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Energiewende frisst Nahverkehr – Dominoeffekt bei kommunalen Subventionen

drei beschriftete Dominostein-Kisten
Mit den Gewinnen aus dem Energiebereich subventionieren die Kommunen den öffentlichen Nahverkehr.

In Deutschland dürfen Gewinne aus dem Geschäft mit Energie zur Subventionierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) herangezogen werden. Gerade in Großstädten mit kommunalen Stadtwerken und eigenen Verkehrsbetrieben hat dies eine erhebliche Bedeutung. Steuerlich günstig erfolgt hier eine Entlastung des Haushalts der Städte. Durch die Energiewende droht ein Einbruch der Gewinne. Das Beispiel der Stadtwerke Duisburg zeigt, wie schnell plötzlich ein Gewinneinbruch kommen kann. Statt zuletzt 41 Millionen soll sich der Betrag auf [Anm.: laut anderer Quelle ‚um‘]30 Millionen verringern (siehe WAZ Duisburg vom 13.06.2012). Das schmerzt.

Der entscheidende Ausgleich zwischen Gewinnen und Verlusten erfolgt in Duisburg über die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH. Die 100 % im Eigentum der Stadt befindliche Gesellschaft hält 80 % des Kapitals der Stadtwerke Duisburg AG und 74 % der Duisburger Verkehrsgesellschaft AG. Der Verlust der Verkehrsgesellschaft betrug in 2010 laut städtischem Beteiligungbericht rund 43,7 Mio. €. Sinken nun die Gewinne des Energiesektors oder halten sie nicht mit der Preisentwicklung bei den Leistungen für den Nahverkehr mit, dann werden aus dem städtischen Haushalt mehr Gelder fließen müssen. Bei anderer Entwicklung würde hingegen noch ein Gewinn für den Haushalt herausspringen.

Kommunen bezahlen mit Gewinnen aus dem Energiegeschäft den Nahverkehr
Es handelt sich um ein übliches Konstrukt in den Kommunen. Eine Holding hält die Anteile an den bisher einträglichen Energieversorgern und an den defizitären Verkehrsbetrieben. In Bochum heißt sie ‚Holding für Versorgung und Verkehr GmbH‘, die die Anteil an der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn AG (BoGeStra) hält. In Essen gleicht die ‚Essener Versorungs- und Verkehrsgesellschaft‘ dern Verlust der Essener Verkehrs-AG von ca. 31,4 Mio. € in 2010 aus.
Anders ist das Konstrukt in Dortmund. Hier wird der ÖPNV von den Stadtwerken (DSW21) verantwortet, die zugleich Beteiligungen an Energieunternehmen halten. Dazu heißt es im Beteiligungsbericht der Stadt Dortmund 2010/11 im Abschnitt zur DSW21:

Die strukturellen Defizite des Verkehrsbereichs werden vor allem durch die Gewinnabführungen der Energie und Wasserversorger (DEW21, KEB/RWE, GELSENWASSER, künftig auch STEAG) ausgeglichen.

Bürger zahlen als Stromabnehmer für Bus und Bahn
Die Quersubvention von Energie und Nahverkehr findet also innerhalb der Stadtwerke statt. Für beide Konstrukte bedeutet es, dass die Bürger als Kunden ihrer örtlichen, meist kommunalen, Energieversorger den Nahverkehr anteilig bezahlen.

Wenn die Gewinne aus dem Energiesektor (Gas, Wasser) nicht mehr sprudeln bzw. rückläufig sind, dann hat dies Konsequenzen für die kommunalen Haushalte und den Nahverkehr. Ein Ausbau insbesondere in der Metropole Ruhr ist kaum zu finanzieren, wenn der status quo schwierig zu halten ist. Einige Kommunen plagt zudem ein gewaltiger Erhaltungsstau bei den unterirdischen Stadtbahnanlagen (U-Bahn). Qualitätsverbesserungen und Angebotssteigerungen sind ohne mehr Geld nur geringfügig zu erzielen. Dabei kommt dem ÖPNV bei der Reduzierung des CO2-Ausstosses aus dem Personenverkehr ein bedeutende Rolle zu. Energiewende und Klimaschutz zeigen hier gegenläufige Tendenzen. Die Holdings, Stadtwerke und Energieversorger verfügen über Rücklagen. Die Steag nutzte jüngst einen Griff in die Rücklage, um die zugesagte Gewinnausschüttung an die zu 51 % kommunalen Eigentümmer zu zahlen. Das Jahresergebnis hatte für diese Ausschüttung nicht ausgereicht. So ein Griff in die Rücklagen verringert die Substanz der Unternehmen. Dauerhaft ist das keine Lösung.

Ein gutes hat die Situation jedoch. Es muss wieder über den Nahverkehr, seine Struktur und Verfassung gesprochen werden, zum Beispiel über die vielen Verkehrsbetriebe in der Metropole Ruhr und unter dem Dach des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR). Viele Kommunalpolitiker in den Räten der Großstädte mussten sich bisher nicht mit dem Nahverkehr befassen. Dessen Alimentierung war in städtische Gesellschaften ausgelagert, die sie aus ihren anderweitigen Gewinnen versorgten. Unbequemere Zeiten stehen an.

Steag-Kaufpreis, oder: Wo’s brennt!

Vor anderthalb Jahren wurde der Kauf von 51 % der Steag, ehemals Steinkohlen-Elektrizität AG Essen, wirksam. Der aus der Ruhrkohle AG (RAG) hervorgegangene Evonik-Konzern verkaufte den Stromproduzenten und Kraftwerksbauer an ein kommunales Konsortium der Städte Bochum, Dinslaken, Dortmund, Essen und Oberhausen. Es sollte ein gutes Geschäft werden, denn mit den Gewinnen der Steag sollte der Kredit für ihren Kauf bezahlt werden. Kommunen ist dies leichter möglich, da sie Kredite, Kommunalkredite, günstiger bekommen, da sie laut Gesetz nicht insolvent werden können. Die Banken verzichten daher auf einen Risikoaufschlag oder setzen diesen äußerst gering an. Sollte wirklich mal eine Kommune pleite sein, dann wird gehofft, dass das Land NRW einspringt. Im Ergebnis bieten Banken Kommunen günstigere Kreditzinsen.

Steag – Verwaltungsgebäude in Essen

Das Kalkül ist einfach. Über einige Jahre oder Jahrzehnte sollen die Gewinnausschüttungen der Steag benutzt werden, um den Kredit der Kommunen zu bedienen. Vielleicht bleibt sogar noch etwas übrig. Am Ende verfügen die Kommunen über ein beachtliches Vermögen, nämlich den Wert der Steag. Zudem kann erheblicher Einfluss in der Energiewirtschaft ausgeübt werden, was auch gut für die eigenen Stadtwerke ist, zu deren Dienstleister sie ausgebaut werden soll. Ähnlich läuft der Deal von Bochum und Dortmund zum Kauf der Gelsenwasser AG. Bisher ist in den städtischen Säckeln nichts davon zu spüren. Der Trick klingt gut, nur klappen muss er.

Erheblich Risiken

Dabei gibt es erheblich Risiken, vor denen auch einige beim Erwerb der Steag gewarnt haben. Die Steag kommt aus der Kohleverstromung. Sie betreibt Kraftwerke international, aber auch in Nordrhein-Westfalen. Dabei handelt es sich um „alte Stinker“, wenige effiziente Altkraftwerke. Der Bau effizienterer Kraftwerke und die Umstellung auf regenerative Energiequellen wird angestrebt. Das alles in einem Markt mit wenig Akteuren, aber komplizierten Strukturen. Die Kommunen an der Ruhr sind selber erheblich am Energieproduzenten und -lieferanten RWE beteiligt, der jedoch die Steag als Konkurrenz sieht und die Stromlieferverträge von der Steag erst einmal kündigte. Der Umbau des Steag-Konzerns, die Entwicklung neuer Geschäftsfelder und die Energiewende müssen erst einmal bewältigt werden, damit der „Deal“ der Rekommunalisierung gelingt. Wie schon beim Traum, aus Gelsenwasser regionale Stadtwerke zu entwickeln, treibt hier auch der Wunsch einiger kommunaler Akteure, wieder einen kommunale Versorgungskonzern aufzubauen. VEW lässt grüßen.

Was kosten weitere 49 % der Steag, die noch zu bezahlen wären?

Mittelfristig gibt es Risiken, die wirtschaftlich und politisch verkraft werden müssen. Die Energiewende gehört dazu, auch der Klimaschutz. Diese Herausforderungen habe Auswirkungen auf den Wert der Steag. Daran wird sich dann messen lassen, ob der Erwerb von 51 % ein gutes oder ein schlechtes Geschäfts war. Mehr noch: Es wurde eine Put- und eine Call-Option zu verschiedenen Daten vereinbart. Demnach können die Kommunen den Verkauf der übrigen 49 % verlangen (call), umgekehrt aber auch Evonik den Kauf (put). Die Frage ist nun zu welchem Kaufpreis dies geschieht bzw. wie dieser angepasst wird. Die Regelungen dazu werden sich nicht-öffentlich in den Verträgen der Partner finden. Denkbar wäre ein Kauf zum damaligen Preis der 51 %, über einen einfachen Dreisatz auf 49 % angepasst. Denkbar wären auch Anpassungen je nach Entwicklung der Steag. Sowas hat aber auch immer seine Grenzen, da die Zukunft nie genau vorhergesagt werden kann. Im Idealfall für Evonik bekommt der Konzern noch etwas mehr Geld. Evonik will sich auf die Sparte Spezialchemie spezialisieren. Die Steag passte da nicht ins Portefeuille. Die Hoffnung ist, dass ein spezialisiertes Unternehmen einen höheren Börsenwert erzielen kann.

Über eine derartige positiven Entwicklung der Steag wären trotz höherem Kaufpreis für 49 % sicher auch die Kommunen interessiert. Doch was ist, wenn es nicht dazu kommt? Entwickelt sich die Steag schlechter, war das gesamte Geschäft nicht so gut. Wirtschaftlich könnte problematisch werden, dass die Kreditraten für den Kauf nicht mit den Gewinnausschüttungen gedeckt werden könnten. Prompt nach dem Kauf der Steag konnte diese die Gewinnausschüttungen nur durch Heranziehung von Rücklagen decken. Aus dem Ergebnis war sie nicht aufzubringen. Die Tilgung der Kredite für den Kauf könnten gestreckt werden, aber die Banken entdecken auch, dass das Risiko höher ist als gedacht. Das schraubt den Zins nach oben. Politisch und ggf. mit Konsequenzen auf die eigenen kommunalen Haushalte wäre es jedoch brisant, wenn die restlichen 49 % der Steag zu einem Preis oberhalb des aktuellen Wertes gekauft werden müssten. Das totsichere Geschäft wird dann schnell zum Bumerang, wirtschaftlich vielleicht, aber sicher politisch. Evonik dürfte es wirtschaftlich freuen.

Um das Risiko zu kennen, muss man wissen, was im Vertrag steht. Öffentlich lässt sich nur Folgendes in Erfahrung bringen, hier zitiert aus der Verwaltungsvorlage Nr.20110065 der Stadt Bochum:

der Erwerb von weiteren 49 % der STEAG durch die KSBG nach dem in Ziff. 2.3.
erläuterten Kaufpreismechanismus – dies gilt sowohl im Falle der Ausübung einer Call-
Option durch die KSBG als auch für den Fall der Ausübung einer Put-Option durch Evonik
nach den Regelungen des Option Agreements –

Ziffer 2.3 findet sich in Vorlage Nr. 20110046. Daraus darf ich nicht zitieren, denn sie ist nicht-öffentlich. Den genauen Wälzer des Vertrags kann man auch als Ratsmitglied höchstens einsehen. Aber es ist auch okay, dass es Zusammenfassungen dazu gibt.

Steag: Kunstwerk auf dem Rasen vorm Verwaltungsgebäude in Essen

„Da brennt der Baum licherloh!“
Klaus Franz, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Bochum zur Situation der Steag

Die Entwicklung der Steag sehe ich nicht rosig. Ein Blick auf veröffentlichte Zahlen und den Geschäftsbericht 2011 zeigt mir das. So ein Geschäftsbericht stellt das Unternehmen meist positiv dar. Er dient ja auch der Außendarstellung. Zwischen den Zeilen und in den Lücke finden sich jedoch Hinweise. So lese sich auf der Internetseite (15.10.2012) der Steag folgende Angaben (Spalten umgestellt):

in Millionen € 2010 2011
Umsatz 2809 3067
Ergebnis vor Ertragssteuern 257 28
EBITDA 437 491
EBIT 353 405
Anzahl der Mitarbeiter 4804 5766

Bis auf das entscheidende Ergebnis vor Ertragssgteuern, das erheblich gesunken ist, stellen sich absolut betrachtet alle Zahlen mit einer deutlich positiven Entwicklung dar. Allerdings beschäftigt die Steag gegenüber dem Vorjahr rund 950 Mitarbeiter mehr. Wurden da überzählige Mitarbeiter von Evonik zur Steag verschoben oder Firmen erworben? Der Grund dieser Veränderung wäre genauer zu analysieren. Ich unterlasse das hier und stelle nur fest, dass sich alle Zahlen bezogen auf die Zahl der Mitarbeiter verschlechtert haben. EBIT, EBITDA, Umsatz und Ergebnis je Mitarbeiter haben sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert.

Abschreibungen – Walsum 10 geht erst Ende 2013 ans Netz

Im Geschäftsbericht der Steag für das Geschäftsjahr 2011 werden dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Joachim Rumstadt, auch positive Entwicklung aller Werte plakativ als Titel in den Mund gelegt, siehe Seite 04 des Geschäftsberichts. Einen Hinweis auf das Ergebnis vor Ertragssteuern finde ich nicht auf dieser Seite aber den Satz: „Bei Abschreibungen und Wertminderungen schlug allerdings Walsum 10 mit 241 Millionen € deutlich zu.“ Weg war das Geld. Die Abschreibungen und Wertminderungen betrafen insgesamt 378 Mio. €, darin enthalten auch 5 Biomasseanlagen.
Beim Kraftwerk Walsum 10 gibt es technische Probleme. Der Geschäftsbericht führt an, dass der kommerzielle Betrieb im September 2013 beginnen könne. Möge es dabei bleiben. Dann erzielt das Kraftwerk Einnahmen, wenn der Strom zum entsprechenden Preis verkauft werden kann.

Die weiteren finanziellen Aussichten für 2012 sehen laut Geschäftsbericht 2011 so aus:

Die operative Ergebnisgröße EBIT für 2012 wird deutlich unter dem Wert für 2011 erwartet. Zum einen war das Jahr 2011 erheblich durch weitgehend einmalige Ergebnisse (zum Beispiel Vertragsanpassungen) bzw. wiederkehrende Ereignisse von außerordentlicher Ausprägung (zum Beispiel Kohlepreisanpassungen bzw. Nachverrechnung für Vorjahre) gekennzeichnet. Zum anderen wird das Ergebnis im Jahr 2012 insbesonder durch Vorlaufkosten für Wachstumsprojekte, höhere Revisionsaufwendungen an den Standorten Voerde/West, Lünen und Herne sowie Effekten aus rückläufigen Erträgen aus dem Finanzierungsleasing belastet. Bei dem Kraftwerksprojekt auf den Philippinen wirkt sich eine fragliche Anpassung der Strompreise ergebnismindernd aus. Im Geschäftsbereich Erneuerbare Energien und Dezentrale Anlagen ist ein deutlicher Margerückgang durch den Wegfall der Erlöse der Direktvermarktung zu verzeichnen. (S. 53)

Dauerhafte Verschlechterung zu erwarten

Ups! Die Verschlechterungen für das folgende Geschäftsjahr sind dauerhafter Art oder wiederkehrend, zum Beispiel der Revisionsbedarf bei Altanlagen. Zudem war das schlechte Ergebnis 2011 aufgrund von Einmaleffekten so gut. Da mag der Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum Bernd Wilmert, der zugleich Vorstandsmitglied des Steag-Konsortiums ist, noch so sehr beteuern, dass die Ausschüttungen bis 2015 gesichert seinen. Für die Ausschüttungen in diesem Jahr musste auf Rücklagen zurückgegriffen werden. Das bedeutet Substanzverzehr und Wertminderung. Für 2013 mag es weniger Großrevisionen geben, aber das dann hoffentlich Strom produzierende Kraftwerk Walsum 10 wird durch Kosten für CO2-Zertifikate belastet werden. Sollten Altanlagen nicht mehr marktfähig sein, können weitere Abschreibungen drohen.
Das alles beeinflusst den Wert der Steag – und zwar nach unten.

Energiewende à la Steag

Ulrich Horn berichtet zur Steag unter dem Titel „Global Players in der Lokalpolitik“ (16.10.2012).

Energiewende: Auf Stromausfallpanik vorbereitet sein

20110713-114337.jpgIn Hannover gab es am späten Mittwochabend einen flächigen, andauernden Stromausfall unterschiedlicher Länge. Halbwegs normaler Vorfall oder eine Folge der Energiewende?

Ich denke, wir müssen uns auf Stromausfälle vorbereiten. Zumindest müssen wir uns auf die damit verbundene „kleine“ heimische und große mediale Panik vorbereiten. Aber keine Sorge, wir Deutschen werden uns daran gewöhnen. Im Mittleren Westen der USA leben auch Menschen, unter anderem ein paar Verwandte von mir. Dort wo es heftige Gewitter, schnelle Wetterumschwünge, kräftig-kalte Schneestürme und Tornados gibt, finden sich an mehreren Stellen die kleinen Helfer, die es erträglich machen. Nein, Kerzen und Streichhölzer liegen nicht im Schlafzimmer, sondern mit einem Handdynamo betriebene LED-Taschenlampen. Neulich hab ich so eine Lampe als Werbegeschenk von RWE bekommen. Leider war sie schnell defekt.

Was spricht für mehr Stromausfälle bzw. Panik darum?

  • Verschwörungstheoretiker gewinnen eine wachsende Anhängerschaft mit dem Glauben, dass Stromkonzerne bewusst abschalten oder zumindest Stromausfälle provozieren durch Unterlassen provozieren würden. Ziel wäre, die bedrohte Versorgungssicherheit mit Strom, erlebbar zu machen, um darüber die politische Meinung der Bürger beeinflussbar. Veränderte Zielsetzung der Energiepolitik sollen demnach beeinflusst werden, zum Beispiel zugunsten von Kraftwerken (Kernenergie, Öl, Kohle …) für die Grundlast.

  • Allein die Existenz des vorgenannten Kalküls, auch die Kommunikation hier, bestärkt zumindest die verstärkte Wahrnehmung von Stromausfällen und der potentiellen Gefahr.

  • Ein weiteres Kalkül setzt an technischen Schwierigkeiten an, die auch einen Umbau des Stromnetzes im Rahmen der Energiewende hin zu regenerativen Energien erfordern. Der Versatz zwischen Zeiten der Stromerzeugung durch Photovoltaik und Windenergie zu Zeiten erhöhten Stromverbrauchs gehört dazu. Technische Lösungen wie Speicherkraftwerke, aber auch Fernleitungen gehören dazu. Praktische Erfahrungen mit der Schnellabschaltung dafür geeigneter Großverbraucher wie zum Beispiel Aluminiumhütte fehlen; diese werden aufgrund eines zukünftigen höheren Strompreise auch aus Deutschland verschwinden, wenn ihre zur Netzsteuerung einsetzbare Abschaltfähigkeit nicht entgolten wird.

Was tun?
Na, klar! Ruhe bewahren. Taschenlampe, ideal auch eine mit Handdynamo, Kerzen, Streichhölzer und Feuerzeug da haben.

Und wenn’s mal länger dauert?
Trinkwasser bevorraten, also einfach mal ein paar Flaschen Wasser mehr da haben. Vielleicht auch eine Gaskartusche mit einer Camping-Heizung. Vor allem auch passende Batterien für ein entsprechendes Radio.

Und wenn’s mal richtig lange dauert?
Dann wird’s kompliziert ….

Die beiden Artikel passen ins Nild:

"Stromnetz unter Stress - Totaler Stromausfall auch in NRW möglich" (Rheinische Post, 15.07.2011)

"Energie: Wenn das Stromnetz Stress hat" (WAZ Bochum, 12.07.2011)


Bild: Stromausfall von Gaschel / photocase.de

Datteln 4 und die Fernwärme

Es gibt einen Konflikt im Lande. Einen Konflikt um Kohleverstromung. Es ist ein vielschichtiger Konflikt, siehe hierzu „LEP – Welche Kraftwerke brauchen wir?“ (22.06.2010)- Der Konflikt ist für die Metropole Ruhr ein ganz konkreter, keiner der nur in Düsseldorf zwischen den Koalitionären SPD und Grünen sowie den Oppostionsparteien im Landtag geführt wird. Politisch spannend ist er, da die Koalition der Minderheitsregierung hier Einigkeit herstellen muss.

Konkret ist der Konflikt nicht nur allein aufgrund des Standortes in Datteln. Durch die Übertragung der Regionalplanung für die Metropole Ruhr durch die vorherige schwarz-gelbe Landesregierung wird über Planungsrecht und somit Baurecht auch durch den Regionalrat in Essen, die Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr (RVR), entschieden. Bis September 2009 war noch der Regionalrat in Münster zuständig. Auch beim RVR bilden SPD und Grüne eine Koaltion. Der zuständige Bereichsleiter der RVR-Verwaltung ist mit Dr. Thomas Rommelspacher ein Grüner. (Der voraussichtlich durch einen anderen Grünen, den derzeitigen Fraktionsvorsitzenden der Grünen Martin Tönnes ersetzt werden soll.)

Nicht nur politische Entscheidungen verorten den Konflikt in der Region. Wenig wahrgenommen wird die Rolle von Datteln 4 für die Energieversorgung. Datteln 4 soll insbesondere die ICEs der Deutschen Bahn mit Strom versorgen. Das im Vergleich zu alten Anlagen deutlich effizientere Kraftwerk soll im Wege der Kraft-Wärme-Koppelung (KWK) auch das nördliche Ruhrgebiet mit Fernwärme versorgen, so u.a. die Städte Herne, Bochum, Marl, Recklinghausen und Herten. Die nachstehende Karte stammt von Eon.

Die Stadt Herne ist besonders betroffen. Datteln 4 soll das alte Kraftwerk am Shamrock ersetzen. Nicht zu vergessen sind erhebliche wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Effekt während Bau und Betrieb der Anlage, für die bereits mehr als eine Milliarde Euro investiert wurde. Für die Region wäre ein Stop des Projektes fatal.

Die Grünen, u.a. Umweltminister Remmel, fordern einen totalen Stopp des Projektes – ohne Rücksicht auf volkswirtschaftliche Effekte und ohne hinreichenden Ersatz für die Strommmengen. Es wird auch in Kauf genommen, dass ältere, weniger effiziente und saubere Kraftwerke am Netz bleiben müssen. Ursächlich ist, dass Datteln 4 zum Symbol für die Politik der Grünen geworden ist. Die Fertigstellung der Anlage käme einem Gesichtsverlust gleich. Dadurch wird der Konflikt irrational und schwer lösbar. Dies schadet dem Land und der Region.

Bochum verpennt Stromtankstellen

Keine Loveparade, keine Bundesgartenschau, keine Belege für den Schnellstraßenbau …. und keine Stromtankstellen. Oder heißt es Elektrotankstellen? – Auf letzteres wies mich gerade mein Kollege Lars Lammert hin.

Bochum verpennt die nächste Entwicklung: Die Einrichtung von Stromtankstellen. Dies sind nicht einfach Tankstellen, an denen mal eben kurz das Auto mit Strom betankt wird. Das Laden von Batterien dauert seine Zeit. Nicht jeder kann dies nachts in der heimischen Garagen machen. Also werden auch Lösungen benötigt, bei denen das Auto während der Arbeitszeit oder des Einkaufens geladen wird. Da bieten sich Parkhäuser an. So kooperieren daher RWE und der in Dortmund tätige Parkhausbetreiber Apcoa.

Die Landesregierung will die Metropole Ruhr zur Modellregion ausbauen. Bis 2020 sollen eine Viertel Million Elektrofahrzeuge durch NRW fahren. Der Ausbau ergibt Sinn, denn aufgrund der Reichweiten der Fahrzeuge  und der notwendigen Infrastruktur, bieten sich zunächst Ballungsräume für Elektrofahrzeuge an. Außerdem steht der Amerpa, das Elektrofahrzeug aus dem Haus General Motors (GM)/Opel), am Horizont. Die Diskussion um Konzept für die Zukunft von Opel/GM in Europa und gerade auch am Standort Bochum ist auch eine über die Chancen eines seriengefertigten Elektroautos wie dem Amerpa.

Meines Erachtens stirbt Opel in Bochum seit Jahren auf Raten. Irgendwann werden die Kosten im Vergleich zu weiter östlich gelegenen Werken zu erdrückend sein, so dass das Werk geschlossen werden müsste. Abhilfe brächte eine neue innovative Technologie, wie es der Amerpa in Serie gefertigt darstellt. Dann gäbe es hier bei uns wieder ein wissensbasiertes Produkt, das Alleinstellungsmerkmal wäre. Aber die Serienfertigung eines Ampera erfordert Käufer, die auch auf die nötige Infrastruktur – eben Stromtankstellen – zurückgreifen können. Daher steht es der Region und stünde es gerade Bochum als Standort eines Opel-Werkes gut zu Gesicht, hier voranzugehen. Allerdings sieht es mir danach aus, dass die Verwaltung sich nicht an den RWE–Konzern gewendet hat, der gerade Stromtankstellen in Mülheim, Essen und Dortmund errichtet. Schade, denn Bochum liegt zwischen Essen und Dortmund. Schade, denn ein Bochumer Unternehmen betreibt die Parkhäuser in der Bochumer Innenstadt: die Entwicklungsgesellschaft Ruhr-Bochum. Schade, denn ich denke, so eine Maßnahme für Elektroautos und die Innenstadt würde den städtischen Haushalt, der ja zusammengebrochen ist, nicht belasten.

Übrigens dürfte die Herausforderung für die Schaffung öffentlich zugänglicher Infrastrukturen in der Metropole Ruhr eine größere sein, aber auch zwingender, denn der Anteil der Hausbesitzer ist in der Metropole historisch bedingt geringer. Daher dürften auch weniger Einwohner über eine eigene Garage samt Steckdose verfügen. Das müsste auch ausgelichen werden.