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Bochumer Tutehorn (05.12.2014)

Lokalnachrichten aus Bochum und Wattenscheid
Der letzte OPEL: … ist im Werk in Laer vom Band gelaufen. Das Werk schließt jetzt endgültig. Ich spare mir Links zu einer Vielzahl an Berichten und beschränke mich auf eine historische Rückschau des Journalisten Kai Rüsberg mit dem Titel: „Wie polnische F16 Opel Bochum abschossen“ – Ansonsten dreht sich alles um den Förderbescheid von 32,6 Mio. €, mit dem das Land die Umwandlung der Flächen fördern will, und um den „drohenden“ Denkmalschutz für das Opel-Verwaltungsgebäude am Werk 1. (Ruhrnalist, CDU, SPD)

Deutsche Annington: Der Zusammenschluss der beiden Immobilienfirmen Deutsche Annington mit Sitz in Altenbochum und Gagfah mit Sitz in Mülheim an der Ruhr hat Spekulationen über den Firmensitz ausgelöst. (Ruhrbarone, DerWesten) Ein Mitarbeiter der Annington zu mir: „Quatsch!“

Schulsanierung: Für 13,6 Mio. € ist das aus dem Jahr 1964 stammende Gebäude der Hans-Böckler-Realschule saniert worden. Geld kommt u. a. aus der Schulpauschale des Landes. (DerWesten)

Kindergärten: In Bochum steigen die nach Einkommen gestaffelten Elternbeiträge im kommenden Jahr um 5 %. Laut Landesvorgaben soll der Beitrag der Eltern 19 % der Betriebskosten decken; in Bochum sind es 13,75 %. (DerWesten)

Motorradclub: Die drei in Bochum vertretenen Chapter der Freeway Riders wehren sich gegen den Vorwurf, Unterstützer der Bandidos zu sein. (DerWesten)

Sportplatz Dickebank: Der Kunstrasen für den Fußballverein SW 08 an der Dickebankstraße, der durch Wirtschafsförderung mit der Erweiterung einer Großbäckerei möglich wird, erfreut nicht alle Anwohner. Unter anderem wird Lärm befüchtet. (DerWesten)

Zeche Holland: Es geht weiter mit dem Erhalt des Turms der Zeche Holland in Leithe. Mit Landesförderung wird jetzt zunächst die Schachthalle ab Januar 2015 abgerissen. (DerWesten)

Dreharbeiten: An der Bergstraße in Grumme kommt es in der kommenden Woche zu Halteverboten. Grund sind Dreharbeiten. (BO)

Fahrzeugbestand: 215.792 Fahrzeuge sind in Bochum zugelassen, 195 mehr als Ende Oktober. In Bochum fahren seit November 8.207 Fahrzeuge mit Wattenscheider Kennzeichen, ein Plus von 167. Die Anzahl der Elektrofahrzeuge erhöhte sich um vier auf nun 98. (BO)

Ruhtriennale: Die Spielzeit der Ruhrtriennale 2015 (14.8.-26.9.) endet mit Richard Wagners „Rheingold“. Die Premiere – inszeniert vom neuen Intendanten Johan Simons – erfolgt am 12.9. in der Jahrhunderthalle. (IDR)

Musik: Unter dem Titel „Mein Traum ist länger als die Nacht“ gestalten die Bochumer Symphoniker zusammen mit dem Pop-Duo „2Raumwohnung“ zwei Konzertabende. Am 11. und 12. Dezember spielen sie im Audimax der Ruhr-Universität Bochum Gustav Mahlers Symphonie Nummer 5. Eingeflochten darin erklingen Songs der Band, darunter auch neue, eigens für dieses Konzert entstandene. (IDR)

Schulessen: Die Eltern müssten sich aber darauf verlassen können, dass ihre Kinder mit vernünftiger und ausgewogener Kost versorgt werden. Deshalb sei erforderlich, dass seitens der Stadt ein einheitlicher Qualitätsstandard unter Beachtung der Empfehlungen der DGE beim Schulessen sichergestellt werde.

VfL Bochum: Am Freitagabend besucht den VfL Bochum im heimischen Stadion mit dem FC. St. Pauli der Letztplatzierte der 2. Fußballbundesliga. Möge er drei Punkte dem unter Druck stehenden VfL mitbringen. (DerWesten, VfL)

Verkaufsoffener Sonntag: Nach Wattenscheid zum Adventmarkt am letzten Wochenende ist jetzt die Bochumer Innenstdt dran. Am Sonntag sind zwischen 13 und 18 Uhr die Läden anlässlich des laufenden Weihnachtsmarkts geöffnet. (BO-Marketing)

Ausgezeichnet: Das Service-Center der Knappschaft ist von der Computerzeitschrift CHIP für seine Servicequalität mit „sehr gut“ ausgezeichnet worden. (Knappschaft)

Einbruch: In den Polizeiberichten tritt der Bewohner eines Einfamilienhauses in Höntrop hervor. Nach einer Sitzung in seiner Gartensauna musste er Einbrecher vertreiben. (POL-BO)

Urbane Künste Ruhr: PULSE PARK im Westpark Bochum

Noch bis zum 16. September 2012 pulsiert es im Westpark, direkt hinter der Jahrhunderthalle in Bochum. Von Einbruch der Dunkelheit gegen 21 Uhr bis 1 Uhr ist hier die Lichtinstallation PULSEPARK des aus Mexiko stammenden Künstlers Rafael Lozano-Hemmer aus Montreal, Kanada zu erleben. Der Künstler sieht seine Aufgabe darin, interaktive Kunst in öffentliche Räume zu bringen. Er bezeichnet sich selber als Nerd.

In einer Skulptur am Wiesenrand hat der Künstler einen Pulsnehmer untergebracht. Eine kleine, beleuchtete Metallplatte erläutert die Handhabung. Mit festen Umschließen der Metallteile wird der eigene Puls in die Installation eingespeist. Er gibt der Illumination des Parks für einige Sekunden den Rhythmus vor. 250 Theaterscheinwerfer leuchten im Takt des eigenen Pulses auf. Danach zeigt die Installation die letzten 250 eingespeisten Pulse gemäß eines FIFO-Stack an: Jeder der 250 Scheinwerfer zeigt einen Puls an. Da mitten in der Installation drinnen picknicken Besucher dieser Technik-Performance.

Die Installation wurde von der Kultur Ruhr GmbH, Abteilung Urbane Künste, initiiert und finanziert anlässlich der Ruhrtriennale 2012. Ausrichter der Ruhrtriennale ist die von Land NRW und RVR getragene Kultur Ruhr GmbH. Die Abteilung Urbane Künste ist neu. Sie wurde im Rahmen der Nachfolge des Kulturhauptstadtjahres Ruhr.2010 und der Ruhr.2010 GmbH errichtet. Die Installation im Westpark ist Teil der Nachwirkungen – der Nachhaltigkeit – des Kulturhauptstadtprojektes. So wird es auch die Austellung EMSCHER.KUNST 2013 werden. Im Vorfeld hatten Regionalpolitiker, die CDU Ruhr und das Ruhrparlament, gefordert, dass Ruhr.2010 kein einmaliges Feuerwerk sein dürfe, sondern auch nachwirke. Auch so, denn der Auftrag der Abteilung Urbane Künste Ruhr ist, Kunst im öffentlichen Raum zu inszenieren. Bemerkenswert in einer Zeit, in der der öffentliche Raum zu schrumpfen scheint.

Die Installation und die Präsentation von Rafael Lozano-Hemmer zu seinen Arbeiten erinnerte mich an einen Besuch im ARS ELECTRONIC CENTER in Linz, Österreich. Eine der Installation des Künstlers erfolgte auch in Linz.

Wie viele Zuschauer hat die Ruhrtriennale?

Wie viele zahlende und nicht zahlende Zuschauer haben eigentlich die einzelnen Programmpunkte der Ruhrtriennale? frage ich, nachdem ich von „Love’s Deep Ocean“ (Alim Quasimov) in der Jahrhunderthalle zurückgekehrt bin. Die Halle 4 war nicht einmal zu einen Viertel besetzt – maximal 100 Zuschauer. Ich gehörte zu den nicht zahlenden Gästen.
Jahrhunderthalle mit Turm aus dem Westpark heraus bertrachtet

Okay, ich bin früher gegangen. Das mag anfangs peinlich wirken, aber das Gefühl verschwindet, sobald man draußen an der Luft wieder Freiheit atmet. Es ging nicht anders, meine Konzentration war nach einer Stunde nicht mehr da. Der Künstler Alim Quasmiov wird hoch gelobt, so u.a. von der New York Times und der Frankfurter Allgemeinen Zeitpunkt. Allerdings habe ich mit Musik abseits der Dur-/Moll-Harmonik Probleme. Als ich in Istanbul mal Musik (jaja, Aserbaidschan ist nicht Türkei, aber hat auch ne Turksprache) hörte, konnte einigen Stücken folgen. Es waren am Ende Filmmelodien, u.a. einer Soap-Opera. Ich vermute, dass die Harmonik sehr schlicht war und „westliche“ Elemente enthielt. Alim Quasimov und seine Tochter bzw. die Musikform des Mugham waren dann aber doch zu schwer für mich. Es kreist mir zu sehr um die Stimme. Hier mal ein Beispiel von youTube:

Der derzeitige Intendant der Ruhrtriennale, Willy Decker, wollte in seinem Programm Kunst, Kreativität und religiöse Urelemente verbinden. Der gesungene Mugham wirkt auf mich religiös, aber das kann auch ein in mir sitzender westlicher Sterotyp des Stimmenklangs und der Gestik sein. Es ist auch nicht abzustreiten, dass Quasimov eine verdammt gute und beeindruckende Stimme hat. Dennoch, ich habe den Zugang nicht gefunden. Aber offenbar haben wenige den Zugang gefunden, also überhaupt den Weg dahin.

Viele Stücke der Triennale sind ausverkauft. Zumindest entnehme ich es den Angaben im Programm. Kulturpolitik stelle ich mir immer so vor, dass da ein Sandkasten hingestellt wird, den die Kulturschaffenden dann bespielen. Dabei geht es nicht nur um die Bespielung mit publikumswirksamen Veranstaltungen, sondern auch weitere Ziele können verfolgt werden. Ich zähle sie mal hier nicht auf. Auch Mugham hat meinen Horizont erweitert. Aber da mach ich jetzt erst einmal einen Haken dran. Allein von der Zuschauerbeteiligung stellt diese Musik eine Nische dar. Die Produktionskosten dürften gering sein: 6 Musiker mit Technik auf der Bühne. Und da frage ich mich, ob das eine Abrundung des Programms mit ja auch durchaus teueren Produktionen ist und nicht nur eine prestige-trächtige Bespielung ist, ohne auf Widerhall in der Region zu treffen.

Der heutige Abend in der Jahrhunderthalle in Bochum hat mich auf jeden Fall verstört. Sinn und Zweck von Kunst, notwendiges Maß an Publikumszuspruch und öffentlicher Finanzierung muss ich mir mal durch den Kopf gehen lassen, wie auch die Frage, welche Kulturschaffenden wie und für wen ausgewählt werden. Ist das wie mit des Kaisers neuen Kleidern oder lieg ich komplett daneben?

Meiner Erinnerung nach hält das Land an der Kultur Ruhr GmbH, die Träger der Ruhrtriennale ist, einen Anteil von 51% und leistet 80% der Zuschüsse, wobei der Rest vom Regionalverband Ruhr stammt. Gute Nacht!