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Nahles-Schnauze: Mehr Polarisierung mit ’sozialer Gerechtigkeit‘

  • Nach der 20 %-Wahlschlappe richtet sich die SPD-Bundestagsfraktion mit Andrea Nahles neu aus.
  • Damit ist ein Richtungentscheidung verbunden zum linken Parteiflügel verbunden.
  • Der SPD fehlt derzeit die Erkenntnis, was sie politisch anders machen soll.
  • Nahles bringt einen schärferen Ton in die Politik.

Heute erinnerte ich mich an die SPD-Politikerin „Ulla Schmidt“. Ullala war am Ende als Bundesministerin für Gesundheit sowas von unbeliebt, das die vorgetragene Fake-Nachricht von ihrem Rücktritt als witziger Stimmungsaufheller dient. Die Qualität hat für mich auch der Name „Andrea Nahles“. Sie ist nicht mehr Ministerin, aber frisch gewählt Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion. Sie wird weiterhin über den Bildschirm in mein Wohnzimmer kommen.

Linksruck in der Orientierungslosigkeit

Doch warum Nahles? Noch hat die SPD nicht analysiert, was falsch gelaufen ist. Demoskopen kommen mit der Antwort daher, dass das Thema ‚Soziale Gerechtigkeit‘ nicht gezogen hat im Wahlkampf. Schulz hat an den Problemen der meisten Deutschen vorbei geredet.

Mit Andrea Nahles wird sich nicht viel ändern. Die ehemalige Bundesvorsitzende der Jungsozialisten gilt als Parteilinke, auch wenn sie von sich selber sagte, einst keinem der Juso-Flügel anzugehören. Manch einer sieht sie als Pragmatikerin. So sehe ich sie nicht. Sie wurde in der Bundesregierung und innerhalb Koalition nur kräftig eingeengt. Diese Bande sind jetzt in der Opposition weg.

Richtungsentscheidung statt Analyse

Und daher gibt Nahles die Richtung vor, auch schon bei einer fraktions- und parteiinternen Analyse. Ihr Netzwerk in der SPD wird folgen. Die Antwort wird ein Linksruck der SPD sein. Wir werden noch mehr von fehlender ’sozialer Gerechtigkeit‘ hören. Ein Weiterso folgt.

Das muss nicht mal falsch sein. Die These der SPD ist, dass es sozial ungerecht in Deutschland zugehe. Die soziale Ungleichheit nimmt weiter zu. Stimmt diese These, dann hat die SPD die Antwort auf ein Problem, das laut Wähler noch nicht existiert. Aber in Zukunft kann es anders aussehen. Wachsende soziale Ungleichheit ist die Chance der SPD. Die Linke hat Konkurrenz bekommen. Auf Sand gebaut hätte die SPD, wenn die zukünftigen Konflikte anders gelagert sind.

Nahles-Schnauze?

Neben Inhalt bringt Nahles aber eine andere Form mit. Es wird rauer zugehen. Zum einen dürfte die Wahl der rechtsradikalen AfD dazu beitragen, dass die politische Auseinandersetzung in Parlament und Medien schärfer wird. Auch Nahles brachte gleich ihre neue Aufgabe auf den Punkt:

Ab morgen kriegen sie auf die Fresse

Und damit ist der Angriff auf die Bundesregierung, auf CDU und die weiteren Parteien einer noch nicht geschlossenen Koalition gemeint. Glaubwürdigkeit wird Andrea Nahles für die SPD so nicht schnell gewinnen. An der Problembewältigung der letzten vier Jahre war sie beteiligt. Medien und Bürger werden das nicht vom ersten Tag an vergessen.

Aber mediale Aufmerksamkeit wird sie gewinnen. Immerhin etwas. Mal sehen ob’s hilft, soziale Gerechtigkeit mit Lautstärke einzufordern.

Landtagswahl: Wähler im Ruhrgebiet strafen SPD mit Zweitstimme für AfD ab

  • Hohe Stimmanteile für die SPD korrelieren mit hohen Stimmanteilen für die AfD bei den Zweitstimmen.
  • Stimmbezirke mit hohen Stimmanteilen für die bürgerliche Parteien CDU, FDP und Grüne weisen geringe AfD-Anteile auf.
  • Wahlsieg der CDU ist bestimmt durch eine starken Verluste bei den Zweitstimmen der SPD.

    „Im Herzen Sozi. Deshalb bei der AfD.“ plakatierte eben diese im Landtagswahlkampf 2017. Das Bild zeigt mit Guido Reil einen ehemaligen Vorsitzenden eines SPD-Ortsvereins im Essener Norden. Und das hat wohl gesessen. Es fiel zuerst meiner Frau auff: Der Abstand des Wattenscheider Direktkandidaten der SPD – Serdar Yüksel – zum Zweistimmenanteil der AfD entspricht in vielen Stimmbezirken dem Stimmanteil der AfD.

    Also dann mal den Methodenkasten ausgepackt. Mit ein paar Tagen Verspätung lassen sich die Daten aller Stimmbezirke der Stadt Bochum für eine Tabellenkalkulation herunterladen. Flugs ein paar Korrelationskoeffizienten errechnet. Und siehe da. Es scheint zu stimmen.

    • Hohe Stimmanteile der SPD korrelieren mit hohen Stimmanteilen der AfD [Koeffizient 0,43], anders: Wo die SPD stark ist (war), ist auch die AfD stark.
      Ein Test zur Überprüfung, der deutlicher ausfallen müsste, wäre eine Korrelation zwischen dem Zweitstimmenergebnis der AfD 2017 mit dem SPD-Stimmenanteil 2012. Die Daten hatte ich gerade nicht zur Hand./li>
    • Die summierten Ergebnisse der drei bürgerlichen Parteien CDU, FDP und Grüne korrelieren umgekehrt [Koeffizient -0,63]: Wo diese Parteien stark sind, ist die AfD schwach./li>
    • Korrelationen von CDU bzw. FDP mit dem AfD-Stimmanteil sind im Vergleich deutlich schwächer. [-0,28 bzw -0,36]

     

    Die SPD hat die Wahl an der Ruhr stärker verloren, als dass die CDU sie gewonnen hat

    Die CDU fuhr am 14. Mai 2017 landesweit 33,0 Prozent der Stimmen ein. Damit ist sie Wahlsieger in Nordrhein-Westfalen. Dennoch ist das Ergebnis das zweitschlechteste der CDU in NRW. Im Jahr 2005 hatte Jürgen Rüttgers 44,8 Prozent erhalten, bei damals 37,1 Prozent für die SPD. Der Wahlsieg beruht nicht nur darauf, dass Armin Laschet die CDU aus dem Tief von 2012 wieder herausgeführt hat, sondern auch auf einer Schwäche der SPD. Das erklärt dann, weshalb die SPD im Ruhrgebiet mit > 10 % mehr verloren hat als im übrigen Nordrhein-Westfalen. Hier war einfach mehr zu verlieren.

    Und auch wenn die CDU zahlreiche Stimmen von ehemaligen SPD-Wählern erhalten hat, so ist dennoch bedauerlich, dass eine Wanderung von der SPD zur AfD erfolgte. Das kann eine Ablehnung der CDU sein, aber auch schlicht aller Parteien. Diese Stimmen für die AfD stellen einen Protest gegen das System dar. Daher dann auch die häufige Kombination aus der Erststimme für den SPD-Kandidaten und der Zweistimmen für die AfD. Die SPD hat große Teile ihrer Wählerschaft inhaltlich enttäuscht, schließe ich daraus. Da helfen dann auch Köpfe nicht – außer der von Guido Reil, dem prominentesten Abtrünningen.

    Ein Blick in die Nachbarstädte zeigt nichts anderes. Die SPD hat ein Problem mit der AfD.

Wie war das früher doch einfach … Mit dem Parteibuch ging’s direkt zur Stelle.

„Wie war das früher doch einfach. Wer früher in der Verwaltung etwas werden wollte, der brauchte nur das richtige Parteibuch“, blickte Ratsmitglied Jens Lücking (Freie Bürger) auf überwunden geglaubte Zeiten im Rat der Stadt Bochum zurück. Heute braucht zumindest für den Anschein noch einen Personalberater. Das Verfahren mit einem Personalberater erscheint überflüssig, hat aber 60.000 € gekostet. Das Ergebnis, die Wahl von Sebastian Kopietz (SPD), wirkt in mehren Punkten bereits als vorab gesteuert. Die Bewertung des Kandidaten durch den Personalberater kann ich in den mir vorliegenden Fragen nicht nachvollziehen. Seine Vorstellung hat mich das noch mehr hinterfragen lassen. Als er sich vorstellte, konnte ich schon vorher in der Zeitung lesen, dass er es wird. Die SPD hatte das der Presse vorher mitgeteilt.

Da kann sich keiner wundern, wenn abseits von SPD und ihrem Grünen Koalitionspartner von einer breiten Menge im Stadtrat eine neue Ausschreibung beantragt wurde. Da wundert es nicht, dass weitere Bewerber in laufenden Verfahren nach und nach ihre Bewerbungen wieder zurückgezogen haben.
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Beigeordentenwahl: SPD Bochum löst Personalproblem für SPD Dortmund

Neuer Beigeordneter in Bochum wird der Dortmunder Sebastian Kopietz (siehe www.sebastian-kopietz.de und WAZ Bochum). Er soll sich um die Bereiche Personal, Organisation, Recht und Ordnung kümmern. Für die SPD in Dortmund wird damit ein Personalproblem gelöst. Der 32-jährige Jurist ist einer der Kandidaten für den als sicher geltenden Landtagswahlkreis in Dortmund-Hörde. Dort ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung und Mitglied im Vorstand des Unterbezirks der SPD Dortmund. Das Problem: Es gibt mehr als einen Kandidaten, nämlich auch Monika Richterößler aus Dortmund-Marten. Glückwunsch von hier.
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Langendreer: Genosse und Freier Bürger fusionieren zur AfD

Die AfD verfügt seit heute über eine eigene Fraktion in der Bezirksvertretung Bochum-Ost. Außerhalb der Stadtteile Laer, Langendreer und Werne wird diese eigentliche Meldung kaum interessieren. Jedoch ist die Herkunft der Fraktionsmitglieder bemerkenswert. Weder Christian Krampitz, noch Carsten Neuwald wurden über die Liste der AfD gewählt. Christian Krampitz war nach der Wahl aus der SPD ausgetreten, Carsten Neuwald wurde über die Freien Bürger gewählt.

Christian Krampitz aus Laer hat damit eine starke Veränderung vor sich. Im letzen Jahr war er noch stellvertretender Vorsitzender der SPD in Bochum-Laer. Die kürzlich vereinbarte Zusammenarbeit der beiden Bezirksvertreter mit der dortigen CDU-Fraktion dürfte damit auch nur ein kurzes Zwischenspiel gewesen sein.

Jugendhilfeskandal um Auslandsunterbringung geht weiter

In Bochum, Marl Dorsten und in Gelsenkirchen geht der Skandal um die Auslandsunterbringung von Jugendlichen weiter. Auf die Berichterstattung im ARD-Magazin Monitor hin wurde noch mehr „Staub“ aufgewirbelt. In Gelsenkirchen wurde umgehend die Leitung des Jugendamtes vom Dienst freigestellt. Die Stadt Dorsten lässt ihre Arbeit vom Landesjugendamt prüfen. Es gibt Sondersitzungen politischer Gremien, und es wurden zur letzten Sitzung am Donnerstag diverse offizielle Anfragen gestellt im Rat der Stadt Bochum, dem der SPD-Politiker Gerd Lichtenberger (SPD) angehört, der Geschäftsführer der im Film dargestellte Life Jugendhilfe GmbH ist.

Anschuldigungen gegen ARD-Reporter nicht haltbar?

Aufgeklärt ist bis heute nichts – auch nicht, ob es einen wirklichen Skandal ist. Das Verhalten der Beschuldigten verdichtet aber den Verdacht. So prüft laut Bericht der Ruhrnachrichten die ARD jetzt rechtliche Schritte gegen Gerd Lichtenberger, der behaupte, die Mitarbeiter des Magazin hätten quasi Hausfriedensbruch begangen und auch einen anderen Hof gefilmt als den, auf dem der gezeigte Jugendliche untergebracht worden sei. Schutzbehauptungen? Von wem?
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Wolfgang Wendland kandidiert als Oberbürgermeister

Es ist die Meldung des Tages in Bochum und in Facebook-Timelines der Region. Der Wattenscheider Punk-Sänger Wolfgang Wendland will im September bei der Wahl des Oberbürgermeisters der Stadt Bochum kandidieren. Das verspricht, den Oberbürgermeister-Wahlkampf medial überregional interessant zu machen. Erste Spitzen von Sympathisanten gehen bereits gegen den vorgeschlagenen SPD-Kandidaten, den Landtagsabgeordneten Thomas Eiskirch (SPD). Wendland verfügt im Gegensatz zu Eiskirch über eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Ganz so abwegig ist die Kandidatur von Wolfgang Wendland, liebvoll „Woelfi“ genannt nicht. Er war immer schon politisch, nicht nur in den Liedtexte für seine Band ‚Die Kassierer‘. Da wurde schon mal der Polizeipräsident oder SPD und Grüne aufs Korn genommen. Das nur lokal bekannte, öffentliche Geheimnis ist, dass der 53-jährige sich politisch engagiert.

Der politische Weg des ‚unabhängigen‘ Wölfi

Zunächst soll Wolfgang Wendland Mitglied der CDU, Ortsverband Wattenscheid-Stadtmitte, gewesen sein. Aus dieser flog er zwangsweise raus, da die CDU keine Doppelmitgliedschaften und Kandidaturen für andere Parteien erlaubt. Wendland war Kanzlerkandidat der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschland (APPD) geworden.
Diese Kapital wurde abgeschlossen. Die Partei Die Linke kürte Wolfgang Wendland 2009 zu ihrem Spitzenkandidaten für die Wahl zur Stadtbezirksvertretung Wattenscheid, das zur Stadt Bochum gehört. Dadurch gewann Die Linke einen Sitz im Nachfolger des Wattenscheider Stadtrates. Dort hat der parteilose Wölfi fünf Jahre lang an der Kommunalpolitik der vor 40 Jahren nach Bochum eingemeindeten Hellwegstadt mitgewirkt.
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Neuer Beigeordneter für Bochum: SPD ohne Kandidaten

Die Posse um die Neubesetzung von Beigeordneten im Verwaltungsvorstand der Stadt Bochum geht in die nächste Runde. Nach dem Wechsel der früheren CDU-Ordnungsdezernentin in die Nachbarstadt Dortmund und der nicht erfolgten Wiederwahl des SPD-Stadtbaurats wären zwei Stellen vakant, allerdings steht eine Verkleinerung des Gremiums der politisch bestimmten Spitzenbeamten im Rathaus an. Seit einigen Wochen geht es darum, welche Partei welchen Posten besetzen solle und wann. Der Blick fällt dabei auf die Anteile der Koalitionäre SPD und Grüne in der Koalition und den Termin der anstehende Oberbürgermeisterwahl. Jetzt gibt es eine erste Vorlage für den Rat.

Die Gemeindeordnung setzt die Bestenauswahl für Beamte bei den politischen Beamten durch eine pflichtige Ausschreibung um. So heißt es in § 71 Abs. 2 der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen:

(2) Die Wahl oder Wiederwahl darf frühestens sechs Monate vor Freiwerden der Stelle erfolgen. Die Stellen der Beigeordneten sind auszuschreiben, bei Wiederwahl kann hiervon abgesehen werden.

Und so sieht es jetzt ganz normal aus, dass die Stadtverwaltung die Stelle jetzt ausschreiben will – im Gegensatz zur seit Monaten unbesetzen Stelle. Die Vorschläge der Stadtverwaltung verantwortet Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz (SPD). Und damit ist klar, dass die Sozialdemokratin jetzt für die anstehende Ratssitung am Donnerstag (13.11.) einen Vorschlag für die Besetzung des technischen Beigeordneten, der Position des Stadtbaurats, gemacht hat, der mit ihrer Partei abgestimmt sein wird. Der Vorschlag in Drucksache Nr 20142006 weist zwei Aspekte aus:

Die Verwaltung schlägt die Beauftragung einer/s Personalberaterin/Personalberaters vor, damit eine zügige Wiederbesetzung der Beigeordnetenstelle sichergestellt werden kann.

Das Besetzungsfahren soll durch eine durch den Rat bestimmte Findungskommission begleitet werden, die Oberbürgermeisterin ist obligatorisches Mitglied.

Die Findungskommission soll aus 4 vom Rat gewählten Mitgliedern und der Oberbürgermeisterin bestehen. Der Einsatz des Personalberaters soll 65.000 € kosten.

Beigeordneter: Kandidatenmangel bei der SPD?

Die Ausgaben passen nicht dazu, dass eigentlich seitens Rot-Grün im Verwaltungsvorstand gespart werden soll. Ich bezweifel den Sinn eines öffentlichen Besetzungsverfahrens mit einem Personalberater, wenn das Ergebnis so aussehen muss, dass der Kandidat am Ende von der SPD-Fraktion ausgesucht und dem Rat zur Wahl vorgeschlagen wird. Es liegt ein Schluss auf der Hand: Der SPD fehlt ein geeigneter Kandidat oder eine geeignete Kandidatin – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Daher wird nun auf Zeit gespielt. Und mit einer Findungskommission des Rates bekommt die Nummer dann ein demokratisches Mäntelchen.

Schütteln des Kopfes
Schütteln des Kopfes

Auftreiben Beigeordneter ist schwierig, Auftreiben von Stadtbauräten ist schwieriger

Es gilt als nicht einfache Angelegenheit einen Stadtbaurat zu finden. Mehrere Gründe werden dazu angeführt. Zunnächst reduziert die Vorgaben für einen technischen Beigeordneten die politische Auswahl. Bewerber oder Bewerberinnen müssen einige beamtenrechtlich Voraussetzungen mitbringen für den höheren technischen Dienst. Oberbürgermeister zu werden, ist da an keine solchen dienstrechtlichen Voraussetzungen geknüpft. Es bedarf in Nordrhein-Westfalen keiner abgeschlossenen Lehre, einer Prüfung oder eines abgeschlossenen Studiums.

Zudem gilt es in der Kommunalpolitik nicht als einfach, einen realistisch denkenden Stadtbaurat bzw. eine realistisch denkende Staubrätin zu finden. Stadtbauräte gelten den Hang zu haben, als Architekten eines Stadtumbaus in den 8 Jahren ihrer Amtszeit Rom neu errichten zu wollen und dann sehr auf ihre eigenen Vorstellungen fixiert zu sein. Das zeichnet sich dann auch mal durch viele Vorschläge, Pläne und Broschüren dieser „Künstler“ aus. Weniger der Neubau ganzer Viertel ist heute gefragt, als der Umbau und die Neugestaltung vorhandener Quartiere und Infrastruktur. Da gibt es dann meist bereits vorhandene Pläne und Bebauung der Vorgänger. Aber ein Neubau ist natürlich reizvoller als ein Altbau.

Jetzt hatte Bochum nicht – nunja – sonderlich Glück mit seinen Stadtbauräten. Da wird auch spekuliert, ob das unter potentiellen Kandidaten als Argument umgedreht wird: Geh lieber nicht nach Bochum. Das ist schwieriges Pflaster für einen Stadtbaurat!

Für eines gibt mir die Vorlage Gewissheit: Ausschreibung und Findungskommission sind noch nicht der Posse letzter Akt.

Links zur Vorgeschichte

DerWesten: CDU Bochum will nicht bis Ende 2015 auf Beigeordneten warten (Thomas Schmitt, 27.09.2014)

Pottblog: SPD-Chef Bochums macht klar: für CDU wird Verwaltungsvorstand der Stadt nicht vergrößert (Jens Matheuszik, 29.09.2014)

CDU Bochum: Besetzung einer Beigeordneten-Stelle (Christan Haardt, 26.09.2014)

Koalitionsvertrag: CDU will mit SPD und Grünen Ruhrgebiet stärken

CDU, SPD und Grüne in der Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr (RVR) haben einen Koalitionsvertrag für die Zusammenarbeit in den nächsten Jahren ausgehandelt. In den jeweiligen Parteigremien beraten CDU, SPD und Grüne derzeit, ob sie den Vertrag akzeptieren. Nur mit der Zustimmung der drei Gremien ist der Vertrag gültig, der am 26. September 2014 in der Mülheimer Stadthalle unterzeichnet worden war. Und so ein Vertrag enthält Kompromisse, also Kröten, die der eine und der andere Partner jeweils schlucken muss. Am Mittwochabend berät die SPD, am Dienstagabend hat es die CDU getan.

Koalitionsvertrag RVR: A52 ist kritisches Thema

Koalitionsvertrag "Die Metropole Ruhr stärken"
Koalitionsvertrag „Die Metropole Ruhr stärken“
Die A52 ist ein schwieriges Thema für die CDU, aber auch die Grünen. Dem Text des Vertrags ist zu entnehmen, dass der Bau in Essen in den nächsten sechs Jahren nicht weiterverfolgt werde. Das ist im Umkehrschluss positiv, da zunächst in Bottrop gebaut werden kann und auch Planungen für die unhaltbaren, verkehrlichen Zustände in Gladbeck weitergehen.

Natürlich ist das insbesondere für die Vertreter der Essener CDU nicht toll. So äußerte sich auf dem Sonderparteitag, zu dem auch Vertreter aus dem Kreis Wesel gekommen waren, Bürgermeister Franz-Josef Britz als Kreisvorsitzender der CDU Essen. Die Essener CDU ist enttäuscht über dieses Ergebnis der Koalitionsverhandlungen, wird selber das Projekt A52 auch weiterbetreiben. Da aber dem Vertrag ansonsten viel Gutes abzugewinnen sei, wollen sich die Esser nicht gegen die Koalition im RVR stemmen. Vor dieser Erklärung hatte Oliver Wittke als Vorsitzender der CDU Ruhr und Verhandlungsführer den Kompromiss und seine Konsequenzen bzw. ausbleibenden Konsequenzen erläutert. Das dürfte es den Essenern leichter gemacht haben.

Mittelstandsvereinigung vermisste Themen

Stimmkarte
Stimmkarte
Die Mittelstandsvereinigung hatte zum Koalitionsvertrag einen Entschließungsantrag eingebracht. Ihr fehlten die Themen Güterverkehr, Breitbandausbau und Reduzierung der Zahl der Verkehrsunternehmen. Roland Mitschke, Vorsitzender der CDU-Fraktion im RVR, verwies auf Aktivitäten zu diesen Themen in der letzten Zeit. Oliver Wittke verwies darauf, dass ein Koalitionsvertrag ja einzelne Themen nicht ausschließe. Schließlich riet Frank Heidenreich, selber Fraktionsvorsitzender der CDU im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, die Forderung nach der Verschmelzung aller Unternehmen anders zu fassen. Dem so geänderten Entschließungsantrag folgte der Parteitag schließlich bei einigen Enthaltungen.

Koalitionsvertrag RVR: Einstimmig angenommen.

Vor dem Entschließungsantrag war jedoch über den Koalitionsvertrag abgeschlossen worden. Das Ergebnis war überwältigen: Einstimmig. Ein Zeichen für die Geschlossenheit der CDU Ruhr, die mit Josef Hovenjürgen den Vorsitzenden des Ruhrparlaments stellt – quasi den Bürgermeister des Ruhrgebie

Josef Hovenjürgen MdL (Vorsitzender des Ruhrparlaments) ud Oliver Wittke MdB8 Vorsitzender der CDU Ruhr)
Josef Hovenjürgen MdL (Vorsitzender des Ruhrparlaments) und Oliver Wittke MdB (Vorsitzender der CDU Ruhr) in der Lohnalle der Zeche Holland, Wattenscheid
Die Grünen hatten den Koalitionsvertrag bereits am 10. Oktober 2014 bestätigt – ebenfalls einstimmig. Morgen, am 22.10.2014 berät die Arbeitsgemeinschaft der SPD im Ruhrgebiet dazu. Sollte auch dort zugestimmt werden, dann gilt der Vertrag über die Zusammenarbeit.

Hier der Text der Koalitionsvereinbarung als PDF-Dokument zum Download.

Westfalenparlament mit 125 Sitzen: Abschaffen!

125 Parlamentarier aus den Städten und Kreisen Westfalen sollen zukünftig die historische Landeshälfte vertreten. Einhundertfünfunfzwanzig! Wie überrepräsentiert bin ich in dem überholten Gremium? Es dient der Verhinderung separatistischer Tendenzen, als Nordrhein-Westfalen gerade gegründet war.

Ich meine, derzeit namentlich drei Parlamentarier zu kennen. Mit Angelika DÜmenil (CDU) und flüchtig Martina Schnell (SPD) muss es noch eine dritte Person aus dem Bochumer Stadtrat sitzen, die mich in Münster repräsentiert. Dann kenne ich noch Wilhelm Jasperneite (CDU), den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Kreis Unna, der da auch ist. Und jetzt bräuchte ich schon eine Liste, um zu schauen, wer denn da noch ist. Da ich politisch nicht ganz unbewandert bin, zeigt mir das, wie wenig mich das Gremium mit Sitz in Münster tangiert.

Blick aus dem Saal der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, Landeshaus Münster
Blick aus dem Saal der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, Landeshaus Münster

LWL – Unbekannte Parlamentarier

Einen kenne ich noch mit Namen, den scheidenden Landesdirektor Dr. Kirsch (CDU). Der gebürtige Rheinländer hat mir als Frohnatur ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Er hat nämlich gerade erst erklärt, dass ein Parlament mit 90 Mitglieder für den Regionalverband Ruhr zu groß sei. 90 Mitglieder – darüber kann wirklich kritisch gestritten werden. Aber wieso mischt sich da der rheinische Westfale in die inneren Angelegenheiten einer anderen Region rein? Es beschwert sich auch niemand über die 90 Mitglieder im Kölner Stadtrat, hat der Vorsitzende der CDU Ruhr Oliver Wittke MdB darauf geantwortet.

Die Größe des Westfalenparlaments, der Landesversammlung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, errechnet sich aus den Wahlergebnissen in der östlichen Landeshälfte. Es wächst von um die 100 auf jetzt 125. Bei durchaus berechtigter Kritik soll Dr. Kirsch mal vor der eigenen Haustür kehren. 100 Parlamentarier für Westfalen-Lippe sind auch schon viel. Was ist dann mit 125? *LOL* Überflüssig! Abschaffen! Fail! (LOL=Für nicht so rheinische Frohnaturen: ein Lachen!)

Martin Schulz (SPD), ein aufrechter Deutscher

Ich habe nur noch Spott für die Europawahl-Kampagne der SPD über. Wenn halt nichts mehr geht, dann muss ein Schuss Nationalismus her. Das traf bereits auf das Großplakat mit dem Hinweis „Aus Deutschland.“ zu. Aber die „Kampa“ der SPD legt noch was darauf, wie es jetzt auf einem im Internet und da in sozialen Netzwerken verbreiteten Bild heißt:

Nur wenn Sie Martin Schulz und die SPD wählen, kann ein Deutscher Präsident der EU-Kommission werden.

SPD Nationalismus
Bildschirmfoto (wirkliches) von der nationalistischen Schulz-Anzeige der SPD

Was klingt besser?

Bei meiner spöttischen Anwort habe ich eine Alternative und weiß nicht recht, mich zu entscheiden:

Die nationalistische Variante:

Der Martin Schulz ist Deutscher, und deutsch sein das ist schwer.
Er ist gewiss Sozialdemokrat, der noch ein paar Stimmen nötig hat.

Oder besser die politische:

Der Martin Schulz ist Sozialdemokrat, und Sozialdemokrat sein das ist schwer.
Er ist gewiss ein Deutscher, der noch ein paar Stimmen nötig hat.

Ach ja, es ist egal! Die SPD setzt sich jetzt als Deutsch gleich und daher soll ich sie wählen. Mal ganz tief in die politische Schmuddelkiste gegriffen? Würg.

Aber vielleicht heißt es am Montag auch so.

Der Martin, der ist arbeitslos,
was macht er er ohne Arbeit bloß.

Ich hoffe da sehr.


Wer die Varianten nicht versteht, der höre sich mal das Lied „Sascha, ein aufrechter Deutscher“ von den Toten Hosen auf YouTube an.

P.S. Es soll eine Anzeige mit diesem Motiv und Text in der Bild-Zeitung vom 23. Mai 2014 geben.