarbeitsgemeinschaft der Migrantenvertretungen (LAGA) trug heute die Unterschiede zwischen den Gesetzentwürfen vor und stellt die Position der LAGA hierzu dar. Mit der Bochumer Situation hatte er sich nicht befasst. Die Forderungen der LAGA bleiben hinter der Situation in Bochum zurück. Das ist bedauerlich. Die Lösung in Bochum scheint einmalig zu sein. Ich würde sie gerne behalten.

Die CDU-Fraktion hat hierzu am Donnerstag eine Pressemitteilung herausgegeben. Presseberichterstattung erfolgte bereits am selben Tage.