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Extraschicht 2014: Endlich im Chemiepark, aber wieder keine Schifffahrt

Das Wetter war nicht das Beste für die Extraschicht am 28. Juni 2014. Dennoch sollen sich nach Angaben des Veranstalters, der Ruhr Tourismus GmbH, 150.000 Besucher daran beteiligt haben. Wohnhaft in Wattenscheid, habe ich entscheiden diese Mal das nördliche Areal zu besuchen. Endlich ging es einmal auf eine Busfahrt durch den Chemiepark Marl, das ehemalige VEW Umspannwerk – ein Museum – stand an und entweder die Zeche Ewald oder Alter Fritz. Zu den Zechen ging es dann nicht mehr.

Programmheft der Extraschicht 2014
Programmheft der Extraschicht 2014
Es ist immer überraschend, wie wenig Standort doch zwischen 18 Uhr und 2 Uhr besucht werden können. Das Extraschicht-Ticket lohnt sich eigentlich nur bei Besuch zwei sehr interessanter benachbarter Veranstaltungen unter Berücksichtigung der Fahrtkosten für das ausgeklügelte Angebot an Sonderbuslinien. Zum Beispiel wird mir aus dem sehr gut besucht Ruhr-Stadion in Bochum – rewirpowerstadion – von einem tollen Programm berichtet. Die Busse fahren ab 18 Uhr.

Leider konnte ich um 18 Uhr erst aufbrechen, dann aber mit den regulär fahrenden Bussen und einem RegionalExpress nach Recklinghausen. Von dort dann mit einem Sonderbus zum Chemiepark nach Marl. Im Feierabendhaus wurde sich dann angemeldet für eine Busfahrt und das Ticket gegen ein gelbes Bändchen getauscht.

Die Busfahrt durch den Chemiepark allein kostet 2,50 € oder ist im Extraschicht-Ticket enthalten. Ich konnte dann an einer Fahrt um 20:55 Uhr teilnehmen, bis dahin trank ich mir eine Bionade und schaute im Vortragssaal den 20-minütigen Film zum 75-jährigen Jubiläum des Chemieparks, früher mal der Hüls AG, an.
Drei Stunden nach Beginn der Extraschicht war ich also endlich in Marl angekommen, saß in einem komfortablen Bus durch den Chemapark und hatte Fotografierverbot.

Bustour durch den Chemiepark in Marl

Tor 1 des Chemieparks Marls
Tor 1 des Chemieparks Marls
Ich fand’ds dennoch toll, mal das Gelände zu sehen. Ein Produktionsstandort von 30 Unternehmen, den jährlich Waren von mehr als 4.000.000 Mg (t) verlassen. Angefangen hat alles mit der Verwertung von Kokereigas.

Und da ist dann wieder der Zusammenhang mit der Kohle: Sie wurde gefördert, gewaschen, teils zu Koks gebacken, wobei weitere Stoffe entstanden, die dann hier verarbeitet wurden. In Marl auf der Gummizeche wurde aus dem Gas am Ende künstlicher Kautschuk. Das passte sicher gut zu den Autarkiebemühungen des Naziregies vor dem 2. Weltkrieg. Einige Gebäude zeigen noch sichtbar Einschusslöcher aus Kriegszeiten.
Heute kommen der Flüssigkeitsabsorber jeder Vierten Windel weltweit hierher und Chemikalen die rot Farbe rot bleiben lassen – um nur zwei Beispiele zu nennen. Zur Spitzenzeit im Jahr 1970 arbeiteten bei den damaligen Hülswerken 15.000 Menschen. Der Standort mit 100 km eigenen Schienen und zwei Kraftwerken liegt direkt an Lippe und Wesel-Dattel-Kanal.

Blick über den Chemiepark Marl
Blick über den Chemiepark Marl
Die Fahrt endete mit einem Besuch des Balkons in der 9. Etage eines Hochhauses. Von dort kann der von einer Evonik-Tochter betrieben Chempark und die Region betrachtet werden. Das hat sich gelohnt. In einem Vorjahr hatte ich mal die Vereinigten Schmiedewerke in Bochumbesucht, wo Rädern für die Eisenbahn aus einem Stück gefertigt werden.

VEW Umspannwerk Recklinghausen

Hochspannung an einer Glasscheibe
Hochspannung an einer Glasscheibe
Das einstige Umspannwerk der „Vereinigten Electritzätswerke“ in Recklinghausen beherbergt heute das Museum „Strom und Leben“. Mit Umsteigen am Bahnhof Recklinghausen kam ich mit zwei Sonderbuslinien vom Chemiepark hier an. Und das gleich zu vollen Stunden, um im Außengelände die trotz feuchten Wetters laufende Show mit Hochspannungsexperimenten zu sehen.

Die Show ist wie einst der Physikunterricht: Anschaulich, aber in größerem Maßstab. Es knallt , Blitze zucken, Drähte brennen durch (oder auch nicht) und Besuchern stehen die Haare zu Berge. Nach einem Imbiss ging es dann auch ins Museum.

Blitze und Kugeln
Blitze und Kugeln
Hier gibt es ein Wiedersehen mit alten Bekannten: mit elektrischen Geräten, die mich in meiner Jugend begleiteten. Das orange oder grüne Wählscheibentelefon findet sich da, eine orange Kaffeemühle, Rasierapparate und alte Fernseher. Ganz nett, die Entwicklung durch die Jahrzehnte zu sehen. Die Entwicklung der Mobiltelefon der letzten 20 Jahre ist bemerkenswert, selbst wenn ich sie vollständig mitgemacht habe. Es lohnte sich hier zu sein.

Kanalsschiffahrt und Kommunikation darüber klappt nicht

Für das Feuerwerk auf der Halde Hohward – neben der Zeche Ewald in Herten – war es nun zu spät. Aber das war eingeplant und es Griff der Plan, mit dem Kanalschiff vom Recklinghäuser Stadthafen zur Zeche Alter Fritz in Herne zu fahren – von da dann nach Hause. Ich wollte schon immer mal eine nächtliche Kanalfahrt machen, aber im Nordsternpark war mir in Vorjahren einfach die Schlange zu lang. Eine Schlange gab es in Recklinghausen nicht.

Reinfall Schifffahrt: Kein Schiff wird kommen, das uns mitnimmt
Reinfall Schifffahrt: Kein Schiff wird kommen, dass uns mitnimmt
Erst hieß es, die Verspätung der Schiffe betrage 40 Minuten. Dann sagte ein anderer mit so einem Extraschicht-Outfit, es wäre eine Stunde. Aber okay, wir warteten. Nach 85 Minuten kam die „Santa Monica II„. Eine Freude für die Wartenenden. Das Personal der Extraschicht hatte sich kurz nach 1 Uhr schon verzogen. Aber der Schipper sagten nur, dass er nicht mehr zurückfahre. Man hätte uns bescheid geben müssen.

Sehr ärgerlich das Ganze. Die Extraschicht Facebook-Seiten geben keinen Hinweis darauf. Eine Beschwerde brachte mir die Info ein, dass die Schleuse außer Betrieb sei und ich den Bus nehmen solle. Die Antwort kam prompt via Facebook, aber dennoch muss ich wieder feststellen, dass der Schiffsbetrieb zur Extraschicht Glückssache ist. Das ist sehr unbefriedigend. Die letzten drei Schiffe sind damit ausgefallen.

Um 3 Uhr waren wird dann wieder zuhause. Das hat dann per Bus über Herne Bf, Flottmannhallen, Zeche Hannover, Jahrhunderthalle und Bochum Hbf nochmal annähernd 2 Stunden gebraucht. Einmal im Jahr reicht mir das.

Die nächste Extraschicht wird am 20. Juni 2015 gefahren.

Tourismus für Wetter: Chancen im Ruhrtal

Ruhrtalradweg: Fahrräder am Harkortsee
Ruhrtalradweg: Fahrräder am Harkortsee
Die Ruhr fließt durch Wetter (Ruhr). Sie hat etwas Trennendes, verbindet Wetter aber auch mit seinen Nachbargemeinden in der Region. Ihrem Verlauf folgen die Ruhrtalbahn und der Ruhrtalradweg. Aber durch Wetter führen auch weitere touristische Routen, so die Deutsche Alleenstraße, der Radfernwanderweg namens ‚Kaiserroute‘ von Paderborn nach Aachen sowie die Route der Industriekultur. Diese Liste ist nicht abschließend. Einige Projekte – wie die Anbindung per Rad ans Bergische Land – sind noch in Arbeit.

Die Chancen von Wetter im Ruhrtal nutzen
Im Ruhrtal hat sich der Tourismus wie in der Metropole Ruhr insgesamt gut entwickelt. Das gehört zum Strukturwandel einer einst rein industriell geprägten Region, die früher nur als Produktionsstandort gesehen wurde. Wetter wird keine touristische Destination ersten Ranges werden, aber zu einem guten wirtschaftlichen Mix gehört auch Tourismus. Und das Ruhrtal hat wirklich viel zu bieten. Ja, Wetter hat viel zu bieten. Burgen, Fachwerkhäuser, reizvolle Landschaft und auch Geschichten, wie die der Harkortschen Werkstätten und von Henriette Davidis.

Wetter hat Potential!
Dass eine touristische Entwicklung möglich ist, zeigen die Übernachtungszahlen aus Nachbargemeinden. Die monatlichen Daten des Landesbetriebs IT.NRW ermöglichen einen Vergleich sowohl landesweit, als auch für die Stadt Wetter. Gab’s in NRW 2005 noch 38,4 Millionen Übernachtungen, so waren es 2012 landesweit bereits 45,4 Mio. Übernachtungen.
In Wetter war der mittelfristige Trend leider ein anderer, hier gab es 2004 noch mehr Betten als heute. Aber auch hier ist eine Trendwende erkennbar, denn es werden wieder mehr Betten als noch 2010 angeboten. Ich vermute dahinter den Radtourismus. Radfahrer benötigen in der Regel exakt eine Übernachtung.

Tabelle Uebernachtungen EN Wetter HA HAT

Von der touristischen Entwicklung der Region sollte Wetter in besonderem Maße profitieren, liegt es doch direkt am Fluss. Leider ist das noch nicht erkennbar. Es besteht Handlungsbedarf. Einen Plan gibt es bereits. Auch die Stadtverwaltung verweist auf den Marketingplan der Ruhr Tourismus GmbH:

Im Mittelpunkt der künftigen Marketingaktivitäten steht die Industriekultur, begleitet unter anderem von den Themen Kulturreisen, Events, Shopping und Städtereisen. Als wichtigste Zielgruppen wurden gebildete Best Ager, junge Leute und Familien mit kleinen Kindern identifiziert. Vor allem Besucher aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Niedersachsen und den Niederlanden werden angesprochen. Zu den Sekundärmärkten gehören Großbritannien, Frankreich, Österreich, Schweiz und Belgien. (Quelle: Internetseite der Stadt Wetter)

Reisemobile aus den Niederlanden
Reisemobile aus den Niederlanden
Die Niederländer sind schon da!
Bemerkenswert ist, dass Wetter bereits jetzt regelmäßig (und fast unbemerkt?) von Niederländern angesteuert wird. Sie machen hier Zwischenstation mit ihren Wohnmobilen. Ich habe mit ein paar der Reisemobilisten gesprochen. Sie kamen alle aus Gemeinden nahe der deutschen Grenze, zum Beispiel Arnheim und Eindhoven. Wetter bietet Berge und Industriekultur. Beides kennen Niederländer zuhause nicht.

Mehr Aktivitäten sind notwendig!
Diese lokalen Aktivitäten müssen sich in die regionalen einfügen, denn sonst verpuffen sie. Das können wir uns in Wetter nicht leisten Nur gemeinsam mit anderen sind wir stark. Viel zu viel Touristen fahren durch Wetter nur durch – mit dem Rad, dem Auto oder der Museumsbahn. Und denen, die hier bleiben, weil sie zum Beispiel ihr Reisemobil günstig für eine Nacht parken, denen müssen wir sagen, wie sie hinauf zu den Burgen kommen und wo sie ihre Klappräder ausfahren können. Dann bleibt auch mal einer länger.

Weitere Informationen
Die vier Übernachtungsangebote für Radtouristen in Wetter lassen sich über das Internetportal des Ruhrtalradwegs erreichen. 3 von 4 befinden sich in Wengern.

Der Marketingplan der Metropole Ruhr mit den von der Ruhr.Tourismus GmbH gestarteten Marketing-Aktivitäten ist als PDF-Dokumente hier erhältlich.

Bettensteuer ade – Und Zweitwohnungssteuer?

Hotelzimmertagesdecke von HerrSpecht / photocase.com

Das Bundes­verwaltungs­gericht hat am 11.07.2012 entschieden, „dass Gemeinden Steuern nur auf privat veran­lasste entgeltliche Über­nachtungen erheben dürfen, nicht aber auf solche, die beruflich zwingend erforder­lich sind.“ Damit ist die Betten­steuer zunächst einmal vom Tisch, wie sie in Ruhr­gebiets­städten wie Bochum erhoben wurde. Diese Diskussion lief einige Zeit um das Kultur­haupt­stadtjahr. Dabei gab es auch bemerkenswerte Entwicklungen. So hatte Essens Kämmerer die Einführung dieser Steuer auf Hotelbetten befürwortet, sein Rat aber dann abgelehnt. Anders in Duisburg und Dortmund, wo es sie auch gibt. Viele freut die für den weiter zu fördernden Tourismus in der Metropole Ruhr. Allerdings ist dieser privat veranlasst, so dass sich nicht zu früh gefreut werden, wie so mancher beim Branchenverband DEHOGA.

Hier der Auszug aus der Pressemitteilung des Bundesverwaltungsgerichts:

Die Kulturförderabgabe auf Übernachtungen ist eine örtliche Aufwandsteuer nach Art. 105 Abs. 2a GG. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und des Bundesverwaltungsgerichts erfassen Aufwandsteuern die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die darin zum Ausdruck kommt, dass die Verwendung von Einkommen für den persönlichen Lebensbedarf (Konsum) über die Befriedigung des allgemeinen Lebensbedarfs hinausgeht. Diese Voraussetzung liegt zwar vor bei entgeltlichen Übernachtungen aus privaten, insbesondere touristischen Gründen. Sie fehlt aber bei entgeltlichen Übernachtungen, die beruflich zwingend erforderlich sind. Solche Übernachtungen dienen bei einer wertenden Betrachtung nicht der Verwendung, sondern der Erzielung von Einkommen und unterliegen daher nicht der Aufwandbesteuerung.

Ist das Wohnen in einer Zweitwohnung in Bochum nicht auch regelmäßig beruflich zwingend veranlasst?

Wundern tue ich mich dann immer über die Zweitwohnungssteuer, so beispielswiese auch in Bochum neben der Bettensteuer erhoben. Dies ist zwar in Bochum erfunden worden, aber von einem Wirtschaftswissenschaftler der Ruhr-Universität für touristische Destinationen wie Überlingen am Bodensee. Die Zweitwohnungen dort dienen der Beteiligung der Eigentümer von Feriendomizilen an den kommunalen Infrastrukturkosten. Die Inhaber von Zweitwohnungen in Bochum dürften regelmäßig zum Zwecke der Arbeit, der Ausbildung oder das Studium in Bochum wohnen.

Probleme gab es bereits bei der Abgrenzung, weshalb jemand nicht den Erstwohnsitz nach Bochum verlegen kann. Da Verheiratete gesetzlich den gleichen Erstwohnsitz haben, können Sie sich nicht an mehreren Orten mit Erstwohnsitz anmelden, um die Steuer zu vermeiden. Für die doppelte Haushaltsführung von Ehepaaren musste daher ein Ausnahme definiert werden, die sich in der Bochumer Satzung zur Zweitwohnungssteuer – nachträglich eingefügt – als § 1 Abs. 2 wie folgt liest:

Die Zweitwohnungsteuer wird nicht für Wohnungen erhoben, die eine verheiratete und nicht dauernd getrennt lebende Person aus beruflichen Gründen innehat und vorwiegend nutzt, wenn deren eheliche Wohnung die Hauptwohnung ist und sich außerhalb des Gebietes der Stadt Bochum befindet.

Die Änderung war Folge einer gerichtlichen Auseinandersetzung. Wann folgt die Nächste?

Inflation des Weltkulturerbes – Bewerbung der industriellen Kulturlandschaft an der Ruhr

Weltkulturerbe der UNESCO zu sein, ist eine besondere Auszeichnung. Auch für die Entwicklung des Tourismus ist das hilfreich. Eine Aufnahme in die Liste des kulturellen Erbes der Menschheit verspricht zusätzliche Aufmerksamkeit, mehr Touristen und mehr Einnahmen. Es sind schon us-amerikanische Touristen gesichtet worden, die systematisch die Objekte der Welterbeliste bereisen und sich ihren Besuch mit einem Stempel bestätigen lassen. In der Metropole Ruhr steht mit der Zeche Zollverein ein solches Objekt. Jetzt soll die zugehörige Route der Industriekultur und damit die industriekulturellen Landschaft der Ruhr-Metropole in Gänze aufgenommen werden.

Müngstener Brücke mit Blick auf Haus Müngsten im Brückenpark an der Wupper
Diesmal nicht unter den Bewerbern als UNESCO-Weltkulturerbe: Müngstener Brücke mit Blick auf Haus Müngsten im Brückenpark an der Wupper

Die Idee ist konsequent. Zollverein ist ein Punkt in der räumlichen Struktur der der einst montanindustriell geprägt Städteregion. Allein die großen Ankerpunkte der Route der Industriekultur (RIK) beschreiben schon den Zusammenhang zwischen Punkten: Zeche, Kokerei, Halde, Hafen, Eisenbahn, Stahlwerk. Dem Weg der Kohle zu folgen, ist das Leitmotiv einer Führung durch die Zeche Zollverein. Es ist eine Metapher für einen industriekulturell orientierten Besuch des alten Ruhrgebiets.
Dass die Idee nicht ganz falsch sein kann, belegen Übernahmen des Konzeptes in Polen und der Ukraine, ja als Europäische Route der Industriekultur. Das Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010 hat der touristischen Vermarktung Jenseits der Grenzen der Region einen Schub gegeben. Diesen gilt es zu verstetigen. Dabei hilft diese Bewerbung und ggf. die Auszeichnung.

Inflation der Exklusivität
Mit der Bewerbung der Region dürfte nicht gezögert werden. Das gilt für alle, die die Auszeichnung begehren. Die Liste des Weltkulturerbes lebt von ihrer Exklusivität, die Positionen auf der Liste sind ein knappes Gut. Jeder will auf die Liste, um den oben genannten Profit zu haben. Mit jedem weiteren Objekt auf der Liste nimmt der Grenznutzen ab, ja der Nutzen für alle nimmt ab. Die Liste droht, irgendwann nicht mehr Exklusivität zu suggerieren sondern allenfalls Standard. Allein in NRW haben sich 9 Objekte neu zur Aufnahme beworben. Den Vorschlag des Landes Nordrhein-Westfalen hat eine akademisch besetzte Jury vorentschieden, die Landesregierung das Ergebnis bestätigt. (siehe auch Informationsdienst Ruhr vom 30.06.2012)

Netzwerke sind en vogue
Auch die 2012er Auswahl-Jury hat dies bemerkt. Sie empfiehlt vielen am Ende doch nicht akzeptierten Bewerbern, zum Beispiel zur Müngstener Brücke, sich als Netzwerk mit ähnlichen Objekten und nicht als Solitär zu bewerben. Dahinter steht das Kalkül, wie die Gremien der UNESCO überzeugt werden können. Ein Grund mehr sich als Kulturlandschaft zu bewerben.

Die Enttäuschten und die Neider
Kritik gibt es an dieser Bewerbung. Stefan Laurin lehnt in seinen Ruhrbaronen wie Ulrich Horn’s Post die Zukunft des Ruhrgebiets als Museum ab. Die Kritik geht aber fehl. Nicht die Bewerbung ist falsch, sondern das Fehlen anderer, weiterer Visionen für die Metropole Ruhr. Die touristische Entwicklung der Region ist nur ein kleiner Baustein, kann es auch nur sein. Wer das ablehnt, droht das Kind mit dem Bade auszuschütten. Wenn der große Baustein fehlt, dann ist doch nicht der kleine falsch.
Was dem einen zu wenig ist, ist dem anderen jedoch zu viel. Der CDU-Bundestagesabgeordnete Jürgen Hardt aus Solingen, dort wo im Bergischen Städtedreieck die Müngstener Brücke steht, erklärt enttäuscht: „… zu viel Ruhrgebiet!“ Und es folgt die Leier der CDU-Verbände in ländlich geprägten Regionen, dass eine SPD-geführte Landesregierung einseitig das Ruhrgebiet fördere. Ich wünscht es wäre so, denn oft muss ich u. a. in diesem Blog feststellen, dass das wider Erwarten oder Verlautetem nicht so ist. Wie laut müsste das Rufen eines Jürgen Hardt MdB aus dem Bergischen Land herüberschallen ins Ruhrgebiet, wenn sich die Landesregierung um einen großen Baustein bemühen würde?

Der industriekulturellen Landschaft der Metropole Ruhr sei Erfolg beschieden bei der Bewerbung als Weltkulturerbe. Die Metropole würde es helfen. Den Solingern sei geraten, einmal über den Tellerrand zu blicken. Zur Müngstener Brücke und dem mit Subventionen errichteten Brückenpark unterhalb am Wupperstrand passende Kooperationspartner finden sich nicht erst in Paris.

Ich hab den Brückenpark zuletzt im Mai besucht. Es lohnt sich.

Win-Win – Geldverteilung der Ruhr.2010-Nachfolge läuft

„Nach Golde drängt, / Am Golde hängt, / Doch alles. Ach wir Armen.“ Und so ist es auch bei der Verteilung von Geldern für die regionale Kulturarbeit im Anschluss an das Kulturhauptstadtprojektes Ruhr.2010. Der Gedanke war seinerzeit, im Rahmen eines Masterplans Kulturmetropole Ruhr Geld nach 2011 bereitzustellen, damit die Ergebnisse der „Metropolwerdung“ im Kulturbereich nicht verloren gehen. Was da vom aufwendigen Masterplan zur Umsetzung bleibt, bin ich skeptisch, aber es wird einiges in Nachfolge von Ruhr.2010 bleiben. Das wird sich deutlich von den Anschlussregelungen der Europäischen Kulturhauptstadt Weimar 1999 unterscheiden.

Zu verteilendes Geld muss erst einmal vorhanden sein.
Unter CDU-Führung waren vom RVR bereits zur Bewerbung als Kulturhauptstadt 12 Mio. € zugesagt worden, die über das Geld, das der RVR von den Kreisen und Städten jedes Jahr erhebt, eingesammelt werden sollten. Für die Jahre 2007 bis 2011 wurde daher die sogenannte Verbandsumlage auf 0,6499% angehoben, was jährlich 2,4 Mio. € bescherte. Da diese aus den Säckeln der Räte und Kreistage finanziert werden müssen, wurde von einigen Akteuren stets auf eine Rückführung ab 2012 gedrängt. So hat sich zum Beispiel der Rat der Stadt Dortmund gegen jegliche Umlageerhöhung, auch beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, ausgesprochen. Die Oberbürgermeister und Landräte müssen die Mehrausgaben für regionale zuhause vermitteln, wo Einsparungen gerade im heimischen Kulturbudget ggf. zeitgleich vertreten werden müssen.

Auch ist seit 2007 Schluss mit einer stetigen Senkung des Hebesatzes der Umlage an den RVR zugunsten der Kommunen, um den jährlichen Zahlbetrag konstant zu halten. Diese Grafik aufgrund älterer Haushaltspläne des RVR zeigt die Differenz einer Entwicklung von 1990 bis 2007, wo dann der Sprung für die 2,4 Mio. € kommt. Seit 1990 hatte es mehrfach Absenkungen gegeben. Mit der Kulturhauptstadt wurde hier wieder aufgeschlossen. Es geht im diesen Differenzbetrag.

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Wie bewegt man die Kommunen an der Ruhr dazu, Geld aus leeren Säcken zu geben?
Man legt was drauf. Auch daher hat sich das Projekt Kulturhauptstadt gelohnt. Das gehörte mit zu den Zielen. Unter anderem das Land NRW hat kofinanziert. Und die Zusage steht: Im Landeshaushalt 2011 befinden sich 2,4 Mio. € zur Förderung der Nachfolge von Ruhr.2010, was auch neue Projekte sein können. Der Erhalt der Ruhr.2010 GmbH gehört nicht dazu. Ähnlich der Mittel für Emscher Landschaftspark und Route der Industriekultur soll es eine Vereinbarung geben, die insgesamt 4,8 Mio. € für die regionale Kulturarbeit – hälftig vom Land und dem RVR, also den Kreisen und Städten an der Ruhr – bereit stellt. Ergänzen wird sich dies üblicherweise um weitere Gelder der Kommunen, die den Standort einer Einrichtung bekommen, und aus weiteren Fördertöpfen von Bund, Land und EU. Das macht die Verhandlungen noch komplexer.

Ich erläutere das mal exemplarisch an ECCE, dem europäischen Zentrum für Kreativwirtschaft am Dortmunder U (Zentrum für Kunst und Kreativität), einem Nachfolgeprojekt für Dieter Gorny (einst der von VIVA). Die Einrichtung, was und wen auch immer sie berät, wird mal mindestens 0,5 Mio. € jährlich benötigen. Ein Viertel davon käme rechnerisch vom Land, ein Viertel vom RVR (darin der Umlageanteil der Stadt Dortmund). Diese 50 % sind dann von der Stadt Dortmund auf 100 % aufzustocken. Und dann sind alle in der Win-Win-Situation. Die Umlageerhöhung lässt sich rechtfertigen, gerade für Dortmund, dass das ECCE erhält. (siehe hierzu auch Ruhrbarone) Etwaige Haushaltsgenehmigungen in Nothaushaltskommunen werden die Regierungspräsidenten auf Weisung der Landesregierung nicht an diesen Posten scheitern lassen. Die Aufstockung lässt sich für Dortmund weiter rechtfertigen, da das Dortmunder U nach Fertigstellung bespielt werden muss. Nicht nur Baukosten können da deutlich überschritten werden, bei den einst kalkulierten jährlichen Unterhaltskosten wird dies auch – und zwar im Millionenbereich – erwartet. Also braucht Dortmund die regional kofinanzierte Einrichtung. Das ist allemal besser als ein Leerstand und entgangen Fördermittel, hinter denen am Ende nicht übertragbaren EU-Gelder stehen.

Das Gezocke ums Geld läuft zwischen den überwiegend der SPD zugehörigen Oberbürgermeistern und Landräten unter Beteiligung der RVR-Verwaltung und dem Landeskultutministerium ab. Parlamentarische Gremien sind an den komplexen Verhandungsprozessen nicht beteiligt. Das relativiert die Rolle kommunaler, regionaler und landesweit tätiger Kulturpolitiker. Die fehlende Beteiligung der Grünen erklärt auch das Gejammer der freien Kulturszene, die den Grünen nahe steht. Von der Forderung nach einem Kulturfonds Ruhr ist nichts geblieben, es gibt gerade noch das (ungeliebte?) Zückerchen ECCE. Aber die Parlamente, Räte, Kreistage und Verbandsversammlung des RVR, werden angeichts Zeitdruck und Komplexität in den nächsten Wochen nur noch Nicken können. Das nennt sich Budgetrecht.

Was neben ECCE noch erwartet werden kann?

  • Kofinanzierung der trienalen Fortsetzung von EmscherKunst, wobei zusätzliches Geld von der EmscherGenossenschaft und aus weiteren Förderprogrammen benötigt wird.
  • Geld für koordinierende Tätigkeiten (z. B. Theaterprogramme, allgemeines Marketing und Ruhr-Dachmarke, ggf. Fortsetzung Extraschicht), die die Ruhr Tourismus GmbH (Tochtergesellschaft des RVR) übernehmen soll.
  • Deutliche Aufstockung des Budgets der Kultur Ruhr GmbH, einer von RVR und Land NRW finanzierten Gesellschaft, für die Ruhrtriennale. Hier kommt sogar eine Realisierung eines Teils des Masterplans Kultur in Frage, z. B. durch neue Arbeitsbereiche.
  • Geld für das Kulturreferat des Regionalverbands Ruhr, vielleicht sogar für ein neues regionale Projekt.

Was nicht erwartet werden kann?
Eine regionale Trägerschaft von (bestehenden) Einrichtungen, Geld für die sogenannte freie Szene, eine Fortführung der Ruhr.2010 und Geld für ein neues „Dekadenprojekt“ der Metropole Ruhr, z. B. im Bereich Umwelt oder Klimaschutz.

Ich hoffe auf mehr, offizielle und definitive Informationen in der nächsten Woche, zum Beispiel ’ne Pressemitteilung der Landesregierung, des RVR oder so.

Eisenbahnmuseum Dahlhausen wächst. Eisenbahntourismus wächst.

Das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen soll eine Stiftung werden (siehe Vorlage Stadt Bochum Nr. 20101786). Die Rechtsform dessen, was dort zu sehen ist, ist zunächst egal, aber dieser zunächst rechtliche Schritt steht am Anfang einer Entwicklungsperspektive. Aus dem Eisenbahnmuseum in Dahlhausen, einem Verein von Eisenbahnfreunden, soll am Horizont noch mehr ein richtiges Eienbahnmuseum werden, ein Deutsches Eisenbahnmuseum. Dafür braucht es neben einem museumspädagogischen Konzept, das die Geschichte des Transports im Allgemeinen und der Eisenbahn im Besonderen darstellen dürfte, ein paar materieller Zutaten: Ausstelllungsobjekte wie insbesondere Loks und Waggons, Grundstück(e) und Anlagen. Der Verein der Eisenbahnfreunde wird dies nicht alles leisten können, so den Kauf der Grundstücke in Bochum-Dahlhausen. Für öffentliche Investitionen muss gesichert sein, dass die Ausstellungsobjekte auch am Ausstellungsstandort bleiben.

Im Rat der Stadt Bochum, beim Regionalverband Ruhr (RVR) und sicher auch bei den Eisenbahnfreunden wird daher zurzeit über die Errichtung einer gemeinsamen Stiftung vorangetrieben. Einem alten Beschluss folgend will der RVR unter hoffentlicher Akquisition von staatlichen Fördermitteln die Grundstücke erwerben. Dies ist möglich geworden, da die Deutsche Bahn sich nun von den Grundstücken trennen will. Eine Tochtergesellschaft des RVR ist bereits Besitzerin der Ruhrtalbahnstrecke, die vom Eisenbahnmuseum bis nach Hagen führt.

Die Eisenbahnfreunde bringen die Ausstellungsobjekte in die Stiftung ein. So können sie unter dem neuen „Dach“ weiter arbeiten. Die Stadt Bochum bringt einen symbolischen Euro ein. Der RVR, zu dem die Stadt Bochum gehört. wird die Grundstücke einbringen. Am Ende soll die Stiftung die nötigen Mittel akquirieren (z.B. Städteerneuerungsprogramm), um den ausgedehnteren Museumsbetrieb zu ermöglichen und zu betreiben. Zumindest habe ich das alles so verstanden.

In einer Vorlage des RVR (Nr.  12/0176) wird neben Errichtung eines Parkplaktes und einer Gastronomie Folgendes aufgeführt:

Prioritär ist der Bau eines neuen Eingangsgebäudes im Osten des Geländes mit Information, Kasse, Garderobe, WC, Shop, Audioguides etc. geplant. Zudem sind eine Bibliothek, Vortrags- und Seminarräume, ein Aussichtspunkt, ein Prolog mit eindrücklicher Medienproduktion und eine Rundumprojektion mit ca. 20m²Projektionsfläche vorgesehen.

Dazu gab’s auch erste Pläne zu sehen.

Ausgehend von Beratungen beim RVR wird überlegt, noch ggf. weitere Aktivitäten des Regionalverbands im Bereich des Eisenbahntourismus zu bündeln. Ein regionale Vernetzung dieser Aktivitäten erscheint sinnvoll. Nicht nur ist der RVR mittelbar Eigentümer der Ruhrtalbahnstrecke, sondern hat auch Haltepunkte an weiteren Ankerpunkten der Route der Industriekultur errichtet, so auf Zeche und Kokerei Zollverein in Essen und im Landschaftspark Duisburg-Nord, einem ehemaligen Stahlwerk. Das Bild dieses Beitrags zeigt den Schienenbus zwischen den Stationen Zollverein und Kokerei Zollverein.

Die (teilweise ja schon realisierte) Vision besteht für mich in einem regelmäßigen nostalgischen Eisenbahnverkehr zwischen Ankerpunkten der Route der Industriekultur. Dies Netz soll die räumliche und geschichtliche Struktur des Raumes der Metropole Ruhr erlebbar machen. Dafür von mir: Glückauf! Und es gibt sogar schon Leute, die sowas realisieren wollen unter dem Namen RuhrTrain.

Hier ein Artikel von DerWesten: Mit Volldampf in die Zukunft…“ (Michael Weeke, 19.07.2010)

Übernachtungssteuer: Die Kurtaxe für die Kulturhauptstadt.


Am 30. Juni wird die Stadt Essen voraussichtlich die Einführug einer Übernachtungssteuer beschließen. Dem Rat liegt zur Drucksache Nr 0992/2010/2 ein entsprechender Satzungsentwurf vor. Veranlasst ist die aktuelle Einführung der neuen Steuer, die hin und wieder mal angeregt wurde, durch den akuten Finanzbedarf der Städte in der Region und einer gewissen Opportunität aufgrund des durch die FDP-Klientelpolitik gesenkten Umsatzsteuersatzes (Mehrwertsteuer) für Übernachtungen:

Bestandteil des Haushaltssicherungskonzepts zum Haushaltsplan 2010/2011 ist die Einführung einer Übernachtungssteuer.
Eine solche Steuer ist zurzeit in mehreren NRW-Städte (z. B. Bochum, Dortmund, Duisburg, Köln, Mülheim und Oberhausen) in Vorbereitung. In der Stadt Weimar wird sie als sog. Kulturförderabgabe bereits seit 2005 erhoben.)
(Drucksache Stadt Essen)

An der Essener Vorlage gefällt mir die Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag. Die geschätzten 1,1 Mio. Übernachtungen jährlich würden bei durchschnittlichen Kosten von 55 € (laut Bild.de!, schreibt die Verwaltung Stadt Essen) und einem Steuersatz von 5% zu etwas mehr als 3 Mio. € Einnahmen führen. Ausgaben für zwei Mitarbeiter und Sachkosten in Höhe von 134 T€ stünden dem gegenüber. Es lohnt sich also.

Bemerkenswert ist, dass diese Abgabe zum Ende des Kulturhauptstadtjahrs ansteht. Sie ist auch nicht zur Finanzierung von kulturellen und touristischen Aktivitäten vorgesehen, wie zum Beispiel im Rahmen eines Masterplans Kultur. Da unterscheidet sie sich auch von Kurtaxen, da davon die Kultureinrichtungen (Lesesäle, Strände, Kurhäuser, Veranstaltungen etc.) für Gäste unterhalten werden sollen. Die 5% Übernachtungssteuer würden Ruhrgebiets-weit vermutlich die Gelder für so einen Masterplan in der notwendigen Höhe aufbringen. (siehe auch: Angestaubt: Masterplan Kulturmetropole RUhr).

Ab wann genau die Steuer erhoben wird, ist aber noch unklar. Da diese kommunale Steuer bisher in Nordrhein-Westfalen noch nicht erhoben wurde, muss zunächst eine Genehmigung durch den Innenminister und den Finanzminister erfolgen. Aufgrund der Beschlüsse der Räte von Duisburg und Köln sollen Anträge bereits in den Ministerien vorliegen und auf eine baldige Entscheidung warten.


Bild: Ausschnitt aus „Hotel“ von judigrafie / photocase.de

Extraschicht. Heute letzter Tag?

Yellow von jogen | photocase.de

Heute – Samstag, den 19. Juni 2010 – findet die ExtraSchicht statt – die Nacht der Industriekultur. Für das Kulturfestival der Metropole Ruhr werden wieder 100.000 bis 150.000 Besucher erwartet. In der WAZ werden zur „größten Extraschicht aller Zeiten“ sogar 200.000 Besucher erwartet. Die Wettervorhersage für Morgen könnte einige Besucher abhalten, allerdings ist auch das Kulturhauptstadtjahr. Und Ruhr.2010 zeichnet sich gerade durch die Industriekultur aus. Die ExtraSchicht stellt damit im 10. Jahr ihrer Existenz eines der Hightlights des Kulturhauptstadtjahres dar.

Ich empfehle die Teilnahme, denn es sind Probleme am Horizont zu erkennen: Auslaufen staatlicher Förderungen und daher geringeres Budget in den Jahren nach Ruhr.2010. Geld aus regionalen/kommunalen Töpfen zu bekommen ist schwierig, gerade für Tourismus und Kultur. Ich verweise bereits auf die Probleme, im Rahmen eines Masterplans Kulturmetropole Ruhr u.a. die Nachfolge einiger Kulturhauptstadt-Projekte zu regeln. Das schreibt der Veranstalter dazu:

Ausgehend von Projekterlösen, die mit 620 T€ mehr als doppelt so hoch angesetzt wurden als in 2010 geplant, kann dennoch nur noch mit einem um 600 T€ verminderten Projektbudget geplant werden. Bei guten Witterungsbedingungen können Ticketerläse in dieser Höhe erwartet werden. Bei schlechtem Wetter läge das Risiko voll bei der RTG, die nicht in der Lage ist, über Rücklagen einen entsprechenden Verlust zu kompensieren.

Fazit: Selbst die Steigerung der Projekterlöse um 100% ist nicht ausreichend für die Durchführbarkeit einer ExtraSchicht, die ihrem erworbenen Renomee entspricht. (Bericht der Geschäftsführung der Ruhr Tourismus GmbH (RTG), Drs. Nr. 12/0119)


Daher ist die Herausforderung dieses Mal besonders groß, im Kulturhauptstadtjahr und im ggf. in letzten Jahr mit einer Extraschicht in bekannter Dimension an eben dieser teilzunehmen. Selbst, wenn mein Tagesprogramm am Samstag recht voll ist, so dass ich zur Sicherheit auf den ermäßigten Kauf einer Karte im Vorverkauf verzichtet habe.

Politik – Land und Region – steht vor der Herausforderung über Lösungen zu sprechen, falls das Festival als erhaltenswürdig gelten sollte. Das darf nicht zu spät erfolgen, sondern muss zeitnah geregelt werden. So ein Festival lässt sich nicht in wenigen Tagen aus dem Boden stampfen. Späte Entscheidungen würden auch das Ende der ExtraSchicht bedeuten. Daher gilt für dieses Jahr:

Gaudeamus igitur!


Bild: „Yellow“ von jogen | photocase.de