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Steven Sloan hört 2021 auf

Bei den Bochumer Symphonikern wird in drei Jahren ein neuer Dirigent gesucht. Generalmusikdirektor Steven Sloan hat gegenüber dem Kulturausschuss der Stadt Bochum heute geäußert, dass er 2021 gedenkt aufzuhören. Er ist dann 28 Jahre – seit 1994 – in Bochum tätig und 63 Jahre alt.

Ein ruhiger, vorzeitiger Ruhestand dürfte es nicht werden. Sloan hat angekündigt in Bochum bleiben zu wollen. Die deutsche Staatsangehörigkeit hat er vor Jahren angenommen. 2009 wurde ihm der Titel ‚Bürger des Ruhrgebiets‘ verliehen. Er war einer der künstlerischen Direktoren der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010
Im Raum steht, dass der Stadtrat ihn zum Ehrendirigenten der Bochumer Symphoniker ernenne wird. Was das genau heißt, wird sich zeigen.

Einen der größten Erfolge abseits künstlerischer Erfolge dürfte der Bau des Anneliese Brost Musikforums Ruhr am 27. Oktober 2016 gewesen sein. Erstmals haben die Bochumer Symphoniker eine eigene Spielstätte. Das Foto entstand nach dem Eröffnungskonzert.

Der Abschied lässt in 2021 eine größere Feier erwarten.

Wenn ich sehe, wie per SMS / WhatsApp das mehrfach als Nachricht eintrudelt, dann belegt das die Bedeutung von Sloan für Bochum. Da dürfte eine Ehrung bald Formsache werden. Wirklich bewegend. Ich erinner mich noch an ‚Welcome Mr. Sloan‘

Endspurt: 5.584 € fehlen noch für Wolfgang Wendlands Internet-Imbiss

Kassierer-Sänger Wolfgang Wendland sammelt derzeit Geld für seinen satirischen Internet-Imbiss. Per Crowdfunding hat er die Hälfte des Projektbudgets inzwischen zusammen. Zur Realisierung müssen in der Endphase noch Zusagen in Höhe von weiteren 5.000 € zusammenkommen. „127 Spender für meinen Imbiss sind sehr erfreulich“, resümiert der Alt-Punk. „Aber das Geld
Bekommen wir ja nur, wenn die Gesamtsumme erreicht ist“, stellt der Wattenscheider fest. Schwierig sei zu vermitteln, dass der professionelle Schnitt seiner Show Geld kostet. Geld, das im Gegensatz zu einer Kücheneinrichtung nicht zu sehen sei.

Prominente Unterstützung aus der Punk-Szene

Prominente Hilfe hat der liebevoll „Wölfi“ genannte Sänger inzwischen erhalten. Aus der Punk-Szene kamen die Band „Die Dorks“ und mit Alex „Slime“ Schwers der Veranstalter des Festivals ‚Punk im Pott‚. Auf YouTube gibt es online einen improvisierten Vorgeschmack wie seine Internetsendung aussehen könnte.

Das Konzept der Show sieht vor, dass ein Gast zusammen mit Wolfgang Wendland für einen Prominenten kocht. „Die Bekochten sollen aus allen möglichen Bereichen kommen, aber auch die Gäste. Da kann mal ein Musiker für einen Politiker kochen, oder ein Fußballspieler für einen TV-Moderator. Über die Zustellung des Rezeptes werde ich mich am Ende selber kümmern“, erläutert Wolfgang Wendland seine Show.

Internet-Imbiss: Crowdfunding auf startnext.de

Die Gesamtsumme von 9.999 € will Wolfgang Wendland bis zum 15. Januar zusammenbekommen. Spenden beginnen bei einem Euro. Auf der Crowdfunding-Seite startnext.de bietet der Künstler auch attraktive Dankeschöns an. Neben der obligatorischen Kaffeetasse kann ein Singsang-Telegramm bestellt werden. Wolfgang Wendland singt dann zu Wunsch des Spenders oder eine Auserwählten ein Ständchen. Ebenfalls kann ein eigener Besuch im Internetimbiss gebucht werden – mit Selfie-Garantie.

Multitalent Wendland

Wolfgang „Wölfi“ Wendland, Jahrgang 1962, ist ein deutscher Musiker, Filmemacher, Schauspieler, Politiker und Satiriker aus Wattenscheid. Der Sänger der Punkband „Die Kassierer“ reichte zuletzt einen nicht akzeptierten Song zum deutschen Wettbewerb des „European Song Contest“ an. Im Theater Dortmund ist mit den Kassierern in der Punk-Operette „Häuptling Abendwind“ zu sehen.

Politisch kandidierte der aus Lünen stammende ehemalige Kanzlerkandidat einer Pogo-Partei zuletzt als Oberbürgermeister. Einige Jahre war er selber Kommunalpolitiker in Wattenscheid: als Unabhängiger gewählt über die Liste der Linkspartei. Zu Silvester wurde er jüngst Mitglied der Partei „Die Partei“, die vom ehemaligen Chefredakteur des Satire-Magazins Titanic Martin Sonneborn inszeniert wird.

Berichte

Ruhrbarone.de: Wolfgang Wendland startet Internet-Imbiss (16.11.2016)

WAZ Wattenscheid: „Wölfi“ haut „Berühmtheiten“ in die Pfanne (Timo Gilke, 26.11.2016)

Lokalkompass.de: Wendlands Imbiss im Netz (Lauke Baston, 29.11.2016)

Zeltfestival Ruhr: 6 Tipps zur Vorbereitung

Vom 19. August bis 4. September 2016 findet am Kemnader See das 9. Zeltfestival Ruhr (ZfR) statt. Auch für Besucher ohne Konzertkarten ist das ZfR attraktiv. Für Familien und Öfterkommer hier ein paar Tipps, um Geld zu sparen und einfach das Beste herauszuholen.
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Wie viele Zuschauer hat die Ruhrtriennale?

Wie viele zahlende und nicht zahlende Zuschauer haben eigentlich die einzelnen Programmpunkte der Ruhrtriennale? frage ich, nachdem ich von „Love’s Deep Ocean“ (Alim Quasimov) in der Jahrhunderthalle zurückgekehrt bin. Die Halle 4 war nicht einmal zu einen Viertel besetzt – maximal 100 Zuschauer. Ich gehörte zu den nicht zahlenden Gästen.
Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Okay, ich bin früher gegangen. Das mag anfangs peinlich wirken, aber das Gefühl verschwindet, sobald man draußen an der Luft wieder Freiheit atmet. Es ging nicht anders, meine Konzentration war nach einer Stunde nicht mehr da. Der Künstler Alim Quasmiov wird hoch gelobt, so u.a. von der New York Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitpunkt. Allerdings habe ich mit Musik abseits der Dur-/Moll-Harmonik Probleme. Als ich in Istanbul mal Musik (jaja, Aserbaidschan ist nicht Türkei, aber hat auch ne Turksprache) hörte, konnte einigen Stücken folgen. Es waren am Ende Filmmelodien, u.a. einer Soap-Opera. Ich vermute, dass die Harmonik sehr schlicht war und „westliche“ Elemente enthielt. Alim Quasimov und seine Tochter bzw. die Musikform des Mugham waren dann aber doch zu schwer für mich. Es kreist mir zu sehr um die Stimme. Hier mal ein Beispiel von youTube:

Der derzeitige Intendant der Ruhrtriennale, Willy Decker, wollte in seinem Programm Kunst, Kreativität und religiöse Urelemente verbinden. Der gesungene Mugham wirkt auf mich religiös, aber das kann auch ein in mir sitzender westlicher Sterotyp des Stimmenklangs und der Gestik sein. Es ist auch nicht abzustreiten, dass Quasimov eine verdammt gute und beeindruckende Stimme hat. Dennoch, ich habe den Zugang nicht gefunden. Aber offenbar haben wenige den Zugang gefunden, also überhaupt den Weg dahin.

Viele Stücke der Triennale sind ausverkauft. Zumindest entnehme ich es den Angaben im Programm. Kulturpolitik stelle ich mir immer so vor, dass da ein Sandkasten hingestellt wird, den die Kulturschaffenden dann bespielen. Dabei geht es nicht nur um die Bespielung mit publikumswirksamen Veranstaltungen, sondern auch weitere Ziele können verfolgt werden. Ich zähle sie mal hier nicht auf. Auch Mugham hat meinen Horizont erweitert. Aber da mach ich jetzt erst einmal einen Haken dran. Allein von der Zuschauerbeteiligung stellt diese Musik eine Nische dar. Die Produktionskosten dürften gering sein: 6 Musiker mit Technik auf der Bühne. Und da frage ich mich, ob das eine Abrundung des Programms mit ja auch durchaus teueren Produktionen ist und nicht nur eine prestige-trächtige Bespielung ist, ohne auf Widerhall in der Region zu treffen.

Der heutige Abend in der Jahrhunderthalle in Bochum hat mich auf jeden Fall verstört. Sinn und Zweck von Kunst, notwendiges Maß an Publikumszuspruch und öffentlicher Finanzierung muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen, wie auch die Frage, welche Kulturschaffenden wie und für wen ausgewählt werden. Ist das wie mit des Kaisers neuen Kleidern oder lieg ich komplett daneben?

Meiner Erinnerung nach hält das Land an der Kultur Ruhr GmbH, die Träger der Ruhrtriennale ist, einen Anteil von 51% und leistet 80% der Zuschüsse, wobei der Rest vom Regionalverband Ruhr stammt. Gute Nacht!