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Wie der Peer-To-Peer-Anleger die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise wahrnimmt

Zwar sehe ich das Phänomen, das Betriebe und Kommunen nicht mehr so einfach Kredite bekommen, dennoch ist das Zinsniveau zurzeit sehr niedrig. Das wird nicht immer so bleiben, aber ich wüsste auch nicht, weshalb sich das kurzfristig ändern sollte. Es ist viel Geld vorhanden, dass nach attraktiven Anlagen sucht. Das sorgt weiter für niedrige Zinsen und macht Plattformen für Peer-to-Peer-Kredite wie smava unattraktiv für Anleger, die an mehr als nur Zinsen interessiert sind. Die Margen für einen Zinsnachlass bei Interesse an der Förderung eines Projekts und für einen Risikorabatt sind derzeit zu gering.

Viele Zahlungsmittel
Viele Zahlungsmittel
Um das Jahr 2008 herum habe ich etwas Geld bei smava angelegt. Es handelt sich um ein System für Peer-to-Peer-Kredite. Smava ist die Plattform, die Kreditnehmer und Kreditgeber zusammenführt. Die Plattform übernimmt das Zahlungsmanagement, Schufa-Auskunft und Inkasso. In der Regel finden sich mehrere Kreditgeber mit einem Vielfachen von je 250 € zusammen, um das Projekt eines Kreditnachfragenden zu bedienen. Dabei ging es zudem um einen niedrigen Zinssatz und das Projekt an sich, das finanzierte werden sollte. Das reichte von einfacher Umschuldung bis zur energetischen Sanierung des eigenen Hauses. Es gab also neben thematischen Foren eine ganz reale soziale Komponente. Und so hatte ich den Eindruck, dass zum Beispiel Projekte mit regenerativen Energie einen günstigeren Zinssatz erzielen konnten. Der Kreditgeber konnte sich besonders für risikoarme oder ihm sinnvoll erscheinende Zwecke erscheinen. Das ist sicher auch eine Geschichte für Gutmenschen.

Ich hatte mich seinerzeit für eine Strategie entschieden, bei der ich alle Risikoklassen von A bis G abdecken wollte, mit einem Schwergewicht auf den niedrigeren Klassen, aber nicht der untersten. Das sieht wie eine Birne im Diagramm aus. Es gab einige Ausfälle, bei dessen Konsequenzen ein Ausgleichsmechanismus greift. Auch wurden einige Kreditprojekte vorzeitig zurückgezahlt. Das wundert nicht, das Umschuldung doch das Gebot bei stark fallenden Zinsen ist. So liegen auch auf Smava die Zinssätze heute deutlich niedriger. Niedrigere Zinsen für Keditnehmer und höhere für Kreditgeber sind ein Anreiz der Peer-to-Peer-Kredite und auch möglichen Mikrokredite, also kleineren Kreditbeträgen. Ich bin dann bei einer Rendite von durchschnittlich 5,77 % geendet.

Mich reizte auch der Umstand, dass ich so neben den Zinseinnahmen auch den Tilgungsanteil monatlich auf mein Bankkonto erhielt. Damals verblieb das Geld noch nicht auf einem Bankonto innerhalb der Smava-Plattform. Heute muss es extra angefordert werden. Das finde ich nicht schlimm, denn so kumulieren sich eingehende Zinszahlungen und Tilgungen, bis wieder die anzubietende Mindestkreditsumme von 250 € zusammen ist. Die würde ich jetzt gerne wieder in ein neues Kreditprojekt reinvestieren. Nur finde ich kein sinnstiftendes Kreditprojekt mehr.

Angebot an Kreditprojekten übersteigt Nachfrage

„Schneller Kredit gesucht“ und „Vorhaben verwirklichen“ lauten die Projekttitel heute. Es sieht wie bei Kredithaien aus, nur umgekehrt. Beurteilt werden können die Projekte ausschließlich am Rating des Kreditnachfragenden und gelegentlich anhand des Umstands, dass er über die Plattform bereits Kredit erhalten und erfolgreich zurückbezahlt hat. Die Historie ist einsehbar. Die Beschreibungen, wofür die Kredit genommen werden, sind im Vergleich zu vor 5 Jahren spärlich geworden. „Erweiterung meines Geschäfts“, „Modernisierung der Heizungsanlage“ oder „Zahnprojekt“ finde ich nicht mehr. Warum sollen sich Kreditsuchende auch die Mühe machen, derartige Kreditplattformen zu nutzen und dann dort auch noch solche Angaben zu machen? Kreditgeld gibt es derzeit für Konsumerkredite günstig, sofern man kreditwürdig ist. Und die Nachfrage nach Kreditnehmern ist groß.

Qualität der Kreditprojekte ist gesunken

Schaue ich auf die angebotenen Kreditprojekte, dann sind die in aller Regel bereits alle finanziert. Es ist unerheblich, wie dürftige die Angaben sind. Die verfügbare Summe für Kredite scheint die nachgefragte Summe zu übersteigen. Die Anleger sind über jede Anlage froh. Da wird sofort zugegriffen. „Ich suche einen Kredit und bitte Sie, mich zu unterstützen.“ Das genügt für 4.000 € auf 36 Monate zu 5 % bei guter Bonität. Der Zinssatz ist sicher attraktiv, aber ich habe jetzt nicht auf ein auch sonst attraktives Angebot gewartet, sondern mir das Geld auszahlen lassen.

Dem Land geht’s gut

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Am letzten Mittwoch war ich als CDU-Funktionär aus dem Bundestagswahlkreis von Prof. Dr. Norbert Lammert MdB zu seiner sogenannten Sperrmülltagung eingeladen. Das ist ein Veranstaltungsformat, das sich Dr. Lammert vor 30 Jahre ausgedacht hat. Ohne Pressebegleitung treffen sich die untereinander in der Regel bekannten CDU-Mitglieder und richten nach der Begrüßung durch den Gastgeber Fragen an diesen, die er dann beantwortet. Regelmäßig geht es dabei um Themen, die derzeit in den Medien sind – da sag ich auch manchmal leider – und gerade solche, bei denen die CDU nicht so gut wegkommt, nicht einmal an der Basis. Es geht darum, den Sperrmüll mitzubringen und – idealerweise – zu entsorgen. Das kann nicht immer klappen, wie zum Beispiel Schulpolitik nicht unbedingt das geeignetste Thema für einen Bundestagsabgeordneten ist oder der Abgeordnete selbst keine bessere Lösung für etwas kennt. Aber diese Erkenntnis hat bereits einen Wert.

Jetzt kann sich der Leser leicht ein paar Themen vorstellen, um die es letzten Mittwoch ging, unter anderem Energiewende, Griechische Schuldenkrise, Steuersenkungen, Bürgerkrieg in Libyen, Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien etc.

Ziele des gesamtwirtschaftlichen GleichgewichtsInnenpolitisch wurde von Dr. Lammert auf ein Phänomen hingewiesen, auf das ich auch anderswo bereits hingewiesen worden bin. Die wirtschaftlichen Daten für Deutschland sind im internationalen Vergleich hervorragend, ohne das die christliche- liberale Koalition oder die Kanzlerin davon in der Wählergunst zu profitieren scheint. Und gemeint sind dabei alle wirtschaftlichen Daten. Im Beitrag „NRW-Haushalt: Das magische Viereck schlägt zurück“ hatte ich bereits zu Jahresbeginn auf die gute Lage bzgl. Preisniveaustabilität, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum hingewiesen; die Beurteilung der Entwicklung des Überschusses bei Import/Export von Waren und Dienstleistunge ist zu komplex für diesem Beitrag, denn das hat nicht nur gute Seiten.

Ich habe mir letzten Mittwoch zum Anlass genommen, einmal einen Vergleich einiger Länder zusammenzutragen – große Industrienationen und auch ein paar europäische Nachbarn. Nach dem ergoogln der ersten Seite, fand ich die Seite TradingEconomics sehr hilfreich, von der die meisten Daten – aus den Monaten Juni oder Mai bzw. dem 1. Quartal 2011 – stammen:

Land Arbeitslo-
senquote
Wirtschafts-
wachstum (BIP)
Staatsanleihen
(Zinssatz)
Preisteig-
erung
Zinsen Staatsver-
schuldung / BIP
Deutschland 6,9 % +1,5 % 2,7 % 2,3 % 1,5 % 83,2 %
Frankreich 9,7 % +0,9 % 3,4 % 2,1 % 1,5 % 81,7 %
Großbritannien 7,7 % +0,5 % 3,1 % 4, 3% 0,5 % 80,0 %
Niederlande 5,1 % +0,9 % 3,2 % 2,3 % 1,0 % 63,7 %
Italien 8,1 % +0,1 % 5,6 % 2,7 % 1,0 % 119,0 %
Spanien 21,3 % +0,3 % 5,9 % 3,5 % 1,0 % 60,1 %
Polen 12,2 % +1,0 % 5,9 % 5,0 % 4,5 % 55,0 %
Schweden 7,9 % +0,8 % 2,7 % 3,1 % 2,0 % 39,8 %
EU 9,9 % +0,8 % — % 2,7 % 1,5 % — %
USA 9,2 % +1,9 % 2,9 % 3,6 % 0,3 % 93,2 %
Kanada 7,4 % +1,0 % 2,9 % 3,7 % 1,0 % 84,0 %
Japan 4,5 % -0,9 % 1,1 % 0,3 % 0,0 % 220,3 %

Die Auswahl der Länder folgt jetzt keinem vordefinierten, wissenschaftlichen Kriterium, aber ist dennoch nicht in dem Sinne willkürlich, als dass sie keinen Vergleich erlaubt, um die Position Deutschlands einzuschätzen. Mit Indien, Luxemburg und Brasilien in der Auswahl hätte das anders ausgesehen. Gleiches gilt für die ausgewählten Kennzahlen.
In der Tabelle zeigt sich, dass Deutschaland sich stets zwischen den oberen und unteren Extremen bewegt, wenn man so will im Intervall. Aber in diesem Intervall ist Deutschland stets deutlich in Richtung des als positiv bewerteten Wertes positioniert. Insbesondere finden sich die deutschen Werte stets oberhalb der europäischen (EU). Es treffen auch keine Extreme zusammen, wie zum Beispiel in Japan die Staatsverschuldung mit Inflationsrate und Arbeitslosigkeit.

Fazit: Deutschland geht’s gut. Und zurückkehrend an den politischen Abend mit Dr. Lammert stellt sich die Frage, wieso sich das nicht günstig für die Bundesregierung auswirkt. Der Erfolg wird nicht allein auf sie zurückzuführen sein, aber eben auch. Offenbar ist nicht alles falsch gemacht worden, so dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ihre Halbzeitbilanz zurecht wie folgt betitelt:

Dem Land geht es gut.

Thoben: Das Ruhrgebiet kann Neues!

Christa Thoben in Herne
v.r.n.l.: Christa Thoben, Lutz Schewe (verdeckt), Dirk Schmidt

Am Donnerstagabend hatte ich der Haranni-Clinic in Herne das Vergüngen, auf einer Veranstaltung der Mittelstandsvereinigung Herne der Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie zuzuhören. Es ist wirklich beeindrucken, mit welcher Leichtigkeit Frau Thoben Probleme und Herausforderungen unserer Region Ruhr darstellt. Und die Erfolgsbilanz dieser Landesregierung ist ja auch nicht schlecht. Der Umstand, dass 250.000 Menschen mehr Arbeit haben als bei Regierungsantritt 2005 und das trotz Wirtschaftskrise, ist schon ein beeindruckendes Politikergebnis. In der Rede und der anschließenden Diskussion kamen auch öfter die Themen Migration, Integration und Wirrtschaft auf.

Nun, ich will hier nicht alles wiederholen. Überraschenderweise habe ich vorne sitzende mehr als 90 Gäste gezählt, die WAZ berichtet im passend betitelten Artikel „Das Ruhrgebiet kann Neues“ (27.03.2010) von 50. Es war ein toller Abend.