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Grünes Artefakt: Neugestaltung Grummer Teiche

Es mag sein, dass die Grummer Teich in Bochum ein naturnaher Park sind. Von extensiver Pflege spricht mancher, wenn möglichst für die Pflege einer Grünanlage ausgeben wird. Auf einer Informationsveranstaltung verwies ein Bürger darauf, dass die Teiche früher einmal alle 10 Jahre gereinigt worden seien. Ist das das Problem? Mangelnde Pflege?

Glaube ich einem Ökologen, der auf dieser Veranstaltung vortrug, dann ist der Grummer Bach ökologisch minderwertig. Wie minderwertig ist aber umstritten mit den Bürgern. Die finden sehr wohl Nistplätze für den Eisvogel und Wasserflöhe. Der Ökologe will den Bach „ökologisch aufwerten“, auch ästhetisch könne einiges verbessert werden.

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Machbarkeitsstudie für ersten Radschnellweg veröffentlicht

Der Regionalverband Ruhr (RVR) in Essen hat die vom Bundesverkehrsministerium finanzierte Machbarkeitsstudie für einen Radschnellweg durch die Metropole Ruhr veröffentlicht. Laut Studie rechnet sich der Bau des Radschnellwegs, der Tausende Autos von den Straßen der Metropole holen würde.

Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg RS 1
Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg RS 1
In zwei Szenarien wurden die Berechnungen angestellt. Im schlechtesten Fall wird davon ausgegangen, dass der derzeitige Anteil von 10 % Radfahrern im Umfeld des neuen Radschnellwegs RS 1 auf 14 % gesteigert werden könne. In diesem Falle rechne sich der Bau volkswirtschaftlich mit dem Faktor 1,86.

Im günstigeren Fall wird davon ausgegangen, dass der Anteil auf 20 % gesteigert werden könne. Das entspricht noch nicht dem zum Beispiel von grünen Politiker angestrebten Anteil des Radverkehrs von 25 % des Verkehrsaufkommens. In dieser Variante sei der Nutzen fünfmal so hoch wie das notwendige Investment zuzüglich der Betriebskosten.
Nicht berücksichtigt, d. h. monetär quantifiziert, wurden weitere Effekte wie eine Beschränkung des zusätzlichen Flächenverbrauchs.

Finanzierungsfragen für Radschnellweg (noch) nicht geklärt

Die Machbarkeitsstudie legt nicht dar, wie der Radschnellweg finanziert werden kann. Bei der Vorstellung im Beisein der parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesverkehrsministerium Katharina Reiche MdB wurde kurz auf mögliche Finanzuierungsquellen eingegangen. Dabei wurde klar, das die Fördermöglichkeiten des Bundes bereits aufgrund grundgesetzlicher Vorgaben beschränkt sind. Insbesondere das Land Nordrhein-Westfalen, dem vom Bund Inverstitionspauschalen zustehen, ist gefordert abseits der Bundesstraßen Fördermöglichkeiten für den Bau zu bieten.

In den kommenden Wochen wird den zehn Städten zwischen Duisburg und Hamm die vorgeschlagene Trassenführung in Dialogveranstaltungen vorgestellt werden.

Das Konzept eines Radschnellwegs sieht einen idealerweise kreuzungsfreien, breiten Radweg vor.

110 Millionen Euro für 100 km Radschnellweg Ruhr!

Gar nicht schlecht die Idee, mal eben mit dem Rad schnell in die Nachbarstadt zu fahren – oder morgens regelmäßig zur Arbeit. Hierfür soll parallel zu Bundesautobahn A40 und der Eisenbahnstammstrecke durch die Metropole Ruhr ein Radschnellweg gebaut werden. Zumindest nach Wunsch der Grünen, die den Radschnellweg Ruhr zum Thema machen wollen. Sie sind so überzeugt von der Idee, dass sie die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie nicht abwarten wollen. Bisher gibt es nur grobe Schätzungen, wie viel der Radschnellweg Ruhr mit der Kurzbezeichnung RS 1 kosten soll. Laut grober Kostenschätzung sollen es 110 Millionen Euro werden! Das wirft die Frage auf, auf die Mittel nicht effizienter verwendet werden können.

Radfahrerabsteigen

Bei einer Länge von ca. 100 km zwischen dem Rhein in Duisburg und dem Hauptbahnhof Hamm sind beufen sich die Kosten auf durchschnittlich etwas mehr als 1 Million € je Streckenkilometer. Die Kosten der Abschnitte sind jedoch deutlich unterschiedlich. Im Westen der Metropole – zwischen Duisburg und Essen – stellt sich der Bau als unkompliziert dar. Hier gibt es den Kilometer auch für deutlich unter einer halben Million Euro, da weitgehend der Trasse der aufgegebenen Rheinischen Bahn gefolgt werden. Was die Berechnungen der vorliegenden Konzeptstudie verschweigt, ist das die Terasse vom Regionalverband Ruhr bereits als Radweg ausgebaut wird. Die Berechnung der Vorteile des Radschnellwegs geht davon aus, dass es den Radweg noch gar nicht gibt.

Radschnellweg Ruhr: Grobe Kostenschätzung (2012)

110 Mio. €
DuisburgEssen-Universität20 Mio. €
Essen-UniversitätEssen-Kray13 Mio. €
Essen-KrayBochum-Mitte10 Mio. €
Bochum-MitteDortmund-Mitte33 Mio. €
Dortmund-MitteUnna-Königsborn21 Mio. €
Unna-KönigsbornHamm13 Mio. €
Quelle: RVR-Verwaltung, u. a. http://goo.gl/4eOEmC

Hinter Dortmund durch den dünner besiedelten Kreis Unna nach Hamm stellt es sich nicht als zu schwierig und kostspielig dar. Zwischen Essen und Dortmund, quer durch den verdichteten Siedlungsraum mit Bochum und Gelsenkirchen, da wird’s heikel, was auch eine abschnittsweise Kostenschätzung des RVR-Bereichsleiters Martin Tönnes (Grüne) verrät. Allein zwischen den beiden Bahnhöfen und Bochum und Dortmund soll die Trasse 33 Mio. € kosten. Der Stadt Dortmund ist das zu teuer.

Rhein-Ruhr-Express und Radschnellweg buhlen um die selben Pendler

Kann das Geld nicht sinnvoller ausgegeben werden? So ein Radschnellweg ist toll, soll er doch immerhin 1% aller Autofahrer zum Umsteigen auf das Rad bewegen. Aufgrund der Entwicklung von eBikes und Pedelecs, batterieunterstützer Fahrräder, könnten es sogar ein paar mehr werden. Aber für 100 Mio. € könnten auch einige Kilometer Autobahn gebaut werden oder der Rhein-Ruhr-Express (RRX) vorangetrieben werden. Letzterer ist ein Projekt mit dem täglich 30.000 Pendler von der Autobahn auf die Schiene gelockt werden sollen. Und das auf der gleichen Strecke zwischen Duisburg und Hamm. RRX und Radschnellweg stehen in Konkurrenz zueinander, in Teilen sogar um die Nutzung der Trassen der Rheinischen Bahn.

Machbarkeitsstudien und Kosten kommen jetzt erst nach den Wahlen

Es spricht vieles dafür, die Kostenermittelung der Planungen abzuwarten. Einige Kilometer im Ballungsraum kosten auch mehrere Millionen Euro. Nur Teile des Konzepts zu realisieren könnte Sinn ergeben. Die Machbarkeitsstudie und weitere Unterlagen sollten im Frühjahr vorliegen. Dazu gehört auch ein Konzept zur Finanzierung. Die Städte an der Ruhr werden das nicht bezahlen können. Fördergelder des Landes oder der Europäischen Union werden mindestens benötigt. Unangenehme Themen vor den Kommunalwahlen und der Europawahl am 25.05.2014. Da wundert es nicht, dass die Studie jetzt erst im Sommer erscheinen sollen. Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD) wird den Regionalverband Ruhr, der die Studien erstellen lässt, a, 23. besuchen. Am 23. Juni 2014.

Vielleicht zahlt die Europäische Union ja das Projekt aus EFRE-Mitteln. Wenn Radwege nicht mehr im Rahmen der Tourismusförderung gebaut werden können, dann noch mit dem Ziel Kohlendioxid einzusparen. Steuerzahlergelder bleiben es, egal wer über ihre Verwendung entscheidet.

Zurzeit öffentlich vorliegende Quellen

Zwischenbericht Machbarkeitsstudie Radschnellweg Ruhr (RS1) (2013)
Konzeptstudie Radschnellweg Ruhr (2012)
Präsentation des Bereichsleiters Planung des RVR, Martin Tönnes (Grüne)

Artikel zum Thema

Focus: „Radschnellweg Ruhr ab 2014 geplant : Jetzt kommt die erste Autobahn für Radfahrer“ (16.08.2013)
WA: „Dortmund gegen Radschnellweg durch das Ruhrgebiet“ (25.04.2012)
RN: „Hohe Kosten : Rad-Schnellweg soll in Dortmund 37 Millionen kosten
Ruhrbarone: „Radschnellweg Ruhr – brauchen wir ihn wirklich?“ (Arnold Voss, 22.03.2012)

Radschnellweg Ruhr: Abschnitte

vonnachEntf. jetztFahrzeit 15 km/hEntf. RS 1Fahrzeit 20 km/hDiff.
122,8 km493 min101,1 km (-17,7%)304 min38 %
Duisburg, RheinparkDuisburg, Abz. Universität4,9 km20 min4,3 km13 min34 %
Duisburg, Abz. UniversitätMülheim, Hbf10,3 km41 min6,5 km20 min53 %
Mülheim, HbfMühlheim, Abz. Grugaweg6,9 km28 min4,8 km14 min48 %
Mülheim, Abz. GrugawegEssen, Uni6,5 km26 min5,6 km17 min35 %
Essen, UniEssen, Bhf Kray6,3 km25 min5,2 km16 min38 %
Essen, Bhf KrayGelsenkirchen, Rheinelbe6,2 km25 min2,9 km9 min65 %
Gelsenkirchen, RheinelbeBochum, Hbf11,4 km46 min8,7 km26 min43 %
Bochum, HbfDortmund, TU17,5 km70 min15,0 km45 min36 %
Dortmund, TUDortmund,
S-Stadthaus
5,4 km
22 min5,3 km16 min27 %
Dortmund, S-StadthausUnna, S-Königsborn19,1 km76 min16,8 km50 min34 %
Unna, S-KönigsbornBergkamen, Landwegstraße10,9 km44 min10,0 km30 min32 %
Bergkamen, LandwehrstraßeHamm, Hbf17,4 km70 min16,0 km48 min31 %
Quelle: Planersocietät, Konzeptstudie Radschnellweg Ruhr, zitiert nach 'Zwischenbericht Machbarkeitsstudie Radschnellweg Ruhr', RVR-Drs. 12/0943
Achtung! Reisezeit aktuelle Strecke (ohne Rheinische Bahn) mit 15 km/h berechnet, für den Radschnellweg mit 20 km/h

Fahrradwege: Den Städten geht das Geld aus, auch hierfür

Die Verteilung der Gelder der Radverkehrsförderung des Landes NRW zeigen, wie die Konsequenzen der Haushaltsmisere der Kommunen der Metropole Ruhr unter Rot-Grün aussieht. Im Rahmen des „Förderprogramms für den kommunalen Sonder-Radwegebau (Radverkehrsförderung) 2012“ werden weitere Maßnahmen der Kommunen für den Radverkehr unterstützt. Von den landesweit 9,5 Mio. € des Programms geht mit 0,47 Mio. € für 15 Projekte im RVR-Gebiet nur ein geringer Teil in die Metropole Ruhr. In mündlichen Erläuterungen im Umweltausschuss des RVR berichteten die Bezirksregierungen, dass die Haushaltslage der Kommunen dazu führten, dass diese keine Projekte mehr qualifizieren und zur Förderung anmelden würden. Die Kommunen könnten die Eigenanteile nciht mehr darstellen. Den Anträgen zum Bau von Radwegen würde dann von der Kommunalaufsicht aus finanziellen Gründen widersprochen.

Kein Fahrradweg - "Ende Gelände" von .marqs / photocase.de
Kein Fahrradweg - "Ende Gelände" von .marqs / photocase.de
Zur Förderung in 2012 sind Projekte vorgesehen in Hamm, Kamen, Unna, Duisburg, Essen, Wesel, Moers, Bottrop, Datteln, Gelsenkirchen, Marl und Recklinghausen. Details hierzu finden sich in der RVR-Vorlage 12/558.

Hauptsächlich Öffentlichkeitsarbeit
Schaue ich mir die Liste (Anlage zu Drs. 12/558) an, dann wird das Resultat für die Radverkehrsförderung in der Metropole Ruhr noch schlechter, denn das Programm für den „Sonder-Radwegebau“ trägt zurecht die Ergänzung „Radverkehrsförderung“. Denn um letzteres geht es irgendwie noch – nur noch. Von 15 Projekten in der Metropole Ruhr handelt es sich bei 10 Projekten einzig und allein um Öffentlichkeitsarbeit: „Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der AGFS“. AGFS steht für „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Stadt“ Für den Radwegebau (3 Projekte) ist kein Geld mehr da, nur noch Geld für Broschüren, Publikationen und Veranstaltungen.

Keine Anträge der Kommunen mehr, nicht einmal eine Qualifizierung von Projekten
Es handelt sich bei vorgenanntem Programm nicht um das einzige. Beim RVR soll auch das „Förderprogramm für den kommunalen Straßen- und Radwegebau 2012“ beraten werden. (siehe RVR-Drs. 12/0560) Noch vermittelnd schreiben die Regierungspräsidenten Folgendes in der Vorlage:

„Für das RVR-Gebiet ist hier, noch stärker als für andere Regionen, mit zunehmender Tendenz festzustellen, dass die Kommunen mit dem von ihnen ursprünglich selbst gewünschten Einplanungsjahr der mittelfristigen Planung des Straßenbauprogramms auf Grund ihrer
schwierigen Haushaltssituation nur noch mit Mühe Schritt halten können. „

Nicht nur, dass keine Projekte mehr bis zur Antragsreife qualifiziert werden, auch die vorhandenen geraten über die Zeitschiene ins Schlingern.

Die Finanzmisere der Kommunen in der Metropole Ruhr hat sich nicht geändert. Da nützt alles lamentieren des Landesregierung von Hannelore Kraft nicht. Die Betroffenen wagen nicht einmal Anträge zu Förderprogrammen zu stellen, da ihre spärlichen Mittel, wenn freigegeben, bevorzugt für anderen Bereich ausgegeben werden (müssen). An so einer Stelle wird mal deutlich, was das nach Jahren bedeutet. Die Benachteiligung geht weiter, denn die wenig haben, bekommen noch weniger.

Arnold Voss schreibt bei den ruhrbaronen unter dem Titel „Radschnellweg Ruhr – brauchen wir ihn wirklich?“ zur Kritik eines solchen Schnellwegs. Die veranschlagten Kosten von 110 Mio. € stehen in krassem Gegensatz zu den fehlenden Geldern, die einen Bruchteil dieser Summe ausmachen. Ein Bruchteil würde für die Beteiligung an den Programmen der Radverkehrsförderung benötigt. Das Geld könnte gerade auch für Radwege besser eingesetzt werden. Ich bin gespannt auf das Ergebnis der beauftragten nächsten Studie zum Radschnellweg. In den Ausschusssitzungen wurden schon Forderungen laut, dass so etwas der Bund fördern müsse, da es mit Autobahnen vergleichbar sei. Die Verantwortung für den Preis der Realisierung solcher Überlegungen wird also bereits vorab nach Berlin verschoben.


Bild: „Ende Gelände“ von .marqs / photocase.com